Bahnhof Coburg




Der Bahnhof Coburg wurde im Rahmen der Werrabahn, einer eingleisigen Hauptbahn von Eisenach über Meiningen nach Lichtenfels, in den Jahren 1857 bis 1858 durch die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft erbaut. Er hatte und hat noch eine zentrale Funktion im öffentlichen Personennah- und -fernverkehr für Coburg und das Umland.
Lage
Der Coburger Personenbahnhof liegt bei dem Streckenkilometer 130,11 der Werrabahn in einer Höhe von 295,38 Metern über NN und befindet sich westlich des Stadtkerns. Er wird im Westen durch die parallel verlaufende Stadtautobahn (B4) begrenzt. Der Bahnhof ist Ausgangspunkt für die Bahnstrecken nach Sonneberg sowie nach Bad Rodach.
Geschichte
Der Bahnhof wurde im Überschwemmungsgebiet der Itz in erhöhter Lage angeordnet. Mit der Inbetriebnahme des Streckenabschnittes von Coburg nach Lichtenfels im Jahr 1859 wurde er im Eisenbahnbetrieb Wechselstation der Werra-Eisenbahn-Gesellschaft und der Königlich Bayerischen Staatsbahnen. Für die Mitbenutzung gemeinsamer betrieblicher Anlagen musste die bayerische Staatsbahn eine entsprechende Miete bezahlen. In den folgenden 60 Jahren wurde der Bahnhof vor allem durch Kaiser, Zaren, Könige und Fürsten bekannt, welche hier beim Besuch ihrer Verwandten aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha eintrafen oder abfuhren. Aufgrund des wachsenden Verkehrs, insbesondere durch die 1895 erfolgte Integration in das Streckennetz der preußischen Staatsbahn und die Nebenbahnen nach Bad Rodach und nach Weidhausen mussten die baulichen Anlagen Anfang des 20. Jahrhunderts vergrößert werden. Dazu wurde anderthalb Kilometer südlich des bestehenden Bahnhofs im Jahr 1903 als eigenständige Betriebstelle ein Güterbahnhof in Betrieb genommen.






Personenbahnhof Pbf
Trotz des neuen Güterbahnhofes wurde eine Erweiterung des Personenbahnhof notwendig, die 1911 nach erfolgreicher Finanzierungsvereinbarung zwischen der preußischen Eisenbahnverwaltung und der Stadt in Angriff genommen wurde. Mit dem Bau des neuen Empfangsgebäudes, welches das erste Stationsgebäude ersetzen sollte, sowie des separaten Fürstenbaus wurde erst nach Vorlage diverser Entwürfe Anfang des Jahres 1914 begonnen. Ein Teil der Gebäude konnte noch bis Ende 1916 fertiggestellt werden, danach ruhten die Arbeiten infolge des Ersten Weltkrieges bis 1919. Die Einweihungsfeier des heutigen Empfangsgebäudes fand schließlich Ende 1923 statt. Durch die Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf der Werrabahn zwischen den Bahnhöfen Eisfeld und Görsdorf sowie auf der nach Sonneberg zwischen Neustadt und Sonneberg der Bahnbetrieb eingestellt. Dadurch sank die Bedeutung des Knotenbahnhofes drastisch. 1950 wurde der Bahnhof elektrifiziert. Es handelte sich um eines der ersten Elektrifizierungsvorhaben nach dem Krieg überhaupt. Es sollte die Verbundenheit zwischen dem Freistaat Bayern und dem 1920 mit ihm vereinigten Coburger Land demonstrieren. Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden für den Bau der Stadtautobahn die westlichen Bahnhofsgleise und ein Bahnsteig demontiert sowie das südliche Stellwerk Cs durch einen Neubau ersetzt, fünfzehn Jahre später erfolgte ein weiterer Rückbau der Gleise und eine Vereinfachung des Spurplanes, insbesondere der südöstlichen Abstellgruppen. Seitdem gibt es zwei ungefähr 250 Meter lange Inselbahnsteige und den Hausbahnsteig.
Güterbahnhof Gbf
Der Güterbahnhof bei Streckenkilometer 131,8 wurde 1903 in Betrieb genommen. Er bekam diverse Güter- und Lagerschuppen mit entsprechenden Ladestraßen und –rampen, 14 durchgehende Gleise, mit bis zu 600 Meter Länge, und einen Ablaufberg, der über ein am südlichen Ende liegendes ungefähr 400 Meter langes Ausziehgleis bedient wurde. Die Anlagen sind im Jahr 2006 zum größten Teil noch vorhanden, wenn auch größtenteils zugewuchert.
