Stadtkirche Bremgarten

Die Stadtkirche St. Nikolaus von Bremgarten im Kanton Aargau in der Schweiz ist eine römisch-katholische Kirche. Sie steht in der Unterstadt im Kirchenbezirk und ist ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt Bremgarten. Die Kirche steht heute unter Denkmalschutz. Zuerst war sie der Maria Magdalena geweiht, ein Seitenschiff Nikolaus von Myra. Heutiger Schutzpatron der Kirche ist Nikolaus von Myra, während ein Seitenschiff dem Katakombenheiligen Synesius geweiht ist.
Geschichte

Nachdem Herzog Friedrich IV. 1415 das Kelleramt durch Eroberung an die Stadt Zürich verloren hatte, schenkte seine Ehefrau, Fürstin Anna von Braunschweig, die Kirche am 2. Juli 1420 dem damaligen Bremgartner Spital. Dies mit der Verpflichtung, ihr bei einer jährlichen Messe zu gedenken, was auch heute noch geschieht.
1519 untersagte der damalige Pfarrer Heinrich Bullinger (der Vater des Reformators Heinrich Bullinger) dem päpstlichen Ablassprediger Bernhardin Sanson das Predigen und setzte so das erste Zeichen für die Reformation. In den Jahren darauf kam es in Bremgarten wegen der Auseinandersetzung um die Reformation beinahe zu einem Bürgerkrieg. 1529 setzte Bremgarten den Sohn und Reformator Heinrich Bullinger als Pfarrer ein, der zwei Jahre lang tätig blieb. Durch die politischen Umwälzungen des zweiten Kappelerkrieges kehrte Bremgarten wieder zum katholischen Glauben zurück und wählte als neuen Kirchenpatron Nikolaus von Myra.
Baugeschichte
Die jetzige Kirche wurde auf dem Ort einer frühren, kleineren Kirche aus dem 11. Jahrhundert gebaut, die 1343 abgebrannt war. Kurz nach diesem Brand wurden die ersten Bauarbeiten an der heutigen Kirche vorgenommen. Zuerst entstand der Turm, die restlichen Teile folgten erst später. Das Schiff wurde auf dem Grundriss der alten Kirche errichtet. Der östlich gelegende Chor überragt die frühere Kirche. Von 1400 bis 1420 wurde auf der Nordseite je eine Kapelle gebaut. 1450 wurden diese Kapellen als Seitenschiff (Synesiusschiff) in die Stadtkirche integriert. 1532 baute man eine Sakristei an, die man 1575 aufstockte. 1742 und 1243 wurde dem Turm eine Glockenstube und ein neues Spitzdach aufgesetzt. Das Spätrenaissance-Portal an der Südwand wurde 1617 errichtet. Das Hauptportal stammt aus dem Jahr 1804.
Kirchenbrand

Die Kirche brannte am Nachmittag des 28. März 1984 bei Renovationsarbeiten nieder. Die Arbeiter behandelten die Balken im Chor mit Arbezol, welches brandgefährliche Dämpfe emittiert. Kurz nach dem Einspritzen des Gebälks trennte ein Arbeiter um ca. 14 Uhr mit einer Trennscheibe eine Schraube ab, die noch aus dem Gebälk hervorstand. Der Funkenflug entzündete die Arbezoldämpfe schlagartig und im Chor es kam zu einer Explosion. Verletzt wurde niemand.[1]
In den darauf folgenden Stunden breitete sich das Feuer vom Chor über den Dachstuhl bis zum Hauptportal aus. Da die Türe zum Turm offen stand, konnte das Feuer auch dort vordringen und setzte den ganzen Turm in Brand. Bis auf eine Glocke sind alle geschmolzen. Die Glocke, die den Brand schwer beschädigt überstand, steht nun ausserhalb der Kirche als Branddenkmal. Die Sakristei blieb vom Feuer verschont, da die Türe vom Chor zur Sakristei verschlossen war.
Wegen Einsturzgefahr des Kirchenturms und des Baugerüstes wurde das Areal rund um die Kirche evakuiert. Der Turm fiel in sich zusammen, während Kirchendach, Orgel und Orgelempore sowie der Überbau der Altäre den Flammen zum Opfer fielen. Es wurden keine umliegenden Gebäude beschädigt. Da die Pläne vor Renovationsbeginn exakt aufgenommen worden waren, konnte die Kirche dank Spenden und Beiträgen des Lotteriefonds beinahe originalgetreu aufgebaut werden. Am 6. Dezember 1987 erfolgte die Einweihung der renovierte Kirche.
Gebäude
Fresken

