https://de.wikipedia.org/w/api.php?action=feedcontributions&feedformat=atom&user=Pdiffenderfer Wikipedia - Benutzerbeiträge [de] 2025-04-27T08:17:05Z Benutzerbeiträge MediaWiki 1.44.0-wmf.25 https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Musik_der_Romantik&diff=59405370 Musik der Romantik 2009-04-25T18:04:22Z <p>Pdiffenderfer: /* Romantische Musik – Begriffsbestimmung */</p> <hr /> <div>Als '''Musik der Romantik''' (Romantik von altfrz. ''romance'', Dichtung, Roman) (ca. 1790–1890) bezeichnet man die beherrschende Stilrichtung der [[Musik des 19. Jahrhunderts]]. Die wichtigsten Eigenschaften der romantischen Musik sind die Betonung des gefühlvollen Ausdrucks, die Auflösung der klassischen Formen, die Erweiterung und schließlich Überschreitung der traditionellen [[Harmonik]] sowie die Verbindung der Musik mit außermusikalischen, häufig literarischen Ideen ([[Programmmusik]]). Das [[Orchester]] wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts ständig erweitert, um einerseits immer ausgefallenere koloristische Feinheiten zu erzielen, andererseits durch den Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel immer überwältigendere Eindrücke zu ermöglichen. Außerdem wurden immer häufiger Elemente der [[Volksmusik]] aufgenommen, teils im Zuge des [[Realismus]], teils bedingt durch die nationalen Schulen der kleineren Länder. Gewöhnlich werden drei Abschnitte der Romantik unterschieden, auch wenn die genauen Zuordnungen in der Literatur nicht einheitlich sind.<br /> <br /> == Romantische Musik – Begriffsbestimmung ==<br /> <br /> [[File:Parsifal vor der Gralsburg.JPG|left|thumb|200px|&quot;[[Parsifal]] vor der Gralsburg&quot; — Opera Richard [[Wagner]] - Weimar 1928 von Hans Werner Schmidt (1859–1950)]]<br /> <br /> Die Schwierigkeiten im überlegten Gebrauch der Bezeichnungen „[[Romantik]]“ und „romantisch“ für eine bestimmte Richtung bzw. [[Epoche (Musik)|Epoche]] in der [[Musik]] rühren insbesondere daher, dass Begriffe übernommen werden, die seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts mit der deutschen literarischen Romantik ([[Novalis]], [[Wilhelm Heinrich Wackenroder]], [[Ludwig Tieck]], die Gebrüder [[August Wilhelm Schlegel|August Wilhelm]] und [[Friedrich Schlegel]], [[E. T. A. Hoffmann]], [[Clemens Brentano]] und andere) verbunden wurden. Die längere Vorgeschichte der Termini „romantisch“ bzw. „romanisch“ (im 17./18.&amp;nbsp;Jahrhundert im ablehnenden Sinne für „wie im Roman“) und der substantivierten Form („das Romantische“) spielt für die Musik nur insofern eine Rolle, als sie in den späteren Gebrauch des Wortes einging. Erst durch die deutsche Romantik (das Substantiv begegnet erstmals bei Novalis), deren Repräsentanten bald als „Romantiker“ bezeichnet wurden, war die Voraussetzung dafür gegeben, in Anlehnung dazu von einer musikalischen Romantik zu sprechen. Ihre [[Physiognomie]] tritt jedoch erst seit den 1830er Jahren deutlicher hervor, und sie endet als Epoche im strengen Sinn bereits um 1850. Die Impulse aus dieser frühen und eigentlichen Phase der musikalischen Romantik haben allerdings weitergewirkt.<br /> <br /> Die Anwendung des Romantikbegriffs auf die Musik verweist einerseits auf einen inneren, wenngleich zeitlich phasenverschobenen Zusammenhang zwischen der romantischen Bewegung in [[Dichtung]], [[Theorie der Kunst|Kunsttheorie]] und [[Philosophie]] und der musikalischen Romantik, andererseits auf eine angestrebte Gegenposition zur Musik insbesondere der [[Wiener Klassik]]er ([[Joseph Haydn]], [[Wolfgang Amadeus Mozart]] und [[Ludwig van Beethoven]]). Die [[Antithese]] klassisch-romantisch war bereits im 18.&amp;nbsp;Jahrhundert in England geläufig und hatte im Gegensatz zwischen deutscher Romantik und [[Weimarer Klassik]] ([[Friedrich Schiller|Friedrich von Schiller]], [[Johann Wolfgang von Goethe]]) eine neue, aktuelle Dimension erhalten. Doch für die Romantiker selbst und vorab für [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel]] (Ästhetik, 1818–29), der ihnen in seinem Denken allerdings fern stand, war auch noch der ältere, über [[Johann Gottfried Herder]] und [[Christoph Martin Wieland]] vermittelte Wortgebrauch gültig, mit dem der antiken „klassischen“ die christlich-europäische „romantische“ Kunst entgegengesetzt wurde. Zur terminologischen Verwirrung trug weiterhin bei, dass in der Romantik ein Musikbegriff entwickelt wurde, der auf das [[Wesen (Philosophie)|Wesen]] der Musik schlechthin abzielte. So erschien E.&amp;nbsp;T.&amp;nbsp;A. Hoffmann – der einzige der romantischen [[Dichter]], der einen tieferen Einblick in die Musik seiner Zeit hatte und selbst [[Komponist]] war – die [[Instrumentalmusik]] von Haydn, Mozart und vor allem die von Beethoven als die Verkörperung der „romantischen Musik“, weil er in ihr den höchsten Begriff von Musik überhaupt erfüllt fand. („Sie [sc. die Instrumentalmusik] ist die romantischste aller Künste, — fast möchte man sagen, allein rein romantisch.“) Die Begründung lautete wie folgt: „Die Musik schließt dem Menschen ein unbekanntes Reich auf; eine Welt, die nichts gemein hat mit der äußern Sinnenwelt […] und in der er alle durch Begriffe bestimmbaren Gefühle zurückläßt&lt;!--sic--&gt;, um sich dem Unaussprechlichen hinzugeben.“ Da die Musik schlechthin für die Romantiker (zum Beispiel Wackenroder, Hoffmann) vielfach als der Inbegriff einer umfassenden, gänzlich in der Gefühlssphäre beheimateten, [[Transzendenz|transzendierend]]-unstofflichen Kunst galt, hat der romantische Kunstbegriff, von dem das 19.&amp;nbsp;Jahrhundert nie loskam, das Verständnis jeglicher Musik geprägt. In [[Arthur Schopenhauer]]s Definition der Musik als der Manifestation des reinen Willens, somit des „[[Ding an sich|Dings an sich]]“ jenseits der Erscheinungen und Begriffe kulminierten die romantischen Musikvorstellungen. Auch [[Richard Wagner]]s ideelle [[Konzeption]] des Musikdramas als alle Künste übergreifendes [[Kunstwerk]] („[[Gesamtkunstwerk]]“) geht auf Ideen der deutschen Romantiker zurück (beispielsweise Verschmelzung der Gattungen und Künste, Utopismus, Sakralisierung des Kunstwerks), ohne dass man doch Wagners Musikdramen der Romantik zuweisen könnte.<br /> <br /> Eine weitere Einbettung der Bezeichnungen Romantik und romantisch ergibt sich durch den Einbezug der [[literaturwissenschaft]]lichen Epochenbezeichnungen „[[Biedermeier]]“ und „[[Vormärz]]“ (ca. 1815–48). Wenngleich nicht alle Erscheinungen in der Musik seit 1800 unter Romantik subsumiert werden können und die neue romantische Musik auf einem Boden erwächst, der um 1800 neben und zum Teil im Schatten der Wiener klassischen Musik bereitet wurde, so trifft doch [[Heinrich Heine]]s Wort vom „Ende der Wolfgang Goetheschen Kunstperiode“ um 1830 insofern auch auf die Musik zu, als mit dem Tode Beethovens (1827) und [[Franz Schubert]]s (1828) ein musikalisches Zeitalter endete und der Romantik in der deutschen und französischen Musik alle Möglichkeiten eröffnet wurden.<br /> <br /> == Die Romantische Epoche ==<br /> <br /> Die erste Phase der bedeutenden bürgerlichen Musik insbesondere in Deutschland zwischen ca. 1830 und 1850 kann aufgrund wesentlicher gemeinsamer Kriterien als Romantik bezeichnet werden. Erste „romantische“ Ansätze zeigen sich in der Stoffwahl des deutschen [[Singspiel]]s seit den 70er Jahren des 18.&amp;nbsp;Jahrhunderts, die auf [[Carl Maria von Weber]]s Oper ''[[Der Freischütz]]'' (1821) hinführen. Vernehmlich kündigten sich die Konturen der deutschen romantischen Oper jedoch schon an in manchen Werken von [[Louis Spohr|Ludwig (Louis) Spohr]] (zum Beispiel ''[[Faust (Spohr)|Faust]]'', 1816; ''Jessonda'', 1823), E.&amp;nbsp;T.