Englisch-Niederländischer Krieg (1665–1667)
Der Englisch-Niederländische Krieg war eine militärische Konflikt zwischen dem Commonwealth of England und den Vereinigten Provinzen der Niederlande in den Jahren 1663 bis 1667. Es war der Zweite in einer Serie Englisch-Niederländischer Seekriege in 17.und 18. Jahrhundert. In der Auseinandersetzung ging es vor allem um die Gewinnung wirtschaftlicher Vorteile. Auch die Königreiche Frankreich und Dänemark, sowie das Bistum Münster wurden in den Krieg verwickelt, nahmen jedoch kaum aktiv an ihm teil. Nach drei großen Seeschlachten schlossen die Parteien schließlich am 31. Juli 1667 den Frieden von Breda.
Vorgeschichte

Bereits in den Jahren von 1652 bis 1654 hatten das Commonwealth of England und die Vereinigten Provinzen der Niederlande einen erbitterten Seekrieg geführt (→ Englisch-Niederländischer Krieg (1652-1654)). Er war am 8. Mai 1654 mit dem Frieden von Westminster, in dem die Niederlande die englische „Navigation-Act“ anerkennen mussten, beendet worden.
In den folgenden Jahren kam es zu einigen politischen Umwälzungen. Im Mai 1660 kehrte Charles II. (1630-1685) als König nach England zurück erneuerte auf diese Weise das Königtum im Vereinigten Königreich (→ Stuart-Restauration). Er hatte jedoch dem englischen Parlament weitreichende Zugeständnisse machen müssen. So kontrollierte es den Haushalt und die Steuergesetzgebung des Landes, was Karl II. in einem Abhängigkeitsverhältnis ließ. Der König strebte jedoch danach die Macht der Krone wiederherzustellen und sie bei sich bietender Gelegenheit in ein absolutistisches Königtum umzuwandeln. Karl II. strebte deshalb in erster Linie nach Geldmitteln um eine eigenständige Politik betreiben zu können. Die Ehe mit Katharina von Braganza (1638-1705) brachte 1662 eine großzügige Mitgift und im gleichen Jahr verkaufte Karl die Stadt Dünkirchen an König Ludwig XIV. von Frankeich (1638-1715). Auch von einem Krieg gegen die Vereinigten Niederlande versprach sich der König hohe Gewinne durch Kaperfahrten und Beute.[1] Des Weiteren hegte Karl II. einen persönlichen Kroll gegen die Regierung der Vereinigten Niederlande, genauer gegen die Partei der Brüder de Witt. Die Stuarts waren eng verwandt mit dem Haus Oranien. Dieses aber war durch den „Act of Seclusion“, einem geheimen Zusatzartikel zum Frieden von Westminster, von der Statthalterschaft in den Niederlanden ausgeschlossen worden. Ein Krieg gegen die Partei Jan de Witts (1625-1672) bedeutete somit gleichsam den Kampf für die Interessen der eigenen Verwandtschaft.
Doch auch im Parlament fanden sich zahlreiche Befürworter eines neuen Waffengangs gegen die Vereinigten Niederlande. Dort führte vor allem der Bruder des Königs James, der Herzog von York (1633-1701), der später selbst König werden sollte, die Kriegspartei an. Er stand an der Spitze der Royal African Company und hoffte durch einen Krieg die Konkurrenz durch die Niederländische Westindien-Kompanie auszuschalten.(Im Jahre 1650 fuhren ca. 16.000 Handelsschiffe unter niederländischer, und etwa 4000 unter eglischer Flagge.)[2] Ähnlich wie er dachten auch zahlreiche andere Repräsentanten. Dies spiegelte sich bei Ausbruch des Krieges in den Worten des englischen Flottenführers George Monk (1608-1670) wieder: „Was kommt es auf diesen oder jenen Grund an? Was wir brauchen, ist ein Stück mehr von dem Handel, den die Holländer jetzt haben.“[3]
Die englische Flotte

Da es sich bei beiden Staaten um Seemächte handelte, die vor allem um die maritime Handelsvorteile kämpften kam den Flotten entscheidende bedeutung zu. In England hatte König Charles II. die Marinepolitik Oliver Cromwells (15-1658) fortgeführt und die Flotte unter der Leitung Admiral Monks aufrüsten lassen. Die englische Flotte verfügte zu Beginn des Krieges verfügte England über eine Reihe von Linienschiffen mit drei Decks, die jeweils mit 90 bis 100 Geschützen ausgerüstet waren (darunter viele Zweiundvierzigpfünder). Schiffe mit weniger als 32 Geschützen wurden hingegen aus der Schlachtflotte ausgesondert.[4] Damit war die englische Schlachtflotte der niederländischen überlegen.
