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Johann Carl Fuhlrott

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Johann Carl Fuhlrott
Erinnerungstafel von 1926 an die Entdeckung Fuhlrotts am Rabenstein im Neandertal

Johann Carl Fuhlrott (* 31. Dezember 1803 in Leinefelde; † 17. Oktober 1877 in Elberfeld (heute zu Wuppertal)) war ein deutscher Naturforscher. Er war Sohn des Gastwirts Johannes Philipp Fuhlrott und dessen Gattin Maria Magdalena, geb. Nußbaum, die beide schon starben als er zehn Jahre alt war. Er wurde dann von seinem Onkel, dem kath. Priester Carl Bernhard Fuhlrott (+ 1839)in Seulingen aufgebracht. In 1835 heiratete er Josepha Amalia Kellner (1812-50), mit der er sechs Kinder hatte. Er erkannte 1856 in den im Neandertal bei Düsseldorf gefundenen Skelettresten einen fossilen Menschen. Später bewiesen Funde des gleichen Typs, dass er Recht hatte; so entstand der Name Neandertaler für diesen Menschentyp; Fuhlrott gilt damit als Pionier der Paläoanthropologie, des Fachs, das in Tübingen sein Hauptforschungsgebiet war.

Denkmal in Leinefelde

Fuhlrott hatte die besonderen Merkmale der ihm von einem Steinbruchbesitzer übergebenen Knochen (Knochenwülste über den Augen, ungewöhnlich dicke Grate und Leisten als Ansatzpunkte überaus kräftiger Muskeln) auf Anhieb einem Individuum „aus der vorhistorischen Zeit“ zugeschrieben, zwei Jahre vor Darwins bedeutender Schrift Über die Entstehung der Arten. Als er seine Deutung 1857 auf einer Versammlung von Naturforschern zur Diskussion stellte, wurde er von den Gelehrten nicht ernst genommen, mehr noch: Deren Reaktion empfand Fuhlrott als extrem entmutigend. Seinen ersten schriftlichen Bericht versah er mit dem resignierten Schluss, dass er „auf jeden Versuch einer Propaganda für meine Überzeugung gern verzichte“.

Fuhlrott studierte ab 1824 zunächst Theologie, dann Naturwissenschaften an der Universität Bonn. Schwerpunkte seines Studiums waren Paläontologie und Zoologie (bei Georg August Goldfuß), Mineralogie (bei Johann Jacob Nöggerath) und Botanik (bei Christian Gottfried Nees von Esenbeck). Fuhlrott schloss sein Studium mit dem Staatsexamen an der Universität Münster ab. 1835 wurde er an der Universität Tübingen zum Dr. phil. promoviert.

Nach Anstellungen als Lehrer am Gymnasium in Heiligenstadt und ab 1830 an der Realschule in Elberfeld wurde er 1835 Professor für Naturgeschichte an der Universität Tübingen.

Zu seinen Hauptwerken zählt Der fossile Mensch aus dem Neandertal … (1865).

Das Fuhlrott-Museum, ein naturkundliches Museum in Wuppertal, wurde nach dem Forscher benannt. Schulen in Wuppertal, Leinefelde und Erkrath, dem Fundort des Neandertalers tragen seinen Namen. In seiner Geburtsstadt Leinefelde wurde zu Ehren Fuhlrotts ein Denkmal in der nach ihm benannten Straße errichtet.