&amp;nbsp;A. Hoffmann (''Undine'', 1816), sowie nicht zuletzt in den [[durchkomponierte Form|durchkomponierten]] Teilen von [[Wolfgang Amadeus Mozart]]s ''[[Die Zauberflöte|Zauberflöte]]'' (1791). Der Charakter einer nationalen Oper, die alle Register der Natur-, Geister- und vor allem Sagen-Romantik zog, wurde schon in den späteren Werken Webers (''[[Euryanthe]]'', 1823; ''[[Oberon (Oper)|Oberon]]'', 1826) überlagert vom musikalischen [[Idiom]] der beherrschenden französischen und italienischen Oper. Indessen blieb die romantische Physiognomie noch kenntlich in den Opern von [[Heinrich Marschner]] (''[[Der Vampyr (Oper)|Der Vampyr]]'', 1828; ''[[Hans Heiling]]'', 1833) und, biedermeierlich gefärbt, bei [[Albert Lortzing]] und [[Friedrich von Flotow]]. Aber auch [[Richard Wagner]] begann mit Werken im Stil der deutschen romantischen Oper (''[[Der Fliegende Holländer]]'', 1843; ''[[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg]]'', 1845; ''[[Lohengrin]]'', 1850). Durch die neue stimmungs- und bildauslösende Funktion von [[Harmonik]] und [[Klangfarbe]]n wurden bereits im ''Freischütz'' (vor allem in der Wolfsschluchtszene) jene Sphären und Vorstellungen vermittelt, die seitdem untrennbar mit dem Romantikbegriff verbunden sind: die Evokation des blinden Waltens oder Seins von unergründlichen Natur- und Schicksalskräften, das Übernatürliche, der mythische Sagengrund und die märchenhafte Vergangenheit, die zum [[Symbol]] eines utopisch-ursprünglichen Zustands wird. Hinzu kamen ein volkstümlich-nationaler liedhafter Ton und der Gestus des [[ritter]]lichen Aufschwungs. Die Musik wurde durchlässig für [[Stimmung (Psychologie)|Stimmungen]] und szenische Bilder, die aus romantischen Motiven und Seelenlagen hervorgingen.<br /> <br /> Die lyrisch nach innen gewendete, romantisch inspirierte Poetisierung, das heißt Entgrenzung der Tonsprache erreicht ihre Vollendung in der Musik von [[Robert Schumann]]. Schwerpunkte sind dabei die durch Werke von [[Jean Paul]] und E.&amp;nbsp;T.&amp;nbsp;A. Hoffmann angeregte Klaviermusik (Klavierzyklen, unter anderem ''Papillons'' Op.&amp;nbsp;2, 1828–32; ''Carnaval'' Op.&amp;nbsp;9, 1834–35; ''Fantasiestücke'' Op.&amp;nbsp;12, 1832–37; ''Kinderszenen'' Op.&amp;nbsp;15, 1838; ''[[Kreisleriana]]'' Op.&amp;nbsp;16, 1838) und die [[Kunstlied|Lieder]], in denen Dichtung der Romantik und Musik buchstäblich verschmelzen, zum Beispiel im Liederkreis Op.&amp;nbsp;24 (Text [[Heinrich Heine]], 1849), in ''Myrthen'' Op.&amp;nbsp;25 (1840) und im Liederkreis Op.&amp;nbsp;39 (Text [[Joseph von Eichendorff]], 1840). Dass sich Schumanns Romantik vorab im ''Lyrischen Klavierstück'' ([[Charakterstück (Musik)|Charakterstück]]) entfaltete, ist ein Zeichen für die radikale Abwendung von Gattungen und Strukturen der Wiener klassischen Musik. Auch im romantischen Lied, dessen Poesie bei Schumann wesentlich aus der Klavierbegleitung hervorgeht, ist gegenüber den Liedern von [[Franz Schubert]] der Neuansatz fundamental; Schumann hat Anregungen aus dem vorschubertschen Lied aufgenommen. Schumanns [[Sinfonie]]n (1841–51), das [[Klavierkonzert (Schumann)|Klavierkonzert]] Op.&amp;nbsp;54 (1.&amp;nbsp;Satz 1841, 2.&amp;nbsp;und 3.&amp;nbsp;Satz 1845) und die Sonaten sind durch romantisch-poetische Gehalte von innen heraus verwandelt. Mit der Oper ''[[Genoveva (Oper)|Genoveva]]'' (1850) suchte er sich auch die Bühne zu erschließen. Genuin romantisch ist in der Musik von Schumann einerseits die Tendenz zur Entgrenzung und Gattungsverschmelzung im Zeichen eines übergreifenden poetischen Idioms und konvergierend mit Friedrich Schlegels Idee einer „progressive[n] Universalpoesie“ (116.&amp;nbsp;Athenäumsfragment), in der es darum ginge, „alle getrennten Gattungen […] zu vereinigen“, die Barrieren zwischen den Künsten zu überspringen. Andererseits gehört die Abkehr von komplexen, vielgliedrigen Architekturen zugunsten des im zeitenthobenen Augenblick entfalteten „[[Idee|Einfalls]]“, der sich gegen [[Thema (Musik)|thematische]] Verarbeitung sträubt, zu den wesentlichen Merkmalen der musikalischen Romantik. Die Auflösung bisher gültiger musikalischer Ordnungen und Bauweisen vollzieht sich in der Absicht, der Musik neue, musiküberschreitende Gehalte zuzuführen. Seit Beethovens Tod ist Musik wiederholt als Bekundung eines „Unaussprechlichen“ aufgefasst worden.<br /> <br /> Schumann und [[Frédéric Chopin]] entdeckten in der Klaviermusik den lyrischen Eigenwert des Klangs und der figurativen [[Virtuose|Virtuosität]] für die Vermittlung des Poetischen. Zeitlich vorgelagert ist zum Teil der romantische Klassizismus von [[Felix Mendelssohn Bartholdy]], dem manches aus der Opern- und [[Instrumentalmusik]] von Hoffmann, Spohr und anderen noch zuzurechnen wäre. Vor allem in Mendelssohns Liedern ohne Worte (1830–45) sowie in der Musik zum Sommernachtstraum (1842, Ouvertüre schon 1826) erscheint im virtuosen Umgang mit geprägten Idiomen eine sublime Stimmungspoesie. Reflexionen von Natur- und Landschaftsbildern sind in seinen Hauptwerken ebenso wesentliche Elemente wie die Vorstellung des schwerelosen Elfentreibens. Die engstens mit Bestrebungen der literarischen Romantik verknüpfte Entdeckung und Verklärung der Musik der Vergangenheit (zum Beispiel [[Giovanni Pierluigi da Palestrina|Palestrina]]-Renaissance), vorbereitet durch [[Carl Friedrich Zelter]]s Wirken an der [[Sing-Akademie zu Berlin]] sowie durch Hoffmanns kunsttheoretische Arbeiten (Alte und neue Kirchenmusik, 1814) und Kompositionen, wurde in vollem Umfang erst durch Mendelssohns Aufführung von [[Johann Sebastian Bach]]s [[Matthäuspassion (Bach)|Matthäus-Passion]] in Berlin (1829) musikgeschichtlich nutzbar gemacht. Viele Romantiker studierten bei Komponisten, die mit den Wiener Klassikern keine unmittelbare Berührung hatten. Die Zentren der musikalischen Romantik befanden sich vorzugsweise in Nord- und [[Mitteldeutschland]] ([[Berlin]], [[Dresden]], [[Leipzig]]). Eine Romantik eigenen Rechts entfaltete sich in der Klaviermusik von Chopin (Études Op.&amp;nbsp;10 1829–32; Études Op.&amp;nbsp;25, 1832–36, Préludes Op.&amp;nbsp;28, 1836–39; Mazurkas, Nocturnes, Balladen; Konzerte e-Moll Op.&amp;nbsp;11 (1830) und f-Moll Op.&amp;nbsp;21 (1829)). Auch im virtuosen Aufschwung ist seine Musik fast immer durchdrungen von [[Melancholie]] und [[Fatalismus]]. Noch mehr als bei Schumann ist in den Werken Chopins, die von Schumann begeistert begrüßt wurden, der subjektive [[Gestus]] und der [[Reflexion (Psychologie)|Reflex]] auf ein leidend-sensibles [[Ich]] spürbar, das sich in romantischer Sehnsucht verzehrt. <br /> <br /> Eine spezifisch [[Frankreich|französische]] Romantik repräsentiert die Instrumentalmusik von [[Hector Berlioz]]. Schlüsselwerke wie die ''[[Symphonie fantastique]]'' (1830), ''Harold en Italie'' (1834), die ''Symphonie dramatique Roméo et Juliette'' (1839) und andere zielten auf Kontamination der Gattungen durch Aufnahme dichterischer oder aus Dichtungen der Weltliteratur ([[William Shakespeare]], [[Vergil]], Goethe, [[George Gordon Byron]]) abgeleiteter und neu interpretierter Thematik. Sie eröffneten Regionen der hochgespannten, unerfüllbaren Sehnsucht, des Rausches, des Schweifens in Traumwelten und der visionären Phantastik, als deren Subjekt das neue (romantische) Bild des Künstlergenies hervortritt. Das hybride [[Genre]] der [[Programmmusik]] und der [[Sinfonische Dichtung|symphonischen Dichtung]] — letztere insbesondere durch [[Franz Liszt]] geprägt und propagiert, später durch [[Richard Strauss]] erneut aufgegriffen — entspringt ebenfalls den Ideen der Romantik.<br /> <br /> Auch in der italienischen und [[Französische Oper|französischen Oper]] zwischen 1830 und ca. 1850 sind romantische Einschläge unüberhörbar. Vorab [[Vincenzo Bellini]]s weich-elegisches Melos, das aber nicht weniger die anfeuernde Leidenschaft kennt, ist stets als genuine Romantik begriffen worden. Sie begegnet auch in den Opern [[Gaetano Donizetti]]s, tritt dann aber im Frühwerk von [[Giuseppe Verdi]] wieder in den Hintergrund. Eher sekundär sind gleichfalls die romantischen Züge in der französischen [[Grand opéra|Großen Oper]] ([[Giacomo Meyerbeer]], [[Daniel-François-Esprit Auber]]). Stand dort der szenische, dekorative Aufwand romantischer Verinnerlichung entgegen, so ließ bei Verdi der dramatisch unerbittliche Nerv seiner Musik Romantisches nur am Rande aufkommen. Über das Schicksalsdrama und das historisch-symbolische Drama ist, aufs Ganze gesehen, auch die Oper des 19. Jahrhunderts mit der europäischen Romantik verknüpft, die in [[Frankreich]] mit [[François-René de Chateaubriand]] (Génie du Christianisme, 1802), [[Alphonse de Lamartine]], [[Victor Hugo]], [[Alfred de Musset]] und [[Charles Baudelaire]], in [[Italien]] mit [[Alessandro Manzoni]] und [[Giacomo Leopardi]] sowie in [[England]] mit [[Samuel Taylor Coleridge]], Byron, [[Percy Bysshe Shelley]] und [[John Keats]] einen geistigen Umschwung bewirkt hatte.