Paternoster Square
Der heutige Paternoster Square entstand im Rahmen eines städtebauliches Projekts nördlich der Londoner St.Paul's Cathedral. Der Name bezieht sich auf die einst dort verlaufende Paternoster Row. Im Mittelalter wurde diese vom Klerus der Old St.Paul's genutzt, die beim Entlanglaufen das Vaterunser (lat. Pater Noster) aufzusagen. Bevor das Gebiet 1942 durch deutsche Luftangriffe ("The Blitz") weitgehend dem Erboden gleich gemacht wurde, war hier das Londoner Verlagsviertel, geprägt von Straßenbuchhändlern.
Die 60er
Von 1961 bis 1967 wird das Gebiet zwischen dem Friedhof von St.Paul's und Newgate Street nach Plänen des britischen Architekten und Stadtplaners William Graham Holford neu gestaltet. Die eher abweisende und eintönige Bebauung und der daraus folgenden Atmosphäre macht es jedoch bald unattraktiv bei der Bevölkerung. Auf Grund seiner Nähe zu diversen touristischen Anziehungspunkten wird der Platz und seine Umgebung gar als Peinlichkeit empfunden.
Die 80er und 90er
Mit der Zeit wird es immer schwerer Mieter für die Gebäude zu finden, sodass man Ende der 80er-Jahre beginnt, über eine Neugestaltung des Platzes in Erwegung zu ziehen. 1987 findet eine Ausschreibung um die Neugestaltung statt, bei der ein Entwurf des Architektenbüros Arup Associates als Sieger hervorgeht. Er sieht eine komplizierte, zusammenhangslose postmoderne Gestaltung vor. Daraufhin werden die Pläne 1990 zu Gunsten des eher klassisch ausfallenden Entwurfs des britischen Architekten John Simpson fallen gelassen. Diese Pläne werden von von einer Zeitung und Prinz Charles gefördert. Die Lobby der Unterstützer moderner Architektur kritisieren diese Pläne jedoch als Nachahmung des Verlorenen, sodass schließlich auch dieser Entwurf verworfen wird.
1996 beginnt man, das Gebiet entsprechend des Masterplans von William Whitfield, umzubauen. Im Oktober 2003 wird das Projekt, welches vom mehreren Bauherren getragen wird, vollendet. Unter den Bauherren befindet sich auch die London Stock Exchange, die hier ihr neues Domizil bezog.
Befürworter dieser Planungen loben das Ergebnis für seine harmonische Gestaltung und die gewählten Materialien, wie Stein und Ziegel. So wurde z.B. Wrens historischer Kapitelsaal in die neue Bebauung integriert, ohne als Fremdkörper zu wirken. Auch die Unterteilung des Straßenblocks durch Fußgängerwege, die in eine zentralen Platz münden, trägt dazu bei, dass der Paternoster Square zu einem Idealbild für für den modernen Städtebaus wurde, der alte und neue Strukturen geschickt zu verbinden vermag.
Kritiker bemängeln jedoch die banale Architektur und die ausschließliche Nutzung durch Geschäfte und Büros bzw. das Fehlen von Wohungen, sodass der Platz an Wochenenden und Feiertagen wie ausgestorben sei.
Denkmäler und Skulpturen
Der Platz wird geprägt von der Paternoster Square Column, einer 23m hohen korinthischen Säule aus Portland-Stein, die von einer blattvergoldeten flammenden Urne. Die Säule wurde vom Architektenbüro Whitfield Partners entworfen.
Am nördlichen Rand des Platzes steht die Bronzeskulptur "Schäfer und Schafe" der britischen Bildhauerin Dame Elisabeth Frink. Sie wurde 1975 für das damalige Projekt geschaffen und nach dem Umbau wieder aufgestellt.
2004 wurde außerdem der Temple Bar rekonstruiert.