Zum Inhalt springen

Drehfunkfeuer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 3. November 2005 um 22:29 Uhr durch RosarioVanTulpe (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.
VORTAC TGO (TANGO)- Deutschland



Das Drehfunkfeuer (VOR) oder gerichtetes Funkfeuer dient der Funknavigation für Luftffahrzeuge.

Es wird in der Piloten-Fachsprache als VOR bezeichnet (ausgesprochen: [Vie Ou Ar] -die buchstaben werden einzeln engl. ausgesprochen. Das VOR hat seinen namen von VHF Omnidirectional Radio range. VHF wiederum heißt Verry High Frequency - zu Deutsch: UKW.

VOR bedeutet also wörtlich "UKW-In-alle Richtungen-Strecke". Das eigentliche VOR ist eine Bodenstation, deren Werte auf einem Anzeigengerät im Flugzeug abgelesen werden können - dem VOR-Instrument.

Funktionsprinzip

VOR auf der US-Sichtflugkarte (Sectional Chart)

Analogie zum Leutturm

Als Analogie kann man sich einen Leutturm vorstellen, der einen rotierenden Lichtstrahl aussendet - mit einer Umlaufzeit von 360s für 360°. Immer wenn der Lichtstrahl genau nach Norden leuchtet, blinkt zusätzlich eine rote Lampe in alle Richtungen. So kann man durch Laufzeitmessung zwischen roter Lampe und Sichtbarwerden des Lichtstrahls die genaue Himmelsrichtung zum Leuttrum bestimmen.

VOR

Beim VOR ist dieses Prinzip mit UKW-Wellen umgesetzt. Die Drehgeschwindigkeit ist auch wesentlich schneller. Aber im Prinzip wird auch hier der Zeitunterschied zwischen zwei Signalen gemessen und in einen Winkel umgerechnet. Genauer gesagt handelt es sich um eine Pfasenverschiebung zwischen zwei Signalen, die in alle Richtungen ausgestrahlt werden.

Beispiel: fliegt das Flugzeug mit Ostkurs (90°) vom VOR weg, so beträgt die Phasendifferenz zwischen dem gerichteten und dem ungerichteten Signal 90°. Beim Abflug vom VOR in Westrichtung (270°) beträgt die Phasendifferenz 270°.

VOR mit Frequenz 115,5 MHz und Name: HNW

Entfernungsmessung

Die Entfernungsmessung ist mit dem VOR nicht möglich. Aber mittels einer Peilung zu zwei VOR's (Kreuzpeilung) kann man trotzdem seine Position und somit seine Entfernung vom VOR bestimmen.

Außerdem ist fast immer das VOR mit einer Funktnavigationsanlage zur Entfernungsmessung - dem DME - kombiniert. DME (distance measuring equipent - Entfernungsmeßgerät) zeigt uns die Entfernung zum DME-Sender in NM an, aber nicht die Richtung.

Beides zusammen - VOR und DME - gibt uns eine genaue Position an - Kursindormation vom VOR, Entfernungsinformation vom DME. Diese Sender heißen VOR/DME. Für die DME-Anzeige im Flugzeug gibt es ein zweites Gerät. Praktischerweise muß man nur die richtige Frequenz für das VOR einstellen. Daran gekoppelt ist automatisch die richtige Einstellung der zweiten Frequenz für den DME Empfang. Sollte der VOR-Sender kein DME haben, dann bleibt das DME-Gerät im flugzeug ohne Anzeige.

Nur noch ganz selten gibt es DME-Sender, die ohne VOR senden. Genauso gibt es in flugzeugen nur noch wenige Empfangsgeräte, die separat auf ein DME-Frequenz eingestellt werden können.

Weiter Einzelheiten zu DME siehe im Hauptartikel DME

VOR mit Frequenz 115,5 MHz und Name: HNW
VOR mit Frequenz 115,5 MHz und Name: HNW

Radial

Ein Radial ist eine Funkstandlinie, die vom VOR-Sender weg gerichtet ist. Es gibt genau 360 Radiale. Es wird nicht mit Dezimalstellen gearbeitet, nur mit ganzen Zahlen. Wie alle Kursangaben und Kompaßangaben werden auch die Richtungsangaben der Radiale immer dreistellig geschrieben und gesprochen. Dabei werden alle drei Ziffern einzeln ausgesprochen. die worte Hundert oder Zehn oder Dreißig fallen dabei nicht. Beispiel: 40° ist R-040 und wird ausgesprochen: Radial Null-vier-Null. Radial 0° (also Nord) wird üblicherweise nur als R-360 (Radial drei-sechs-null) bezeichnet.