<br /> <br /> === Frühromantik (etwa 1790 bis 1820) ===<br /> <br /> [[Bild:Beethoven wiki.jpg|thumb|[[Ludwig van Beethoven]]]]<br /> [[Bild:Franz Schubert.jpg|thumb|[[Franz Schubert]]]]<br /> Der Übergang der [[Wiener Klassik]] zur Romantik findet sich im Werk [[Ludwig van Beethoven]]s (1770–1827). Vielen typisch romantischen Elementen begegnet man in seinen Werken das erste Mal. Der bedeutendste Vertreter der eigentlichen Frühromantik ist jedoch [[Franz Schubert]] (1797–1828), bezeichnenderweise der herausragende Liederkomponist. Auf diesem Gebiet wird sein Schaffen durch die [[Ballade]]n [[Carl Loewe]]s (1796–1869) ergänzt. Wichtig für die Entwicklung der deutschen [[Oper]] ist [[Carl Maria von Weber]] (1786–1826), vor allem mit seinem volkstümlichen ''Freischütz''. Dazu kommen fantastisch-schauerliche Stoffe von [[Heinrich Marschner]] (1795–1861) und schließlich die heitere Spieloper von [[Albert Lortzing]] (1801–1851), während [[Louis Spohr]] (1784–1859) hauptsächlich durch seine Instrumentalmusik bekannt wurde. Noch größtenteils der Klassik verhaftet ist das Schaffen von [[Johann Nepomuk Hummel]] (1778–1837), [[Ferdinand Ries]] (1784–1838) sowie des Franzosen [[George Onslow]] (1784–1853).<br /> <br /> [[Italien]] erlebte in der Frühromantik die Blütezeit der [[Belcanto]]-Oper, verbunden mit den Namen von [[Gioachino Rossini]] (1792–1868), [[Gaetano Donizetti]] (1797–1848) und [[Vincenzo Bellini]] (1801–1835). Während von Rossini in erster Linie heute die komischen Opern bekannt sind, oft nur durch ihre mitreißenden [[Ouvertüre]]n, überwiegen bei Donizetti und Bellini tragische Inhalte. Der bedeutendste italienische Instrumentalkomponist dieser Zeit war der legendäre „Teufelsgeiger“ [[Niccolò Paganini]] (1782–1840).<br /> <br /> In [[Frankreich]] entwickelte sich einerseits die leichte [[Opéra comique]], ihre Vertreter sind [[François Adrien Boieldieu ]] (1775–1834), [[Daniel-François-Esprit Auber]] (1782–1871) und [[Adolphe Adam]] (1803–1856), letzterer auch durch seine [[Ballett]]e bekannt.Man kann ebenfalls den berühmten exzentrischen Komponist und Harfenist [[Robert Nicolas-Charles Bochsa]] (1789–1856) zitieren (sieben Opern). Daneben kam die Grand opéra mit pompösen Bühnenbildern, Balletten und großen Chören auf. Ihr erster Vertreter war [[Gaspare Spontini]] (1774–1851), ihr bedeutendster [[Giacomo Meyerbeer]] (1791–1864).<br /> <br /> Auch in anderen europäischen Ländern nahm die Musikentwicklung nun einen Aufschwung. Der [[Irland|Ire]] [[John Field]] (1782–1837) komponierte die ersten [[Nocturne (Musik)|Nocturnes]] für [[Klavier]], in [[Dänemark]] wirkte [[Friedrich Kuhlau]] (1786–1832) und der [[Schweden|Schwede]] [[Franz Berwald]] (1796–1868) schrieb vier sehr eigenwillige [[Sinfonie]]n.<br /> <br /> === Hochromantik (etwa 1820 bis 1850) ===<br /> <br /> [[Bild:Robert Schumann 1839.jpg|thumb|[[Robert Schumann]]]] <br /> Die Hochromantik lässt sich in zwei Phasen einteilen. In der ersten Phase erreicht die eigentliche romantische Musik ihren Höhepunkt. Der [[Polen|Pole]] [[Frédéric Chopin]] (1810–1849) lotete in seinen Charakterstücken und Tänzen für Klavier bislang unbekannte Gefühlstiefen aus. [[Robert Schumann]] (1810–1856), am Ende seines Lebens geistig umnachtet, stellt in Person wie in Musik geradezu den Prototyp des leidenschaftlichen, von Tragik beschatteten romantischen Künstlers dar. Seine eigenwilligen Klavierstücke, Kammermusikwerke und Sinfonien sollten die folgende Musikergeneration nachhaltig beeinflussen. [[Franz Liszt]] (1811–1886), der deutschen Minderheit in Ungarn entstammend, war einerseits ein umschwärmter Klaviervirtuose, legte aber andererseits mit seinen harmonisch kühnen [[Sinfonische Dichtung|sinfonischen Dichtungen]] auch den Grundstein für die fortschrittliche „[[Neudeutsche Schule]]“. Ebenfalls der Programmmusik verpflichtet war die Technik der ''[[Leitmotiv|Idée fixe]]'' (Leitmotiv) des Franzosen [[Hector Berlioz]] (1803–1869), der auch maßgeblich das Orchester erweiterte. [[Felix Mendelssohn Bartholdy]] (1809–1847) orientierte sich wieder mehr an der klassizistischen Formensprache und wurde ein Vorbild besonders für [[Skandinavien|skandinavische]] Komponisten wie den Dänen [[Niels Wilhelm Gade]] (1817–1890). <br /> <br /> In der Oper dominierten in Deutschland noch die Spielopern von [[Otto Nicolai]] (1810–1849) und [[Friedrich von Flotow]] (1812–1883), als [[Richard Wagner]] (1813–1883) seine ersten romantischen Opern schrieb. Auch die frühen Werke von [[Giuseppe Verdi]] (1813–1901) orientierten sich noch am Belcanto-Ideal der älteren Generation. In Frankreich wurde von [[Ambroise Thomas]] (1811–1896) und [[Charles François Gounod|Charles Gounod]] (1818–1893) die [[Opéra lyrique]] entwickelt. Die [[Russland|russische]] Musik fand ihre eigene Sprache in den Opern von [[Michail Iwanowitsch Glinka|Michail Glinka]] (1804–1857) und [[Alexander Sergejewitsch Dargomyschski|Alexander Dargomyschski]] (1813–1869).<br /> <br /> Die zweite Phase der Hochromantik, teilweise auch Neuromantik genannt, läuft parallel mit der Stilrichtung des Realismus in der Literatur und der bildenden Kunst. In seiner zweiten Schaffenshälfte entwickelte Wagner nun seine [[Leitmotiv]]technik, mit der er den ohne [[Arie]]n durchkomponierten vierteiligen ''[[Der Ring des Nibelungen|Ring des Nibelungen]]'' zusammenhält; das Orchester wird sinfonisch behandelt, die [[Chromatik]] erreicht in ''Tristan und Isolde'' ihren äußersten Punkt. Eine ganze Jüngerschar steht unter dem Einfluss der progressiven Ideen Wagners, unter ihnen zum Beispiel [[Peter Cornelius (Komponist)|Peter Cornelius]] (1824–1874). Dagegen entstand eine Opposition zahlreicher konservativerer Komponisten, denen [[Johannes Brahms]] (1833–1897), der in Sinfonik, [[Kammermusik]] und Lied eine logische Fortführung der Klassik anstrebte, aufgrund der Tiefe der Empfindung und einer meisterlichen [[Komposition (Musik)|Kompositionstechnik]] zum maßstabsetzenden Vorbild wurde. Zu dieser Partei werden unter anderem [[Robert Volkmann]] (1815–1883), [[Friedrich Kiel]] (1821–1885), [[Carl Reinecke]] (1824–1910), [[Max Bruch]] (1838–1920), [[Josef Gabriel Rheinberger]] (1839–1901) und [[Hermann Goetz]] (1840–1876) gerechnet. <br /> <br /> Daneben traten einige bedeutende Einzelgänger auf den Plan, unter denen [[Anton Bruckner]] (1824–1896) besonders herausragt. Obwohl Wagner-Anhänger, unterscheidet sich sein formklarer Stil wesentlich von dem jenes Komponisten. So leitet sich zum Beispiel die blockhafte Instrumentation von Bruckners neun Sinfonien von den Registern der [[Orgel]] her. Im ideologischen Kampf gegen die Widersacher Wagners wurde er von dessen Anhängern als Widerpart von Brahms dargestellt. Auch [[Felix Draeseke]] (1835–1913), der ursprünglich von Liszt ausgehend „Zukunftsmusik in klassischer Form“ schrieb, steht kompositorisch zwischen den Parteien. <br /> <br /> Auch Verdi erreichte, wenn auch auf andere Weise als Wagner, den Weg zum durchkomponierten [[Musikdrama]]. Seine immense Ausstrahlung ließ in Italien alle anderen Komponisten verblassen, so auch [[Amilcare Ponchielli]] (1834–1886) und [[Arrigo Boito]] (1842–1918), der auch [[Librettist]] seiner späten Opern ''Otello'' und ''Falstaff'' war.<br /> <br /> In Frankreich hingegen triumphierte zunächst einmal die leichte Muse in Form der gesellschaftskritischen [[Operette]]n von [[Jacques Offenbach]] (1819–1880). Die lyrische Oper fand ihren Höhepunkt in den Werken von [[Jules Massenet]] (1842–1912), während in der ''Carmen'' von [[Georges Bizet]] (1838–1875) das erste Mal der Realismus einzog. Eine stilistische Brücke zur deutschen Musik schlug [[Louis Théodore Gouvy]] (1819–1898). Die Opern, Sinfonien und Kammermusikwerke des äußerst vielseitigen [[Camille Saint-Saëns]] (1835–1921) waren genauso wie die Ballette von [[Léo Delibes]] (1836–1891) eher traditionsorientiert. Neue Orchesterfarben fanden sich in den Kompositionen von [[Édouard Lalo]] (1823–1892) und [[Emmanuel Chabrier]] (1841–1894). Mit dem gebürtigen [[Belgien|Belgier]] [[César Franck]] (1822–1890) ging eine Wiederbelebung der Orgelmusik einher, die [[Charles-Marie Widor]] (1844–1937), später dann [[Louis Vierne]] (1870–1937) und [[Charles Tournemire]] (1870–1939) fortsetzten.<br /> <br /> In fast allen europäischen Ländern bildete sich nun eine spezifische Nationalromantik heraus. Die von Glinka begonnene nationalrussische Strömung wurde in Russland von der „[[Gruppe der Fünf]]“, so von [[Mili Alexejewitsch Balakirew|Mili Balakirew]] (1837–1910), [[Alexander Porfirjewitsch Borodin|Alexander Borodin]] (1833–1887), [[Modest Petrowitsch Mussorgski|Modest Mussorgski]] (1839–1881) und [[Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow|Nikolai Rimski-Korsakow]] (1844–1908) und [[César Cui]] (1835–1918), fortgesetzt. Westlicher orientiert waren [[Anton Grigorjewitsch Rubinstein|Anton Rubinstein]] (1829–1894) und [[Pjotr Iljitsch Tschaikowski|Pjotr Tschaikowski]] (1840–1893), dessen Ballette und Sinfonien große Popularität erlangten.