Bei Renovationsarbeiten wurden Mitte 1983 Fresken des Künstlers Paul Widerkehr aus dem Jahre 1630 freigelegt. Seine Arbeit war 1780 bei der Barockisierung der Kirche übermalt worden. Durch den Kirchenbrand von 1984 wurden die Fresken im Chor aber völlig zerstört. Unter den Widerkehr-Fresken kamen aber durch den Brand Freskenfragmente der spätgotischen Zeit um 1500 hervor. Diese wurden, so weit sie noch erhalten waren, freigelegt und zieren heute den Chor. Sie stellen die zwölf Apostel übergross und klassisch gekleidet dar, welche in den Händen ihre typischen Kennzeichen (z.B. Schlüssel für Petrus) halten und ein Schriftband mit einem Credo-Satz. Die Apostel stehen in Arkaden. Der Chorbogen zeigt die Szene von der Verkündigung durch den Engel Gabriel, wobei nur die Figur der Maria und des Engels von den Restaurateuren freigelegt werden konnte. Die Kulisse wurde neu dazu gemalt.
Die Widerkehr-Fresken im Kirchenschiff wurden ebenfalls durch den Brand angegriffen, aber nicht restlich zerstört. Sie konnten restauriert werden und zeigen im Rahmen der Fenster einen Zyklus mit Jesus und seinen Aposteln. Bei den Arkaden in der Mitte der Kirche sind Passionsengel Kreuzigungswerkzeugen in den Händen gemalt. Fensterfront wie Arkaden zum Synesiusschiff haben zusätzlich Scheinarchitektur-Abbildungen, welche die Kirche grösser und geräumiger erscheinen lassen sollen. Die Stirnwand des Synesius-Schiffes trägt eine Abbildung des Jüngsten Gerichts.
Altäre

Der Hochaltar im Chor stammt aus dem Jahr 1597. Der Altar hat zwei Statuen des Kirchenpatrons St. Nikolaus und der früheren Patronin Maria Magdalena. Das Altarbild zeigt Marias Himmelfahrt und stammt vom Künstler Franz Karl Stauder. Nach dem Chorbogen stehen vier Rekonstruktionen der Seitenaltäre des Künstlers Lorenz Schmid, die dem Michael, der Maria, dem Joseph und der Agatha geweiht sind. Die ursprünglichen Altäre wurden 1779 und 1780 gefertigt, sind aber während des Kirchenbrandes im Jahre 1984 zerstört worden. Das Synesiusschiff hat drei Altäre, die dem Synesius (mittlerer Altar), dem Sebastian und den Heiligen Drei Königen geweiht sind. Auf dem Synesiusaltar steht eine von einen älteren Atlar übernommene Synesius-Statue des Bildhauers Gregor Allhelg. Der mittlere Altar enthält einen tabernakelförmigen Schrein für die Aufnahme der Gebeine des Synesius. Diese befinden sich aber nicht regelmässig dort, sondern werden das Jahr über in einem einbruchgeschützen Raum im Pfarrhaus aufbewahrt.
Kanzel

