Friedensvertrag von Versailles
Der Friedensvertrag von Versailles, der am 28. Juni 1919 unterzeichnet wurde und am 10. Januar 1920 in Kraft trat, beendete formell den Ersten Weltkrieg zwischen den Mittelmächten und den Mächten der Entente.
Es ist bei weitem der folgenreichste der Pariser Vorortverträge. Weitere Vorortverträge sind unter anderem der Vertrag von Trianon mit Ungarn und der Vertrag von St. Germain mit Österreich. Der Versailler Vertrag konstatierte in Artikel 231 (Kriegsschuldartikel) des Vertrages die alleinige Kriegsschuld des Deutschen Reichs und verpflichtete Deutschland zu Reparationszahlungen an die Siegermächte.
Kriegsschuldartikel (Artikel 231) und Reparationen
Der Vertrag wies allein dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die Verantwortung für den 1. Weltkrieg zu. Diese einseitige Schuldzuweisung hat in den direkt folgenden Jahren und auch später zur Kriegsschulddebatte geführt. Politiker und Historiker aller Nationen beurteilen die Ursachen zum 1. Weltkrieg heute differenzierter als es in dem Vertrag ausgedrückt wird.
Der Artikel 231 diente den Alliierten als Grundlage für die Forderung von Reparationszahlungen Deutschlands. Die Höhe der Reparationen war im Versailler Vertrag nicht festgelegt. Insbesondere der Artikel 231 des Vertrages traf die junge deutsche Republik sowohl politisch als auch psychologisch schwer. Er bedeutete eine (anfängliche) Isolation Deutschlands, das sich als Sündenbock für die Verfehlungen der anderen europäischen Staaten vor dem 1. Weltkrieg sah. Die deutsche Bevölkerung entwickelte ein Unbehagen gegenüber den alliierten Mächten und der ihr aufgezwungenen Republik. Schnell war die Bezeichnung Kriegsschuldlüge in aller Munde.
siehe: Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg
Territoriale Bestimmungen
Deutschland musste zahlreiche Gebiete abtreten: Nordschleswig an Dänemark, die Provinzen Westpreußen und Posen sowie das oberschlesische Kohlerevier an den neuen Staat Polen. Außerdem ging das Hultschiner Ländchen an die neu gebildete Tschechoslowakei. Im Westen erhielt Frankreich das 1871 von Deutschland annektierte Elsass-Lothringen, und Belgien erhielt als Kriegsentschädigung das überwiegend deutschsprachige Gebiet Eupen-Malmedy. Darüber hinaus wurde der gesamte deutsche Kolonialbesitz dem Völkerbund unterstellt. Insgesamt verlor Deutschland 30% seines vorherigen Gebietes, Österreich 88%. Die Donaumonarchie, die jahrhundertelang die Geschichte Europas mitentschieden hatte, zerfiel. Die Vereinigung Deutschlands mit Deutschösterreich wurde untersagt.
Deutsche Gebietsverluste durch den Versailler Vertrag
1. Sofort abgetretene Gebiete (Ohne Volksabstimmung):
- Elsass-Lothringen (an Frankreich)
- Fast ganz Westpreußen (ohne Danzig) und Posen (an Polen)
- die südliche Hälfte des ostpreußischen Kreises Neidenburg (an Polen)
- das Reichthaler Ländchen (an Polen)
- Hultschiner Ländchen (an die Tschechoslowakei)
- Die Teile Kameruns an Frankreich, die 1911 erst deutsche Kolonie geworden waren.
2. Nach Volksabstimmung abgetreten:
- Nordschleswig (an Dänemark)
- Ostteil von Oberschlesien an Polen (obwohl 60% der Oberschlesier gegen den Anschluss an Polen stimmten)
- Eupen - Malmedy (und Moresnet) an Belgien; ursprünglich ohne Abstimmung, eine spätere Abstimmung bestätigte die Zugehörigkeit zu Belgien. Ob die Abstimmung korrekt war oder nicht, wurde von beiden Seiten gegensätzlich dargestellt (Die Sicht der Deutschen im Jahre 1941: siehe Walter Truckenbrodt). Die Bevölkerung dieses Gebietes ist bis heute überwiegend deutschsprachig.
3. Nach Volksabstimmung bei Deutschland geblieben:
- Südschleswig
- Westteil Oberschlesiens (1/3)
- 9 Landkreise Westpreußens östlich und westlich des neuen polnischen „Korridors“ (siehe Westpreußen)
- Südteil Ostpreußens (aber ohne Soldau, Kreis Neidenburg)
- das Namslauer Abstimmungsgebiet
4. Dem Völkerbund unterstellt:
- Saargebiet
- Politisch dem Völkerbund unterstellt
- Wirtschaftlich zu Frankreich
- nach 15 Jahren Abstimmung der Bevölkerung über Landeszugehörigkeit
- Danzig (Freie Stadt)
- Das Memelland wurde zunächst dem Völkerbund bzw. der französischen Besatzung unterstellt und wurde 1923 von Litauen besetzt und annektiert.