<br /> <br /> Die [[Tschechien|tschechische]] Nationalmusik begründete [[Bedřich Smetana]] (1824–1884) mit seinen Opern und den an Liszt orientierten sinfonischen Dichtungen. Die Sinfonien, Konzerte und Kammermusikwerke von [[Antonín Dvořák]] (1841–1904) haben hingegen Brahms zum Vorbild. In Polen war [[Stanisław Moniuszko]] (1819–1872) der führende Opernkomponist, in Ungarn [[Ferenc Erkel]] (1810–1893). [[Norwegen]] brachte mit [[Edvard Grieg]] (1843–1907), Schöpfer lyrischer Klavierwerke, Lieder und Orchesterwerke wie der ''[[Peer-Gynt-Suite]]'', seinen bekanntesten Komponisten hervor; [[England]]s Stimme erklang mit dem an Brahms orientierten, vor allem als Chorkomponisten und Sinfoniker tätigen, [[Hubert Parry]] (1848–1918) sowie den skurrilen Operetten [[Arthur Sullivan]]s (1842–1900).<br /> <br /> === Spätromantik (etwa 1850 bis 1890) ===<br /> <br /> [[Bild:Max Liebermann Bildnis Richard Strauss.jpg|thumb|[[Richard Strauss]]]]<br /> In der Spätromantik, auch Nachromantik genannt, werden die traditionellen Formen und Elemente der Musik weiter aufgelöst. Eine immer farbigere Orchesterpalette, ein immer größeres Aufgebot an musikalischen Mitteln, das Ausreizen der [[Tonalität (Musik)|Tonalität]] bis an ihre Grenzen, übersteigerte Emotionen und eine zunehmend individuellere Tonsprache des einzelnen Komponisten sind typische Kennzeichen; die Musik wird an die Schwelle der [[Moderne]] geführt.<br /> <br /> So erreichten die Sinfonien von [[Gustav Mahler]] (1860–1911) vorher nicht gekannte Ausmaße, geben teilweise die traditionelle Viersätzigkeit auf und enthalten oft Vokalanteile. Doch hinter der monumentalen Fassade findet sich die moderne Expressivität des [[Fin de siècle]]. Diese psychologische Ausdruckskraft enthalten im Kleinen auch die Lieder von [[Hugo Wolf]] (1860–1903), Miniaturdramen für Stimme und Klavier. Stärker der Tradition verpflichtet, besonders an Bruckner orientiert, sind die Sinfonien von [[Franz Schmidt (Komponist)|Franz Schmidt]] (1874–1939) und [[Richard Wetz]] (1875–1935), während [[Max Reger]] (1873–1916) in seinen zahlreichen Instrumentalwerken zwar auf die Polyphonie [[Johann Sebastian Bach|Bachs]] zurückgriff, sie jedoch harmonisch äußerst kühn weiterentwickelte. Unter den zahlreichen Komponisten der Reger-Nachfolge ragen [[Julius Weismann]] (1879–1950) und [[Joseph Haas]] (1879–1960) hervor. Zu den herausragenden spätromantischen Tonschöpfern gehört weiterhin der eigenwillige [[Hans Pfitzner]] (1869–1949). Obwohl Traditionalist und entschiedener Gegner moderner Strömungen, stehen nicht wenige seiner Werke dem musikalischen Fortschritt der Zeit durchaus nahe. In seiner Nachfolge sind der vor allem als Opernkomponist hervorgetretene [[Walter Braunfels]] (1882–1953) und der Sinfoniker [[Wilhelm Furtwängler]] (1886–1954) zu nennen.<br /> <br /> Doch natürlich eignete sich für gesteigerte Emotionen die Opernbühne besonders gut. Recht brav waren noch die Volks- und [[Märchenoper]]n von [[Engelbert Humperdinck]] (1854–1921), [[Wilhelm Kienzl]] (1857–1941) und [[Siegfried Wagner]] (1869–1930), dem Sohn Richards. Doch schon [[Eugen d’Albert]] (1864–1932) und [[Max von Schillings]] (1868–1933) reizten mit einer deutschen Variante des [[Verismus]] die Nerven. Erotischer [[Symbolismus]] findet sich in den Bühnenwerken von [[Alexander von Zemlinsky]] (1871–1942) und [[Franz Schreker]] (1878–1934). Noch weiter an die Grenzen der Tonalität ging [[Richard Strauss]] (1864–1949) mit ''Salome'' und ''Elektra'', bevor er mit dem ''Rosenkavalier'' wieder traditionellere Wege beschritt. Im Stil den Werken von Strauss verwandt zeigen sich die Kompositionen [[Emil Nikolaus von Reznicek]]s (1860–1945) und [[Paul Graener]]s (1872–1944).<br /> <br /> In Italien dominierte auch in dieser Zeit noch immer die Oper. Hier entwickelte sich der Verismus, ein übersteigerter Realismus, der auf der Opernbühne leicht ins Plakative und Melodramatische umschlagen konnte. So sind [[Ruggiero Leoncavallo]] (1857–1919), [[Pietro Mascagni]] (1863–1945) und [[Umberto Giordano]] (1867–1948) trotz ihres umfangreichen Schaffens nur durch jeweils eine Oper bekannt geworden. Einzig das Schaffen [[Giacomo Puccini]]s (1858–1924) hat sich komplett im Repertoire der Opernhäuser erhalten, obwohl auch ihm häufig Sentimentalität vorgeworfen wurde. Trotz einiger veristischer Werke galt [[Ermanno Wolf-Ferrari]] (1876–1948) hauptsächlich als Wiederbeleber der [[Opera buffa]]. [[Ferruccio Busoni]] (1866–1924), zeitweise in Deutschland lebender Verfechter einer modernen Klassizität, hinterließ ein eher konventionelles, wenig gespieltes Werk. So fand die Instrumentalmusik eigentlich erst mit dem vom Impressionismus beeinflussten [[Ottorino Respighi]] (1879–1936) wieder ihren Platz in der italienischen Musik.<br /> <br /> Der Begriff [[Impressionismus]] stammt aus der Malerei, und wie dort, entwickelte er sich auch in der Musik in Frankreich. In den Werken von [[Claude Debussy]] (1862–1918) lösten sich die Strukturen in feinste Nuancen aus Rhythmik, Dynamik und Klangfarbe auf. Vorbereitet wurde diese Entwicklung im Schaffen von [[Vincent d’Indy]] (1851–1931) und vor allem in den Liedern und der Kammermusik von [[Gabriel Fauré]] (1845–1924). Alle nachfolgenden französischen Komponisten wurden mehr oder weniger vom Impressionismus beeinflusst. Der bedeutendste unter ihnen war [[Maurice Ravel]] (1875–1937), ein glänzender Orchestervirtuose. [[Albert Roussel]] (1869–1937) verarbeitete erst [[Exotik|exotische]] Themen, bevor er wie Ravel [[Neoklassizismus (Musik)|neoklassizistische]] Tendenzen vorwegnahm. Auch [[Gabriel Pierné]] (1863–1937), [[Paul Dukas]] (1865–1935), [[Charles Koechlin]] (1867–1950) und [[Florent Schmitt]] (1870–1958) behandelten symbolistische und exotisch-[[orient]]alische Stoffe. Ein sonderbarer Einzelgänger war [[Erik Satie]] (1866–1925), Schöpfer versponnener Klavierstücke und Idol der nachfolgenden Generation.<br /> <br /> Hubert Parry sowie der Ire [[Charles Villiers Stanford]] (1852–1924) leiteten in England die Spätromantik ein, die ihren ersten bedeutenden Vertreter in [[Edward Elgar]] (1857–1934) hatte. Während er das [[Oratorium]] wiederbelebte und Sinfonien und Konzerte schrieb, widmete sich [[Frederick Delius]] (1862–1934) mit einer eigenen Variante des Impressionismus besonders kleinen Orchesterbildern. [[Ethel Smyth]] (1858–1944) schrieb in einem an Brahms gemahnenden Stil vor allem Opern und Kammermusik. Zum bedeutendsten Sinfoniker seines Landes wurde [[Ralph Vaughan Williams]] (1872–1958), dessen Werke von englischen Volksliedern und der [[Renaissance]]musik inspiriert waren. [[Gustav Holst]] (1874–1934) ließ in sein Schaffen griechische [[Mythologie]] und indische Weisheitslehren einfließen. Sehr eigenwillige Komponistenpersönlichkeiten am Übergang zur Moderne waren auch [[Havergal Brian]] (1876–1972) und [[Frank Bridge]] (1879–1941).<br /> <br /> In Russland schmückte [[Alexander Konstantinowitsch Glasunow|Alexander Glasunow]] (1865–1936) seine traditionelle Kompositionstechnik mit einer farbenprächtigen Orchesterpalette. Der [[Mystik]]er [[Alexander Nikolajewitsch Skrjabin|Alexander Skrjabin]] (1872–1915) träumte von einer Synthese aus Farben, Klang und Düften. [[Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow|Sergei Rachmaninow]] (1873–1943) schrieb melancholisch-pathetische Klavierstücke und -konzerte voller berauschender Virtuosität, während die Klavierwerke von [[Nikolai Karlowitsch Medtner|Nikolai Medtner]] (1880–1951) lyrischer sind.<br /> <br /> In Tschechien fand [[Leoš Janáček]] (1854–1928), tief verwurzelt in der Musik seiner [[Mähren|mährischen]] Heimat, mit der Entwicklung der [[Sprachmelodie]] in seinen Opern neue Ausdrucksbereiche. Auch in der Musik von [[Zdeněk Fibich]] (1850–1900), [[Josef Bohuslav Foerster]] (1859–1951), [[Vítězslav Novák]] (1870–1949) und [[Josef Suk (Komponist)|Josef Suk]] (1874–1935) sind die heimischen Klänge unüberhörbar. Dagegen finden sich im Werk des Polen [[Karol Szymanowski]] (1882–1937) neben Einflüssen der Folklore auch eine leicht morbide Exotik und später klassizistisches Maß.