Pardon (Zeitschrift)
pardon ist eine deutschsprachige satirische Zeitschrift, die von 1962-1982 erschien und seit April 2004 wieder erscheint. Ihr Markenzeichen ist seit der ersten Ausgabe F. K. Waechters Teufelchen, das seine Melone lupft.
Geschichte
pardon versammelte die Neue Frankfurter Schule und spritzte seit der ersten Ausgabe im September 1962 etwas Farbe in die graue Adenauer-Ära. Zu Spitzenzeiten hatte pardon eine Auflage von 300.000 Exemplaren. Dafür sorgten unter anderem Autoren wie Chlodwig Poth, Hans Magnus Enzensberger, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Ephraim Kishon, Loriot, Erich Kästner, Günter Wallraff, Alice Schwarzer und Herbert Feuerstein. 1967 wurde die Langspielplatte Heinrich Lübke ... redet für Deutschland veröffentlicht, in der man sprachliche Ausrutscher des damaligen Bundespräsidenten gesammelt hat. "pardon" schrieb auch durch weitere Mitarbeiter Geschichte - die Redakteure Rainer Baginski und Robert Kuhn gingen von dort aus in die Werbung und schufen berühmte Kampagnen, und Layouter Hannes Wader wurde Liedermacher.
Nach Streitereien mit der Verlagsleitung trennte sich der Großteil der Redaktion von der Zeitschrift und gründete 1979 in Eigenregie das Satire-Magazin Titanic. Henning Venske wurde Chefredakteur von pardon. Drei Jahre später wurde pardon eingestellt. Verleger und Chefredakteur Hans A. Nikel war nur noch mit esoterischen Titeln und Nacktbildern im Heft aufgefallen.
Im April 2004 wurde die Zeitschrift vom Jenaer Satiriker Bernd Zeller (* 1966) wiederbelebt. Der Buchautor, Karikaturist (u.a. für Titanic) und ehemalige Gag-Schreiber für Harald Schmidt, versammelte in der ersten Ausgabe Texte von Götz Alsmann, Roger Willemsen, Doris Dörrie und Wiglaf Droste. Harald Schmidt schrieb das Vorwort: einen Absagebrief. Die Druckauflage betrug 97.000 Stück. Die neue pardon sollte nach Zellers Vorstellung Satire, gemischt mit Essays und Kolumnen bieten. Zielgruppe seien Studenten und aufwärts - ein Publikum, dem Titanic zu bemüht lustig sei, so Zeller.
Nach dem Erfolg der ersten, von Zeller selbst finanzierten Auflage (47.000 verkauft) ging die Zahl der verkauften Exemplare bei der 3. Ausgabe bereits deutlich auf 12.000 zurück. Von den prominenten Autoren schreibt keiner mehr für das Blatt. Probleme bereitete von Anfang an die zentrale Stellung von Zeller als Verleger, Chefredakteur, Herausgeber und Autor mit den meisten Beiträgen. Zellers Versuche, einen neuen Verlag zu finden und sich dadurch auf die Redaktionsarbeit konzentrieren zu können, waren im Frühjahr 2005 endlich erfolgreich und er konnte sich aus dem Verlagsgeschäft zurück ziehen. Nun erscheint pardon alle zwei Monate im Rübe Verlag mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren pro Heft.
pardon betreibt keinen eigenen aktuellen Web-Auftritt und kooperiert daher mit dem Helgoländer Vorboten.
Literatur
- Oliver Maria Schmitt: Die schärfsten Kritiker der Elche in Wort und Strich und Bild. Berlin: Alexander Fest 2001. ISBN 3-8286-0109-X (Porträts der Neuen Frankfurter Schule und der Frühzeit von pardon)