Auch in taktischer Hinsicht war die englische Flotte weiter entwickelt als die anderer Staaten. Der Herzog von York legte 1665 fest, dass die Formation der Kiellinie die verbindliche Standartformation für die ganze Flotte sein sollte und nicht nur füreinzelne Geschwader: „Bei jedem Gefecht mit demgegner haben die Kommandanten der Schiffe Ihrer Majestät alles daranzusetzen, die Flotte in einer Linie zu halten und in jedem Fall die Schlachtordnung, die vor dem gefecht eingenommen wurde, aufrechtzuerhalten [...] Kein Schiff der Flotte Ihrer Majestät darf Schiffe oder kleinere Gruppen des Gegners verfolgen, solange das Gros der feindlichen Flotte nicht geschlagen ist oder flieht.“[5]
Die niederländische Flotte
Während in England eine einheitliche Organisation vorherrschte war dies in den föderal organisierten Vereinigten Niederlanden kaum möglich. Fünf verschiedene Admiralitäten rangen um die Kompetenzen und die verschiedenen Statthalter waren mit Rücksicht auf Einsparungen selten bereit größere Summen in den Ausbau der Flottenmacht zu investieren.[6] Trotzdem gab es mit dem Ratspensionär Jan de Witt einen führenden Politiker, der sich um den Aufbau bemühte. Die Erfahrungen des vergangenen Krieges gegen England hatte gezeigt, dass Seekriege nicht durch den Schutz der Handelslinien, sondern in großen Seeschlachten durch schlagkräftige Flotten entschieden würden. Trotzdem besaßen die größten niederländischen Schiffe nur Zwei Decks mit 60 bis 80 Geschützen (maximal Vierundzwanzigpfünder)[4] Über die Hälfte der niederländischen Schlachtflotte bestand aus Schiffen mit maximal 32 Geschützen und bei 30 bis 40 Prozent der Schiffe handelte es sich um bewaffnte Kauffahrtsschiffe.[4] Damit war sie der englischen Flotte qualitativ unterlegen. Allerdings hatte Jan de Witt für den Bau zahlreicher schneller Advisjagten (Schiffe für den Nachrichten- und Beobachtungsdienst) und Fregatten gesorgt, die zwar nur ein Deck besaßen, dafürallerdings sehr wendig waren.[7] Im Verlauf des Krieges sollten die Vereinigten Niederlande diese Unterlegenheit durch zahlreiche Neubauten und gekaperte Schiffe aufholen.
Kriegsverlauf
Operationen bis zur offiziellen Kriegserklärung
Vorlage:Linkbox Zweiter Englisch-Niederländischer Krieg In dieser allgemeinen Stimmung kam es ständig zu Zusammenstößen zwischen englischen und niederländischen Schiffen. Einige englische Unternehmer rüsteten private Kaperfahrer aus, die bis zur offiziellen Kriegserklärung im Frühjahr 1665 mehr als 200 niederländische Handelsschiffe aufbrachten. Die ungerechte Behandlung englischer Bürger in den niederländisch-ostindischen Kolonien bot im Jahre 1663 einen willkommenen Vorwand, um die auch Kampfhandlungen auch im größeren Rahmen zu eröffnen.[8] Im Auftrag der Royal African Company wurde ein Geschwader unter Admiral Robert Holmes (1622–1692) in die westaftrikanischen Gewässer entsandt, um dort „promote the Interests of the Royall Company“ und „kill, take, sink or destroy such as shall oppose you“[9] Admiral Holmes kreuzte zunächst vor vor dem niederländischen Stützpunkt Gorée (Senegal) und kaperte dort am 27. Dezember 1663 das Handelsschiff Brill. In den folgenden Wochen kaperte er zwei weitere Schiffe und versenkte zwei andere. Am 23. Januar 1664 eroberte Holmes Gorée selbst. Von dort aus operierte er weiter gegen die niederländischen Handelslinien. Dabei kaperte er am 28. März das große niederländische Schiff Walcheren (das anschließendin die Royal Navy eingereiht wurde) und eroberte am 10. April die Festung Anta an der Goldküste (Kolonie) (heute Teil der Republik Ghana) Danach fielen noch weitere kleinere Stützpunkte und Schiffe in seinen Besitz, bevor Holmes den Eroberungszug mit der Einnahme des niederländischen Hauptstützpunktes (nach der Eroberung von den Engländern Cape Coast Castle genannt) nahe der Stadt Elmina am 1. Mai 1664.[10]