<br /> <br /> Der bedeutendste dänische Komponist ist [[Carl Nielsen]] (1865–1931), bekannt durch Sinfonien und Konzerte. Noch dominanter in seinem Land ist die Stellung des [[Finnland|Finnen]] [[Jean Sibelius]] (1865–1957), ebenfalls ein Sinfoniker von schwermütiger Expressivität und klarer Liniengestaltung. In Schweden zeigen die Werke von [[Wilhelm Peterson-Berger]] (1867–1942), [[Wilhelm Stenhammar]] (1871–1927) und [[Hugo Alfvén]] (1872–1960) einen typisch nordischen Konservatismus, und auch der Norweger [[Christian Sinding]] (1856–1941) komponierte traditionell.<br /> <br /> Auch die Stimme [[Spanien]]s erklang nun nach langer Zeit wieder, zuerst in den Klavierwerken von [[Isaac Albéniz]] (1860–1909) und [[Enric Granados i Campiña]] (1867–1916), dann in den Opern, Balletten und Orchesterwerken des vom Impressionismus beeinflussten [[Manuel de Falla]] (1876–1946). Schließlich traten mit [[Edward MacDowell]] (1861–1908) und [[Amy Beach]] (1867–1944) auch die ersten wichtigen Vertreter der [[Vereinigte Staaten|Vereinigten Staaten]] auf. Doch schon das Werk von [[Charles Ives]] (1874–1954) gehörte nur noch zum Teil der Spätromantik an – vieles darin war bereits radikal modern und wies weit ins 20.&amp;nbsp;Jahrhundert.<br /> <br /> == Romantische Musik als Welterfahrung ==<br /> <br /> Trotz auseinandergehender Richtungen und Erscheinungsformen waren die romantischen Impulse bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts derart miteinander verkettet, dass mit gebotener Vorsicht von einer romantischen Epoche gesprochen werden kann, in der aber auch Gegenbewegungen zum Zuge kamen. Obwohl bis zum Beginn des 20.&amp;nbsp;Jahrhunderts und darüber hinaus romantische Gehalte und Einstellungen immer wieder und in manchen Werken exemplarisch zum Durchbruch kamen (von Wagners Oper ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'', 1857–59, über [[Johannes Brahms]], [[Anton Bruckner]] und [[Gustav Mahler]] bis zu [[Arnold Schönberg]], zum Beispiel Verklärte Nacht, 1899, ausdrücklich vor allem in den Werken von [[Hans Pfitzner]]), ist das Netz der Beziehungen zu locker gewebt, als dass hinreichend begründet von [[Spätromantik]] oder Neuromantik die Rede sein könnte. Die romantische Welt- und Seinserfahrung löste sich von ihrer Bindung an eine Epoche. Dass Romantische Musik letztlich der Fixierung auf eine zeitlich begrenzte und geographisch lokalisierte Epoche widersteht, geht wohl auf ihre innersten Beweggründe zurück: Aufhebung realer Zeitlichkeit (zum Beispiel in der Musik der Wiener Klassiker), Niederlegung der Grenzen zwischen den Künsten, Beschwörung der Vergangenheit als fernes Idealbild (verklärte Ferne), Tendenz zur Entmaterialisierung (Entrückung) des Tons (überhaupt der Kunstmittel), daraus folgend die Sublimierung, Spiritualisierung, Absage an die [[Zeitalter der Aufklärung|Aufklärung]] (Nachtsymbolik), Einbruch des Irrationalen. Ferner sind folgende Kriterien zu nennen: [[Emphase]] und Gebrochenheit, Tendenz zur „offenen“ Form, die Subjektivierung jeglicher Erfahrung, so dass jede künstlerische Aussage als Reflex eines Erlebnisses auf das Subjekt anmutet. Daraus folgt die Desintegration und [[Dissoziation (Psychologie)|Selbstauflösung]] des [[Subjekt (Philosophie)|Subjektes]] („Sehnsucht nach dem Tode“, [[Thomas Mann]]). Mit der Ineinssetzung von Ich und [[Außenwelt|Welt]] („Selbst dann bin ich die Welt!“, Tristan, 2.&amp;nbsp;Akt) und mit der Erlösung durch Selbstauflösung schlug Wagner im Tristan das Grundthema der Romantik an, verlieh ihm jedoch ungeahnt neue Dimensionen. Aus der romantischen Herstellung „künstlicher Paradiese“ (Baudelaire) ergab sich die Idee des ''[[L’art pour l’art]]'', deren Überwindung eine der Haupttendenzen in den künstlerischen Aktionen der Gegenwart ist. Die Gegenkräfte gegen das Romantische, die sich in der 2.&amp;nbsp;Hälfte des 19.&amp;nbsp;Jahrhunderts allenthalben regten (Brahms, Bruckner, Mahler) und bis in die [[Konstruktivismus (Kunst)|konstruktivistischen]] Richtungen in der Kunst des 20.&amp;nbsp;Jahrhunderts zu verfolgen sind, standen stets im Zeichen einer Wiedergewinnung von Objektivität, Realität und Entmachtung des willkürlich Subjektiven.<br /> <br /> == Literatur ==<br /> <br /> * E. Kurth, Romantische Harmonik und ihre Krise in Wagners ''Tristan'' (1920, Nachdruck 1968)<br /> * E. Istel, Die Blütezeit der musikalischen Romantik in Deutschland (1921)<br /> * F. Strich, Deutsche Klassik und Romantik oder Vollendung und Unendlichkeit (1922, 1962)<br /> * W. Kahl, Lyrische Klavierstücke der Romantik (1926)<br /> * R. Benz, Die deutsche Romantik (1927, 1956)<br /> * A. Schmitz, Das romantische Beethoven-Bild (1927)<br /> * R. Ullmann, H. Gotthardt, Geschichte des Begriffs Romantik in Deutschland (1927) (Germanische Studien VI/50)<br /> * E. Bücken, Die Musik des 19. Jahrhunderts bis zur Moderne (1929) (Handbuch der Musikwissenschaft o. Nr.)<br /> * H. Eckhardt, Die Musikauffassung der französischen Romantik (1935) (Heidelberger Studien zur Mwusikwissenschaft 3)<br /> * A. Damerini, Classicismo e romanticismo nella musica (1942)<br /> * R. Dumnesil, La musique romantique française (1945)<br /> * W. Reich, Musik in romantischer Schau (1946)<br /> * [[Alfred Einstein|A. Einstein]], Music in the Romantic Era (1947), deutsche Übersetzung: Die Romantik in der Musik (1950, 1992)<br /> * R. Benz, Die Welt der Dichter (1949), Kapitel Romantik und Musik<br /> * M. Jacob, Die Musikanschauung im dichterischen Weltbild der R. (Dissertation, 1949)<br /> * E. Mannack, Die Bedeutung der lyrischen Einlage für die Entwicklung des Kunstvolksliedes. Ein Beitrag zur Geschichte der romantischen Lyrik (Diss., 1955)<br /> * H. Besseler, Das musikalische Hören der Neuzeit (1959) (Bericht über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philos.-hist. Klasse 104/6)<br /> * K. Stephenson, Romantik in der Tonkunst (1961) (DMW 21)<br /> * G. Abraham, Slavonic and Romantic Music (1968)<br /> * Begriffsbestimmung der Romantik, hrsg. v. H. Prang (1968) (WDF 150)<br /> * The Romantic Period in Germany, hrsg. v. S. Prawer (1970)<br /> * S. Goslich, Die dt. Romantische Oper (1975)<br /> * E. J. Dent, The Rise of Romantic Opera, hrsg. v. W. Dean (1976) (Vorlesungen 1937–38)<br /> * [[Carl Dahlhaus|C. Dahlhaus]], Die Idee der absoluten Musik (1978)<br /> * Ders., Die Musik des 19. Jahrhunderts (1980, 1989)<br /> * Lexikon Orchestermusik Romantik, hrsg. v. W. Konold, 3 Bde. (1989)<br /> * Romanticism, hrsg. v. G. Abraham (1990) (New Oxford History of Music 9)<br /> * Music Theory in the Age of Romanticism, hrsg. v. I. Bent (1996)<br /> <br /> {{Navigationsleiste Epochen der Musik}}<br /> <br /> [[Kategorie:Musikgeschichte]]<br /> <br /> [[bg:Музика на Романтизма]]<br /> [[ca:Romanticisme musical]]<br /> [[cs:Romantismus (hudba)]]<br /> [[da:Romantikkens musik]]<br /> [[en:Romantic music]]<br /> [[eo:Romantika muziko]]<br /> [[es:Música del romanticismo]]<br /> [[fi:Romantiikan musiikki]]<br /> [[fr:Musique romantique]]<br /> [[he:מוזיקה קלאסית - התקופה הרומנטית]]<br /> [[id:Zaman Romantik (Musik)]]<br /> [[it:Musica romantica]]<br /> [[ja:ロマン派音楽]]<br /> [[ms:Muzik era romantis]]<br /> [[nl:Romantiek (muziek)]]<br /> [[nn:Romantisk musikk]]<br /> [[no:Romantisk musikk]]<br /> [[pl:Muzyka romantyczna]]<br /> [[sh:Romantična muzika]]<br /> [[simple:Romantic music]]<br /> [[sk:Romantizmus (hudba)]]<br /> [[zh:浪漫主義音樂]]</div> Pdiffenderfer https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Religion_und_Kunst&diff=59376998 Religion und Kunst 2009-04-24T19:06:09Z <p>Pdiffenderfer: </p> <hr /> <div>[[File:Parsifal vor der Gralsburg.JPG|right|thumb|350px|&quot;Parsifal vor der Gralsburg&quot; — Weimar 1928 von Hans Werner Schmidt (1859–1950)]]<br /> <br /> '''Religion und Kunst''' ist eine der Hauptschriften [[Richard Wagner]]s und wurde von ihm während der Kompositionsarbeit an seinem letzten Musikdrama ''[[Parsifal]]'' im Jahre 1880 in Neapel (Villa Angri) geschrieben und in den ''Bayreuther Blättern'' publiziert und später im zehnten Band seiner ''Gesammelten Schriften und Dichtungen'' in Buchform veröffentlicht.