Armbanduhr und Mohr: Unterschied zwischen den Seiten
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{{Dieser Artikel|befasst sich mit dem Begriff Mohr als Bezeichnung für Menschen dunkler Hautfarbe. Personen mit dem Familiennamen Mohr finden sich unter [[Mohr (Name)]]. In der [[Alchemie]] ist der „mineralische Mohr“ ein aus Metallen und Halbmetallen niedergeschlagenes schwarzes Pulver („Aethiops mineralis“)}} |
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Eine '''Armbanduhr''' ist ein Zeitmessgerät ([[Uhr]]), das mit Hilfe eines Bandes um das Handgelenk getragen wird. |
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[[Bild:citizen_watch1.jpg|thumb|right|200px|Digitale Armbanduhr]] |
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Der Begriff '''Mohr''' ist eine heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für einen [[Schwarzafrikaner]]. |
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== Geschichte == |
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Tragbare Uhren wurden nachweislich bereits etwa 1500 n. Chr. von [[Peter Henlein]] gebaut, allerdings in Form von [[Taschenuhr]]en. Es gab jedoch vermutlich schon vorher tragbare Uhren. Sie wurden durch die Erfindung der [[Zugfeder]] möglich, die den Antrieb und die [[Unruh_(Uhr)|Unruh]] (Drehpendel) als Ersatz für das hängende [[Pendel]] als taktgebendes Element erlaubte. Durch sie konnten die Uhren auf handliche Größe schrumpfen. Lange Zeit herrschte jedoch die [[Taschenuhr]] vor. |
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== Wortherkunft == |
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Eine weitere Miniaturisierung des Uhrwerkes ließ zur Wende des [[20. Jahrhundert]]s die Uhr auf Armbandgröße schrumpfen. Um diese Zeit wurde es allmählich Mode, die armbanduhrgroßen Damentaschenuhren am Handgelenk zu tragen. Diese Mode galt zunächst für Männer als "weibisch" - Herren benutzten weiterhin die Taschenuhr an der Uhrkette. Diese erwies sich für manche Verwendungen jedoch als unhandlich, zum Beispiel für Piloten, die in ihren damals spärlich mit Bordinstrumenten ausgestatteten Flugzeugen auf eine schnelle und präzise Zeitmessung angewiesen waren. Der brasilianische Flugpionier [[Alberto Santos-Dumont]] lies sich von dem befreundeten Pariser Uhrmacher [[Louis Cartier]] eine [[Fliegeruhr|Uhr für Flieger]] bauen, die am Armband getragen wurde: Die ''Cartier Santos'' gilt als erste Armbanduhr für Männer. |
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Ursprünglich bezeichnete das Wort ''mōr'' einen [[Mauren]] ([[Griechische Sprache|griech.]] μαυρος, [[Latein|lat.]]: ''maurus''), womit zwar die Herkunft aus dem [[Königreich Mauretanien]], nicht jedoch die [[Hautfarbe]] bezeichnet war. [[Mittelhochdeutsch|Mhd.]] ''mōr'' und ''hellemōr'' (Höllenmohr) wurden auch als [[Synonym]]e für den [[Teufel]] (den man sich oft mit schwarzer Hautfarbe vorstellte) verwendet. |
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Nachdem auch die Offiziere im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] feststellten, dass sich ihre Taschenuhren im Winter und allgemein unter Kampfbedingungen als sehr unpraktisch erwiesen, setzte sich die Armbanduhr beim Militär und schließlich auch in der zivilen Gesellschaft schnell durch und war bei Kriegsende zum allgemeinen Standard geworden. |
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Nachdem zwischen [[Mittelhochdeutsch|mhd.]] ''swarzer mōr'' (Maure mit dunkler Hautfarbe, [[Englische Sprache|engl.]] ''blackamoors'') und ''mōr'' (Maure, [[Englische Sprache|engl.]] ''moor'') noch differenziert wurde, erwarb das Wort ''Mohr'' im [[16. Jahrhundert]] die allgemeinere Bedeutung, bis es im [[18. Jahrhundert]] zunehmend durch den Begriff ''[[Neger]]'' ersetzt wurde. |
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Die erste [[Automatikuhr]] (als Armbanduhr mit Pendelschwungmasse) wurde 1923 von [[John Harwood]] gebaut. Harwood wusste offenbar nicht, dass Abraham Louis Perrelet bereits um 1770 eine Taschenuhr mit Rotor und Wechsler (also beidseitig aufziehend) konstruiert hatte. Später baute [[Rolex]] eine Automatikuhr mit einseitig aufziehendem Rotor und ließ diese patentieren. Eine ''Automatic'' bezieht die Energie zum Spannen der Feder aus den Armbewegungen des Trägers. |
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Die Bezeichnung „Mohr“ für einen Menschen dunkler Hautfarbe wird heute nur noch in historischen Zusammenhängen verwendet. Wie auch der Ausdruck „[[Neger]]“ kann „Mohr“ als ein [[Diskriminierung|diskriminierender]] Ausdruck verstanden werden, selbst wenn er nicht mit [[Rassismus|rassistischer]] Absicht gebraucht wird. |
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== Mechanismus == |
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[[Bild:Montinari Milano.jpg|thumb|10 Sekunden im Leben einer Armbanduhr]] |
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Jede mechanische Armbanduhr hat als Schwingkörper eine [[Unruh]]. Diese schwingt mit einer durch die [[Unruhspirale]] vorgegebenen Schwingungszahl, bei klassischen Uhren 18000 (entspricht 2,5 [[Hz]]), bei modernen Uhren meist 21600 (3 Hz) oder 28800 (4 Hz) Halbschwingungen in der Stunde. Und einige Schnellschwinger erreichen gar 36000 Halbschwingungen in der Stunde (5 Hz). Die Unruh schaltet bei jedem Durchgang den [[Anker (Uhr)|Anker]] um. Durch diese Umschaltung ist es dem [[Gangrad]] möglich, einen Zahn weiter zu laufen. Der Anker und das Gangrad verhindern die freie Kraftabgabe der Zugfeder über das Räderwerk (siehe auch [[Isochronismus]]). |
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==Der Mohr als Stereotyp== |
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Das [[Räderwerk]] (auch Schwingungszählwerk genannt) ist eine Übersetzung ins Schnelle (von der Feder aus gesehen). Die Schaltdurchgänge der Hemmung werden daher hinuntergeteilt bis das Minutenrad eine 1/60 Umdrehung in der Minute macht. |
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Begegnungen zwischen Europäern nördlich der Alpen und Afrikanern hatten bis ins 18. Jahrhundert Seltenheitswert. Zwar lebten und kämpften in der [[Römisches Reich|Römerzeit]] auch dunkelhäutige Afrikaner als Soldaten der [[Römische Legion|römischen Armee]] in Mitteleuropa, doch endete dies mit der [[Völkerwanderung|Zeit der Völkerwanderungen]]. Im [[Mittelalter]] und der [[Frühe Neuzeit|Frühen Neuzeit]] sind bildliche Darstellungen von Menschen schwarzer Hautfarbe nördlich der Alpen daher eine bemerkenswerte Ausnahme, während in den italienischen Staaten wie der [[Republik Venedig]] der Kontakt zu Afrika nie abriss. |
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Das [[Zeigerwerk]] nimmt die Kraft von der Minutenradwelle ab und teilt die Umdrehungen des Minutenrads, über ein Wechselrad mit Wechseltrieb, auf das Stundenrohr, das durch die Untersetzung ins Langsame 1/12 Umdrehung in der Stunde macht. |
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Selten beruhen mitteleuropäische Darstellungen von „Mohren“ auf tatsächlichen Begegnungen, weit eher auf Reisebeschreibungen und überlieferten Darstellungen. Historische Abbildungen von „Mohren“ folgen daher oft einem [[Stereotyp]]: dunkle bis schwarze Haut, dicke Lippen, krauses Haar, oft mit großen Ohrringen oder anderen Attributen „wilder Völker“. Seit der [[Kolonialzeit]] bis weit ins 20. Jahrhundert dienten Afrikaner auch als Ausstellungsattaktionen auf Jahrmärkten und speziellen Vorführungen (beispielsweise seitens der Firma [[Tierpark Hagenbeck|Hagenbeck]], die heute für ihren Tierpark bekannt ist). Zahlreiche Wortprägungen, historische Namen und Abbildungen haben dieses Bild des „Mohren“ bis heute erhalten, auch wenn der Begriff nicht mehr gebräuchlich ist. |
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Der Stunden[[zeiger]] wird auf dem Stundenrohr, der Minuten[[zeiger]] auf dem so genannten Viertelrohr, welches über eine Rutschkupplung (die das Zeigerstellen ermöglicht) mit der Minutenradwelle bzw. dem Minutenrohr verbunden ist, befestigt. |
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==Vermutete Herkunft== |
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== Uhrenarmband == |
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Aufgrund der etymologischen Entwicklung fällt auf, dass Mohren historisch und allgemein zunächst nicht mit [[Schwarzafrika]] in Verbindung gebracht wurden, sondern hauptsächlich mit zwei Regionen: [[Äthiopien]], [[Eritrea]], [[Abessinien]], [[Aksum]] einerseits und [[Mauretanien]], [[Westsahara]], [[Mali]], [[Marokko]], [[Algerien]] (siehe [[Bidhan]]) andererseits. |
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[[Bild:Wrist-watches.jpg|thumb|250px|right|Uhrenarmbänder mit Dornschließe oder Faltschließe (einfach oder doppelt)]] |
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Beim [[Uhrenarmband]] kann man grundsätzlich zwischen Metallglieder- und Lederarmband, befestigt an den Bandanstößen des Uhrengehäuses unterscheiden. Während einfache Lederarmbänder nur über eine Dornschließe verfügen, sind hochwertigere Uhren mit einer Faltschließe mit mehrfachem Sicherheitsverschluß (als Bügel oder Drücker) ausgestattet, die ein Verlieren der Uhr verhindern sollen. Als Armbandmaterial sind fast alle Werkstoffe denkbar, insbesondere Edelstahl, Titan, Goldlegierungen, diverse Lederarten (bei exklusiven Modellen aus [[Alligator]], [[Krokodil]], [[Hai]], [[Rochen]] oder [[Strauß (Vogel)]]) oder [[Kautschuk]] und Kunststoffe bei Sportuhren. |
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==Bekannte "Mohren" und "Mohrinnen"== |
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== [[Chronometer]] == |