Obwohl Charles II. Holmes nach seiner Rückkehr nach England pro forma verhaftet ließ, weil er die bestehenden Verträge mit den vereinigten Niederlanden verletzt hatte, weigerte er sich die gemachten Eroberungen wieder herauszugeben. Die Niederlande entsandten deshalb im August 1664 ein Geschwader (12 Schiffe)[11] unter Admiral Michiel de Ruyter (1607-1676), um die Stützpunkte zurückzuerobern. Tatsächlich konnten alle Stützpunkte bis auf Cape Coast Castle wieder eingenommen werden. Gleichzeitig erschienen vier englische Fregatten vor der niederländischen Kolonie Nieuw Amsterdam auf der Insel Manhattan und forderten die Stadt zur Übergabe auf. Diese wurde am 27. August kampflos übergeben und von den Engländern nunmehr zu Ehren von James, des Herzogs von York und Bruder des englischen Königs in New York umbenannt.
Während sich de Ruyter nach dem Abschluss der Operationen vor Afrika gegen den englischen Handel in den Westindischen Inseln wandte und bis Ende des Jahres dort dem englischen Handel schadete, griff ein anderes englisches Geschwader im Dezember 1664 die niederländische Smyrnaflotte in der Straße von Gibraltar an. Obwohl der Überfall misslang zog die niederländische Regierung aus ihr schwerwiegende Konsequenzen. Im Januar 1665 erlaubte sie ihren Schiffen zum Zweck der Selbstverteidigung das Feuer auf englische Schiffe zu eröffnen. Die englische Regierung nahm diese Erklärung neben dem Zug de Ruyters in die Karibik widerum zum Anlass, um am 4. März 1665 den Vereinigten Niederlanden offiziell den Krieg zu erklären. Die Flotte de Ruyters befand sich zu diesem Zeitpunkt noch vor Nordamerika, wo sie vor Neufundland eine englische Fischfanglotte eroberte.
Der Kampf um die Seeherrschaft 1665

Obwohl beide Kriegsflotten fast gleich stark waren, war die englische Flotte auf den Waffengang zunächst besser vorbereitet. Sie verließ unter dem Kommando des Herzogs von York ihre Häfen bereits Anfang Mai 1665 und blockierte mit 88 Schiffen und 21 Brandern die niederländische Küste. Doch schon bald traten Versorgungsschwierigkeiten auf, welche die Flotte zur Rückkehr zwangen.[12] Die Niederländer hatten Schwierigkeiten ihre Flottenverbände auszurüsten, da der einige einsatzbereite Verband noch immer unter de Ruyters Kommando im Atlantik operierte. Trotzdem überwog die Befürchtung vor einer erneuten Blockade der Küsten. Ratspensionär Jan de Witt befahl der Flotte unter Admiral Jacob van Wassenaer Obdam (1610-1665) deshalb auszulaufen und die englische Flotte zu schlagen, bevor sie wieder in niederländischen Gewässern auftauchen könnte. Obwohl sich Admiral Obdam bewusst war, dass die Rüstungen noch nicht abgeschlossen und die Flotte noch nicht vollkommen einsatzbereit war, fügte er sich de Witts Anweisungen und lief mit 103 Schiffen, 11 Brandern, 4870 Geschützen, 21.600 Mann aus.[13] An der englischen Küste trafen die Flotten am 13. Juni 1665 in der Seeschlacht bei Lowestoft aufeinander.[14] Dabei gerieten die Niederländer bald ins Hintertreffen. Nach dem Verlust von 15 Schiffen und drei Admirälen (darunter Admiral Obdam), zog sich die niederländische Flotte unter dem Kommando Admiral Cornelis Tromps (1629-1691) zurück.