<br /> <br /> Wagner äußert sich in dieser Schrift – auch als „Regenerationsschrift“ bezeichnet – umfassend zum Thema [[Religion]] und stellt sein Weltbild dar. Aus seinen Briefen an [[Hans Paul von Wolzogen (Schriftsteller)|Hans Paul von Wolzogen]], dem Herausgeber der Bayreuther Blätter, ist zu erkennen, dass er die „ihn nicht verstehen wollende Welt“ provozieren und „einen starken Artikel“ schreiben wollte. Bereits in der Einleitung stellt Wagner die aus seiner Sicht bestehende Verbindung von Religion und Kunst her:<br /> <br /> :''Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten sei, den Kern der Religion zu retten, indem sie die mythischen Symbole, welche sie im eigentlichen Sinne als wahr geglaubt wissen will, ihrem sinnbildlichen Werte nach erfasst, um durch ideale Darstellung derselben die in ihnen verborgene tiefe Wahrheit erkennen zu lassen.'' <br /> <br /> == Die Themen der Regenerationsschrift ==<br /> === Christlicher Glaube und Buddhismus ===<br /> Wagner führt zu Beginn aus, wie [[Religion]]en entstanden sind und diese alle nur auf der „Hinfälligkeit der Welt“ basierten, wobei sich erfolgreiche [[Religionsstifter]] mit mythischen Allegorien Gehör beim Volke verschafft hätten. Eine Besonderheit der [[Christentum|christlichen Religion]] sei die Tatsache, dass sich diese Religion ausdrücklich an die „Armen am Geiste“ wende: ''Selig sind, die da geistig arm sind, denn ihnen ist das Himmelreich'' ([[Matthäus]] 5.4), und somit speziell für „arme Leut’“ Trost und Heilsanleitungen erschlossen werden sollen. Im Gegensatz dazu stehe der [[Buddhismus]], der ohne [[Gott]], ohne [[Himmel (Religion)|Himmel]] und [[Hölle]] Wege zur Selbsterkenntnis aufzeige und eher eine Religion für „denkende“ Menschen sei. Wagner vergleicht dann das Christentum mit dem Buddhismus, ganz im Sinne [[Arthur Schopenhauer]]s, der sich ebenfalls zu den Lehren der Brahmanen, zu [[Wiedergeburt]] und [[Askese]] hingezogen fühlte und daraus sein Hauptwerk [[Die Welt als Wille und Vorstellung]] entwickelte. <br /> [[Bild:Michelangelo - Fresco of the Last Judgement.jpg|thumb|Micheangelos „Jüngstes Gericht“]]<br /> <br /> === Kritik am Christentum ===<br /> <br /> Am Beispiel der [[griechische Kunst|griechischen Kunst]] erklärt Wagner weiter, was er unter [[Kunst]] versteht und schlägt dann den Bogen zum Götterglauben der Griechen und zum gekreuzigten [[Christus]], den er als „göttlichen“ Menschen bezeichnet, dem „jüdischen Schöpfer [[JHWH#Jehovah|Jehova]]“ allerdings seine tiefe Abneigung bekundet. In langen Passagen kritisiert Wagner scharf die amtliche [[Kirche (Organisation)|Kirche]], die ihre Macht über die „Seelen der Armen“ vorzugsweise mit dem Schreckensbild der [[Hölle]] und dem „[[jüngstes Gericht|letzten Gericht]]“ ausübe. Es gebe nichts Hässlicheres und Ekelhafteres, als die Bilder der ewigen [[Verdammnis]], wozu auch das Gemälde des „jüngsten Gerichtes“ von [[Michelangelo]] in der [[Sixtina]] gehöre. Dagegen seien die Bildnisse des am Kreuze leidenden [[Heiland]]es weitaus eindrucksvollere Darstellungen, die sich rasch zu einem Grundtypus für weitere Bilder von [[Märtyrer|Glaubensmärtyrern]] und [[Heilige]]n entwickelten. Leiden durch verklärte „Entrückungs-Wonne“ sei ein Hauptgegenstand der bildenden Kunst geworden, führt Wagner weiter aus, wogegen die Darstellung von Motiven der realen Welt nach und nach verlernt worden seien. Demzufolge habe sich eine starke Affinität zwischen Religion und Kunst entwickelt, zumindest durch der [[Malerei]], später aber auch durch die [[Musik]].<br /> <br /> === Entstehung der Musik aus dem Christentum ===<br /> Wagner argumentiert, dass die Musik die einzige dem christlichen Glauben ganz entsprechende Kunst sei. Somit habe sich die heutige Musik aus der Religion entwickelt und sei ohne Zweifel ein Produkt des Christentums. <br /> <br /> :''In diesem Sinne ist nun, nach der vorangegangenen Erörterung über die Nötigung der poetischen Lyrik zur Auflösung des wörtlichen Begriffes in das Tongebilde, anzuerkennen, dass die Musik das eigenste Wesen der christlichen Religion mit unvergleichlicher Bestimmtheit offenbart, weshalb wir sie sinnbildlich in dasselbe Verhältnis zur Religion setzen möchten, in welchem wir den Gottes-Knaben zur jungfräulichen Mutter auf jenem Raphaelischen Gemälde uns darstellten: Als reine Form darf uns die Musik als eine welterlösende Geburt des göttlichen Dogmas von der Nichtigkeit der Erscheinungs-Welt selbst gelten.'' <br /> <br /> Bei den gemalten Bildern hieße es: „das bedeutet“, die Musik aber sage: „das ist“, führt Wagner weiter aus, denn Musik hebe jeden Zwiespalt zwischen Begriff und Empfindung auf, sich dabei von der Erscheinungswelt gänzlich abwenden und unser Gemüt wie durch eine besondere [[Gnade]] einnehmen.<br /> <br /> === Verfall des Menschengeschlechtes ===<br /> Ähnlich wie in seinen früheren „Revolutionsschriften“ (Kunst und Revolution) beschäftigte sich Wagner im zweiten Teil seiner Alters-Schrift, die er unter dem Eindruck des Buches: „[[Thalysia]], oder das Heil der Menschheit“ des [[Vegetarier]]s [[Robert Springer]] schrieb, ausführlich mit dem „Verfall“ des menschlichen Geschlechtes. Der Mensch sei ein „[[Raubtier]]“, das Länder erobert, die natürlich lebenden Eingeborenen unterjocht, große Reiche von Unterjochten gründet und Staaten und Zivilisationen einrichtet, nur um seinen Raub in Ruhe zu genießen. Es folgen Passagen über Geld und [[Eigentum]], ein Thema, dem sich Wagner immer wieder gewidmet hat, vor allem in seinem [[Der Ring des Nibelungen]].<br /> <br /> Wagner beschreibt im Weiteren, wie in [[Indien]] unter dem Einfluss von Landschaft und [[Klima]] der Buddhismus entstanden sei, der das Leben der Tiere mehr achte, als es die christlichen Europäer tun und beruft sich dabei auf den Orientalisten [[Eugène Burnouf]]. <br /> [[Bild:Kapitolinischer_Pythagoras_adjusted.jpg|thumb|Büste des Pythagoras]]<br /> <br /> Wagner kommt dann zu einem Thema, das ihn in seinen letzten Lebensjahren sehr beschäftigte. Im Herbst 1879 las er die Druckschrift „''Die Folterkammer der Wissenschaft''“, von [[Ernst von Weber]]. Darin ging es um die [[Vivisektion]], um Tierversuche für den Fortschritt der Medizin. Wagner schrieb daraufhin einen öffentlichen Brief und setzte sich vehement für den [[Tierschutz]] ein. Insgesamt 46 Tagebucheintragungen seitens [[Cosima Wagner|Cosima]] unterstreichen, wie intensiv hierüber im Hause Wagner diskutiert wurde, wobei er sich auch auf den griechischen „Zahlen-Philosophen“ [[Pythagoras]] berief.<br /> :''Ein Mysterium hüllte Pythagoras ein, den Lehrer der Pflanzen-Nahrung. Kein Weiser sann nach ihm über das Wesen der Welt nach, ohne auf seine Lehre zurückzukommen. Genossenschaften gründeten sich, welche, verborgen vor der Welt und ihrem Wüten, die Befolgung dieser Lehre als ein religiöses Reinigungsmittel von Sünde und Elend ausübten. Unter den Ärmsten erschien der Heiland den Weg der Erlösung nicht mehr durch Lehren, sondern durch das Beispiel zu weisen. Sein eigenes Fleisch und Blut gab er, als höchstes Sühnungsopfer für alles sündhaft vergossene Blut und geschlachtete Fleisch dahin, und reichte dafür seinen Jüngern Wein und Brot zum täglichen Mahle: „Solches allein genießet zu meinem Angedenken.“'' <br /> <br /> Im weiteren Verlauf seiner „Religions-Schrift“ stellt Wagner fest, dass die Menschen in ihrer Entwicklung vom [[Klima]] der Natur geprägt worden seien und auch die Ernährung für die [[Evolution]] eine Rolle gespielt habe. Ähnlich wie es Pflanzen-fressende Tiere gebe, hätte der Mensch nicht unbedingt ein Tiermörder und „Fleischfresser“ werden müssen, aber offensichtlich habe es die Evolution so gewollt, und so wurde der Mensch vom „Fruchtesser“ des Paradieses zu einem Raubtier. Die Geschichte von der Vertreibung von [[Adam und Eva]] aus dem Paradies sei demnach als eine [[Allegorie]] aufzufassen, nämlich Vertreibung von ehemaligen „Vegetariern“ nach einem blutigen Festmahl. Später habe der „ungerechte Judengott“ das „Fleischopfer“ [[Abel (Bibel)|Abel]]s mehr geschätzt als das „Fruchtopfer“ [[Kain]]s.