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===Die Braut des Moses=== |
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Als ''Chronometer'' (griech. Zeitmesser) dürfen mechanische Armbanduhren bezeichnet werden, die in einem genau definiertem Test eine besondere Ganggenauigkeit bewiesen haben. |
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Luther identifizierte bei seiner Bibelübersetzung die Kuschiter mit Mohren. Dies führte dazu, dass Moses, der eine Kuschiterin heiratete, eine Mohrin zur Frau bekam. So heißt es in Buch Numeri 12,1 bei Luther: ''Und Mirjam und Aaron redeten wider Mose um seines Weibes willen, der Mohrin, die er genommen hatte, darum daß er eine Mohrin zum Weibe genommen hatte ...'' |
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Jedes Uhrwerk wird bei der Schweizer Prüfstelle "Contrôle Officiel Suisses Des Chronomètres" (COSC) über 15 Tage in 5 Positionen und 3 Temperaturen getestet. Dabei darf das Werk eine maximale Abweichung zwischen -4 und + 6 Sekunden pro 24 Stunden aufweisen. Da die Prüfung recht teuer ist, bemühen sich nur Luxusuhrenhersteller um dieses Zertifikat, das der Uhr auch beiliegt. [[Breitling (Uhrenmarke)|Breitling]] und [[Rolex]] lassen alle Uhrwerke prüfen. |
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===Die Mohrin im Hohenlied Salomos=== |
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==Elektronische Armbanduhren== |
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Im Hohenlied der Liebe, das allgemein dem König Salomo zugeschrieben wird, ist die Braut eine Mohrin. Es heißt dort (1,5-6): ''Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems, wie die Hütten Kedars, wie die Teppiche Salomos. Sehet mich nicht an, daß ich so schwarz bin; denn die Sonne hat mich so verbrannt.'' Diese Figur wird der Tradition gemäß mit der Königin von Saba identifiziert. |
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[[Bild:Tissot_Two-Timer.jpg|thumb|Tissot Two-Timer - die erste erschwingliche Armbanduhr mit [[Analoguhr|Analog-]] '''und''' [[Digitaluhr|Digitalanzeige]] ]] |
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Verschiedene Ansätze sind unternommen worden, mit Hilfe der Elektrizität genauere Uhren zu bauen, so beispielsweise die Stimmgabeluhr, bei der eine elektrisch angetriebene Stimmgabel vorgegebener Frequenz als Taktgeber verwendet wird. Durchgesetzt hat sich auf dem Markt allerdings die [[Quarzuhr]], die heute von den Verkaufszahlen her den Hauptteil des Weltuhrenmarktes ausmacht. Bei ihr sorgt ein Quarzkristall, das unter Stromfluss schwingt, für die Taktung. Quarzuhren können über eine digitale Anzeige anfangs mit [[LED]]s später mit stromsparenderen [[Flüssigkristall]]en oder über eine Anzeige mit Zeigern (Analoguhr) verfügen, wobei auch zunehmend Mischformen (Hybrid) auf den Markt kommen. Nach einem Boom in den 1980er Jahren wurde die Digitalanzeige zunehmend wieder von der Analoganzeige verdrängt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist allerdings wieder ein Ansteigen bei der Herstellung von Digitaluhren zu erkennen, das auch durch neuartige modische LCD-Anzeigen bedingt ist. |
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[[1990]] wurde von [[Junghans]] mit der ''MEGA 1'' die erste funkgesteuerte Armbanduhr vorgestellt ([[Funkuhr]]), damit hat der Wettlauf um die ganggenaueste Uhr ein Ende gefunden. |
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===Serah, der Mohr=== |
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== Mechanik-Renaissance == |
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Auch beim kuschitischen Heereszug gegen König Asa (2 Chr 14,7-8) ist bei Luther vom ''Sieg Asas über die Mohren'' die Rede und von deren Anführer ''Serah, der Mohr'' (Einheitsübersetzung: ''der Kuschiter Serach'', King James Bible: ''Zerah the Ethiopian''). |
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Mit dem Siegeszug der Mikroelektronik war es plötzlich möglich, sehr billig vergleichsweise genaue Uhren mit Quarz-Werk herzustellen, was die traditionelle Uhrenindustrie deutlich veränderte. Es kam zu einer Konzentration der Uhrwerk (Ebauchon)-Hersteller, die in einer monopolartigen Stellung der Schweizer ''[[ETA (Uhrwerk)|ETA SA]]'' mündete. Diese gehört zur allmächtigen Swatch-Group ebenso wie die Uhrwerkehersteller [[Frederic Piguet]] (FP) und [[Nouvelle Lémania]], die beide weitgehend für die umfangreiche Luxusuhrensparte der Swatch-Group ([[Glashütte Original]], [[Union Glashütte]], [[Breguet]], [[Blancpain]], [[Rado]], [[Tissot]], [[Omega]], [[Longines]]) arbeiten. |
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===Einer der heiligen drei Könige=== |
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Ende der 1980er Jahre begann eine Rückbesinnung auf mechanische Armbanduren, so dass diese im hochwertigen Preissegment als Luxusgegenstand wieder sehr beliebt wurden. |
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[[Bild:Meister_von_Meßkirch_Dreikönigsbild.jpg|125px|thumb|Dreikönigsbild des Meister von Meßkirch|Darstellung eines Königs als Mohr, um 1538]] |
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Die [[Mikroelektronik]] und die damit einhergehenden Verbesserungen der feinmechanischen Herstellungsmethoden erlauben sogar neue Komplikationen, die mit traditionellen Methoden nicht machbar waren. |
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Einer der [[Heilige Drei Könige|Heiligen Drei Könige]] wird seit etwa dem 13. Jahrhundert[http://elib.tu-darmstadt.de/image/restbild2.jpg] als Afrikaner dargestellt. Je nach Region und Tradition unterschiedlich wird ''Caspar'', ''Melchior'' oder ''Balthasar'' als Mohr dargestellt. Die dunkle Hautfarbe, die man ihm zuschrieb, entstammt wohl einer Fehldeutung eines überlieferten Textes. Dennoch hat sich die Darstellung eines Königs als „Mohr“ in der [[Bildende Kunst|Bildenden Kunst]] bis heute erhalten und ist, wenn auch zunehmend weniger, an [[Kostüm]]en beim [[Dreikönigsfest]] zu sehen.<br> |
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Die vorher weit verbreitete einfache mechanische Armbanduhr ist dagegen fast völlig verschwunden und von der sehr genauen und wartungsarmen Quarz-Uhr verdrängt. |
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===Äthiopischer Kämmerer=== |
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Die große Zahl an heute vorhandenen Marken mechanischer Armbanduhren darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den meisten Uhren einige wenige Werke, sog. ''Kaliber'' eingebaut sind, die von der ETA SA hergestellt werden (Ausnahme: Uhren aus nicht-schweizer Produktion). |
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In der [[Apostelgeschichte]] (Apg 8,26) ist von einem äthiopischen Kämmerer die Rede, der in der christlichen Kunst meist als Mohr dargestellt wird. |
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Nur wenige Luxusuhrenhersteller, sogenannte Manufakturen, stellen noch eigene Werke her und verwenden auch nur eigene, wie z.B. ''Breguet'', ''[[Girard-Perregaux]]'', ''[[Lange & Söhne]]'' (Glashütte), ''[[Jaeger-LeCoultre]]'', ''[[Patek Philippe]]'', ''[[Rolex]]'' oder ''[[Zenith]]''. Neuerdings auch [[International Watch Company|IWC]], ''[[Chopard]]'', [[Nomos (Uhrenmarke)|Nomos]] und ''[[Vacheron Constantin]]''. |
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Schon der Mohr [[Ebed-Melech]] war zu Zeiten des Propheten [[Jeremia]] als Hofkämmerer beschäftigt. |
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===Hl. Mauritius und hl. Katharina=== |
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Die Schweizer Luxusuhrenhersteller lassen sich im wesentlichen auf drei Eigentümergruppen aufteilen: [[Swatch|Swatch Group]], die französische [[LVMH]] und die südafrikanische Richemont/ Vendome Luxury Group. Richmont übernahm zuletzt im Jahr [[2000]] für 3,0 Mrd. Schweizer Franken die LMH Holding von ehemals Vodafone-Mannesmann, der solche bekannte Uhrenmarken wie ''IWC, A. Lange & Söhne und Jaeger-LeCoultre'' gehörten. Unabhängige Hersteller sind noch Marktführer ''Rolex'' und der hochexklusive ''Patek Philippe''. |
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[[Bild:Saint Maurice Magdeburg.jpg|125px|left|thumb|Darstellung des Heiligen Mauritius im [[Magdeburger Dom]]]] |
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Der hl. [[Mauritius]], der aufgrund seines Namens in langer Tradition als Mohr gesehen wurde. Er war zunächst Schutzpatron [[Burgund]]s. Nach der Heirat [[Otto I.]] 951 mit Adelheid, der Tochter von König Rudolf II. von Burgund, schenkte dieser zum Weihnachtsfest [[960]] die Reliquien des hl. Mauritius für den Dom in [[Magdeburg]], der der hl. [[Katharina von Alexandrien]] und dem hl. Mauritius geweiht ist. Dort befindet sich auch eine der ältesten figürlichen Statuen des hl. Mauritius, auf denen er ebenfalls als Mohr dargestellt ist. Er gilt als zugrundeliegende Figur für das Wappen von Coburg. Mauritius findet sich auf dem ältesten Siegel der Stadt [[Ingolstadt]] von [[1291]], aber wohl nicht als Mohr.[http://www.ingolstadt.de/stadtmuseum/images/rpl_stadtsiegel_mauritius_gr.jpg] |
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* Im Magdeburger Dom ist aber auch die hl. Katharina als Mohrin dargestellt.[http://www.gartendatenbank.de/so/fotos/img/027.jpg] |
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* [[Matthias Grünewald]] (1475-1528) malt den heiligen Erasmus und Mauritius im ersten Viertel de 16. Jahrhunderts, letzteren als Mohren.[http://www.pinakothek.de/images/4250_11701-l.jpg] |
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===Benedikt, der Mohr=== |
