Trashfilm
Trash ist kein auf den Film begrenztes Genre, sondern ein Sammelbegriff für Abseitiges aus allen Bereichen der wort- und bildgebenden Medien. Neben dem Film werden auch in der Literatur, im Journalismus, in der Musik, im Netz und sonst wo Produktionen mit geringer Qualität als Trash bezeichnet.
Der Begriff ist ein Anglizismus, die wörtliche Übersetzung lautet Müll, figurativ Unsinn. Trash muss zumindest im Film in zwei diametral entgegen gesetzte Gattungen unterschieden werden: Zum einen die unfreiwillig schlechte Produktion, die im sicheren, naiven Glauben an die eigene Stärke das Umfeld zum Lachen bringt. Und zum anderen das freiwillig trashige, das gewisse Merkmale schlechter Produktionen als Stilmittel kultiviert, um so humorig zu wirken.
Trashfilm in seiner kultivierten Form
Eine wichtige Säule des Trash-Films in seiner kultivierten Form ist der bewusste Einsatz schlechter Stilelemente, um sich deren komischer Momente zu bedienen. Diese entstehen beim Sehen misslungener Szenen und beruhen auf einer Art natürlicher „Schadenfreude“. Beispiele schlechter Stilelemente sind eine verwackelte Kamera, schlechter Ton, miese Kostüme, unpassende Drehorte, ungenügende Requisiten usw. Dem Fan des Trashfilms ist dabei auf einer Meta-Ebene aber sehr wohl bewusst, dass die Schlechtigkeit intendiert wurde und nicht allein durch Nichtkönnen entstanden ist.
Eine zweite wichtige Säule des kultivierten Trashfilms ist die Abgrenzung gegen die Kommerzialisierung und technische Perfektion der Hochglanz-Produktionen, die mit enormem Aufwand in den meisten Fällen triviale Geschichten erzählen. Trashfilme bieten damit eine ideale Plattform für alle Formen der Parodie.
Eine dritte Säule ist die Subversivität. Das bewusste Übergehen von gesellschaftlichen und filmischen Regeln in Trashfilmen ist eine wirkungsvolle Form des Protests. Nicht selten werden daher Trashelemente zum Transport von Gesellschaftskritik genutzt.
Die Formensprache des Trashfilms lässt sich dabei auf alle Genres des herkömmlichen Films anwenden. Insofern ist eine mannigfache Zahl an Untergenres des Trashfilms zu verzeichnen. Beliebte Untergenres sind Monsterfilme, Splatterfilme, Historienfilme oder Werbeclips. Denkbar sind aber auch Realisierungen im Umfeld von Sportberichterstattungen, Politiksendungen oder Begräbnisfernsehen.
Unfreiwillige Trashfilme
Das sind Filme, die unfreiwillig schlechte Machwerke darstellen. Charakteristisch ist der sichere, naive Glauben der Filmemacher und Vertreiber an die Qualität des Produkts. Ein wesentlicher Faktor, der neben einem offensichtlichen filmischen Defizit (z.B. dümmliche Plots, lächerliche Darsteller) zur Belustigung des Zuschauers beiträgt. Häufig werden die Filme nur von bestimmten Zuschauergruppen als besonders schlecht eingestuft; hier spielt Niedrigschätzung gegenüber bestimmten Verhaltensweisen oder auch gesellschaftlichen Gruppen eine zusätzliche Rolle. Da das Werk anderer von vielen Standpunkten aus als schlecht oder als „Müll“ wahrgenommen wird, kann man Trash in vielen Untergenre finden.
Meist sind die Produktionen, besonders im Exploitationkino, durch und durch kommerzialisierte Filme mit geringem Budget, die streng auf spezielle Märkte zugeschnitten sind. Actionfilme, Science-Fiction, Erotikstreifen oder Splatter sind die üblichen Genre, weil das mit geringsten Aufwand die schnellste Kasse verspricht. Manchmal betrifft es aber auch A-Movies, also sehr kostenintensive, offenbar gut produzierte Projekte mit eklatanten Fehlleistungen.
Mittlerweile besteht eine breite Fangemeinde, die sich in regen Internetforen über unfreiwillig schlechte Produktionen austauscht und Kult betreibt.
Geschichte
Als ein früher Pionier des Trashfilms gilt allgemein der amerikanische Regisseur Ed Wood, der in den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts unter anderem aufgrund seiner schlechten Filme postum in dem Buch Golden Turkey Award als „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ gewählt wurde. Allerdings handelt es sich bei Ed Wood um einen typischen Vertreter unfreiwillig schlechter Produktionen, der sein Leben lang von der Qualität seiner Werke überzeugt war. Weitere Beispiele für unfreiwillig schlechte Produktionen sind James Camerons Piranha 2 oder aus der jüngsten Vergangenheit Ulli Lommels Daniel Küblböck – der Zauberer. Mittlerweile sind auch trashige Musikvideos zu verzeichnen, manchmal bringen sie erst den Durchbruch in den Musik-Charts (z.B. Grup Tekkan – Wo Bist du, mein Sonnenlicht?).
Auch kommerzielle Filme bedienen sich mitunter Stilmitteln des Trashfilms. In den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden zum Beispiel in der deutschen TV-Serie Raumschiff Orion bewusst offensichtliche Alltagsgegenstände wie Bügeleisen und Bad-Armaturen als Raumschiff-Requisiten eingesetzt. In den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts verwendete die englische Komikertruppe Monty Python Trashelemente in ihren Filmen, die ihren schrägen Humor verstärkten, in den USA galt Bill Rebane mit seinen Horrorfilmen wie Rückkehr der Riesenspinnen als Meister des Trashfilms. In Deutschland konnte Helge Schneider in den Achtziger Jahren mit seinen als Trashfilm erscheinenden Produktionen große Kassenschlager landen (Johnny Flash (1986), Texas (1993)).