<br /> <br /> === Kritik an Kirche und Judentum ===<br /> Wagner fühlte sich persönlich immer wieder durch Juden desavouiert, beispielsweise durch seine erfolgreichen Musikerkonkurrenten [[Meyerbeer]] und [[Mendelssohn]], durch Journalisten und Kritiker seiner avandgardistischen Tonkunst und durch den jüdischen „Geldadel“, der ihm – nach seiner Lesart – den gerechten Lohn seines Künstlerdaseins verweigerte. Er litt, obwohl er viele Freunde jüdischer Abstammung hatte, an einem regelrechten [[Verfolgungswahn]] und verdeutlichte dies in seiner älteren Schrift ''[[Das Judentum in der Musik]]''. Später wurde er durch seine Frau Cosima, die in ihren Ansichten noch wesentlich radikaler war, in seiner pauschalen Judenkritik noch ermuntert. <br /> [[Bild:Ernest-Renan.gif|thumb|Ernest Renan]] <br /> Wagner übernahm in seiner Kritik der christlichen Lehre, der Kirche und des Judentums Positionen, die zu seiner Zeit insbesondere durch die religionphilosophischen Schriften von [[Ernest Renan]] und [[Franz Overbeck]] zunehmenden Anklang fanden. Diese Schriften hatte Wagner im April 1873 von [[Friedrich Nietzsche]] erhalten. Ernest Renan erregte vor allem durch sein Buch „'''Das Leben Jesu'''“ (1863) großes Aufsehen. Hier wurde das Leben und die Person Jesu aus den antiken Verhältnissen der Zeit erklärt und [[Jesus von Nazareth]] als ein Mensch dargestellt, der erst nach seinem Tode zum „Gott“ (Sohn Gottes) stilisiert wurde, insbesondere auf Betreiben des fanatischen Apostels [[Apostel Paulus|Paulus]]. <br /> Eine ähnliche Position war bei dem Schweizer Theologen Franz Camille Overbeck auszumachen. Als ein evangelischer Theologe, eng befreundet mit Friedrich Nietzsche und beeinflusst von [[Baruch Spinoza]] und Arthur Schopenhauer, zweifelte er sehr an „Gottes Dasein“: „Die beste Schule, um an dem Dasein eines Gottes als Weltenlenker zu zweifeln, ist die Kirchengeschichte.“ <br /> <br /> === Wagners Regenerationsgedanke ===<br /> Im letzten Teil seiner Ausführungen versucht Wagner – trotz aller Altersresignation – einen Ausweg aufzuzeigen, und vertieft sich in seine These, dass die Entartung des menschlichen Geschlechtes durch die Abkehr seiner natürlichen Nahrung verursacht worden sei. Da helfe der Menschheit nur eine schonungslose Bestandsaufnahme und die [[Regeneration]]: <br /> <br /> :''Wir müssen erkennen, dass eine große Regeneration des verdorbenen Menschengeschlechtes nur aus dem tiefen Boden einer '''wahrhaftigen''' Religion erwachsen kann [...] Verstehen wir sie recht – die Geschichte! Und zwar im Geiste und in der Wahrheit, nicht nach dem Worte und der Lüge unserer Universitätshistoriker, welche nur dem Eroberer ihr Lied singen, von dem Leiden der Menschheit aber nichts wissen wollen. Erkennen wir, dass nicht ihre Handlungen, sondern ihre Leiden die Menschen uns nahebringen und unseres Gedenkens würdig machen, dass allein nur dem unterliegenden, nicht dem siegenden Helden unsere Teilnahme zugehört.''<br /> <br /> Wagner zeigt nun auf, wie die Kunst und speziell die Musik, den Menschen helfen könne:<br /> <br /> :''Als alles sagende, tönende Seele der christlichen Religion, hinterließ uns die christliche Kirche als edelstes Erbe die Musik, die der erlösungsbedürftigen Menschheit eine neue Sprache lehrte, in der das Schrankenloseste sich nun mit unmissverständlichster Bestimmtheit aussprechen konnte.''<br /> <br /> Wagner stellt dann einen Vergleich mit dem Gottesdienst der [[Shaker]]-Sekte in Amerika an, „deren Mitglieder, nach feierlich und herzlich bestätigtem Gelübde der Entsagung, im Tempel singend und tanzend sich ergehen.“<br /> <br /> :''Drückt sich hier eine kindliche Freude über wiedergewonnene Unschuld aus, so dürfte uns, die wir die, durch Erkenntnis des Verfalles des menschlichen Geschlechtes errungene Siegesgewissheit des Willens über sich selbst mit unserem täglichen Speise-Mahle feiern, das Untertauchen in das Element jener symphonischen Offenbarungen als ein weihevoll reinigender religiöser Akt selbst gelten.''<br /> <br /> === Was nützt diese Erkenntnis? ===<br /> Als ein „weihevoll reinigender religiöser Akt“, so sollte Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal wirken. Um dies noch genauer zu erklären, schrieb Wagner einen „Nachtrag“ zu seiner Schrift mit dem Titel: „Was nützt diese Erkenntnis?“ <br /> [[Bild:Schopenhauer.jpg|thumb|190px|Arthur Schopenhauer 1859]]<br /> <br /> &quot;Fragt ihr, was die Erkenntnis des Verfalles der Menschheit nützen soll, so fragt die wahrhaft großen Dichter aller Zeiten; fragt die Gründer wahrhafter Religionen&quot;, schreibt Wagner und verweist auf [[Goethe]] und [[Schopenhauer]]. Er stellt dann erneut die Frage nach der „Regeneration“ eines der „Kriegs-Zivilisation“ verfallenen Menschengeschlechtes und wirbt vehement für die Ideen Schopenhauers, der Wege zur Umkehr des fehlgeleiteten Willens aufgezeigt hätte. Der richtige Weg sei zu finden, wenn man erkenne, dass die ganze Zivilisation aus Mangel an Liebe zugrunde geht und diese Lieblosigkeit der Welt als ihr eigentliches Leiden verständlich gemacht werden müsse. Verstehen aber hieße: Mitleiden, um dadurch das Leiden des Anderen mindern zu können. Dieses Verständnis könne die Musik fördern, in dem sie Gefühle und das Gemüt ansprechen könne.<br /> <br /> Wagner verdeutlicht nun, dass er zur Transformierung seiner gleichnishaften Botschaft, nämlich Erlösung und Regeneration der Menschheit durch Mitleid – dargestellt durch den suchenden [[Parsifal]] und den leidende [[Amfortas]] – eine Kunstform gewählt habe, die mit religiöser Symbolik eine „entrückende Wirkung auf das Gemüt“ ausüben solle. Er kommt dann abschließend wieder auf die Vegetarier zurück und bekräftigt deren Regenerationsgedanken: Weltverbesserung „durch Reinigung des Blutes“, und stellt damit sein Werk Parsifal in einen damals aktuellen Kontext. Er beschließt seine Ausführungen:<br /> <br /> :''Wir erkennen den Grund des Verfalles der historischen Menschheit, sowie die Notwendigkeit einer Regeneration derselben; wir glauben an die Möglichkeit dieser Regeneration, und widmen uns ihrer Durchführung in jedem Sinne.''<br /> <br /> == Parsifal-Intention ==<br /> Wie sein Regenerationswerk ''Parsifal'' „wirken“ sollte, das geht aus der Schlusspassage von Wagners letztem Beitrag: „Das Bühnenweihfestspiel in Bayreuth 1882“ hervor, den er am 1. November 1882, kurz vor seinem Tod, in Venedig für die „Bayreuther Blätter“ schrieb:<br /> <br /> :''Wer kann ein Leben lang mit offenen Sinnen und freiem Herzen in diese Welt des durch Lug, Trug und Heuchelei organisierten und legalisierten Mordes und Raubes blicken, ohne zu Zeiten mit Ekel sich von ihr abwenden zu müssen? Wohin trifft dann sein Blick? Gar oft wohl in die Tiefe des Todes. Ihr alle, meine Freunde, erkanntet, dass die Wahrhaftigkeit des Vorbildes [Parsifal], das er euch zur Nachbildung darbot, es eben war, was auch euch die Weihe der Weltentrückung gab; denn ihr konntet nicht anders, als nur in jener höheren Wahrhaftigkeit eure eigene Befriedigung suchen.'' <br /> <br /> == Literatur ==<br /> * Richard Wagner: Sämtliche Schriften und Dichtungen, Band 10, Leipzig 1911<br /> * Sven Friedrich (Hrsg): ''Richard Wagner, Werke, Schriften und Briefe'', Digitale Bibliothek, Berlin 2004.<br /> * http://www.sezession.de/pdf/heft11_28-33.pdf<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Der Kunst-Messias, Richard Wagners Vermächtnis in seinen Schriften'', Würzburg 2009.<br /> <br /> [[Kategorie:Richard Wagner]]<br /> [[Kategorie:Religionskritische Literatur]]<br /> [[Kategorie:Kunstliteratur]]<br /> [[Kategorie:Literatur (Musik)]]</div> Pdiffenderfer https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Religion_und_Kunst&diff=59376991 Religion und Kunst 2009-04-24T19:05:43Z <p>Pdiffenderfer: </p> <hr /> <div>[[File:Parsifal vor der Gralsburg.JPG|left|thumb|350px|&quot;Parsifal vor der Gralsburg&quot; — Weimar 1928 von Hans Werner Schmidt (1859–1950)]]<br /> <br /> '''Religion und Kunst''' ist eine der Hauptschriften [[Richard Wagner]]s und wurde von ihm während der Kompositionsarbeit an seinem letzten Musikdrama ''[[Parsifal]]'' im Jahre 1880 in Neapel (Villa Angri) geschrieben und in den ''Bayreuther Blättern'' publiziert und später im zehnten Band seiner ''Gesammelten Schriften und Dichtungen'' in Buchform veröffentlicht.