Zum Inhalt springen

L’Année philologique

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. September 2007 um 12:30 Uhr durch Jonathan Groß (Diskussion | Beiträge) (Sortierung, um die Sache zu unterstreichen). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Die Année philologique (kurz APh), auch Marouzeau nach ihrem Begründer, dem Latinisten Jules Marouzeau, ist die wichtigste und umfassendste Bibliografie auf dem Gebiet der klassischen Altertumswissenschaften.

Die Année philologique wurde 1924 ins Leben gerufen und erschien 1928 in einem ersten Band, der die Jahre 1924 bis 1926 beinhaltete. In der Bibliografie werden selbstständige und unselbstständige Schriften erfasst, die die Geschichte und Kultur des Mittelmeerraumes von der Frühzeit bis etwa zum Jahr 800 behandelt. Zentrales Thema sind die Griechische Antike und das Römische Reich. Derzeit werden jährlich etwa 12.500 neue Einträge verzeichnet. Dazu werden 1.500 Zeitschriften sowie Sammelbände (etwa Sitzungsberichte, Kolloquienbände, Festschriften) ausgewertet. Zu jedem Artikel wird ein Abstrakt geboten. Zu Monografien werden Rezensionsangaben angegeben. Der Marouzeau wertet auch kleine und nur wenig verbreitete Zeitschriften aus und ist somit ein wichtiges Hilfsmittel beim Erschließen der altertumswissenschaftlichen Literatur. Nachdem 1995 eine Datenbank auf CD-ROM mit dem Inhalt der Jahrgänge 1976 bis 1987 veröffentlicht wurde (Database of Classical Bibliography), gibt es seit Ende der 1990er Jahre die kostenpflichtige Möglichkeit des Zugriffs auf die Datenbank über das Internet. Derzeit ist der Datenbestand von 1949 bis 2005 verfügbar, der aus 600.000 Einträge besteht.

Der Aufbau der Année philologique ist zweigeteilt. Der erste Teil besteht aus dem Themenbereich Antike Autoren und Texte, der zweite Teil aus Themen und Disziplinen. Erschlossen werden die Bände durch thematische Indices für antike Namen, moderne Namen und Autoren. Seit Band 42 (1971) wird auch ein geografischer Index geboten, der kurzzeitig (Bände 57 und 58, 1986 und 1987) aufgegeben wurde.[1] Wichtig und in der Forschung mittlerweile nahezu allgemein anerkannt ist das der APh vorangestellte Abkürzungsverzeichnis der ausgewerteten Zeitschriften. Problematisch am Marouzeau ist der mittlerweile mehrere Jahre betragende liegende Berichtsverzug. Durch die große Menge der Publikationen, die immer weiter wächst, schaffen es die Herausgeber nicht mehr, den lange zwei Jahre betragenden Zeitraum zwischen dem Erscheinen der Bände und deren Berichtszeiräumen aufrecht zu erhalten. Deshalb hat sich in der Forschung eingebürgert, diesen Zeitraum mit den vierteljährlich erscheinenden, sehr aktuellen, bibliografischen Angaben in der Zeitschrift Gonmon zu überbrücken. Allerdings wertet Gnomon Zeitschriften nicht in der großen Menge aus und gibt auch keine weitergehenden Informationen an.

Nachdem im ersten Band ein Zeitraum von zwei Jahren erfasst wurde, verzeichnen alle folgenden Bände die Literatur eines Kalenderjahres. Nach Marouzeaus Tod im Jahr 1964 wurde seine langjährige Mitarbeiterin Juliette Ernst Herausgeberin. Sie gründete 1965 an der University of North Carolina in Chapel Hill eine erste Zweigstelle zur Auswertung,[2] 1972 eine zweite in Heidelberg. 1977 wurde ein drittes Büro in Lausanne eröffnet, weitere folgten 1996 in Genua und 1999 in Granada. Herausgebende Körperschaft ist die Société Internationale de Bibliographie Classique. Sie wird von den Institutionen Centre National de la Recherche Scientifique in Frankreich, der University of Cincinnati, des National Endowment for the Humanities in den USA, der American Philological Association, der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Académie suisse des sciences humaines, der Fakultät für Literatur und Philosophie der Université de Gênes, dem Centro di Servizi Bibliotecari di Lettere e Filosofia, dem Consiglio Nazionale delle Ricerche in Rom, der Université de Grenade, der Fédération internationale des associations d'études classiques und UNESCO herausgegeben. Derzeitiger Herausgeber und Nachfolger Ernsts ist Éric Rebillard, Leiter der französichen Zweigstelle Pierre-Paul Corsetti. Leiter der Zweigstelle Cincinnati ist Lisa D. Carson, der Zweigstelle Heidelberg Ernst A. Schmidt, in Genua Franco Montanari, in Granada Pedro Pablo Fuentes González.

Die Zeiträume vor dem Erscheinen des ersten Bandes werden in anderen Bibliografien erfasst:

  • bis etwa 1700 in Johann Albert Fabricius: Bibliotheca graeca, Bibliotheca latina und Bibliotheca latina mediae et infimae aetatis
  • 1700 bis 1878 in Wilhelm Engelmann: Bibliotheca scriptorum classicorum
  • 1878 bis 1896 in Rudolf Klussmann: Bibliotheca scriptorum classicorum et Graecorum et Latinorum
  • 1896 bis 1914 in Scarlat Lambrino: Bibliographie de l'antiquité classique 1986 – 1914 (nur Band 1: Auteurs et textes erschienen)
  • 1914 bis 1924 in Jules Marouzeau: Dix années bibliographie classique

Anmerkungen

  1. Eine kritische Sicht der Inhaltserschließung in der APh: Jeanine Williamson: Inferring about classics retrieval from a disciplinary bibliography. Analyzing the paper-medium form of L'Annee philologique. In: ASIS ‘95. Proceedings of the 58th ASIS Annual Meeting Chicago, Illinois, October 9–12, 1995. Information Today, Medford, New Jersey 1995, S. 45–48.
  2. Beschreibung der Arbeitsweise dieser Zweigstelle Anfang der 1990er Jahre.