Zum Inhalt springen

Nationaler Sozialismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 3. Juli 2007 um 21:07 Uhr durch Jesusfreund (Diskussion | Beiträge) (Nationaler Sozialismus im Neonazismus). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Der vieldeutige Begriff Nationaler Sozialismus steht historisch für ideologische Strömungen und politische Parteien, die Nationalismus und Sozialismus seit etwa 1900 auf verschiedene Weise miteinander verbinden und aussöhnen wollten. Er wurde in der Weimarer Republik weithin zum Synonym für „Nationalsozialismus“.

Aufgrund der verheerenden Ergebnisse der nationalsozialistischen Herrschaft steht der Begriff heute fast ausschließlich für ein nicht erneuerbares, rassistisches, imperialistisches und totalitäres Ideologie-Konglomerat.

Nur einige Gruppen des heutigen Neonazismus verwenden den Ausdruck weiterhin für ihre rechtsextremen Konzepte, um mit einer Querfront-Strategie über ihr Lager hinaus auch bei Sozialisten Zustimmung und Anhänger zu finden.

Herkunft

Schon um 1900 entstanden in manchen europäischen Staaten Strömungen, die einen „Dritten Weg“ zwischen den weithin beherrschenden, sich gegeneinander definierenden und bekämpfenden Richtungen des antisozialistischen Nationalismus auf der einen, des internationalistischen Sozialismus auf der anderen Seite suchten.

Die „Deutsche Arbeiterpartei“ des österreichischen Sudetenlandes benutzte den Begriff 1904 als erste, um ihr Ziel einer nationalen Einigung und regionalen Autonomie durch Ablösung der Österreich-Ungarischen Monarchie zu beschreiben. Am 5. Mai 1918 benannte sich die Partei dazu in „Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“ (DNSAP) um. Ihr Programm verfasste der sudetendeutsche Abgeordnete Rudolf Jung unter dem Titel „Nationaler Sozialismus“.

Aber solche rechtsradikalen Gruppen waren damals längst nicht die einzigen, in der eine die früheren Gegensätze überwindende Zielvorstellung gesucht wurde. National-sozialistische Motive spielten etwa in der Jugendbewegung, im religiösen Sozialismus um Paul Tillich, bei deutschen Jesuiten um Gundelach und bei den Nationalbolschewisten um Ernst Niekisch eine große Rolle. Kaum eine damalige Gruppe glaubte, auf den Nationalismus als gestaltende und massenmobilisierende Kraft verzichten zu können.

Entwicklung der NSDAP

Im Januar 1919 gründete sich die Deutsche Arbeiterpartei, die sich 1920 in München in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei umbenannte und sich neu als „Bewegung“ zur Sammlung aller radikal antisemitischen und antidemokratischen Kräfte positionierte. Dabei übernahm sie weite Teile von Jungs Programmatik. Ihr 25-Punkte-Programm betonte den aus der völkischen Bewegung des Deutschen Kaiserreichs bekannten Begriff der Volksgemeinschaft, der sich alles unterzuordnen habe. Diese Idee wurde nach innen sowohl integrierend wie fremdenfeindlich und ausgrenzend – vor allem für Juden und Kommunisten – , nach außen expansionistisch und rassistisch als „Kampf der Arier um Lebensraum“ ausformuliert. Ziele wie Mittel waren jedoch in der aus vielen Vorläufern entstandenen Sammlungsbewegung noch weitgehend ungeklärt.

In den 1920er Jahren stritten die von Gregor und Otto Strasser auf der einen, Alfred Rosenberg auf der anderen Seite vertretenen Parteiflügel der NSDAP öffentlich über das Verhältnis der nationalistischen zur sozialistischen Komponente ihres Programms. Erst 1934 entschied Parteiführer Adolf Hitler als „Führer und Reichskanzler“ diesen Flügelkampf autoritativ und endgültig, indem er die stärker antikapitalistisch ausgerichteten Parteivertreter, allen voran Ernst Röhm, ermorden ließ und die paramilitärische SA, deren Straßenterror ihm zur Machtergreifung verholfen hatte, entmachtete (siehe Röhmputsch). Der „Sozialismus“ in der NS-Innenpolitik war bereits mit der Gleichschaltung der Gewerkschaften und dem Terror gegen die Linksparteien und Organisationen der Arbeiterbewegung desavouiert worden.

Nationaler Sozialismus im Neonazismus

Heute versuchen vor allem „Nationalrevolutionäre“ wie der von Michael Kühnen inspirierte Kampfbund Deutscher Sozialisten an Traditionen und Vorstellungen eines Nationalen Sozialismus anzuknüpfen. Dies zielt in der Regel auf eine sogenannte Querfront-Strategie, die den links-rechts-Gegensatz verwischen und überwinden soll, um so Personen und Gruppen, die sich dem Lager der radikalen Linken zugehörig sehen, anzusprechen und für gemeinsame Aktionsbündnisse zu vereinnahmen.

Dabei wird das Ziel einer sozialen Revolution zur Schaffung eines teilweise am Dritten Reich orientierten Nationalstaats anvisiert, in dem zugleich syndikalistische, rätedemokratische oder anarchistiiche Motive und Ideen umgesetzt werden sollen.

Dieses diffuse Konzept soll Nationalrevolutionäre mit „progressiven“ oder „linken“ Nationalsozialisten, die sich weniger an Hitler als an NS-Führern wie Gregor Strasser orientieren, sowie mit nationalistisch gesinnten Sozialisten und Kommunisten vereinen.

Der offen neonazistische und gewaltbereite Kampfbund Deutscher Sozialisten sieht sowohl das Dritte Reich als auch die DDR, die den Nationalen Sozialismus nur unter anderen Vorzeichen fortgesetzt habe, als gescheiterte Anläufe zu einem Deutschen Sozialismus. Er betrachtet sich in diesem Sinne selbst als dessen Vertreter. Die unregelmäßig erscheinende Zeitschrift „Der Fahnenträger“ bezeichnet sich als Zentralorgan der Nationalen Sozialisten.

Auch einige Linksnationalisten ordnen sich dem Nationalen Sozialismus zu. Sie verwenden dabei als ihr Symbol eine abgewandelte Version des Antifa-Logos, in dem der Schriftzug„Antifaschistische Aktion“ durch „Nationale Sozialisten – Bundesweite Aktion“ ersetzt wurde.

Generell bezeichnen sich Neonazis inzwischen immer öfter als nationale Sozialisten und nicht mehr als Nationalsozialisten. Dies hat mehrere taktische wie ideologische Gründe:

  • Vermeidung der Strafverfolgung wegen Volksverhetzung
  • geringere Abschreckung vieler Menschen in Deutschland, für die „Nationalsozialismus“ negativ vorbelastet ist
  • zugleich hoherer Provokations- und Abgrenzungswert gegenüber Sozialisten und anderen, gemäßigten Rechtsradikalen
  • Betonung anti-kapitalistischer Komponenten als Verständigungsangebot an Linke
  • dadurch Verwischung der Grenzen zwischen Neonazismus und Linksradikalismus.

Siehe auch

  • [[Linksfaschismus]