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Neben diesen großen Marken haben sich in Deutschland eine Reihe kleinerer selbständiger Uhrenmarken etabliert, die aber weitgehend von den Rohwerken der ETA SA abhängig sind und diese, teilweise mit Veränderungen, in ihre Gehäuse einbauen. Einige Marken darunter sind Chronoswiss, [[Nautische Instrumente Mühle Glashütte]], Rainer Brand, [[Sinn (Uhrenmarke)|Sinn]] und Leumas. |
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[[Benedikt, der Mohr]] (um 1526 in San Fratello bei Messina in Italien, † 4. April 1589 in Palemero auf Sizilien) war Ordensoberer in Palermo und wurde 1807 von der katholischen Kirche heiliggesprochen. |
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===Der Mohr Peter des Großen=== |
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Die Arbeitsteilung in Herstellung der Rohwerke, dem sog. ''[[Ebauche]]'' und dem Einbau in Gehäuse und Verkauf unter eigenen Markennamen hat allerdings eine lange Tradition. |
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Der Mohr [[Peter der Große|Peter des Großen]], ein abbessinischer Fürstensohn und Vorfahren [[Alexander Sergejewitsch Puschkin]], der dessen Lebensschicksal in einem Roman ausgestaltet hat. |
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===Königin von Saba=== |
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Aufgrund der Anspielung im Hohen Lied der Liebe des Alten Testaments, das König [[Salomo]] zugeschrieben ist, und in dem er seine Geliebte als dunkelhäutig beschreibt, haben mittelalterliche Künstler geschlossen, dass die Königin von [[Saba]] eine Mohrin gewesen sein muss. Eine frühe und recht eindrückliche Darstellung in diesem Sinne findet sich im romanischen "Verduner Altar" in [[Klosterneuburg]] aus dem Jahr 1181.[http://www.wecarelife.at/uploads/pics/20154.jpg] |
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Aber auch [[Konrad Kyeser]]s Darstellung in seinem "Bellifortis" (1405) zeigt die mittelalterliche Vorstellung der Königin von Saba als Mohrin deutlich. [http://www.ingolstadt.de/stadtmuseum/images/ast_kk_kostuembild_kl.jpg] |
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== Komplikationen == |
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Die einfache Armbanduhr hat zwei oder drei Zeiger, wenn sie Sekundenanzeige besitzt. Dazu gibt es weitere so genannte ''Komplikationen'', also technische Finessen, wie: |
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*Datumsanzeige (1...31) |
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*Automatischer Aufzug (Automatik) |
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*Wochentag |
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*Mondphase |
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*Zweite Zeitzone |
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*Anzeige für Gangreserve |
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*Stoppuhr ([[Chronograph]]) |
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*Große Datumsanzeige |
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*7-Tages-Werk, eine Feder, die 7 Tage statt 42h bis 48h Gangreserve bietet |
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*Schleppzeiger-Chronograph, der Zwischenzeiten anzeigen kann |
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*Wecker |
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*[[Tourbillon]], eine rotierende Lagerung der Hemmung, um die Ganggenauigkeit zu erhöhen |
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*Vollkalendarium mit Monat, teils mit 4-stelliger Jahreszahl |
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*Ewiges Kalendarium, schaltet stets das korrekte Datum, unabhängig von Schaltjahren und Monatslänge (28, 29, 30 oder 31 Tage). |
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*Minutenrepetition, ein Schlagwerk, das die Zeit akustisch anzeigt |
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===Schwarze Madonna=== |
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Eine mechanische Luxusuhr wie die Destriero Scafusia von [[International Watch Company|IWC]] ist mit 21 Funktionen ausgestattet und kostete 440.000 DM. |
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[[Image:Loreto_schwarze_madonna.jpg|thumb|left|125px|Schwarze Madonna von Loreto (Kopie)]] |
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Zu Darstellungen von [[Maria (Mutter Jesu)|Maria]], der Mutter [[Jesus von Nazareth]], als Mohrin, siehe [[Schwarze Madonna]]. |
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===Belakane, Priesterkönig Johannes=== |
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Die [[Grande Complication]] (''Große Komplikation''), gilt als höchste Uhrmacherkunst, da sie den Ewigen Kalender mit Mondphase, Minutenrepetition und Chronographenmechanismus, teils auch mit [[Tourbillon]] in einer Armbanduhr kombiniert. |
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Die schöne Sarazenenkönigin Belakane in Wolfram von Eschenbachs [[Parzival]] ist eine Mohrin.[http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digi/lauber/cpg339fol27r.jpg]. Ihr und [[Gahmuret]]s Sohn [[Feirefiz]] wird als [[Elster]]-Mischling vorgestellt (''schwarz-weiß-gescheckt''). Der Sohn von Feirefiz und [[Repanse de Schoye]] wird demnach der sagenumwobene [[Priesterkönig Johannes]] sein. |
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==Mohr oder Mohrin als Wappenfigur== |
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== Finissierung == |
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===Die Mohrin im Wappen der Kirchberger=== |
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[[Bild:Skelettuhr_vorne.jpg|thumb|Skelettiertes Uhrwerk]] |
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[[Bild:Wappen Illerkirchberg.png|thumb|125px|Wappen der Gemeinde Illerkirchberg]] |
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Neben der technischen Verfeinerung durch zahlreiche Zusatzfunktionen ist die mechanische Nachbearbeitung ein Qualitätsmerkmal von Uhrwerken. |
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Bereits ein altes Wappenschild der Grafen von Kirchberg zeigt eine Frauengestalt mit vermutlich drei Rosen (oder Lilien) in der Hand.[http://www.rimuki.de/geschichte/wappen_kirch.jpg]. Dies legt nahe, dass der "Mohr mit den drei Rosen" (siehe auch Wolffskeeler Mohr) eigentlich die ''schwarze Madonna'' mit drei Rosen ist, so wie sie im alten schlesischen Volkslied besungen wird: ''Es blühen drei Rosen auf einem Zweig, sie blühten all drei ins Himmelreich'' |
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In erster Linie handelt es sich dabei um eine Oberflächenvergütung der Bestandteile des Werkes durch besondere Schlifftechniken wie ''Genfer Streifen'', ''Perlschliff'' oder dem ''Sonnenschliff'' auf Rädern. Ebenfalls gebräuchlich sind Vergoldungen, sowie polierte oder gebläute Schrauben. |
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* 1488: [[Illertissen]] wird von Kaiser [[Friedrich III.]] ein Wappen in Anlehnung an das der damaligen Ortsherren, der Grafen von Kirchberg, verliehen. Dieses zeigte eine wachsende schwarz gekleidete Mohrin mit einer schwarzen Bischofsmütze auf dem Kopf, in der Rechten einen grünen Zweig mit drei Blättern und drei Disteln. |
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Bei der Skelettierung des Werkes sind alle starren Teile bis auf das mechanisch notwendige Maß durchbrochen, so dass man durch das Werk blicken kann. |
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* 1555: Mohrin mit Mitra im Wappen von Oberkirchberg.[http://www.rimuki.de/geschichte/wappen_1555.jpg] |
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* [[Oberkirchberg]]: Wappen mit Mohrin von 1954.[http://www.rimuki.de/geschichte/bilder/wappen_alt_oki2.jpg] |
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* [[Unterkirchberg]]: Wappen mit Mohrin vor 1972. [http://www.rimuki.de/geschichte/bilder/wappenuki.jpg] |
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* [[Oberkirchberg]]: Wappen mit Mohrin nach 1972.[http://www.rimuki.de/geschichte/bilder/wapppen_alt_oki.jpg] |
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* [[Illerkirchberg]]: Mohrin mit Mitra |
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* [[Neu-Ulm]]: Mohrin im Wappen, ebenfalls in Erinnerung an die Grafen von Kirchberg.[http://www.landkreis.neu-ulm.de/landkreis/landkreisinfo/wappen/wappen.jpg] |
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* Grafen von Fugger, Kirchberg und Weißenhorn: Aktuelles Wappen mit Mohrin.[http://www.rimuki.de/geschichte/bilder/fugger_2.jpg] |
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Die Mitra erinnert wohl an die vielen Bischöfe, die aus dem Geschlecht der Kirchberger hervorgegangen sind bzw. in der oben vorgeschlagenen Deutung ihnen von der Jungfrau Maria geschenkt worden sind. |
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===Der Mohr im Wappen von Wolffskeel, Grumbach, Uettingen=== |
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Derartig aufwendige Vergütungen sind meistens durch einen Glasboden und/oder ein fehlendes Zifferblatt sichtbar. |
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[[Bild:Wappen_Uettingen.jpg|thumb|125px|Wappen von [[Uettingen]] mit dem [[Wolffskeel]]schen Mohr]] |
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''Wolffskeeler Moor'': Das Wappen der Adelsfamilie [[Wolffskeel#Wappen|Wolffskeel]] zeigt einen nach rechts schreitender Mohr mit drei roten Rosen. Es erscheint erstmals beim Würzburger Fürstbischof [[Wolfram Wolfskeel von Grumbach]] (1322-1333) |
