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„Alvin Plantinga“ – Versionsunterschied

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'''Alvin Plantinga''' (* [[15. November]] [[1932]] in [[Ann Arbor]], Michigan, USA) ist ein US-amerikanischer Philosoph und Vertreter der analytischen Religionsphilosophie. Er lehrt an der katholischen [[University of Notre Dame|Universität von Notre Dame du Lac]].
'''Alvin Plantinga''' (* [[15. November]] [[1932]] in [[Ann Arbor]], Michigan, USA), Philosoph, Ph.D 1958 in Yale, 1964-82 Professor am Calvin College, seit 1982 an der Universität von Notre Dame.
Sein Forschungsschwerpunkt war zunächst die Modallogik (The Nature of Necessity, 1974).

Er versuchte den ontologischen Gottesbeweis von Anselm von Canterbury umzuformulieren und legte eine Verteidigung des christlichen Glaubens gegen den Vorwurf vor, das Übel in der Welt schließe die Existenz eines gütigen Gottes aus (God, Freedom & Evil, 1974). Sein Hauptargument ist, dass die Existenz von Wesen mit freiem Willen impliziert, dass es für Gott unmöglich sein kann, eine Welt zu schaffen, in der es keine Übel gibt.
Plantinga ist ein Verfechter der "''Reformed Epistemology''", eine theologische Richtung, die Glaube und Vernunft als kompatibel und Glaube als vernünftig ansieht. Sie argumentiert, der Glaube an Gott sei ein "properly basic belief" und müsse damit nicht bewiesen werden. Hierfür führt er den Begriff "Warrant" (Garantie) ein. Plantingas Ansatz besteht in der Aktualisierung des [[Credo ut intelligam|ontologischen Arguments]] von [[Anselm von Canterbury]] mittels der modalen Logik. Er behauptet, dass der Glaube an Gott berechtigterweise basal sei - basal bedeutet hierbei 'ohne Rückgriff auf andere Überzeugungen' - also allein aufgrund eben dieser Überzeugung der realen Existenz Gottes Berechtigung verdient. Basale Überzeugungen seien nicht grundlos und müssen, wenn sie auch nicht bewiesen werden können, so doch wenigstens anerkannt werden. Die Kritik des [[klassischen Fundamentalismus]], basale Überzeugungen müssten evident, unkorrigierbar und sinnlich evident sein, weist Plantinga zurück, indem er seinerseits behauptet dies seien keine notwendigen Bedingungen der berechtigten Basalität.


Seit Ende der 70er Jahre entwickelte er seine „Reformierte Epistemologie“ ( Faith and Rationality, hrsg. Von A. Plantinga and N. Wolterstorff ,1983;Warrant: the Current Debate 1993; Warrant and Proper Function, 1993; Warranted Christian Belief ,2000).
Sein Grundgedanke ist, dass Glaube an Gott ein “proper basic belief” sein kann. „Proper basic beliefs“ sind Überzeugungen, die nicht aus anderen Überzeugungen abgeleitet werden müssen und auch nicht aus anderen Überzeugungen abgeleitet werden können. Für Überzeugungen wie „2x2=4“, „Vor meinem Haus steht ein Baum“, „Ich hatte heute morgen Corn Flakes zum Frühstück“ kann ich keine Argumente oder Beweise bringen, dennoch können diese Überzeugungen Wissen sein. Sie sind basale Überzeugungen, die von einzelnen Modulen unseres kognitiven Vermögens in einer entsprechenden Umgebung gebildet werden.
Auch der Glauben an Gott bildet sich nach Plantinga meist auf basale Weise. Beim Anblick etwa des Sternenhimmels kann sich spontan die Überzeugung bilden „Gott hat diese Welt geschaffen“.
Nach Plantinga ist es genauso vernünftig diesem Teil unseres Erkenntnisvermögens zu vertrauen, wie etwa unserer Erinnerung oder unserem logischen Denken – vorausgesetzt es gibt keine zwingenden Argumente dafür, dass eine bestimmte Überzeugung falsch ist.
Da es solche zwingenden Argumente (defeater) für Plantinga in Bezug auf den Glauben an Gott und überhaupt in Bezug auf den christlichen Glauben nicht gibt, hält er diese Glaubensüberzeugungen für rational gerechtfertigt.





Version vom 4. Oktober 2006, 20:22 Uhr

Alvin Plantinga (* 15. November 1932 in Ann Arbor, Michigan, USA), Philosoph, Ph.D 1958 in Yale, 1964-82 Professor am Calvin College, seit 1982 an der Universität von Notre Dame. Sein Forschungsschwerpunkt war zunächst die Modallogik (The Nature of Necessity, 1974). Er versuchte den ontologischen Gottesbeweis von Anselm von Canterbury umzuformulieren und legte eine Verteidigung des christlichen Glaubens gegen den Vorwurf vor, das Übel in der Welt schließe die Existenz eines gütigen Gottes aus (God, Freedom & Evil, 1974). Sein Hauptargument ist, dass die Existenz von Wesen mit freiem Willen impliziert, dass es für Gott unmöglich sein kann, eine Welt zu schaffen, in der es keine Übel gibt.

Seit Ende der 70er Jahre entwickelte er seine „Reformierte Epistemologie“ ( Faith and Rationality, hrsg. Von A. Plantinga and N. Wolterstorff ,1983;Warrant: the Current Debate 1993; Warrant and Proper Function, 1993; Warranted Christian Belief ,2000). Sein Grundgedanke ist, dass Glaube an Gott ein “proper basic belief” sein kann. „Proper basic beliefs“ sind Überzeugungen, die nicht aus anderen Überzeugungen abgeleitet werden müssen und auch nicht aus anderen Überzeugungen abgeleitet werden können. Für Überzeugungen wie „2x2=4“, „Vor meinem Haus steht ein Baum“, „Ich hatte heute morgen Corn Flakes zum Frühstück“ kann ich keine Argumente oder Beweise bringen, dennoch können diese Überzeugungen Wissen sein. Sie sind basale Überzeugungen, die von einzelnen Modulen unseres kognitiven Vermögens in einer entsprechenden Umgebung gebildet werden. Auch der Glauben an Gott bildet sich nach Plantinga meist auf basale Weise. Beim Anblick etwa des Sternenhimmels kann sich spontan die Überzeugung bilden „Gott hat diese Welt geschaffen“. Nach Plantinga ist es genauso vernünftig diesem Teil unseres Erkenntnisvermögens zu vertrauen, wie etwa unserer Erinnerung oder unserem logischen Denken – vorausgesetzt es gibt keine zwingenden Argumente dafür, dass eine bestimmte Überzeugung falsch ist. Da es solche zwingenden Argumente (defeater) für Plantinga in Bezug auf den Glauben an Gott und überhaupt in Bezug auf den christlichen Glauben nicht gibt, hält er diese Glaubensüberzeugungen für rational gerechtfertigt.