Bahnbetriebswerk Bw
Anfangs befand sich das Heizhaus am Empfangsgebäude. Zusammen mit dem Umbau des Personenbahnhofes wurde 1911 mit dem Bau eines Bahnbetriebswerkes für beide Bahnhöfe nördlich vom Personenbahnhof an der Bahnstrecke nach Bad-Rodach begonnen. Aufgrund schwieriger Baugrundverhältnisse sowie des Ersten Weltkrieges konnte erst 1921 der Lokschuppen mit 16 Ständen und einer 23 Meter-Drehscheibe in Betrieb genommen werden. Der im Jugendstil gehaltene Lokschuppen bekam ein Tonnendach, weshalb er heute unter Denkmalschutz steht. Der Einsatz von Dampflokomotiven endete 1974, die letzten Diesellokomotiven wurden 1987 abgezogen. Seit Mitte der 1990-Jahre ist der Betrieb im BW eingestellt und das Gelände ist verwaist. Die Gleise wurden teilweise demontiert und das Dach des Lokschuppens zerfällt langsam.
Zugverkehr
Personenverkehr
Im Jahr 1933 fuhren an Werktagen 42 Züge in Coburg ab. 13 Verbindungen gab es nach Lichtenfels, 10 nach Sonneberg und 8 nach Eisenach. Bis auf ein Eilzugpaar und ein D-Zugpaar jeweils zwischen Lichtenfels und Eisenach waren dies alles Personenzüge. Das Coburger Land war durch 6 Züge nach Rossach, 4 nach Rodach und einem Direktzug nach Hofsteinach mit Coburg verbunden.
1990 gab es werktäglich nur noch 17 Zugverbindungen nach Lichtenfels, 13 nach Neustadt sowie 3 nach Bad Rodach. Erwähnenswert ist dabei eine D-Zugverbindung über Lichtenfels nach München
Im Jahr 2006 fahren in der Woche zwischen 6 Uhr und 20 Uhr acht Züge alle 2 Stunden von Gleis 5 nach Bad Rodach. Die Regionalbahnen bestehen aus Dieseltriebwagen der Baureihe 628. Nach Sonneberg gibt es 18 Zugverbindungen, davon 7 Regionalexpresszüge, die im 2-Stundentakt meist von Gleis 2 oder 3 abfahren. Nach Lichtenfels gibt es in Coburg 28 Zugverbindungen, davon eine Regionalexpresslinie mit 8 Zügen sowie 2 Regionalbahnlinien mit 20 Zügen. Die Linien verkehren im 2-Stundentakt von Gleis 2,3 oder 4. Die Regionalexpresszüge bestehen aus Doppelstockwagen und der Baureihe 146 als Lokomotive. Die Regionalbahnen sind in der Woche meist mit der Baureihe 143 bespannt.
Güterverkehr
Güterverkehr findet im Jahr 2006 nur noch planmäßig zum Müllheizkraftwerk in Coburg-Neuses statt.
Gebäude
Das langgestreckte, nur ungefähr 22 Meter breite Empfangsgebäude wurde vom Regierungs- und Baurat Conrad Steinbrück entworfen und entstand zwischen den Jahren 1911 und 1923. In der Art eines spätbarocken Schlossbaus besteht das Gebäude aus zwei Eckpavillons, die den Mitteltrakt mit der halbrunden Eingangshalle, die über vier Stufen zu erreichen ist, einrahmen. Der südliche Pavillon hat ein flaches Satteldach, der nördliche ein Pyramidendach.
Im Empfangsgebäude sind seit 1978 ein Restaurant und ein Supermarkt in den ehemaligen Wartesäalen der 1. und 2. Klasse sowie eine Buchhandlung in der ehemaligen Gepäckabfertigung vorhanden. Daneben git es noch ein Servicecenter mit einer Fahrkartenausgabe, allerdings wurde die öffentliche Toilettenanlage im 21. Jahrhundert gesperrt.
Der benachbarte ehemalige Fürstenbau des Bahnhofs entstand zwischen den Jahren 1915 und 1916. Das Gebäude ist geprägt durch ein hohes Walmdach und vier ionischen Säulen, über denen das von zwei Löwen gehaltene Wappen des Herzogtums Coburg angeordnet ist.
Planungen
Nachdem im Sommer 2007 die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes abgeschlossen wurde, werden Arbeiten an der Straße vor dem Bahnhof durchgeführt. Dadurch wird die Verkehrsführung leicht geändert. Noch 2007 sollen die Bauarbeiten eines zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) südlich des Fürstenbaus beginnen. Mittelfristig ist ein Parkhaus närdlich des Bahnhofsgebäudes geplant.
Zum größten Teil sind in Coburg Stellwerke mit herkömmlicher Technik in Betrieb. Es ist geplant diese zusammen mit dem Umbau für Anbindung an die Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt durch moderne Sicherungstechnik ersetzt werden. Mit Inbetriebnahme der Neubaustrecke sollen dann täglich ICEs in den Tagesrandstunden in Coburg halten.
Weiterführende Informationen
Literatur
- Wolfgang Bleiweis, Stefan Goldschmidt und Bernd Schmitt: Eisenbahn im Coburger Land. Resch Druck: Coburg 1996. ISBN 3-9802748-4-5
- Peter Morsbach, Otto Titz: Stadt Coburg. Ensembles-Baudenkmäler-Archäologische Denkmäler. Denkmäler in Bayern. Band IV.48. Karl M. Lipp Verlag München, 2006. ISBN 3-87490-590-X