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* ''Grumbacher Mohr'': Davon abgeleitet trägt die mit den Wolffskeel verwandte Adelsfamilie [[Grumbach (Adelsfamilie)|Grumbach]] ebenfalls einen Mohren mit drei roten Rosen, allerdings schreitet dieser nach links. Heute hat noch Burggrumbach einen solchen Mohren im Ortswappen.[http://www.burgenwelt.de/burggrumbach/wappen.gif] |
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* Einige Ortswappen ehemaliger Besitzungen der Wolffskeels und Grumbachs zeigen daher auch einen derartigen Mohren. Davon abhängig ist zum Beispiel der ''Uettinger Mohr''.<br> |
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===Freising=== |
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[[Bild:Frs mohr.jpg|thumb|Der „Freisinger Mohr“ von 1316]] |
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Die Tochterfirma [[ETA (Uhrwerk)|ETA]] des [[Swatch]]konzerns besitzt nach Angaben der am [[19. November]] [[2004]] abgeschlossenen Untersuchung der [[schweiz]]erischen [[Wettbewerbskommission]] ([[Weko]]) bei den in der Schweiz hergestellten mechanischen Rohwerken bis zu einem Preis von 300 Fr. pro Stück über eine marktbeherrschende Stellung. Zudem dominieren sie gemäss der Wochenzeitung [[Die Zeit]] (Ausgabe 2003/34, Seite 17) den Weltmarkt bei den höherpreisigen Produkten. |
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''Freisinger Mohr'': Auch das [[Bistum Freising]] und der [[Landkreis Freising]] tragen einen „Mohren“ im Wappen. Der gekrönte Afrikaner („caput aethiopis“) erschien zum ersten Mal 1284 im Wappen des Bischofs Emicho, Wildgraf von Wittelsbach (1283–1311). Nach einer verbreiteten Interpretation entstand der Mohr aus der Fehldeutung einer Darstellung, auf der eigentlich einfach ein gekröntes Haupt dargestellt war, mit dem Bischof Emicho die [[Reichsunmittelbarkeit]] seines Gebiets anzeigen wollte. Denkbar ist, dass es sich eigentlich um ein Porträt des [[Rudolf von Habsburg]] oder von Emicho selbst handelte. Eine weitere mögliche Herleitung ist der Bezug auf eine Stelle in der [[Apostelgeschichte]], wo ein äthiopischer [[Kämmerer]] von dem [[Apostel Philippus]] getauft wird (Apg. 8,26). In kolorierter Fassung wurde er dann im Jahr 1316 – eindeutig als „Mohr“ – auf dem Deckblatt des Haus- und Notizbuches von Bischof Konrad III. (1314–1322) abgebildet. Bis zur Auflösung des [[Hochstift]]s Freising im Jahr 1803 stand er dauerhaft im Wappen der Bischöfe von Freising. Ab 1846 durfte das neue [[Erzbistum München-Freising]] den Mohren wieder im Wappen tragen. |
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* Wappen mit dem „Freisinger Mohr“ haben einige Städte und Orte, die früher dem Hochstift Freising angehörten: |
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[[Bild:Mittenwald_wappen.jpg|thumb| Mittenwalder Wappen]] |
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[[Bild:Coabxvi.png|thumb|125px|Wappen von Papst Benedikt XVI. mit dem „Freisinger Mohr“]] |
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**[[Mittenwald]] ([[Oberbayern]]) |
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**[[Landkreis Freising]]. [http://www.archaeologischer-verein-lkr-freising.de/images/logo_lkr_fs.gif] |
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**[[Garmisch-Partenkirchen]]. [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/garmisch_partenkirchen.gif] |
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**[[Lauingen]] ([[Bezirk Schwaben|Schwaben]])[http://www.linie7.de/bilder/lauingen_mohr.jpg]: Dabei findet sich hier bereits ein altes Siegel von 1270 im Stadtarchiv, das einen Männerkopf mit langem Haupthaar, Bart und Bügelkrone zeigt, wobei es sich vermutlich um [[Friedrich Barbarossa]] handelt. 1451 wendet sich der seither mehrmals veränderte Kopf nach rechts ins Profil. Dabei ist erstmals deutlich ein Mohrenkopf mit Halskette, Ohrring und Mauerkrone zu erkennen.<br> |
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**[[Ismaning]] ([[Oberbayern]])[http://www.krajnik.si/zamorc/gif/ismaning.gif] |
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**[[Unterföhring]] (bei München)[http://www.bayern.de/HDBG/gemeind/unterfoh.gif] |
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**[[Innichen]] ([[Südtirol]])[http://www.krajnik.si/zamorc/gif/innichen.gif] |
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**[[Klevevz]] ([[Unterkrain]])[http://www.krajnik.si/zamorc/gif/klevevz.gif] |
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**[[Dovje]] [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/dovje.gif] |
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**[[Pastetten]] (Landkreis [[Erding]])[http://www.ed-wappen.de/images/pastette.gif] |
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**[[Fahrenzhausen]] [http://www.jaroszewicz.de/images/wappen.gif] |
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**[[Grossenzersdorf]] (Österreich)[http://www.pfarre-grossenzersdorf.at/geschichte/images/wappen.jpg] |
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**[[Oberwölz]]. [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/oberwoelz.gif] |
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**[[Hollenburg]]. [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/hollenburg.gif] |
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**[[Nordistrien]]. [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/severna_istra.gif] |
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**[[Skovja Loka]]. [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/skofja_loka.gif] |
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**[[Neuhofen]]. [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/neuhofen.gif] |
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**[[Eching]]. [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/eching.gif] |
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**[[Ulmerfeld]]. [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/ulmerfeld.gif] |
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**[[Waidhofen]]. [http://www.krajnik.si/zamorc/gif/waidhofen.gif] |
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* Den „Freisinger Mohr“ übernahm auch [[Papst]] [[Benedikt XVI.]] in sein Wappen. Damit nahm er Bezug auf seine Zeit als [[Erzbischof]] und später [[Kardinal]] der Erzdiözese München-Freising.<br> |
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== Weblinks == |
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*[http://www.watchbizzforum.de/phpBB2/viewforum.php?f=1 Diskussions- und auskunftsfreudiges deutschsprachiges Webforum zum Thema] |
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*[http://www.b-treude.de/uhrenalphabet.htm Kleines Lexikon der Uhrenfachbegriffe] |
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*[http://www.uhrentechnik.de schöne Beschreibung der technischen Grundlagen] |
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*[http://www.info-uhren.de/1/start.htm Sterns Uhrenseiten] |
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===Coburg=== |
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[[Bild:Wappen_Coburg.jpg|thumb|125px|Wappen von [[Coburg]]]] |
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[[Isochronismus]], [[Uhrenhemmung]] |
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''Coburger Mohr'' (14. Jahrhundert): Einen „Mohren“ zeigt das Stadtwappen von [[Coburg]]. Es handelt sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Darstellung des [[Mauritius (Heiliger)|Hl. Mauritius]], der auch auf dem Wolffskeelschen Wappen abgebildet sein soll. Ab 1380 hat ein Coburger Münzmeister als Meisterzeichen einen Mohrenkopf. 1493 taucht in alten Akten das erste Mal das Wort "Mohrenkopf" auf, der von der Stadt verpflichtet wurde, neben seinem Meisterzeichen seine Ware auch mit dem Mohrenkopf zu versehen. Aus dem Jahr 1521 stammt schließlich der älteste Abdruck des Stadtsiegels mit dem Mohrenkopf. Nachdem der Mohr während des Nationalsozialismus aus dem Wappen verschwinden musste, wurde er 1953 in veränderter Form wieder aufgenommen [http://www.museenkoeln.de/ausstellungen/nsd_0211_schwarze/_img/018.jpg]<br> |
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===Pappenheim=== |
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''Pappenheimer Mohr'': Das Stadtwappen von Pappenheim zeigt einen Mohrenkopf mit gekräuseltem Haar und einer Stirnbinde.[http://www.pappenheim.de/bilder/geschichte/geschichte_mohr.jpg] Die Pappenheimer Marschälle haben diese Figur in ihre Helmzier aufgenommen. Auf den ältesten Siegeln findet sich ein edler Männerkopf, der wohl eher das Haupt des [[Hiero von Syrakus]] darstellt. Daraus sei dann ein typischer Mohrenkopf entstanden. Zwischendurch findet sich allerdings auch eine Mohrin mit Zöpfen. |
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===Schauenstein=== |
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[[Kategorie:Uhr]] |
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''Schauensteiner Mohr'' In der ersten erhaltenen farbigen Zeichnung des Wappens von [[Schauenstein]] ([[Oberfranken]]) aus dem Jahr 1581 ist der vorher schon traditionelle Mann schwarz und hält einen kleinen roten Stein empor. Es ist eindeutig ein Bergmann mit einem Erzbrocken in der Hand, um den Ortsnamen zu verbildlichen: ein zur Schau gestellter Stein. Seit 1692 wird der Bergmann nun als Mohr fehl gedeutet. Ab 1812 ist der Mann nackt dargestellt mit einem Stück Fleisch in der Hand, es gibt auch Abbildungen, die den Mohren mit einem Spiegel in der Hand zeigen. |
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===Mörlau=== |
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[[da:Armbåndsur]] |
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[[Bild:Mohr2004.jpg|thumb|125px|Mohr von Mörlau 2004]] |