Diese Niederlage führte in den Vereinigten Niederlanden zu einer großen Aktivitätten, um die Schlagkraft der Flotte zu erhöhen. Mehrere Seeoffiziere wurden wegen Feigheit angeklagt; von ihnen wurden drei Kapitäne exekutiert, vier entehrt und weitere entlassen. Admiral Tromp wurde nun der Oberbefehl über die Flotte übertragen. Da er jedoch zur Partei der Oranier gehörte wurde seine Arbeit von drei Deputierten überwacht. Tromp reorganisierte die Geschwader, besserte die Schäden an den Schiffen aus, warb neue Manschaften und trainierte die alten. Jan de Witt ließ größere Kriegsschiffe bauen und schwerere Kanonen gießen, um mit den englischen Schiffen konkurrien zu können. Bald kehrte auch Admiral de Ruyters Geschwader aus den westindischen Gewässern zurück und verstärkte die niederländische Flotte. De Ruyter wurde nun der Oberbefehl über die Flotte gegeben, was für Verstimmungen zwischen ihm und Tromp führten. Dies sollte der Beginn einer jahrelangen Rivalität sein.[11] Die englische Flotte hätte ihren Sieg ausnutzenund die niederländische Küste blockieren sollen. Doch die Versorgungsprobleme waren noch nicht überwunden. Zusätzlich wurden die Kriegführung durch eine Pestepidemie behindert, die tausende Tote vor forderte und später als „Große Pest von London“ bekannt wurde. Nur im August 1665 kam es zu einer größeren Operation, als ein englisches Geschwader versuchte die im norwegischen Bergen (damals Teil des Königreiches Dänemark) liegende niederländische Gewürzflotte aus Ostindien zu erbeuten. Doch in der Schlacht bei Vågen wurden die Engländer am 2. August durch eine niederländische Flotte unter de Ruyter geschlagen. der niederländische Admiral war dem Geleitzug entgegen gefahren, um ihn zu eskortieren. Außerdem hatten auch dänische Küstenbatterien auf seiten der Niederländer in die Kämpfe eingegriffen. Drei englische Schiffe gingen bei diesem Gefecht verloren.[11][15]
Landkrieg und Diplomatie

In der Zwischenzeit hatte sich die englische Regierung um Verbündete auf dem Festland bemüht. Sie trat nicht nur an das Königreich Spanien heran, sondern auch an Christoph Bernhard von Galen (1606-1678), den Bischof von Münster. Die spanische Regierung, die gerade unter innenpolitischen Wirren litt und einen Krieg gegen Portugal führte (→ Restaurationskrieg) fand sich nicht bereit Charles II. zu unterstützen, weil sie fürchtete, dann auch gegen Frankreich kämpfen zu müssen, welches mit den Vereinigten Niederlanden verbündet war. Doch Bernhard von Galen willigte gegen die Zahlung von Subsidien in einen Allianzvertrag mit England ein. Zwischen ihm und der niederländischen Provinz Gelderland bestand ein Streit um den Besitz der Herrschaft Borkelo, die der Bischof beanspruchte. Mit einem Truppenkontingent fiel er im Sommer 1665 in Twenthe ein und behauptete sich dort erfolgreich gegen die schwachen niederländischen Landtruppen. Nun griff Ludwig XIV. von Frankreich erstmals in den Konflikt ein. Zwischen ihm und den Vereinigten Niederlanden bestand seit 1662 ein Defensivbündnis. Diesemkam er im Herbst 1665 nach indem er Korps gegen den Bischof von Münster entsandte, die dessen Truppen zurückwarfen.[16]
Während der Wintermonate kam die niederländische Diplomatie zum tragen. Da sich Frankreich eingeschaltet hatte, drängte die englische Regierung auf einen schnellen Friedensschluss. Im November 1665 bot Charles II. gegen die Bedingung an, dass die Partei der Oranier wieder politische Ämter erhielt Verhandlungen an. De Witt lehnte dies ab und erklärte, dass ein Friedensschluss nur dann erfolgen könne, wenn die alten Besitzstände wieder hergestellt würden. Stattdessen arbeitete er an einer anti-englischen Allianz. Frankreich erklärte noch im Januar 1666 England den Krieg. Dänemark folgte im Februar nach. Der dänische König Friedrich III. (1609-1670) verpflichtete sich gegen die Zahlung von Subsidien 30 Kriegsschiffe zu stellen. Außerdem beschlagnahmte er sämtliche englische Waren und Schiffe in dänischen Häfen.[11] Der Feldzugsplan für das folgende Jahr sah vor, dass französische Truppen gegen den Bischof von Münster vorgehen sollten. Auch Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688), der mit den Oraniern verwandt war, schloss sich der Koalition an und versprach von seinen Besitzungen am Rhein aus ebenfalls Bernhard von Galen anzugreifen. Unter diesem Druck (und weil die englischen Subsidien nicht gezahlt worden waren) schloss der Bischof am 18. April 1666, noch bevor gegnerische Truppen sein Territorium betraten, den Frieden von Kleve, indem er seine Ansprüche fallen ließ. Damit verlor Charles II. seinen einzigen Verbündeten.
