Alas-Nacionales-Flug 301
Vorlage:Infobox Flugzeugabsturz Birgenair-Flug 301 war eine Boeing 757-225 auf dem Weg von Puerto Plata nach Frankfurt am Main. In Gander, Neufundland, und Berlin-Schönefeld waren Zwischenlandungen vorgesehen. Für den Flug war ursprünglich eine Boeing 767 der Fluggesellschaft ALAS Nacionales eingeplant. Wegen eines Defekts wurde diese Maschine jedoch kurzfristig gegen eine auf dem Vorfeld geparkte 757 der Birgenair ausgetauscht.
Diese Maschine stand seit 13 Tagen inaktiv auf dem Vorfeld des Aeropuerto Gregorio Luperon. Es wurde später rekonstruiert, dass sich während dieser Standzeit etwas Schmutz in einer der Staudrucksonden abgelagert hatte. Während des Fluges versorgen diese Sonden die Cockpitinstrumente mit Daten über Höhe und Geschwindigkeit. Bei längerer Standzeit am Boden werden sie normalerweise abgedeckt, was in diesem Fall jedoch unterblieb.
Um 3:42 Uhr begann die Boeing 757 mit ihrem Startlauf. Als das Flugzeug eine Geschwindigkeit von 80 Knoten erreicht hatte, bemerkte der Kapitän, dass sein Geschwindigkeitsmesser nicht funktionierte. Das Instrument des Copiloten zeigte hingegen korrekte Werte an. Obwohl man die sogenannte Entscheidungsgeschwindigkeit für einen Startabbruch (V1) noch nicht erreicht hatte, entschied sich die Besatzung, den Startlauf fortzusetzen.
Kurz nach dem Abheben begann auch der Geschwindigkeitsmesser des Kapitäns zu arbeiten. Die Piloten schalteten den Autopilot ein und wählten die entsprechenden Modi für den weiteren Steigflug. Aufgrund des teilweise verstopften Staudruckrohres zeigte das Instrument des Kapitäns jedoch eine weit überhöhte Geschwindigkeit an. Während die Piloten versuchten, die Ursache für die falsche Anzeige des Kapitäns zu finden, erschienen auf dem EICAS-Monitor im Cockpit die Warnmeldungen Rudder Ratio und Mach Speed Trim. Beide deuteten auf Probleme mit einer erhöhten Geschwindigkeit hin, sie wurden jedoch ebenfalls durch die falschen Meßdaten ausgelöst.

Während sich die Maschine weiterhin im Steigflug befand, wurde in einer Höhe von 6700 Fuß eine Geschwindigkeit von 353 Knoten angezeigt. Der mit diesen Daten gespeiste Autopilot ergriff nun Maßnahmen, um die vermeintlich zu hohe Geschwindigkeit zu korrigieren. Die Triebwerke wurden gedrosselt und die Maschine vergrößerte ihren Anstellwinkel. Tatsächlich betrug die Geschwindigkeit über Grund zu diesem Zeitpunkt nur 199 Knoten. Die zusätzlichen Bremsmaßnahmen des Autopiloten lösten daraufhin den Stick Shaker aus, ein Rütteln der Steuersäule, dass die Piloten vor einem drohenden Strömungsabriss warnen soll.
Die Piloten waren durch die gegensätzlichen Warnungen (Rudder Ratio/Mach Speed Trim und Stick Shaker) völlig verwirrt.
Sie schalteten den Autopilot ab und versuchten, die Kontrolle über die Maschine manuell zurückzuerlangen. Dabei übersahen sie allerdings, dass sich die Triebwerke der Maschine -noch durch die Ausgleichsversuche des Autopiloten veranlasst- im Leerlauf befanden. Erst 30 Sekunden später erkannte der Flugkapitän den fatalen Fehler und rief "Schubhebel! Schub, Schub, Schub, Schub!" Zu diesem Zeitpunkt war die Maschine jedoch bereits in einen unkontrollierbaren Flugzustand geraten. Wenige Sekunden später, um 3:47:15 Uhr, stürzte sie in den Atlantik.
Alle 176 Passagiere und 13 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unglück ums Leben.
Unfalluntersuchung und Abschlussbericht
Der Absturz wurde von der zivilen Luftfahrtbehörde der Dominikanischen Republik, der Direccion General de Aeronautica Civil, untersucht. Dabei kam man zu folgendem Ergebnis:
- Die wahrscheinliche Unglücksursache lag in dem Unvermögen der Flugbesatzung, die Aktivierung des Stick Shaker als unmittelbare Warnung für den Übergang in den überzogenen Flugzustand zu erkennen und die Unfähigkeit, die entsprechenden Verfahren zur Behebung dieses Flugzustandes durchzuführen. Vor der Warnung durch den Stick Shaker hatten eine fehlerhafte Anzeige des Anstiegs der Fluggeschwindigkeit und die Warnung für die Überschreitung der maximalen Geschwindigkeit zur Verwirrung der Besatzung geführt.