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''Mörlauer Mohren'': Die Herkunft der Mohren im Wappen von [[Ober-Mörlen]] ist nicht geklärt.[http://www.ober-moerlen.info/images/Startseite/Wappen-neu.jpg] An das Wappen angelehnt tritt der [[Mohr von Mörlau]] auch seit 1948 als Figur der [[Ober-Mörler Fassenacht]] auf; sein „[[Orient|orientalisches]]“ Fantasie-Kostüm erscheint jedoch eher an den ''Sarotti-Mohr'' (siehe unten) angelehnt als an reale Vorbilder.<br> |
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[[es:Reloj de pulsera]] |
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[[sv:Armbandsur]] |
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===Mohren und Mandach in der Schweiz=== |
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''Mohrener Mohr'':Das Wappen von Mohren in der Schweiz trägt ein besonders aufschlußreiches Brustbild eines Mohren.[http://www.bejazzsommer.ch/wappen/mohren.gif] |
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''Mandacher Mohr'': Das Wappen von Mandach geht auf ein ein Helmschild der Herren von Mandach (13. Jahrhundert) zurück, das der volkstümlichen Deutung nach den hl. Mauritius darstellt, der auch der Schutzpatron der Kirche von Mandach ist. [http://www.sommer-forschung.ch/z/wappen/mandach.gif] |
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===Aragon, Sardinien und Korsika=== |
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''Aragonische Mohren'': Bereits alte spanische Chroniken berichten davon, dass [[Pedro I.]] in der [[Schlacht von Acoraz]] vier schwarze Könige enthaupten ließ. Entweder er selbst oder sein Nachfolger hätten diese Köpfe in ihr Wappenschild aufgenommen, als Symbol für die Rückeroberung von vier ehemals maurischer Gebiete.[http://www.cortesaragon.es/identidad/elescudo/foto4.jpg] |
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Spätestens 1281 führte [[Pedro III.]], König von Aragon (Spanien) endgültig als Hoheitszeichen ein, das dann lange Zeit als Siegel verwendet wurde. Es handelt sich jeweils um ein weißes Schild mit dem roten St. Georgs-Kreuz und den Köpfen von vier Mohren mit weißem Stirnband. |
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[http://iris.cnice.mec.es/kairos/ensenanzas/bachillerato/espana/img/librodelconto.jpg] und [http://www.cortesaragon.es/identidad/elescudo/escporta.jpg] |
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[[Bild:Sardinia flag.png|thumb|left|125px|Flagge Sardiniens]] |
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*''Sardische Mohren'': Das Landeswappen der italienischen Insel [[Sardinien]] zeigt wie das Aragonische Wappen vier maurische Köpfe. Erst im 17. Jahrhundert wurde das ursprünglich aragonische Wappen durch [[Philipp IV.]] von Spanien offiziell für Sardinien eingeführt, indem er es auf Münzen prägen ließ. |
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[[Bild:Flag fr-corse 300px.png|thumb|125px|Flagge Korsikas]] |
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*''Korsische Mohr'': Das Landeswappen der französischen Insel [[Korsika]] zeigt ebenfalls einen Kopf eines „Mohren“ oder Mauren (''Testa Maura''). [[1762]] wurde der Mohrenkopf mit Stirnband von [[Pascal Paoli]] und der von ihm geleiteten [[Consulta]] zum offiziellen Wappen und Symbol für den Freiheitskmapf der Korsen bestimmt. Der Legende nach geht dieses Symbol auf einen Kampf zwischen einem arabischen Herrscher, ein Maure, und einem korischen Verlobten um dessen Verlobte zurück, die der Maure entführt hat. Im Kampf blieb der Korse siegreich und er schlug dem Mauren den Kopf ab, spießte ihn auf eine Lanze und reckte ihn hoch in den Himmel. Das Stirnband geht dagegen auf eine andere Legende zurück. Nach dem Sieg der Pisaner und Genueser über die Mauren sollte ein maurischer Gefangener hingerichtet werden, dem dazu die Augen mit einem weißen Tuch verbunden wurden. Der Maure wollte aber sehenden Auges sterben und schob daher das Tuch hoch zur Stirn. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich bei der Flagge um eine Einführung durch den König von Aragon handelt. Aragons Flagge wies bereits vier Mauren, verteilt um ein Kreuz auf (siehe heutiges Symbol von Sardinien). [[Vincentellu d’Istria]], der für Aragon und gegen die pisanischen und genuesischen Besatzer kämpfte, brachte es bis zum Vize-König. Er wurde dann aber von den Besatzern geschlagen und in Genua hingerichtet wurde, dennoch wird dieser Kampf heute als Beginn der korsischen Monarchiebewegung angesehen. Als dann [[Theodor von Neuhoff]] zum ersten und einzigen König Korsikas wurde, verwundert es nicht, dass eine zeitgenössischen Darstellung von 1736 den König mit dem Wappen zeigt, auf dem nur noch ein Maure abgebildet ist, allerdings mit verbundenen Augen. Vermutlich hat erst Paoli das Tuch als Zeichen der Freiheit zum Stirnband umfunktioniert. |
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==Literatur und Kunst== |
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===Literatur und Theater=== |
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[[Bild:Struwwelpeter_Mohr_ausschnitt.jpg|thumb|left|250px|Der „Mohr“ im Kinderbuch ''[[Struwwelpeter]]'' von 1845]] |
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Bekanntester „Mohr“ der Weltliteratur ist wohl [[William Shakespeare]]s tragischer Held [[Othello]], auch als "Mohr von Venedig" bekannt. Nach heutigen Interpretationen soll Othello ein [[Mauren|Maure]] sein, dessen Hautfarbe im Stück jedoch als ''black'' (schwarz) beschrieben wird. |
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Das [[Geflügeltes Wort|geflügelte Wort]] „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ lautet im Original: „Der Mohr hat seine Arbeit gethan, der Mohr kann gehen.“ [[Friedrich Schiller]] legte diesen Satz in den Mund von ''Muley Hassan,'' dem Mohren von Tunis (''[[Die Verschwörung des Fiesco zu Genua]]''). |
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Bekannt ist auch die [[Moritat]] aus dem Kinderbuch ''[[Struwwelpeter]]'' von [[Heinrich Hoffmann]]: „Es ging spazieren vor dem Tor / ein kohlpechrabenschwarzer Mohr (...)“, in der sich Kinder über einen Mohren wegen seiner Hautfarbe lustig machen, dann jedoch zur Strafe vom „großen Nikolas“ in ein [[Tintenfass]] getunkt werden. Die Geschichte dient der antirassistischen Erziehung, auch wenn der schwarze Knabe als [[Stereotyp|stereotyper]] Schwarzafrikaner (barfuß, dicke Lippen, krauses Haar, nackt bis auf eine kurze Hose) dargestellt wird. |
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Die ''Mohrin'' spielt außerdem in folgenden Werken eine bedeutende Rolle: |
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* [[Giambattista Basile]]: Das Pentameron |
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* [[Lukas Hartmann]]: Die Mohrin. Roman, 1995 |
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* [[Trankred Dorst]]: Die Mohrin. Theaterstück, 1964 |
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* [[Friedrich Hildebrand von Einsiedel]]: Die Mohrin. Lustspiel. Übersetzung nach Terenz |
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* [[Friedrich Wilhelm Ziegler]]: Die Mohrin. Schauspiel |
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===Musik=== |
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Nicht vergessen werden sollte auch der Mohr ''Monostatos'' aus der ''[[Zauberflöte]]'' von [[Mozart]] und [[Antonio Salieri]]s Musikkomödie [[Il Moro]]. |
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===Malerei und Skulptur=== |
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Im Bereich der bildenden Kunst ist "Die Mohrin Katherina" von [[Albrecht Dürer]] (1521)[http://www.payer.de/kommkulturen/kultur0449.gif] und [[Erasmus Grasser]]s Mohr im Ensemble von 16 Moriskentänzern (1480) [http://www.arsmundi.de/isroot/arsmundi/ProductImages/Bild1/288878.jpg] besonders hervorzuheben. |
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Um 1720 schuf [[Johann Melchior Dinglinger]] einen "Mohr mit Perlenschale", der heute in der Kurfürstlich-Königlichen Sächsischen Schatzkammer zu bewundern ist.[http://www.dresden-und-sachsen.de/dresden/pics/grueng_mohr.jpg] |
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Und [[Balthasar Permoser]] hat 1724 seinen "Mohr" mit der Smaragdstufe gestaltet, der heute in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ausgestellt ist. [http://www.skd-dresden.de/media/images/presse/jackson/150_jackson_2.jpg] |
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==Werbung== |
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[[Bild:Sarotti-Mohr.jpg|thumb|Der Sarotti-Mohr, ausgestellt im [[Imhoff-Stollwerck-Museum]]]] |
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Der ''Sarotti-Mohr'' findet sich im [[Firmenlogo]] des Schokoladenherstellers [[Sarotti]]. Die Figur wurde [[1920]] von [[Julius Gipkens]] als Werbefigur erfunden, wohl in Anlehnung an die erste Adresse der Firma Sarotti in der Mohrenstraße 10, [[Berlin]] und wurde 1922 zum [[Marke (Rechtsschutz)|eingetragenen Marke]]. Der erste Sarotti-Mohr trat dabei noch als Dreiergrüppchen auf. Die Werbefiguren trugen einen [[Turban]] und ein Tablett und sollte wohl ursprünglich auf die traditionelle Funktion von Mohren als Bedienstete des [[Adel|Hochadels]] anspielen. Möglicherweise sollen sie auch auf den Anbau von [[Kakao]] in [[Afrika]] verweisen (der meiste Kakao kam zu der Zeit allerdings aus [[Südamerika]]). Denkbar ist auch, dass damit Sinnlichkeit und gesteigerte Genussfähigkeit assoziert werden sollen, wie sie in [[Stereotyp|stereotypen]] Vorstellungen den Bewohnern südlicher Länder zugeschrieben werden. (Wichtig ist in diesem Kontext der [[Kolonialismus]], der in Europa Fantasien vom „sinnlichen Süden“ anregte; siehe [[Exotismus]]). Der Mohr trat von Anfang an auf [[Produktverpackung]]en, in der [[Werbung|Print-Werbung]] wie auch ab 1964 in der [[Fernsehwerbung]] auf und wurde seither in zahlreichen Formen als [[Souvenir]] vermarktet. Seit 2004 wird der Sarotti-Mohr von der Firma [[Stollwerck]] offiziell als „Sarotti-Magier aus [[Tausendundeine Nacht|1001 Nacht]]“ bezeichnet. Die Figur wurde niedlicher gestaltet und jongliert nun mit Sternen, statt ein Tablett zu tragen. |