Operationen im Jahre 1666

Im Frühjahr 1666 lagen die Vorteile zugunsten der Vereinigten Niederlande. Der Bischof von Münster war aus dem Krieg ausgeschieden, während Frankreich und Dänemark als Verbündete gegen England gewonnen worden waren. Im Mai 1666 sammelte sich die niederländische Flotte unter Admiral de Ruyter und ging vor der Küste Flanderns vor Anker, um dort auf die französische Flotte zu warten. Sie umfasste 91 Schiffe, 4716 Geschützen und 24.500 Mann. Die Führung der englischen Marine war inzwischen auf Admiral Monk übergegangen. Sie umfasste 81 Schiffe, 4460 Geschütze und etwa 21.000 Mann.[11] Allerdings war er in seinen Entscheidungen nicht frei. So musste er auf ausdrücklichen Befehl des Königs ein Geschwader (25 Schiffe) unter Prince Rupert (1619-1682) zum westlichen Ausgang des Ärmelkanals entsenden, um dort der französischen Flotte entgegenzutreten. Mit den verbliebenen Schiffen entschied sich Monk, trotz seiner großen zahlenmäßigen Unterlegenheit zum Angriff auf die niederländische Flotte.[17] Mitten im Ärmelkanal kames daraufhin vom 11. bis zum 14. Juni 1666 zur sogenannten „Seeschlacht der vier Tage“, in deren Verlauf auch das Geschwader Prince Ruperts eingriff.[18] Die Engländer erlitten in dieser Schlacht unter dem Verlust von 17 Schiffen und 8000 Mann eine schwere Niederlage; die Niederländer verloren dagegen lediglich 2000 Mann.[17]

Der Sieg erlaubte der niederländischen Flotte die uneingeschränkte Ausübung der Seemacht. Im Juli blockierte sie die Themsemündung und somit den Handelsverker Londons.[17] Doch die gut organisierte Marineverwaltung Englands erlaubte es auch Admiral Monk die englische Flotte bald wieder gefechtsbereit zu machen. Am 2. August ging sie wiederum zur Offensive über. Sie zählte 90 Schiffe und 20 Brander unter stand unter dem Kommando der Admiräle Monk und Prince Rupert, die sich das Kommando als „joint admirals“ teilten.[11] Admiral de Ruyters Verband umfasste 72 Schiffe und 16 Fregatten.[17] Am 4. August 1666 stießen die beien Flotten nach einigem Manövrieren bei North Foreland (nördlich von Dover) aufeinander. Die folgende Schlacht, die auch als St James's Day Fight bekannt wurde endete mit einem eindeutigen englischen Sieg. Obwohl die Niederländer kaum Schiffe einbüßten, wurde ihre Flotte auseinander gesprengt und musste sich, von den englischen Verbänden verfolgt, in die niederländischen Häfen flüchten.[19] Die Schlacht bei North Foreland hatte schwerwiegende Konsequenzen. In den Vereinigten Niederlanden wurde Admiral Tromp am 13. August wegen seines Verhaltens in der Schlacht aus dem Flottendienst entlassen. Die englische Flotte ging nun ihrerseits an die Blockade der niederländischen Küsten und überfielen holländische Häfen oder Inseln. Der bekannteste Fall ereignete sich am 20. August. Adiral Robert Holmes brannte das Dorf Wester-Schelling auf der Insel Terschelling nieder und versenkte bei Vlie (nahe der Insel Texel) 140 bis 150 Handelsschiffe, die dort vor Anker lagen. Dieses Ereignis wurde in England als Holmes's Bonfire bekannt und gefeiert.[20]