Ein Radial ist also ein gerichteter Vektor mit der Richtung vom Funkfeuer weg. Und damit fängt das anfängliche chaos in den Köpfen der Flugschüler an. Denn im Gegensatz zu einem Lichtstrahl vom Leutturm funkt unsere Funkstandlinie (z.B. R-040) auch noch über den Mittelpunkt hinaus genau in die andere Richtung (also Richtung 210° = 40° + 180°). In diese andere Richtung wird sie aber definitionsgemäß als R-210 bezeichnet.

Um das Chaos in den Köpfen noch zu vergrößern kann das Flugzeug auf einem Radial von der Station weg fliegen (out-bound) oder zur Station hin (in-bound).

Deshalb muß die Benutzung des VOR-Gerätes vom Piloten für die Instrumentenfluglizenz (IFR-Lizenz) gelernt und geübt werden, damit es dann auch fehlerfrei klappt - nachts in einem wackligen, lauten Flugzeug zwischen den Wolken und weiteren Arbeitbelastungen wie Funk und Bedienung der Flugzeugsysteme.

8
9
10
11
12

Schweigekegel

Wenn man sich mit dem Luftfahrzeug direkt über der VOR-Station befindet, hat man keinen Empfang. Dieser Schweigekegel (cone of silence) hat einen Winkel von ca. 10°. Bei hoch fliegenden Verkehrmaschinen hat er einen Durchmessern von einigen NM.

Im Schweigekegel ist die anzeige des VOR-Instrumentes nicht zuverlässig. Das wird durch eine rote Warnflagge im Instrument angezeigt.

VOR-Namen

VOR's haben einen Klarnamen und einen Code aus drei Buchstaben.

Beispielsweise: Gardermoen-VOR oder GRD (das ist der internationale Flughafen von Oslo/Norwegen). Die drei Buchstaben sind mehr oder weniger deutlich vom Klarnamen abgeleitet. Man spricht die drei Buchstaben üblicherweise im internationalen Fliegeralphabet aus - also Golf-Romeo-Delta. Im Flug-Sprechfunk wird immer nur einfach VOR gesagt und nicht VOR/DME oder VORTAC. Wenn es klar ist, dass es sich um ein VOR handelt, wird meist nur einfach der Name gesagt - ohne den Zusatz "VOR". Beispiel: "cleared to Frankfurt via Nienbung Hannover".

Der Name von Intersections wird mit 5 Buchstaben angegeben, um sie deutlich von VOR's zu unterscheiden. Beispiel: die Flugstrecke BUDDA-DERFA-VISLA-PRG-WERLA führt also über genau ein VOR.

Namensdoppelungen kommen nur selten vor, und dann meist nur auf verschiednen Kontinenten. Das wird also erst ein Thema, wenn man Flugrouten aus weltweiten Datenbanken von Navigationsanlagen erstellt. Dann erfolgt meist eine Zwischenabfrage, indem die Art und die Koordinaten der beiden gleichnamigen Funkanlagen angezeigt werden. Es gibt auch Namenskollisionen mit NBS's

Kartendarstellung

Auf Luftfahrtkarten gibt es separate Symbole für

  • VOR
  • VOR/DME und
  • VORTAC
13
14
15
Datei:Vorstefan16A.gif
16

Test-VOR

Die Funktionsfähigkeit der VOR-Empfänger muß in regelmäßigen, vorgeschriebenen Abständen geprüft werden. Das kann man einserseits häufiger an Flugplatz-Positionen, deren Koordinaten, deren Koordinaten bekannt sind. Andererseits muß es aber auch ganz genau überprüft werden, indem man die Frequenz eines Test-VOR's reindreht. Das VOR-Instrument zeigt dann konstant Radial 360 an. Die Abweichung darf höchstens 1°betragen.


VOR-Instrument

Das VOR-Instrument zeigt die Abweichung vom eingestellten Anflugkurs buw. Ablugkurs. Wenn der Anflug in der TO-Einstellung und der Abflug in der FROM-einstellung erfolgt, dann fungiertes als Kommandogerät.

Weitere Einzelheiten sind im Hauptartikel VOR-Instrument zu finden.

VORTAC

TACAN (Tactical Air Navigation ist ein militärisches Drehfunkfeuer und funktionieren so ähnlich wie ein VOR, ist aber um den Faktor 1,2 bis 2 präziser. Befinden sich VOR/DME und TACAN-bodenstation an der selben Stelle, werden sie als VORTAC bezeichnet.

GPS

GPS (Global Positioning System) verdrängt allmählich das VOR/DME. Allerdings sind VOR/DME nach wie vor für die Instrumentennavigation gesetzlich vorgeschriebenen Primärsensoren.