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Auch im Logo der Wiener Kaffeerösterei [[Julius Meinl]] findet sich ein „Mohr“. Der ''Meinl-Mohr'' trinkt Kaffee, trägt einen hohen roten [[Fez]] und die Uniform eines Hotelpagen oder Dienstboten. Er wurde [[1924]] von dem [[Grafikdesign]]er [[Joseph Binder]] entworfen und [[1965]] zu einer abstrakteren Darstellung modernisiert. Auch mit ihm sollten Sinnlichkeit und eine „weltoffene“ und „exotische“ Atmosphäre von südländischen Hotels oder Kolonialherren-Anwesen assoziiert werden. Für die USA hat der Meinl-Konzern das schwarze Gesicht durch Gold ersetzt und begründet dies mit der dortigen [[Political correctness]]. In Europa präsentiert sich Meinl weiterhin mit dem traditionellen „Mohren“ mit rotem Fez. Allerdings gibt die Firma offiziell an, der Mohr ähnele einem „sympathischen [[Barockengel]]“ und stehe daher für „die europäische Komponente“ der Firma. |
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Die südwestdeutsche Bezeichnung „Mohrenkopf“ (auch „Negerkuss“) für einen [[Schokoladenkuss]] (Schaumwaffelgebäck mit Schokoladenüberzug) stammt vermutlich ebenfalls aus den 20-er Jahren. Sie leitet sich von der dunklen Farbe der Schokolade und der damals gängigen [[Assoziation (Psychologie)|Assoziation]] von „Mohren“ mit [[Schokolade]] her. Die offiziellen Namensgebungen mit rassistischer Tendenz wurden mittlerweile abgeändert; der Alltagssprachgebrauch blieb erhalten. |
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==Weitere Verwendungen== |
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„Mohren“ finden sich auch vielfach in den Namen von [[Apotheke]]n und [[Gasthaus|Gasthäusern]] (vgl. z. B. die Erzählung ''Die Leute aus der Mohrenapotheke'' von [[Ernst Penzoldt]]) und Straßen wie die [[Mohrenstraße (Berlin)]]. |
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Natürlich trägt auch die Brauerei ''Mohrenbräu'' seit langer Zeit einen Mohren im Firmenwappen.[http://www.petbier.at/dl/wappen_800_600px.jpg] |
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Der ''Graubindige Mohrenfalter (Erebia aethiops)'', meist [[Waldteufel (Schmetterling)|Waldteufel]] genannt, ist ein [[Schmetterling]] mit schwarzen Flügeln. |
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==Nachname== |
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siehe [[Mohr (Name)]] |
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== Literatur == |
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* Adolf Wilhelm Ziegler: ''Der Freisinger Mohr: Eine heimatgeschichtliche Untersuchung zum Freisinger Bischofswappen.'' München 1976 |
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* [[Eckhard Henscheid]], [[Immanuel Kant]]: ''Der Neger (Negerl).'' München 1982. ISBN 3-921499-58-5 |
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* Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hg.): ''Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.'' 2004, ISBN 3-89771-424-8 |
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== Weblinks == |
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{{Wiktionary1|Mohr}} |
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* [http://www.krajnik.si/zamorc/index_1d.html Der Freisinger Mohr im Wappen ehemaliger Freisinger Besitztümer] |
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{{Lesenswert}} |
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[[Kategorie:Rassismus]] |
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[[Kategorie:Heraldik]] |
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Version vom 20. Dezember 2005, 16:08 Uhr
Der Begriff Mohr ist eine heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für einen Schwarzafrikaner.
Wortherkunft
Ursprünglich bezeichnete das Wort mōr einen Mauren (griech. μαυρος, lat.: maurus), womit zwar die Herkunft aus dem Königreich Mauretanien, nicht jedoch die Hautfarbe bezeichnet war. Mhd. mōr und hellemōr (Höllenmohr) wurden auch als Synonyme für den Teufel (den man sich oft mit schwarzer Hautfarbe vorstellte) verwendet.
Nachdem zwischen mhd. swarzer mōr (Maure mit dunkler Hautfarbe, engl. blackamoors) und mōr (Maure, engl. moor) noch differenziert wurde, erwarb das Wort Mohr im 16. Jahrhundert die allgemeinere Bedeutung, bis es im 18. Jahrhundert zunehmend durch den Begriff Neger ersetzt wurde.
Die Bezeichnung „Mohr“ für einen Menschen dunkler Hautfarbe wird heute nur noch in historischen Zusammenhängen verwendet. Wie auch der Ausdruck „Neger“ kann „Mohr“ als ein diskriminierender Ausdruck verstanden werden, selbst wenn er nicht mit rassistischer Absicht gebraucht wird.
Der Mohr als Stereotyp
Begegnungen zwischen Europäern nördlich der Alpen und Afrikanern hatten bis ins 18. Jahrhundert Seltenheitswert. Zwar lebten und kämpften in der Römerzeit auch dunkelhäutige Afrikaner als Soldaten der römischen Armee in Mitteleuropa, doch endete dies mit der Zeit der Völkerwanderungen. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit sind bildliche Darstellungen von Menschen schwarzer Hautfarbe nördlich der Alpen daher eine bemerkenswerte Ausnahme, während in den italienischen Staaten wie der Republik Venedig der Kontakt zu Afrika nie abriss.
Selten beruhen mitteleuropäische Darstellungen von „Mohren“ auf tatsächlichen Begegnungen, weit eher auf Reisebeschreibungen und überlieferten Darstellungen. Historische Abbildungen von „Mohren“ folgen daher oft einem Stereotyp: dunkle bis schwarze Haut, dicke Lippen, krauses Haar, oft mit großen Ohrringen oder anderen Attributen „wilder Völker“. Seit der Kolonialzeit bis weit ins 20. Jahrhundert dienten Afrikaner auch als Ausstellungsattaktionen auf Jahrmärkten und speziellen Vorführungen (beispielsweise seitens der Firma Hagenbeck, die heute für ihren Tierpark bekannt ist). Zahlreiche Wortprägungen, historische Namen und Abbildungen haben dieses Bild des „Mohren“ bis heute erhalten, auch wenn der Begriff nicht mehr gebräuchlich ist.
Vermutete Herkunft
Aufgrund der etymologischen Entwicklung fällt auf, dass Mohren historisch und allgemein zunächst nicht mit Schwarzafrika in Verbindung gebracht wurden, sondern hauptsächlich mit zwei Regionen: Äthiopien, Eritrea, Abessinien, Aksum einerseits und Mauretanien, Westsahara, Mali, Marokko, Algerien (siehe Bidhan) andererseits.
Bekannte "Mohren" und "Mohrinnen"
Die Braut des Moses
Luther identifizierte bei seiner Bibelübersetzung die Kuschiter mit Mohren. Dies führte dazu, dass Moses, der eine Kuschiterin heiratete, eine Mohrin zur Frau bekam. So heißt es in Buch Numeri 12,1 bei Luther: Und Mirjam und Aaron redeten wider Mose um seines Weibes willen, der Mohrin, die er genommen hatte, darum daß er eine Mohrin zum Weibe genommen hatte ...
Die Mohrin im Hohenlied Salomos
Im Hohenlied der Liebe, das allgemein dem König Salomo zugeschrieben wird, ist die Braut eine Mohrin. Es heißt dort (1,5-6): Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems, wie die Hütten Kedars, wie die Teppiche Salomos. Sehet mich nicht an, daß ich so schwarz bin; denn die Sonne hat mich so verbrannt. Diese Figur wird der Tradition gemäß mit der Königin von Saba identifiziert.
Serah, der Mohr
Auch beim kuschitischen Heereszug gegen König Asa (2 Chr 14,7-8) ist bei Luther vom Sieg Asas über die Mohren die Rede und von deren Anführer Serah, der Mohr (Einheitsübersetzung: der Kuschiter Serach, King James Bible: Zerah the Ethiopian).
Einer der heiligen drei Könige

Einer der Heiligen Drei Könige wird seit etwa dem 13. Jahrhundert[1] als Afrikaner dargestellt. Je nach Region und Tradition unterschiedlich wird Caspar, Melchior oder Balthasar als Mohr dargestellt. Die dunkle Hautfarbe, die man ihm zuschrieb, entstammt wohl einer Fehldeutung eines überlieferten Textes. Dennoch hat sich die Darstellung eines Königs als „Mohr“ in der Bildenden Kunst bis heute erhalten und ist, wenn auch zunehmend weniger, an Kostümen beim Dreikönigsfest zu sehen.
Äthiopischer Kämmerer
In der Apostelgeschichte (Apg 8,26) ist von einem äthiopischen Kämmerer die Rede, der in der christlichen Kunst meist als Mohr dargestellt wird. Schon der Mohr Ebed-Melech war zu Zeiten des Propheten Jeremia als Hofkämmerer beschäftigt.
Hl. Mauritius und hl. Katharina

Der hl. Mauritius, der aufgrund seines Namens in langer Tradition als Mohr gesehen wurde. Er war zunächst Schutzpatron Burgunds. Nach der Heirat Otto I. 951 mit Adelheid, der Tochter von König Rudolf II. von Burgund, schenkte dieser zum Weihnachtsfest 960 die Reliquien des hl. Mauritius für den Dom in Magdeburg, der der hl. Katharina von Alexandrien und dem hl. Mauritius geweiht ist. Dort befindet sich auch eine der ältesten figürlichen Statuen des hl. Mauritius, auf denen er ebenfalls als Mohr dargestellt ist. Er gilt als zugrundeliegende Figur für das Wappen von Coburg. Mauritius findet sich auf dem ältesten Siegel der Stadt Ingolstadt von 1291, aber wohl nicht als Mohr.[2]
- Im Magdeburger Dom ist aber auch die hl. Katharina als Mohrin dargestellt.[3]
- Matthias Grünewald (1475-1528) malt den heiligen Erasmus und Mauritius im ersten Viertel de 16. Jahrhunderts, letzteren als Mohren.[4]
Benedikt, der Mohr
Benedikt, der Mohr (um 1526 in San Fratello bei Messina in Italien, † 4. April 1589 in Palemero auf Sizilien) war Ordensoberer in Palermo und wurde 1807 von der katholischen Kirche heiliggesprochen.