Die Kanzel ist hölzern, sechseitig und geschnitzt. Die Schnitzereien zeigen korinthische Säulen und Statuen von Jesus Christus und den Evangelisten. Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1630 und wird dem Übergang von der Spätrenaissance zum Barock zugerechnet.
Orgel
Die Orgel stammt wurde von Firma Metzler in Dietikon hergestellt, nachdem die vorhergehende Orgel samt Empore dem Kirchenbrand im Jahr 1984 zum Opfer gefallen ist.
Kirchenbezirk
Die Stadtkirche bildet den Mittelpunkt des Kirchenbezirks in der Bremgarter Unterstadt. Dieser umfasst St. Annakapelle, Muttergotteskapelle und St. Klarakapelle sowie Pfarrhaus, Pfarreihelferhaus, Organistenhaus, Ehrenkaplanei, Kaplanei St. Anna, Sigristenhaus und ein Pfrundhaus. Die Kirche ist umgeben von Wiesen, die einst ein grosser Friedhof waren. Seit den 1980er Jahren hat es wieder einzelne Gräber von Geistlichen.
St. Annakapelle

Die St. Annakapelle wurde wahrscheinlich 1487 gebaut (die Jahreszahl ist umstritten). Sie hatte ursprünglich zwei Geschosse; über eine Aussentreppe konnte man ins zweite Geschoss gelangen. Südlich war ein Beinhaus an die Kapelle gebaut. 1645 fanden einige Umbauarbeiten statt. So wurde der Zwsichenboden entfernt, das Beinhaus abgebaut und ein Chor angebaut.
In der Kapelle steht ein Altar mit einer Erscheinung aus schwarzem Marmor. Es wird vermutet, dass er von Gregor Allhelg geschaffen wurde. Auf ihm stehen Statuen des heiligen Melchior und der heiligen Verena. Die Melchiorstatue stammt aus dem Jahr 1655, die Verenastatue aus dem Jahr 1658. Die Heiligen sind die Namenspatrone des Stifterpaares Melchior Honegger und Verena Schriber.
Neben dem heiligen Melchior und der heilgien Verena ist seit dem Jahr 1774 zusätzlich St. Anna die Hauptpatronin der Kapelle. Die Kapelle diente von 1975 bis 1987 als Taufkappelle. Der Taufstein wurde nach der Renovation in der Stadtkirche aufgestellt. Heute wird die Kapelle für Ausstellungen genutzt. An der St. Annakapelle befindet sich in einem Erker das Triptychon der Ölberg des Bildhauers Gregor Allhelg, welches um die Osterzeit geöffnet wird.
Muttergotteskapelle
Auf dem Grund einer früheren Kapelle, die 1409 gebaut wurde, errichtete man gut vierzig Jahre später (1452) eine neue Kappelle der Liebfrauenbruderschaft. Beim Neubau wurde die Kapelle mit Fresken ausgestattet, die während der Reformation übermalt wurden. Nach dem Ende der Reformation und der Rückkehr Bremgartens zum katholischen Glauben entstanden neue Fresken. Die frühen spätgotischen Fresken wurden während der Restauration von 1957/1958 wieder freigelegt.
Im Altarraum befindet sich eine Kreuzigungsgruppe des Gregor Allhelg. Seit 1607 trennt ein Stabgitter mit einem später angebrachten Rankenaufsatz den Altarraum vom Schiff. 1608 wurde die Kapelle ausgebaut, da sie als Wallfahrtskapelle zu klein geworden war. 1757 erhielt sie während der Barockisierung einen neuen Rokoko-Altar. Er wurde 1767 mit einer Nachbildung des Einsiedler Gnadenbildes von Johann Baptist Babel erweitert.
St. Klarakapelle

Erbaut wurde die St. Klarakapelle 1625 für das benachbarte Klarakloster, der Stifter war der Abt Plazidus Brunschweiler von Fischingen. Der Hochaltar stammt von Junker Christoph Pfyffer und wurde 1627 gebaut. Das Altarbild zeigt eine Verkündigungszene. Der Tabarnakel stammt aus dem Jahr 1655 und trägt das Wappen des Stifters.
1687/1688 wurde sie für Antonius von Padua umgestaltet, da dieser Heiliger in dieser Zeit an Bedeutung gewann. Man ergänzte zwei Seitenaltäre mit den Patronen Maria und Antonius. Der Baustil der Kapelle ist zwischen Gotik und Barock und zeichnet sich durch eine schlichte Bauart und Einrichtung aus, die dem franziskanischen Orden gelegen kam. 1964 bis 1967 wurde die Kapelle komplett renoviert.