Hintersee (Ramsau)

Das Dorf Hintersee ist neben vier Gnotschaften eines von fünf Ortsteilen der Gemeinde Ramsau bei Berchtesgaden.[1]
Lage
Der Ort ist amtlich als Dorf klassifiziert[1] und hat seinen Namen vom Hintersee, an dessen Westufer es sich in Richtung Südwesten bis zum Gasthof Auzinger an der Hirschbichlstraße erstreckt. Das Dorf liegt in der Gemarkung Ramsau an der Grenze zur Gemarkung des Forstes Hintersee, einem früher gemeindefreien Gebiet, das seit dem 1. Januar 1984 zur Gemeinde Ramsau gehört. Die Gemarkungsgrenze verläuft entlang des Westufers, während der Hintersee selbst bereits Teil der Gemarkung Forst Hintersee ist.
Durch den Ort fließt der Antonigraben, einer der Zuflüsse des Hintersees, der unterhalb des Edelweißlahnerkopfs entspringt und wenige Meter von der Antonikapelle entfernt in den See mündet. Weitere durch den Ort gehende Zuflüsse des Hintersees sind der Toneckergraben und der Hinterseegraben.
Geschichte
Ortsgeschichte
Am heutigen Ortsteil Hintersee vorbei führte ein wichtiger Handelsweg über den Hirschbichl in den Pinzgau, der vermutlich nach Gründung des Klosterstifts Berchtesgaden auch zur ersten Besiedlung der „Urgnotschaft“ Ramsau beigetragen hat.[2]
Bereits 1389 stand auf dem einstigen Anwesen Hintersee eine Taferne, und das Wörndllehen wurde erstmals 1461 urkundlich erwähnt.
Noch 1698 werden für das Gebiet des heutigen Ortsteils Hintersee lediglich die beiden Anwesen Hintersee und Wörndllehen innerhalb des zweiten Gnotschafterbezirks der damaligen „Urgnotschaft“ Ramsau aufgeführt.[3] Dieser zweite Gnotschafterbezirk entspricht jetzt den Gnotschaften Antenbichl und Taubensee. Außer diesen Anwesen gab es im Bereich des heutigen Dorfes nur noch die Antonikapelle 500 Meter weiter nördlich.[4] Erst etwa 30 Jahre später ist auf Karten ein weiteres Anwesen namens Keinziel zu finden,[5] das auf der aktuellen topographischen Karte als Kainzierl [6] eingetragen aber allgemein unter dem Namen Kainzierlhof bekannt ist.[7]
Nach Begründung der Bayerischen Räterepublik war das Forsthaus am Hintersee für König Ludwig III. die letzte Station in Bayern, bevor er im Salzburger Anif seine Beamten und Soldaten in der „Anifer Erklärung“ vom Treueeid entband.
Nach der Bombardierung des Obersalzbergs wurde ein Teil der NS-Funktionäre an den Ortsteil Hintersee verlegt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde dort am 1. Mai 1945 auf Befehl von General August Winter das Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) mit sämtlichen Text- und Anlagenbänden vernichtet.[8]
Von 1929 bis 1967 hatte Hintersee eine eigene Poststelle und eine eigene Postleitzahl (8241). 1967 wurde die Poststelle aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen.
Einwohnerentwicklung
Noch 1964 wurde Hintersee mit 176 Einwohnern in 25 Wohnungen als südwestlich gelegener Ortsteil der Gnotschaft Antenbichl aufgeführt[9] und erst mit der Volkszählung vom 25. Mai 1987 als Dorf und damit als eigenständiger Ortsteil der Gemeinde Ramsau bei Berchtesgaden eingetragen.[1] Seinerzeit hatte es nur noch 95 Einwohner, die in 22 Gebäuden mit Wohnraum bzw. 37 Wohneinheiten lebten.[1]
Gasthäuser und Gastronomie
Auf dem einstigen Anwesen Hintersee wurde 1389 Hansi Hinterseer für die Taferne am Hintersee als erstem Gasthaus der Gegend ein „Erbrechtsbrief“ der Reichsprälatur Berchtesgaden ausgestellt.[10] Nach Zerstörungen dieses Gasthauses durch Lawinen in den Jahren 1809, 1862 und 1867 steht heute auf seinem Platz der traditionsreiche Gasthof Auzinger,[10] das 1879 mit seiner Übernahme durch Babette Auzinger auch zur Herberge für bekannte Landschaftsmaler der Münchner und Wiener Schule wurde.[11]
In dem 1867 erbauten Forsthaus am Hintersee ist auch des Öfteren Prinzregent Luitpold nach der Jagd abgestiegen.[10] Und nach Begründung der Bayerischen Räterepublik suchte dort auch König Ludwig III. Zuflucht,[10] bevor er im Salzburger Anif seine Beamten und Soldaten in der „Anifer Erklärung“ vom Treueeid entband.
Das Seehotel Gamsbock wurde 1883 eröffnet, 1959/69 ungebaut und um eine Seeterrasse und eine „Schnellgaststätte“ vergrößert.[10] 1976 folgte der Anbau eines weitren Gästehauses mit 50 Betten.[10]
1907 wurde nach einem Brand das ehemalige Gasthaus Wartstein neu erbaut und in Hotel Post umbenannt. 1969 wurde es an die "Gesellschaft für internationale Jugendbewegung e.V." verkauft. Neuer Besitzer seit 1981 ist der Gesamtverband des CVJM in Kassel, der es seither als CVJM-Gästehaus führt.[10]
1958/59 wurde das im Familienbesitz befindliche Café Gelfert erbaut.[10]
Das Gasthaus Seeklause mit seinen etwa 100 Sitzplätzen wurde 1974/75 erbaut.[10]
Tourismus
Hintersee ist Ausgangspunkt für viele Wanderungen und Bergtouren zu den Gebirgsstöcken Hochkalter und Reiter Alpe sowie ins Klausbachtal Richtung Hirschbichl. Es bietet Touristen Unterkunft im CVJM-Gästehaus, sowie in einigen Hotels und Gaststätten.
Sehenswürdigkeiten
- Antonikapelle mit Walmdach, denkmalgeschütztes Kirchengebäude aus dem 17. Jahrhundert
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern Gebietsstand: 25. Mai 1987, München, 1991, S. 71
- ↑ Gemeinde Ramsau - Geschichte online unter ramsau.de
- ↑ Historischer Atlas von Bayern
- ↑ Karte von 1806
- ↑ Karte von ca. 1830 bis 1840
- ↑ Amtliche Topographische Karte
- ↑ Kainzierlhof.
- ↑ Percy E. Schramm (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Augsburg 2005, Lizenzausgabe für Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Band 2, erster Halbband, S. 569, ISBN 3-8289-0525-0
- ↑ Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern Gebietsstand: 1. Oktober 1964, München, 1964, S. 53-54
- ↑ a b c d e f g h i Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband I, 1982, S. 283
- ↑ faz.net Weindl, Georg: Ein Leben zwischen Staffelei und Wirtshaus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Mai 2003
Weblinks
- Hintersee in der Ortsdatenbank Bayern
- Hintersee (Gemarkung Ramsau) S. 141 in: Wilhelm Neu, Volker Liedke, Otto Braasch: Denkmäler in Bayern. Oberbayern (Band). Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 14. Februar 1986
Koordinaten: 47° 36′ N, 12° 51′ O