Der Mohr Peter des Großen
Der Mohr Peter des Großen, ein abbessinischer Fürstensohn und Vorfahren Alexander Sergejewitsch Puschkin, der dessen Lebensschicksal in einem Roman ausgestaltet hat.
Königin von Saba
Aufgrund der Anspielung im Hohen Lied der Liebe des Alten Testaments, das König Salomo zugeschrieben ist, und in dem er seine Geliebte als dunkelhäutig beschreibt, haben mittelalterliche Künstler geschlossen, dass die Königin von Saba eine Mohrin gewesen sein muss. Eine frühe und recht eindrückliche Darstellung in diesem Sinne findet sich im romanischen "Verduner Altar" in Klosterneuburg aus dem Jahr 1181.[5]
Aber auch Konrad Kyesers Darstellung in seinem "Bellifortis" (1405) zeigt die mittelalterliche Vorstellung der Königin von Saba als Mohrin deutlich. [6]
Schwarze Madonna

Zu Darstellungen von Maria, der Mutter Jesus von Nazareth, als Mohrin, siehe Schwarze Madonna.
Belakane, Priesterkönig Johannes
Die schöne Sarazenenkönigin Belakane in Wolfram von Eschenbachs Parzival ist eine Mohrin.[7]. Ihr und Gahmurets Sohn Feirefiz wird als Elster-Mischling vorgestellt (schwarz-weiß-gescheckt). Der Sohn von Feirefiz und Repanse de Schoye wird demnach der sagenumwobene Priesterkönig Johannes sein.
Mohr oder Mohrin als Wappenfigur
Die Mohrin im Wappen der Kirchberger

Bereits ein altes Wappenschild der Grafen von Kirchberg zeigt eine Frauengestalt mit vermutlich drei Rosen (oder Lilien) in der Hand.[8]. Dies legt nahe, dass der "Mohr mit den drei Rosen" (siehe auch Wolffskeeler Mohr) eigentlich die schwarze Madonna mit drei Rosen ist, so wie sie im alten schlesischen Volkslied besungen wird: Es blühen drei Rosen auf einem Zweig, sie blühten all drei ins Himmelreich
- 1488: Illertissen wird von Kaiser Friedrich III. ein Wappen in Anlehnung an das der damaligen Ortsherren, der Grafen von Kirchberg, verliehen. Dieses zeigte eine wachsende schwarz gekleidete Mohrin mit einer schwarzen Bischofsmütze auf dem Kopf, in der Rechten einen grünen Zweig mit drei Blättern und drei Disteln.
- 1555: Mohrin mit Mitra im Wappen von Oberkirchberg.[9]
- Oberkirchberg: Wappen mit Mohrin von 1954.[10]
- Unterkirchberg: Wappen mit Mohrin vor 1972. [11]
- Oberkirchberg: Wappen mit Mohrin nach 1972.[12]
- Illerkirchberg: Mohrin mit Mitra
- Neu-Ulm: Mohrin im Wappen, ebenfalls in Erinnerung an die Grafen von Kirchberg.[13]
- Grafen von Fugger, Kirchberg und Weißenhorn: Aktuelles Wappen mit Mohrin.[14]
Die Mitra erinnert wohl an die vielen Bischöfe, die aus dem Geschlecht der Kirchberger hervorgegangen sind bzw. in der oben vorgeschlagenen Deutung ihnen von der Jungfrau Maria geschenkt worden sind.
Der Mohr im Wappen von Wolffskeel, Grumbach, Uettingen

Wolffskeeler Moor: Das Wappen der Adelsfamilie Wolffskeel zeigt einen nach rechts schreitender Mohr mit drei roten Rosen. Es erscheint erstmals beim Würzburger Fürstbischof Wolfram Wolfskeel von Grumbach (1322-1333)
- Grumbacher Mohr: Davon abgeleitet trägt die mit den Wolffskeel verwandte Adelsfamilie Grumbach ebenfalls einen Mohren mit drei roten Rosen, allerdings schreitet dieser nach links. Heute hat noch Burggrumbach einen solchen Mohren im Ortswappen.[15]
- Einige Ortswappen ehemaliger Besitzungen der Wolffskeels und Grumbachs zeigen daher auch einen derartigen Mohren. Davon abhängig ist zum Beispiel der Uettinger Mohr.
Freising

Freisinger Mohr: Auch das Bistum Freising und der Landkreis Freising tragen einen „Mohren“ im Wappen. Der gekrönte Afrikaner („caput aethiopis“) erschien zum ersten Mal 1284 im Wappen des Bischofs Emicho, Wildgraf von Wittelsbach (1283–1311). Nach einer verbreiteten Interpretation entstand der Mohr aus der Fehldeutung einer Darstellung, auf der eigentlich einfach ein gekröntes Haupt dargestellt war, mit dem Bischof Emicho die Reichsunmittelbarkeit seines Gebiets anzeigen wollte. Denkbar ist, dass es sich eigentlich um ein Porträt des Rudolf von Habsburg oder von Emicho selbst handelte. Eine weitere mögliche Herleitung ist der Bezug auf eine Stelle in der Apostelgeschichte, wo ein äthiopischer Kämmerer von dem Apostel Philippus getauft wird (Apg. 8,26). In kolorierter Fassung wurde er dann im Jahr 1316 – eindeutig als „Mohr“ – auf dem Deckblatt des Haus- und Notizbuches von Bischof Konrad III. (1314–1322) abgebildet. Bis zur Auflösung des Hochstifts Freising im Jahr 1803 stand er dauerhaft im Wappen der Bischöfe von Freising. Ab 1846 durfte das neue Erzbistum München-Freising den Mohren wieder im Wappen tragen.
- Wappen mit dem „Freisinger Mohr“ haben einige Städte und Orte, die früher dem Hochstift Freising angehörten:


- Mittenwald (Oberbayern)
- Landkreis Freising. [16]
- Garmisch-Partenkirchen. [17]
- Lauingen (Schwaben)[18]: Dabei findet sich hier bereits ein altes Siegel von 1270 im Stadtarchiv, das einen Männerkopf mit langem Haupthaar, Bart und Bügelkrone zeigt, wobei es sich vermutlich um Friedrich Barbarossa handelt. 1451 wendet sich der seither mehrmals veränderte Kopf nach rechts ins Profil. Dabei ist erstmals deutlich ein Mohrenkopf mit Halskette, Ohrring und Mauerkrone zu erkennen.
- Ismaning (Oberbayern)[19]
- Unterföhring (bei München)[20]
- Innichen (Südtirol)[21]
- Klevevz (Unterkrain)[22]
- Dovje [23]
- Pastetten (Landkreis Erding)[24]
- Fahrenzhausen [25]
- Grossenzersdorf (Österreich)[26]
- Oberwölz. [27]
- Hollenburg. [28]
- Nordistrien. [29]
- Skovja Loka. [30]
- Neuhofen. [31]
- Eching. [32]
- Ulmerfeld. [33]
- Waidhofen. [34]
- Den „Freisinger Mohr“ übernahm auch Papst Benedikt XVI. in sein Wappen. Damit nahm er Bezug auf seine Zeit als Erzbischof und später Kardinal der Erzdiözese München-Freising.
Coburg

Coburger Mohr (14. Jahrhundert): Einen „Mohren“ zeigt das Stadtwappen von Coburg. Es handelt sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Darstellung des Hl. Mauritius, der auch auf dem Wolffskeelschen Wappen abgebildet sein soll. Ab 1380 hat ein Coburger Münzmeister als Meisterzeichen einen Mohrenkopf. 1493 taucht in alten Akten das erste Mal das Wort "Mohrenkopf" auf, der von der Stadt verpflichtet wurde, neben seinem Meisterzeichen seine Ware auch mit dem Mohrenkopf zu versehen. Aus dem Jahr 1521 stammt schließlich der älteste Abdruck des Stadtsiegels mit dem Mohrenkopf. Nachdem der Mohr während des Nationalsozialismus aus dem Wappen verschwinden musste, wurde er 1953 in veränderter Form wieder aufgenommen [35]
Pappenheim
Pappenheimer Mohr: Das Stadtwappen von Pappenheim zeigt einen Mohrenkopf mit gekräuseltem Haar und einer Stirnbinde.[36] Die Pappenheimer Marschälle haben diese Figur in ihre Helmzier aufgenommen. Auf den ältesten Siegeln findet sich ein edler Männerkopf, der wohl eher das Haupt des Hiero von Syrakus darstellt. Daraus sei dann ein typischer Mohrenkopf entstanden. Zwischendurch findet sich allerdings auch eine Mohrin mit Zöpfen.
Schauenstein
Schauensteiner Mohr In der ersten erhaltenen farbigen Zeichnung des Wappens von Schauenstein (Oberfranken) aus dem Jahr 1581 ist der vorher schon traditionelle Mann schwarz und hält einen kleinen roten Stein empor. Es ist eindeutig ein Bergmann mit einem Erzbrocken in der Hand, um den Ortsnamen zu verbildlichen: ein zur Schau gestellter Stein. Seit 1692 wird der Bergmann nun als Mohr fehl gedeutet. Ab 1812 ist der Mann nackt dargestellt mit einem Stück Fleisch in der Hand, es gibt auch Abbildungen, die den Mohren mit einem Spiegel in der Hand zeigen. [37]
Mörlau

Mörlauer Mohren: Die Herkunft der Mohren im Wappen von Ober-Mörlen ist nicht geklärt.[38] An das Wappen angelehnt tritt der Mohr von Mörlau auch seit 1948 als Figur der Ober-Mörler Fassenacht auf; sein „orientalisches“ Fantasie-Kostüm erscheint jedoch eher an den Sarotti-Mohr (siehe unten) angelehnt als an reale Vorbilder.