Unter diesen vorteilhaften Bedingungen begann Charles II. erneut die Anknüfung von Friedensverhandlungen. Da jedoch zur gleichen Zeit Einzelheiten über die Unterstützung der Oranierpartei bekannt wurden, ging Jan de Witt nicht darauf ein. Am 2. September 1666 brach in London ein großes feuer aus, das vier Tage lang wütete und als „Großer Brand von London“ in die Geschichte einging. Mehr als 100.000 Menschen wurden obdachlos sowie 13.200 Häuser und 87 Kirchen zerstört. Der wirtschaftliche Schaden war mit geschätzten zehn Millionen Pfund enorm.[21] In Zusammenhang mit der Großen Pest des vergangenen Jahres sorgte dies für eine zunehmende Kriegsmüdigkeit der englischen Bevölkerung. Beide Ereignisse überlasteten auch die wirtschaftliche Basis der englischen Kriegführung. Der Krieg hatte nicht die erhofften Gewinne eingebracht und das Parlament weigerte sich neue Gelder für die Kriegführung zu bewilligen,nachdem sich herausgestellt hatte, dass ein teil der bereits bewilligten gelder in die teure Hofhaltung des Königs geflossen war. Im folgenden Jahr setzte es deshalb ein „Committee of Accounts“ ein, das zukünftig die Verwendung aller vom Parlament bewilligten Gelder überwachte.[1] Unter diesen Bedingungen war es naheliegend, dass Charles II. seine Friedensbedingungen reduzierte und schon Ende Oktober 1666 Verhandlungen in niederländischen Breda aufgenommen wurden.
Der Frieden von Breda
Die Verhandlungen gestalteten sich schwierig. König Charles II. wollte den Krieg nicht ohne jeglichen Gewinn beenden, um sein Gesicht wahren zu können. Doch die Niederländer, und vor allem Jan den Witt, waren zu keinerlei Konzessionen bereit.[20] Sie befanden sich dabei durchaus in einer vorteilhaften Verhandlungsposition. Wegen der finanziellen Einschränkungen durch das Parlament und die Verluste des Großbrandes von Londen war Charles II. nicht mehr in der Lage seine Flotte auszurüsten. gegen den Widerstand Admiral Monks gab er im Winter 1666/67 Anweisung die großen Linienschiffe abzutakeln und außer Dienst zu stellen. Der Krieg sollte lediglich mit Kaperfahrern weitergeführt werden, um den niederländischen Handel zu schädigen: „Die Holländer werden hierdurch wirksam gedemütigt, während England gleichzeitig weniger durch die Ausrüstung mächtiger Flotten erschöpft wird; es genügt, nur einige Fregatten auf Kreuztouren zu belassen“[22] Der Theoretiker des Seekrieges Alfred Thayer Mahan verurteilte diese Entscheidung später: „Diese Art der Kriegführung hat stets viel Verlockendes, wenn Sparsamkeit beobachtet werden soll, da sie scheinbar nur die Indiensthaltung einiger schneller Kreuzer erfordert. Der Schaden, den man dem gegnerischen Handel zufügt ist unleugbar [...] aber er wird nie allein zum Erfolg führen. [...] Denn nicht die Wegnahme einzelner Schiffe oder Konvois bringt eine Nation in Gefahr, sondern eine überlegene gegnerische Flottenmacht, welche die schwächere Flagge von der See verjagen kann.“[23]
Gerade über diese überlegene Flottenmacht verfügten die Vereinigten Niederlande ab dem Frühjahr 1667 nachdem ihnen die Engländer die Seeherrschaft hatten überlassen müssen. Trotzdem des Druckes den sie auf die englischen Handelswege ausübte zogen sich die Verhadlungen in Breda in die Länge. Da begann im Mai 1667 König Ludwig XIV. seinen lange vorbereiteten Eroberungszug gegen die Spanischen Niederlande (→ Devolutionskrieg). Der schnelle Vormarsch der französischen Truppen beunruhigte die niederländischen Politiker, denn obwohl Frankreich ein verlässlicher Verbündeter war, so empfand man es trotzdem auch als mögliche Bedrohung. Der Historiker John A. Lynn formulierte es so, dass „ein inaktives und müdes Spanien stellte für sie einen besseren Nachbarn dar, als ein mächtiges und aggressives Frankreich.“[24] Da die Vereinigten Niederlande deshalb ein vitales Interesse daran hatten die Spanischen Niederlande als eine Art „Pufferstaat“ zu erhalten mussten sie sich nun beeilen den Krieg gegen England zu beenden,um sich dem Konflikt zwischen Spanien und Frankreich zuwenden zu können.

