Lehm

Lehm ist eine Mischung aus Sand (Partikel > 63 µm), Schluff (Partikel > 2 µm) und Ton (Partikel < 2 µm). Er entsteht entweder durch Verwitterung aus Fest- oder Lockergesteinen oder durch die unsortierte Ablagerung der genannten Bestandteile. Er stellt einen der ältesten Baustoffe der Welt dar. Man unterscheidet je nach Entstehung Berglehm, Gehängelehm, Geschiebelehm (Gletscher), Lösslehm (Löss) und Auenlehm (aus Flussablagerungen).
Zusammensetzung
Die Mischungsverhältnisse von Sand, Schluff, und Ton können innerhalb definierter Grenzen schwanken. Auch kann noch gröberes Material (Kies und Steine) darin enthalten sein. Lehm kann bei wenig fortgeschrittener Verwitterung oder bei der Entstehung durch Ablagerung kalkigen Materials auch Kalk enthalten, er wird dann als Mergel bezeichnet. Tonreiche Lehme nennt man fett, tonarme mager.
Eigenschaften
Lehm ist nicht so plastisch wie Ton und auch nicht so wasserundurchlässig, da im Ton der Anteil kleinerer Partikel (Tonminerale) wesentlich größer ist. In feuchtem Zustand ist Lehm formbar, in trockenem Zustand fest. Bei Wasserzugabe quillt Lehm, beim Trocknen schwindet bzw. schrumpft er, was im Lehmbau besonders zu beachten ist. Lehm als Baustoff speichert Wärme und wirkt regulierend auf die Luftfeuchtigkeit.
Bodenbildungen auf Lehm
Auf Grund des hohen Anteils verwitterbarer Minerale, die zudem von einer guten Speicherfähigkeit für Nährstoffe und Wasser begleitet wird, entstehen aus Lehm im Allgemeinen fruchtbare Böden.
Lehm als Baumaterial
Lehm ist wohl neben Holz das älteste Baumaterial des Menschen, und gehört mit Kalk – und seit Beginn des 20. Jahrhunderts Zement - zu den wichtigsten mineralischen Baustoffen.
Lehm wird meist ungebrannt verwendet: Lehmbautechniken sind seit mehr als 9000 Jahren bekannt und noch heute lebt etwa ein Drittel der Erdbevölkerung in Lehmhäusern.
Auch in den meisten Gebäuden, die hierzulande in kalkarmen Regionen vor 1950 errichtet wurden, findet sich Lehm zumindest in Innenwänden und teilweise in den Geschossdecken. In manchen Dörfern finden sich noch alte Lehmkuhlen, aus denen früher der Lehm abgebaut wurde. Anfang der 1980er Jahre wurde Lehm als umweltfreundlicher und gesunder Baustoff langsam wiederentdeckt. Da er aber nur physikalisch aushärtet (und nicht wie die meisten anderen Baustoffe chemisch abbindet), muss er in Mitteleuropa witterungsgeschützt eingesetzt werden.
Lehme, die sich zum Brennen eignen, sind im allgemeinen Tone, etwa Ziegellehm als Ausgangsmaterial für das Brennen von Ziegeln.
Hafnerlehm wird auch für Lehmöfen verwendet, da Lehm wie die meisten schweren Baustoffe gute Wärmespeichereigenschaften besitzt, und auch an heißen Bauteilen eingesetzt werden kann. Dies ermöglicht beispielsweise Boden- und Wandheizungen mit hoher Vorlauftemperatur, bei denen die Heizrohre unter Arbeitstemperatur verputzt werden müssen.
Lehm in der Naturheilkunde
Lehm wird auch als Lehmwickel in der Naturheilkunde eingesetzt. Er wirkt stark entfettend und soll „ausleitend“ auf Flüssigkeiten wirken. Unmittelbar auf Wunden gebracht wirkt Lehm reinigend und entgiftend. Es wird ihm eine Krankheitserreger und Giftstoffe bindende Wirkung zugeschrieben.
Lehm als Biotop
Im Tierreich bauen beispielsweise die Lehmwespen ihre Nester vorwiegend mit oder im Lehm.
Siehe auch
- Gestein, Ton
- Lehmputz, Backstein, Lehmziegel, Adobe (Ziegel), Fachwerkhaus
- Lehmwespen
- Portal:Architektur und Bauwesen