Mohren und Mandach in der Schweiz
Mohrener Mohr:Das Wappen von Mohren in der Schweiz trägt ein besonders aufschlußreiches Brustbild eines Mohren.[39]
Mandacher Mohr: Das Wappen von Mandach geht auf ein ein Helmschild der Herren von Mandach (13. Jahrhundert) zurück, das der volkstümlichen Deutung nach den hl. Mauritius darstellt, der auch der Schutzpatron der Kirche von Mandach ist. [40]
Aragon, Sardinien und Korsika
Aragonische Mohren: Bereits alte spanische Chroniken berichten davon, dass Pedro I. in der Schlacht von Acoraz vier schwarze Könige enthaupten ließ. Entweder er selbst oder sein Nachfolger hätten diese Köpfe in ihr Wappenschild aufgenommen, als Symbol für die Rückeroberung von vier ehemals maurischer Gebiete.[41] Spätestens 1281 führte Pedro III., König von Aragon (Spanien) endgültig als Hoheitszeichen ein, das dann lange Zeit als Siegel verwendet wurde. Es handelt sich jeweils um ein weißes Schild mit dem roten St. Georgs-Kreuz und den Köpfen von vier Mohren mit weißem Stirnband. [42] und [43]
- Sardische Mohren: Das Landeswappen der italienischen Insel Sardinien zeigt wie das Aragonische Wappen vier maurische Köpfe. Erst im 17. Jahrhundert wurde das ursprünglich aragonische Wappen durch Philipp IV. von Spanien offiziell für Sardinien eingeführt, indem er es auf Münzen prägen ließ.

- Korsische Mohr: Das Landeswappen der französischen Insel Korsika zeigt ebenfalls einen Kopf eines „Mohren“ oder Mauren (Testa Maura). 1762 wurde der Mohrenkopf mit Stirnband von Pascal Paoli und der von ihm geleiteten Consulta zum offiziellen Wappen und Symbol für den Freiheitskmapf der Korsen bestimmt. Der Legende nach geht dieses Symbol auf einen Kampf zwischen einem arabischen Herrscher, ein Maure, und einem korischen Verlobten um dessen Verlobte zurück, die der Maure entführt hat. Im Kampf blieb der Korse siegreich und er schlug dem Mauren den Kopf ab, spießte ihn auf eine Lanze und reckte ihn hoch in den Himmel. Das Stirnband geht dagegen auf eine andere Legende zurück. Nach dem Sieg der Pisaner und Genueser über die Mauren sollte ein maurischer Gefangener hingerichtet werden, dem dazu die Augen mit einem weißen Tuch verbunden wurden. Der Maure wollte aber sehenden Auges sterben und schob daher das Tuch hoch zur Stirn. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich bei der Flagge um eine Einführung durch den König von Aragon handelt. Aragons Flagge wies bereits vier Mauren, verteilt um ein Kreuz auf (siehe heutiges Symbol von Sardinien). Vincentellu d’Istria, der für Aragon und gegen die pisanischen und genuesischen Besatzer kämpfte, brachte es bis zum Vize-König. Er wurde dann aber von den Besatzern geschlagen und in Genua hingerichtet wurde, dennoch wird dieser Kampf heute als Beginn der korsischen Monarchiebewegung angesehen. Als dann Theodor von Neuhoff zum ersten und einzigen König Korsikas wurde, verwundert es nicht, dass eine zeitgenössischen Darstellung von 1736 den König mit dem Wappen zeigt, auf dem nur noch ein Maure abgebildet ist, allerdings mit verbundenen Augen. Vermutlich hat erst Paoli das Tuch als Zeichen der Freiheit zum Stirnband umfunktioniert.
Literatur und Kunst
Literatur und Theater

Bekanntester „Mohr“ der Weltliteratur ist wohl William Shakespeares tragischer Held Othello, auch als "Mohr von Venedig" bekannt. Nach heutigen Interpretationen soll Othello ein Maure sein, dessen Hautfarbe im Stück jedoch als black (schwarz) beschrieben wird.
Das geflügelte Wort „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ lautet im Original: „Der Mohr hat seine Arbeit gethan, der Mohr kann gehen.“ Friedrich Schiller legte diesen Satz in den Mund von Muley Hassan, dem Mohren von Tunis (Die Verschwörung des Fiesco zu Genua).
Bekannt ist auch die Moritat aus dem Kinderbuch Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann: „Es ging spazieren vor dem Tor / ein kohlpechrabenschwarzer Mohr (...)“, in der sich Kinder über einen Mohren wegen seiner Hautfarbe lustig machen, dann jedoch zur Strafe vom „großen Nikolas“ in ein Tintenfass getunkt werden. Die Geschichte dient der antirassistischen Erziehung, auch wenn der schwarze Knabe als stereotyper Schwarzafrikaner (barfuß, dicke Lippen, krauses Haar, nackt bis auf eine kurze Hose) dargestellt wird.
Die Mohrin spielt außerdem in folgenden Werken eine bedeutende Rolle:
- Giambattista Basile: Das Pentameron
- Lukas Hartmann: Die Mohrin. Roman, 1995
- Trankred Dorst: Die Mohrin. Theaterstück, 1964
- Friedrich Hildebrand von Einsiedel: Die Mohrin. Lustspiel. Übersetzung nach Terenz
- Friedrich Wilhelm Ziegler: Die Mohrin. Schauspiel
Musik
Nicht vergessen werden sollte auch der Mohr Monostatos aus der Zauberflöte von Mozart und Antonio Salieris Musikkomödie Il Moro.
Malerei und Skulptur
Im Bereich der bildenden Kunst ist "Die Mohrin Katherina" von Albrecht Dürer (1521)[44] und Erasmus Grassers Mohr im Ensemble von 16 Moriskentänzern (1480) [45] besonders hervorzuheben.
Um 1720 schuf Johann Melchior Dinglinger einen "Mohr mit Perlenschale", der heute in der Kurfürstlich-Königlichen Sächsischen Schatzkammer zu bewundern ist.[46]
Und Balthasar Permoser hat 1724 seinen "Mohr" mit der Smaragdstufe gestaltet, der heute in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ausgestellt ist. [47]
Werbung

Der Sarotti-Mohr findet sich im Firmenlogo des Schokoladenherstellers Sarotti. Die Figur wurde 1920 von Julius Gipkens als Werbefigur erfunden, wohl in Anlehnung an die erste Adresse der Firma Sarotti in der Mohrenstraße 10, Berlin und wurde 1922 zum eingetragenen Marke. Der erste Sarotti-Mohr trat dabei noch als Dreiergrüppchen auf. Die Werbefiguren trugen einen Turban und ein Tablett und sollte wohl ursprünglich auf die traditionelle Funktion von Mohren als Bedienstete des Hochadels anspielen. Möglicherweise sollen sie auch auf den Anbau von Kakao in Afrika verweisen (der meiste Kakao kam zu der Zeit allerdings aus Südamerika). Denkbar ist auch, dass damit Sinnlichkeit und gesteigerte Genussfähigkeit assoziert werden sollen, wie sie in stereotypen Vorstellungen den Bewohnern südlicher Länder zugeschrieben werden. (Wichtig ist in diesem Kontext der Kolonialismus, der in Europa Fantasien vom „sinnlichen Süden“ anregte; siehe Exotismus). Der Mohr trat von Anfang an auf Produktverpackungen, in der Print-Werbung wie auch ab 1964 in der Fernsehwerbung auf und wurde seither in zahlreichen Formen als Souvenir vermarktet. Seit 2004 wird der Sarotti-Mohr von der Firma Stollwerck offiziell als „Sarotti-Magier aus 1001 Nacht“ bezeichnet. Die Figur wurde niedlicher gestaltet und jongliert nun mit Sternen, statt ein Tablett zu tragen.
Auch im Logo der Wiener Kaffeerösterei Julius Meinl findet sich ein „Mohr“. Der Meinl-Mohr trinkt Kaffee, trägt einen hohen roten Fez und die Uniform eines Hotelpagen oder Dienstboten. Er wurde 1924 von dem Grafikdesigner Joseph Binder entworfen und 1965 zu einer abstrakteren Darstellung modernisiert. Auch mit ihm sollten Sinnlichkeit und eine „weltoffene“ und „exotische“ Atmosphäre von südländischen Hotels oder Kolonialherren-Anwesen assoziiert werden. Für die USA hat der Meinl-Konzern das schwarze Gesicht durch Gold ersetzt und begründet dies mit der dortigen Political correctness. In Europa präsentiert sich Meinl weiterhin mit dem traditionellen „Mohren“ mit rotem Fez. Allerdings gibt die Firma offiziell an, der Mohr ähnele einem „sympathischen Barockengel“ und stehe daher für „die europäische Komponente“ der Firma.
Die südwestdeutsche Bezeichnung „Mohrenkopf“ (auch „Negerkuss“) für einen Schokoladenkuss (Schaumwaffelgebäck mit Schokoladenüberzug) stammt vermutlich ebenfalls aus den 20-er Jahren. Sie leitet sich von der dunklen Farbe der Schokolade und der damals gängigen Assoziation von „Mohren“ mit Schokolade her. Die offiziellen Namensgebungen mit rassistischer Tendenz wurden mittlerweile abgeändert; der Alltagssprachgebrauch blieb erhalten.
Weitere Verwendungen
„Mohren“ finden sich auch vielfach in den Namen von Apotheken und Gasthäusern (vgl. z. B. die Erzählung Die Leute aus der Mohrenapotheke von Ernst Penzoldt) und Straßen wie die Mohrenstraße (Berlin).
Natürlich trägt auch die Brauerei Mohrenbräu seit langer Zeit einen Mohren im Firmenwappen.[48]
Der Graubindige Mohrenfalter (Erebia aethiops), meist Waldteufel genannt, ist ein Schmetterling mit schwarzen Flügeln.
Nachname
siehe Mohr (Name)
Literatur
- Adolf Wilhelm Ziegler: Der Freisinger Mohr: Eine heimatgeschichtliche Untersuchung zum Freisinger Bischofswappen. München 1976
- Eckhard Henscheid, Immanuel Kant: Der Neger (Negerl). München 1982. ISBN 3-921499-58-5
- Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hg.): Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. 2004, ISBN 3-89771-424-8