- Kolonien
5. Entmilitarisierte Gebiete:
Angestrebte Vereinigung mit Österreich
Die am 21. Oktober 1918 gegründete Republik Deutschösterreich trat unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker mit Wirkung zum 12. November 1918 dem Deutschen Reich bei. Jedoch wurde diese Vereinigung sowohl durch den Vertrag von Versailles, als auch durch den Vertrag von Saint-Germain untersagt.
Ungeachtet dessen kam es in Teilregionen Österreichs in der Folgezeit zu Abstimmungen, bei denen sich die überwältigendene Mehrheit der Menschen für einen Beitritt zum Deutschen Reich aussprachen (z. B. am 24. April 1921 in Tirol: 98,8% für einen Anschluss). Als Reaktion darauf verboten die Siegermächte weitere Volksbefragungen durchzuführen.
Militärische Bestimmungen
Deutschland wurden weitgehende Beschränkungen auferlegt:
- Auflösung des Großen Generalstabes
- Berufsarmee mit maximal 100.000 Mann und ca. 4000 Offizieren
- keine allgemeine Wehrpflicht
- Verbot von militärischen Vereinen, Militärmissionen und Mobilmachungsmaßnahmen
- Marine mit 15.000 Mann, 6 Panzerkreuzern, 6 leichten Kreuzern und 12 Torpedobooten
- keine schweren Waffen wie U-Boote, Panzer, Schlachtschiffe oder chemische Kampfstoffe
- Beschränkung der Waffenvorräte (102.000 Gewehre, 40,8 Mill. Gewehrpatronen)
- Verbot des Wiederaufbaus der Luftwaffe
- Entmilitarisierung des Rheinlands (50-km-Streifen östlich des Rheins)
- Verbot des Festungsbaus entlang der deutschen Grenze
- Verbot von Befestigung und Artillerie zwischen Ost- und Nordsee
- Im Weiteren wurden jegliche Maßnahmen, die zur Vorbereitung eines Krieges geeignet sind, verboten. Dies hatte unter anderem Auswirkungen auf das Deutsche Rote Kreuz, das in der Folge seine Ursprungsaufgabe in den Hintergrund stellen musste.
== Politische und Wirtschaftliche Bestimmungen ==hach jaa, das gras
Deutschland musste die Unabhängigkeit Österreichs von Deutschland auf Dauer anerkennen. Außerdem war eine Wiedergutmachung durch Geld- und Sachleistungen in noch festzulegender Höhe beabsichtigt. - Verkleinerung der deutschen Handelsflotte.
Völkerbund
Außerdem sah der Vertrag die Gründung des Völkerbunds vor, eines der erklärten Ziele des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson. Dies war eine Art Vorläufer der heutigen UNO. Deutschland war bis 1926 nicht Mitglied dieser Organisation. Die USA, die den Völkerbund initiiert hatten, lehnten den Vertrag von Versailles ab und blieben der Organisation fern.
Folgen des Vertrages
Im Nachhinein betrachtet, war das Vertragswerk von Versailles weit weniger hart als es der bloße Wortlaut des Vertrages vermuten ließ. Viele negative Bestimmungen des Vertrages sind schließlich abgeschwächt worden, wenn auch einige erst unter dem militärischen Druck Hitlers. Dennoch beschädigte der Vertrag (und auch die Art des Vertragsabschlusses) nachhaltig das Ansehen der Westmächte und der Demokratie in Deutschland. Der Vertrag von Versailles erwies sich als zu hart und zu weich gleichermaßen. Er war zu hart als das ein als politische Einheit und wirtschaftliche Großmacht bestehen gebliebenes Deutschland ihn dauerhaft akzeptieren würde, und zu weich um Deutschland dauerhaft als Großmacht auszuschalten. Nationalistische und rechte Gruppen warfen der Weimarer Regierung vor, durch die Annahme der Vertragsbedingungen die Interessen Deutschlands verraten zu haben und forderten eine Revision des als "Schandfrieden" oder "Schanddiktat von Versailles" bezeichneten Vertrags. Doch auch auf der Linken (sogar bei den Kommunisten) stieß der Vertrag auf heftige Ablehnung. Inwieweit der Vertrag von Versailles (notwendig) zur Machtergreifung Hitlers beigetragen hat, bleibt spekulativ und kann nicht beantwortet werden. Sicher ist der Weg zu Hitler nicht zwangsläufig gewesen, die zeitgenössische Aussage des Marschall Foch angesichts des Vertrages ist jedoch in seiner wissenden Vorausschau nicht zu leugnen. Er sagte: „Das ist kein Frieden. Das ist ein zwanzigjähriger Waffenstillstand.“ Der Vertrag selbst war unter den Siegermächten umstritten. England fürchtete eine zu starke Dominanz Frankreichs auf dem europäischen Kontinent und die USA forderten die Durchsetzung von Wilsons 14-Punkte Programm. Schließlich setzte sich Frankreich mit seinem enormen Sicherheitsbedürfnis im Angesicht der größten Kriegslast durch. Die schwerwiegenden Folgen dieses Vertrages sah der britische Premier Lloyd George bereits im März bemerkenswert klar voraus (siehe Zitat).