Um den Druck auf König Charles II. weiter zu erhöhen befahl de Witt Admiral de Ruyter England direkt anzugreifen. Der Admiral hilt das Unternehmen zunächst für undurchführbar, fügte sich letztlich jedoch den Anweisungen. Am 9. Juni 1667 drang die niederländische Flotte in die Themsemündung ein und griff dort Befestigungen und Depots an. Sie fiel auch den Nebenfluss Medway ein und eroberte oder verbrannte dort eine große Anzahl der abgetakelten englischen Flotte. De Ruyter besetzte Sheerness und zog sich erst nach fünf Tagen wieder vom englischen Boden zurück. Dieser Raid im Medway wurde vom Historiker Helmut Diwald sogar als „Pearl Harbor im Jahre 1667“ bezeichnet.[25] Die Verhandlungen kamen daraufhin wieder in Fluss. Als Charles II. seine Unterschrift jedoch wieder verweigern wollte, segelte Admiral de Ruyter Mitte Juli noch einmal in die Themse ein und erschien vor Gravesend. Dies löste in London eine Panik aus, die viele Anwohner zur Flucht veranlasste.[26] Auch enflussreiche Parlamentarier forderten nun von König Charles II. den raschen Friedensschluss, welcher tatsächlich am 31.Juli 1667 in Breda unterzeichnet wurde.
Die Bestimmungen des Friedensvertrages waren moderat. Die Bestimmungen der Navigation-Act wurden insofern erleichtert, als es den niederländischen Handelsschiffen erlaubt wurde, deutschen Waren, die auf dem Rhein in die Niederlande transportiert worden waren, nach England zu liefern. England räumte den Stützpunkt Poulo Run in Indonesien und erkannte die niederländische Herrschaft in Surinam an, das eine kleine niederländische Expedition noch 1667 erobert hatte. Dafür behielt England die Kolonien New York und New Jersey.[26]
Auswirkungen und Folgen
Der Krieg war von Seiten der Vereinigten Niederlande zu einem Zeitpunkt beendet worden, als sie gerade in der vorteilhaftesten Position waren, weil die politische Entwicklung in den Spanischen Niederlanden sie dazu zwang. Der Fridensvertrag stellte deshalb einen Kompromiss dar. Das englische Kriegsziel den niederländischen Handel zu zerstören und einen Teil desselben an sich zu bringen war gescheitert. Doch dadurch, dass die Niederlande sich aus Nordamerika und England sich aus Surinam und Indonesien zurückgezogen hatten trat eine echte Entspannung ein. Mit ihrer neuen Kolonie Niederländisch-Guayana wurden die Vereinigten Niederlande zum führenden Lieferanten von Muskatnuss.
In der weiteren politischen Entwicklung traten die Gemeinsamkeiten und Differenzen Englands und der Vereinigten Niederlande weiterhin auf. Schon im Januar 1668 schlossen sich beide Länder mit dem Königreich Schweden in einer Tripelallianz zusammen, um Ludwig XIV. zum Rückzug aus den Spanischen Niederlanden zu zwingen. Der Devolutionskrieg wurde am 2. Mai 1668 im Frieden von Aachen beendet. Danach richteten sich die Expansionsbestrebungen des französischen Königs gegen die Vereinigten Niederlande, von denen er sich verraten fühlte. König Charles II. verbündete sich 1670 im Geheimvertrag von Dover mit König Ludwig XIV. und eröffnete mit diesem 1672 den gemeinsamen Angriff gegen die Vereinigten Niederlande (→ Holländischer Krieg). Dieser Krieg wird auch als Dritter Englisch-Niederländischer Seekrieg bezeichnet. Dieser endete bereits 1674 bevor englische Truppen die Vereinigten Niederlande ab 1678 sogar im Krieg gegen Frankreich unterstützten, um dessen Vorherrschaft in Europa zu verhindern.
