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De generatione animalium

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De generatione animalium (griechisch peri zôôn genêseôs, Über die Entstehung der Tiere) ist eine im 4. Jahrhundert v. Chr. entstandene naturwissenschaftliche Schrift des Aristoteles, die sich mit Fragen der Zeugung und der embryonalen Entwicklung der Tiere (einschließlich des Menschen) beschäftigt.

Inhalt

Aristoteles führt in De generatione animalium einzelne Beobachtungen in der Tierwelt auf die Grundlagen seiner in den Analytica Posteriora dargelegten Wissenschaftstheorie und seiner – vor allem in der Physik behandelten – Naturphilosophie zurück. Das Werk besteht aus fünf Büchern. Die Bücher I–III behandeln die Zeugung der Tiere. Buch IV thematisiert die Entwicklung des Embryos. Buch V untersucht diejenigen Eigenschaften, die nicht durch finale Ursachen, sondern allein durch Wirkursachen erklärt werden, wie die Augenfarbe. Durch die Vermittlung Galens, der die Schrift für seine Medizin verwendete, übte De generatione animalium eine große Wirkung bis ins 16. Jahrhundert aus.

Übersetzungen

Das Werk lag bereits im 9. Jahrhundert in einer arabischen Übersetzung vor. Sie stammt von einem unbekannten Übersetzer, den man früher (wohl zu Unrecht) mit Yahya ibn al-Bitriq identifiziert hat. Diese Übersetzung von De generatione animalium war Bestandteil des in neunzehn Bücher (maqālāt) gegliederten Kitāb al-hayawān (Buch der Tiere), in dem der Übersetzer drei zoologische Schriften des Aristoteles zusammenstellte: Historia animalium (Buch 1–10), De partibus animalium (Buch 11–14) und De generatione animalium (Buch 15–19). Die drei Bestandteile waren nicht durch eigene Überschriften als separate Einheiten gekennzeichnet.[1] Spätestens 1220 übersetzte Michael Scotus das Buch der Tiere aus dem Arabischen ins Lateinische, und so wurde es der lateinischsprachigen Welt unter dem Titel De animalibus libri XIX (Neunzehn Bücher über die Tiere) bekannt. Um 1260 fertigte Wilhelm von Moerbeke eine zweite lateinische Übersetzung an, wobei er vom griechischen Text ausging. Vom 14. Jahrhundert an verdrängte die jüngere Übersetzung langsam die ältere.[2] De animalibus war ein grundlegendes Lehrbuch für die scholastische Zoologie und philosophische Anthropologie des Spätmittelalters.[3]

Literatur

  • Edmund Braun: Peri zôôn geneseôs. In: Franco Volpi (Hrsg.): Großes Werklexikon der Philosophie. Stuttgart 2004, S. 84.

Anmerkungen

  1. H. J. Drossaart Lulofs, Preface, in: Aafke M. I. van Oppenraaij (Hrsg.): Aristotle, De animalibus. Michael Scot’s Arabic-Latin Translation, Part 3: Books XV–XIX: Generation of Animals, Leiden 1992, S. VII.
  2. Drossaart Lulofs, S. XIf.
  3. Theodor W. Köhler: Grundlagen des philosophisch-anthropologischen Diskurses im dreizehnten Jahrhundert, Leiden 2000, S. 162–164, 237f., 247, 250, 273f., 314f., 321f., 334f.