Die durch den Versailler Vertrag begründeten bedeutsamen wirtschaftlichen Folgen und die außenpolitische Isolation Deutschlands versuchte Walther Rathenau im Vertrag von Rapallo zu entschärfen. Darin wurde das Verhältnis zur Sowjetunion normalisiert und auf gegenseitige Ansprüche verzichtet.
Einen ähnlich harten Friedensvertrag hatte noch kurz zuvor, am 3. März 1918, das Deutsche Reich in Brest-Litowsk mit dem revolutionären Russland abgeschlossen. Dieser Vertrag, der nur bis zum endgültigen Waffenstillstand im November 1918 in Kraft blieb, sah für Russland massive Gebietsabtretungen und Reparationszahlungen vor. Das Deutsche Reich wollte die frei gewordenen Gebiete dominieren, ähnlich wie Frankreich Teile Westdeutschlands. Allerdings saß hier der Besiegte in Form der von Leo Trotzki geführten sowjetrussischen Delegation mit am Verhandlungstisch, auch hatte der Friedensvertrag von Brest-Litowsk nur ein Dutzend Artikel und kann nicht mit dem Versailler Vertrag verglichen werden. Die damaligen Gebietsverluste Russlands ähneln verblüffend der Landkarte nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991.
Insgesamt wurde es von verschiedenen Historikern als ein Geburtsfehler des Versailler Vertrages bezeichnet, dass er zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen versuchte. Zum einen waren die Wilsonschen Ideale der Selbstbestimmung der Völker und der territorialen Übereinstimmung zwischen Volk und Staat, zum anderen bestanden die Siegermächte, insbesondere Frankreich darauf, Deutschland entscheidend zu schwächen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Siegermächte, vor allem die angelsächsischen, wesentlich bedachtsamer gewesen und haben mehr Rücksicht auf die öffentliche Meinung in Deutschland genommen.
Zitate
„Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in solche Fesseln legte?“ - Reichskanzler Philipp Scheidemann (SPD) in der Nationalversammlung am 12. Mai 1919
„Wir stehen hier aus Pflichtgefühl, in dem Bewußtsein,daß es unsere verdammte Schuldigkeit ist, zu retten zu suchen, was zu retten ist... Wenn die Regierung ... unter Vorbehalt unterzeichnet,so betont sie, daß sie der Gewalt weicht, in dem Entschluß, dem unsagbar leidenden deutschen Volke einen neuen Krieg, die Zerreissung seiner nationalen Einheit durch weitere Besetzung deutschen Gebietes, entsetzliche Hungersnot für Frauen und Kinder und unbamherzige längere Zurückhaltung der Kriegsgefangenen zu ersparen.“ - Ministerpräsident Bauer am 22. Juni 1919 zum Versailler Vertrag
„Das ist kein Frieden. Das ist ein zwanzigjähriger Waffenstillstand.“ - französischer Marschall Foch
„Man mag Deutschland seiner Kolonien berauben, seine Rüstung auf eine bloße Polizeitruppe und seine Flotte auf die Stärke einer Macht fünften Ranges herabdrücken; dennoch wird Deutschland zuletzt, wenn es das Gefühl hat, dass es im Frieden von 1919 ungerecht behandelt worden ist, Mittel finden um seine Überwinder zur Rückerstattung zu zwingen. ... Um Vergütung zu erreichen mögen unsere Bedingungen streng, sie mögen hart und sogar rücksichtslos sein, aber zugleich können sie so gerecht sein, dass das Land, dem wir sie auferlegen, in seinem Innern fühlt, es habe kein Recht sich zu beklagen. Aber Ungerechtigkeit und Anmaßung, in der Stunde des Triumphs zur Schau getragen, werden niemals vergessen noch vergeben werden. ... Ich kann mir keinen stärkeren Grund für einen künftigen Krieg denken, als dass das deutsche Volk, das sich sicherlich als eines der kraftvollsten und mächtigsten Stämme der Welt erwiesen hat, von einer Zahl kleinerer Staaten umgeben wäre, von denen manche niemals vorher eine standfeste Regierung für sich aufzurichten fähig war, von denen aber jeder große Mengen von Deutschen enthielte, die nach Wiedervereinigung mit ihrem Heimatland begehrten.“ - Lloyd George, britischer Premierminister in seinem Memorandum zum Versailler Vertrag, 25. März 1919nico stinkt nach fisch