Anmerkungen
- ↑ a b Kurt Kluxen: Geschichte Englands, Stuttgart 1991, S.350
- ↑ Hellmut Diwald: Der Kampf um die Weltmeere, München/ Zürich 1980, S.256 u. 263
- ↑ Zit. nach: Alfred Thayer Mahan: Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte 1660-1812, Herford 1967, S.43
- ↑ a b c Heinz Neukirchen: Seemacht im Spiegel der Geschichte, Berlin 1982, S.190
- ↑ Zitat nach: Heinz Neukirchen: Seemacht im Spiegel der Geschichte, Berlin 1982, S.190
- ↑ Alexander Meurer: Seekriegsgeschichte in Umrissen, Leipzig 1942, S.198
- ↑ Alexander Meurer: Seekriegsgeschichte in Umrissen, Leipzig 1942, S.198
- ↑ Alexander Meurer: Seekriegsgeschichte in Umrissen, Leipzig 1942, S.197
- ↑ Bath MSS. XCV, ff.3-5
- ↑ Für eine detaillierte Abhandlung dieser Expedition: Richard Ollard: Man of War - Sir Robert Holmes and the Restoration Navy, London 1969.
- ↑ a b c d e f Oberst a.D. von Seubert: Niederlande, in: Bernard von Poten (Hrsg.): Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, Bd.7, Leipzig 1879, S.147
- ↑ Alexander Meurer: Seekriegsgeschichte in Umrissen, Leipzig 1942, S.199
- ↑ Oberst a.D. von Seubert: Niederlande, in: Bernard von Poten (Hrsg.): Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, Bd.7, Leipzig 1879, S.146
- ↑ Für eine Darstellung der Schlacht: Alfred Thayer Mahan: Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte 1660-1812, Herford 1967, S.44f
- ↑ Alexander Meurer: Seekriegsgeschichte in Umrissen, Leipzig 1942, S.200
- ↑ Tücking: Christoph Bernhard v. Galen, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 2, S.429f
- ↑ a b c d Alexander Meurer: Seekriegsgeschichte in Umrissen, Leipzig 1942, S.201 Referenzfehler: Ungültiges
<ref>-Tag. Der Name „Meurer: Seekriegsgeschichte“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert. - ↑ Eine kurze Analyse der Schlacht findet sich bei: Alfred Thayer Mahan: Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte 1660-1812, Herford 1967, S.45-47
- ↑ Einen Überblick über die Schlacht bietet: Helmut Pemsel: Seeherrschaft, Bd. 1, Koblenz 1985.
- ↑ a b Alexander Meurer: Seekriegsgeschichte in Umrissen, Leipzig 1942, S.204
- ↑ Stephen Inwood: A History Of London, London 2000, S.244
- ↑ Alfred Thayer Mahan: Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte 1660-1812, Herford 1967, S.48
- ↑ Alfred Thayer Mahan: Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte 1660-1812, Herford 1967, S.49
- ↑ “… because a tired and inactive Spain promised to be a better neighbour than a powerful and aggressive France”, siehe: John A. Lynn: The Wars of Louis XIV 1667-1714, London/ New York 1999, S.108
- ↑ Helmut Diwald: Der Kampf um die Weltmeere, München/ Zürich 1980, S.265
- ↑ a b Heinz Neukirchen: Seemacht im Spiegel der Geschichte, Berlin 1982, S.194
Literatur
- Helmut Diwald: Der Kampf um die Weltmeere, München/ Zürich 1980. ISBN 3426260301
- Stephen Inwood: A History Of London, Macmillan Publishers Ltd., London 2000, ISBN 0-333-67154-6
- Kurt Kluxen: Geschichte Englands, Stuttgart 1991. ISBN 3-520-37404-8
- Alfred Thayer Mahan: Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte 1660-1812, Herford 1967.
- Alexander Meurer: Seekriegsgeschichte in Umrissen, Leipzig 1942.
- Heinz Neukirchen: Seemacht im Spiegel der Geschichte, Berlin 1982. ISBN 3-8112-0368-1
- Richard Ollard: Man of War - Sir Robert Holmes and the Restoration Navy, London 1969.
- Bernard von Poten (Hrsg.): Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, Bd.7, Leipzig 1879.