Zum Inhalt springen

Tafelklavier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 12. Mai 2007 um 11:45 Uhr durch 130.237.53.222 (Diskussion). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Das Tafelklavier ist eine frühe Bauform des Hammerklaviers, bei der die Saiten horizontal und quer angebracht sind, also Taste und zugehörige Saite ungefähr rechtwinklig zueinander verlaufen. Diese Konstruktion ermöglicht eine rechteckige Gestaltung des Gehäuses in Form eines Tisches. Das Instrument kann somit in zugeklapptem Zustand als Anrichte o. ä. verwendet werden und nimmt wesentlich weniger Raum in Anspruch als ein Flügel. Die Idee dieser speziellen Bauform indes war nicht neu, sondern wurde bereits beim Virginal (Spinett) angewandt.

Tafelklaviere waren im 19. Jahrhundert sehr beliebt. Berühmte Musiker wie Franz Schubert, Clara Schumann, Robert Schumann, Richard Wagner und Franz Liszt spielten und komponierten ihre Werke auf Tafelklavieren.

Musikinstrumentenbauer experimentierten mit verschiedensten Bauvarianten und Materialien, so dass ein Tafelklavier durchaus soviel wie ein Flügel kosten konnte. Für den Korpus wurden von edlem Vollholz (z. B. Kirsche) bis zu preiswerterem, furnierten Nadelholz alle Qualitätsstufen verbaut. Beim Tafelklavier wurde außerdem mit verschiedenen technischen Einrichtungen zur Ton- und Klangveränderung experimentiert: Fußpedale und Kniehebel, unter dem Boden des getäfelten Klavieres angebracht, trugen Bezeichnungen wie „Lautenzug“, „Pianozug“, „Fortezug“ usw. Der „Schweller“, ein Pedal, um den Deckel auf- und abzuheben, wurde hauptsächlich bei englischen Instrumenten angewendet.

Ab 1850 wurden Tafelklaviere zunehmend industriell gefertigt. Die ersten Instrumente mit Streben, Rahmen und Anhangplatten aus Metall entstanden, um die immer größer werdende Saitenspannung abzufangen. Dadurch wurden die Instrumente immer schwerer. Was vorher durch kleine Familienbetriebe gefertigt wurde, wurde jetzt teilweise in Serie mit bis zu 600 Mitarbeitern (z. B. Broadwood) hergestellt.

Mit der Weiterentwicklung eines Klaviers mit senkrechtem Saitenbezug (Giraffenklavier, Lyraflügel, Pianino, piano droit, Upright etc.) kam das Tafelklavier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts allmählich aus der Mode.

Beispiel

Im Schloss Homburg in Triefenstein ist ein Tafelklavier von Johann Christoph Jeckel aus dem Jahre 1770 zu sehen. Es ist mit großem Aufwand und feinstem Geschmack dekoriert. Für die Marketerie des Instruments verarbeitete Jeckel Nußbaum, Zwetschge, Ahorn, Rosenholz (Palisander) und Padouk, die Klaviatur ist kunstvoll mit Ebenholz und Bein belegt. Sein Umfang ist F1-f3. Inv. Nr. 6.

  • Tastenwiki - Datensammlung zum Thema historischer Klavierbau

Vorlage:Link FA