Ende der Sechziger Jahre verwendeten zuerst amerikanische B-Filmautoren Trashelemente, um gesellschaftskritische Botschaften zu vermitteln. Die Nacht der lebenden Toten von Romero (1968) war ein Gleichnis auf den Vietnamkrieg und im Underground sehr erfolgreich. Pink Flamingo von John Waters (1972) setzte sich ironisch über praktisch alle damals geltenden Konventionen des guten Geschmacks hinweg, auch mit dem von Waters formulierten Ziel, Abweichlern und Ausgestoßenen vermehrt Gesellschaftsfähigkeit zu verleihen. Christoph Schlingensief ist mit seinen Filmen Das deutsche Kettensägen-Massaker (1990) und United Trash – Die Spalte (1996) vielbeachtete Trashproduktionen gelungen, die in frecher und geschmackloser Weise zu deren Zeit wichtige politische Themen treffend parodierten und damit seine Rolle als einzigen ernstzunehmenden Politprovokateur der deutschen Film- und Theaterwelt begründete.
Merkmale
Der Trashfilm als unfreiwillig schlechte Produktion beruht im Wesentlichen auf drei Voraussetzungen:
- Fehlende finanzielle Mittel.
- Fehlendes Talent.
- Die Intention der Schaffenden, einen „guten“ Film zu machen.
Letzteres ist jedoch keine absolute Notwendigkeit; häufig entstehen Trashfilme dadurch, dass die Qualität ihres Werks den Verantwortlichen schlichtweg gleichgültig ist. Diese Haltung lässt sich beispielsweise bei zahlreichen Direct-to-Video-Produktionen erkennen.
Beim Trashfilm in seiner kultivierten Form wird aus dieser Not eine Tugend gemacht:
- Das Fehlen von finanziellen Mitteln wird zum Prinzip erhoben.
- Das Fehlen von Talent wird großzügig ignoriert.
- Die Intention der Schaffenden, Trash zu produzieren.
Damit erreicht der Trashfilm durch den minimalen Einsatz von Kapital und Produktionsmitteln ein Kosten-Nutzen-Verhältnis, das weit über dem von kommerziellen Filmen liegt. Als Prinzip des Trashfilms gilt dabei:
No-Cost Production is better than Low-Cost Production.
Aufgrund dieser kategorischen Kostenreduktion wird eine radikale Demokratisierung der Filmproduktion erreicht. Jeder kann einen Trashfilm drehen. Durch seine Schäbigkeit lässt sich der Trashfilm in keiner Weise politisch instrumentalisieren und entzieht sich jeglicher Deutungshoheit. Der Trashfilm verfolgt damit ein ähnliches Anliegen wie der Independentfilm. Allerdings sind seine Voraussetzungen besser, nicht vereinnahmt zu werden.
Beim Trashfilm sind Fehler Programm, er stellt damit einen Kontrapunkt zum ständig steigenden Anspruch an Professionalität und Perfektion der modernen Gesellschaft und den damit verbundenen Zwängen dar. Damit ist er einerseits eine Ausdrucksform des Protests. Andererseits hat er für viele Fans ein ausgleichendes Element.
Populäre Trashfilme
- Plan 9 from Outer Space (Science Fiction, 1956)
- Angriff der Killertomaten (Horror, 1978)
- Ator – Herr des Feuers (Barbarenfilm, 1982)
- Dünyayı Kurtaran Adam (Science Fiction, 1982)
- The Toxic Avenger (Superheldenfilm, 1985)
- Bad Taste (Science Fiction, 1987)
- Walter Bockmayers Geierwally (Komödie, 1987)
- Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (Western, 1993)
- Freax heilt (Splatter, 1996)
- Operation Dance Sensation (Patriotischer Actionfilm, 2003)
- Deadly Nam (Vietnamkriegsfilmhommage, 2006)
Wichtige Regisseure und Produzenten
Zu erwähnen ist Lloyd Kaufman, der zusammen mit Michael Herz 1985 Troma ins Leben rief und auch immer wieder in Filmen auftaucht (zuletzt bei „Slither – Voll auf den Schleim gegangen“). Als weiterer Trashregiesseur wird des Öfteren Roger Corman genannt, der vor allem in den 1960er/1970er Jahren eine Menge kostengünstiger Filme produziert hatte und teilweise selbst Regie führte. Er hat über die Jahre aber auch einige gehaltvollere Filme gedreht.
Weitere 'Trash'-Regisseure:
Wichtige Schauspieler
Als herausragende Schauspieler der Trashfilmszene sind hier zu nennen:
- Bela Lugosi
- Peter Graves
- Miles O'Keeffe
- Helge Schneider
- Jens Lohrmann
- Klaus Hudecek
- Manuel Francescon und Bernhard Lenz (besser bekannt als die FREAX)
- Thilo Gosejohann und Simon Gosejohann (meist unter dem Namen "Neverhorst Company"
Wichtige Festivals und Preise
Alljährlich werden auch wichtige Trashfilmpreise verliehen:
- Golden Turkey Award
- Goldene Himbeere
- Bockinale (das goldene Böckchen)
- Freax Trash Crash
- Die endgültige Müllseite