<br /> <br /> Wagner äußert sich in dieser Schrift – auch als „Regenerationsschrift“ bezeichnet – umfassend zum Thema [[Religion]] und stellt sein Weltbild dar. Aus seinen Briefen an [[Hans Paul von Wolzogen (Schriftsteller)|Hans Paul von Wolzogen]], dem Herausgeber der Bayreuther Blätter, ist zu erkennen, dass er die „ihn nicht verstehen wollende Welt“ provozieren und „einen starken Artikel“ schreiben wollte. Bereits in der Einleitung stellt Wagner die aus seiner Sicht bestehende Verbindung von Religion und Kunst her:<br /> <br /> :''Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten sei, den Kern der Religion zu retten, indem sie die mythischen Symbole, welche sie im eigentlichen Sinne als wahr geglaubt wissen will, ihrem sinnbildlichen Werte nach erfasst, um durch ideale Darstellung derselben die in ihnen verborgene tiefe Wahrheit erkennen zu lassen.'' <br /> <br /> == Die Themen der Regenerationsschrift ==<br /> === Christlicher Glaube und Buddhismus ===<br /> Wagner führt zu Beginn aus, wie [[Religion]]en entstanden sind und diese alle nur auf der „Hinfälligkeit der Welt“ basierten, wobei sich erfolgreiche [[Religionsstifter]] mit mythischen Allegorien Gehör beim Volke verschafft hätten. Eine Besonderheit der [[Christentum|christlichen Religion]] sei die Tatsache, dass sich diese Religion ausdrücklich an die „Armen am Geiste“ wende: ''Selig sind, die da geistig arm sind, denn ihnen ist das Himmelreich'' ([[Matthäus]] 5.4), und somit speziell für „arme Leut’“ Trost und Heilsanleitungen erschlossen werden sollen. Im Gegensatz dazu stehe der [[Buddhismus]], der ohne [[Gott]], ohne [[Himmel (Religion)|Himmel]] und [[Hölle]] Wege zur Selbsterkenntnis aufzeige und eher eine Religion für „denkende“ Menschen sei. Wagner vergleicht dann das Christentum mit dem Buddhismus, ganz im Sinne [[Arthur Schopenhauer]]s, der sich ebenfalls zu den Lehren der Brahmanen, zu [[Wiedergeburt]] und [[Askese]] hingezogen fühlte und daraus sein Hauptwerk [[Die Welt als Wille und Vorstellung]] entwickelte. <br /> [[Bild:Michelangelo - Fresco of the Last Judgement.jpg|thumb|Micheangelos „Jüngstes Gericht“]]<br /> <br /> === Kritik am Christentum ===<br /> <br /> Am Beispiel der [[griechische Kunst|griechischen Kunst]] erklärt Wagner weiter, was er unter [[Kunst]] versteht und schlägt dann den Bogen zum Götterglauben der Griechen und zum gekreuzigten [[Christus]], den er als „göttlichen“ Menschen bezeichnet, dem „jüdischen Schöpfer [[JHWH#Jehovah|Jehova]]“ allerdings seine tiefe Abneigung bekundet. In langen Passagen kritisiert Wagner scharf die amtliche [[Kirche (Organisation)|Kirche]], die ihre Macht über die „Seelen der Armen“ vorzugsweise mit dem Schreckensbild der [[Hölle]] und dem „[[jüngstes Gericht|letzten Gericht]]“ ausübe. Es gebe nichts Hässlicheres und Ekelhafteres, als die Bilder der ewigen [[Verdammnis]], wozu auch das Gemälde des „jüngsten Gerichtes“ von [[Michelangelo]] in der [[Sixtina]] gehöre. Dagegen seien die Bildnisse des am Kreuze leidenden [[Heiland]]es weitaus eindrucksvollere Darstellungen, die sich rasch zu einem Grundtypus für weitere Bilder von [[Märtyrer|Glaubensmärtyrern]] und [[Heilige]]n entwickelten. Leiden durch verklärte „Entrückungs-Wonne“ sei ein Hauptgegenstand der bildenden Kunst geworden, führt Wagner weiter aus, wogegen die Darstellung von Motiven der realen Welt nach und nach verlernt worden seien. Demzufolge habe sich eine starke Affinität zwischen Religion und Kunst entwickelt, zumindest durch der [[Malerei]], später aber auch durch die [[Musik]].<br /> <br /> === Entstehung der Musik aus dem Christentum ===<br /> Wagner argumentiert, dass die Musik die einzige dem christlichen Glauben ganz entsprechende Kunst sei. Somit habe sich die heutige Musik aus der Religion entwickelt und sei ohne Zweifel ein Produkt des Christentums. <br /> <br /> :''In diesem Sinne ist nun, nach der vorangegangenen Erörterung über die Nötigung der poetischen Lyrik zur Auflösung des wörtlichen Begriffes in das Tongebilde, anzuerkennen, dass die Musik das eigenste Wesen der christlichen Religion mit unvergleichlicher Bestimmtheit offenbart, weshalb wir sie sinnbildlich in dasselbe Verhältnis zur Religion setzen möchten, in welchem wir den Gottes-Knaben zur jungfräulichen Mutter auf jenem Raphaelischen Gemälde uns darstellten: Als reine Form darf uns die Musik als eine welterlösende Geburt des göttlichen Dogmas von der Nichtigkeit der Erscheinungs-Welt selbst gelten.'' <br /> <br /> Bei den gemalten Bildern hieße es: „das bedeutet“, die Musik aber sage: „das ist“, führt Wagner weiter aus, denn Musik hebe jeden Zwiespalt zwischen Begriff und Empfindung auf, sich dabei von der Erscheinungswelt gänzlich abwenden und unser Gemüt wie durch eine besondere [[Gnade]] einnehmen.<br /> <br /> === Verfall des Menschengeschlechtes ===<br /> Ähnlich wie in seinen früheren „Revolutionsschriften“ (Kunst und Revolution) beschäftigte sich Wagner im zweiten Teil seiner Alters-Schrift, die er unter dem Eindruck des Buches: „[[Thalysia]], oder das Heil der Menschheit“ des [[Vegetarier]]s [[Robert Springer]] schrieb, ausführlich mit dem „Verfall“ des menschlichen Geschlechtes. Der Mensch sei ein „[[Raubtier]]“, das Länder erobert, die natürlich lebenden Eingeborenen unterjocht, große Reiche von Unterjochten gründet und Staaten und Zivilisationen einrichtet, nur um seinen Raub in Ruhe zu genießen. Es folgen Passagen über Geld und [[Eigentum]], ein Thema, dem sich Wagner immer wieder gewidmet hat, vor allem in seinem [[Der Ring des Nibelungen]].<br /> <br /> Wagner beschreibt im Weiteren, wie in [[Indien]] unter dem Einfluss von Landschaft und [[Klima]] der Buddhismus entstanden sei, der das Leben der Tiere mehr achte, als es die christlichen Europäer tun und beruft sich dabei auf den Orientalisten [[Eugène Burnouf]]. <br /> [[Bild:Kapitolinischer_Pythagoras_adjusted.jpg|thumb|Büste des Pythagoras]]<br /> <br /> Wagner kommt dann zu einem Thema, das ihn in seinen letzten Lebensjahren sehr beschäftigte. Im Herbst 1879 las er die Druckschrift „''Die Folterkammer der Wissenschaft''“, von [[Ernst von Weber]]. Darin ging es um die [[Vivisektion]], um Tierversuche für den Fortschritt der Medizin. Wagner schrieb daraufhin einen öffentlichen Brief und setzte sich vehement für den [[Tierschutz]] ein. Insgesamt 46 Tagebucheintragungen seitens [[Cosima Wagner|Cosima]] unterstreichen, wie intensiv hierüber im Hause Wagner diskutiert wurde, wobei er sich auch auf den griechischen „Zahlen-Philosophen“ [[Pythagoras]] berief.<br /> :''Ein Mysterium hüllte Pythagoras ein, den Lehrer der Pflanzen-Nahrung. Kein Weiser sann nach ihm über das Wesen der Welt nach, ohne auf seine Lehre zurückzukommen. Genossenschaften gründeten sich, welche, verborgen vor der Welt und ihrem Wüten, die Befolgung dieser Lehre als ein religiöses Reinigungsmittel von Sünde und Elend ausübten. Unter den Ärmsten erschien der Heiland den Weg der Erlösung nicht mehr durch Lehren, sondern durch das Beispiel zu weisen. Sein eigenes Fleisch und Blut gab er, als höchstes Sühnungsopfer für alles sündhaft vergossene Blut und geschlachtete Fleisch dahin, und reichte dafür seinen Jüngern Wein und Brot zum täglichen Mahle: „Solches allein genießet zu meinem Angedenken.“'' <br /> <br /> Im weiteren Verlauf seiner „Religions-Schrift“ stellt Wagner fest, dass die Menschen in ihrer Entwicklung vom [[Klima]] der Natur geprägt worden seien und auch die Ernährung für die [[Evolution]] eine Rolle gespielt habe. Ähnlich wie es Pflanzen-fressende Tiere gebe, hätte der Mensch nicht unbedingt ein Tiermörder und „Fleischfresser“ werden müssen, aber offensichtlich habe es die Evolution so gewollt, und so wurde der Mensch vom „Fruchtesser“ des Paradieses zu einem Raubtier. Die Geschichte von der Vertreibung von [[Adam und Eva]] aus dem Paradies sei demnach als eine [[Allegorie]] aufzufassen, nämlich Vertreibung von ehemaligen „Vegetariern“ nach einem blutigen Festmahl. Später habe der „ungerechte Judengott“ das „Fleischopfer“ [[Abel (Bibel)|Abel]]s mehr geschätzt als das „Fruchtopfer“ [[Kain]]s.<br /> <br /> === Kritik an Kirche und Judentum ===<br /> Wagner fühlte sich persönlich immer wieder durch Juden desavouiert, beispielsweise durch seine erfolgreichen Musikerkonkurrenten [[Meyerbeer]] und [[Mendelssohn]], durch Journalisten und Kritiker seiner avandgardistischen Tonkunst und durch den jüdischen „Geldadel“, der ihm – nach seiner Lesart – den gerechten Lohn seines Künstlerdaseins verweigerte. Er litt, obwohl er viele Freunde jüdischer Abstammung hatte, an einem regelrechten [[Verfolgungswahn]] und verdeutlichte dies in seiner älteren Schrift ''[[Das Judentum in der Musik]]''. Später wurde er durch seine Frau Cosima, die in ihren Ansichten noch wesentlich radikaler war, in seiner pauschalen Judenkritik noch ermuntert. <br /> [[Bild:Ernest-Renan.gif|thumb|Ernest Renan]] <br /> Wagner übernahm in seiner Kritik der christlichen Lehre, der Kirche und des Judentums Positionen, die zu seiner Zeit insbesondere durch die religionphilosophischen Schriften von [[Ernest Renan]] und [[Franz Overbeck]] zunehmenden Anklang fanden. Diese Schriften hatte Wagner im April 1873 von [[Friedrich Nietzsche]] erhalten. Ernest Renan erregte vor allem durch sein Buch „'''Das Leben Jesu'''“ (1863) großes Aufsehen. Hier wurde das Leben und die Person Jesu aus den antiken Verhältnissen der Zeit erklärt und [[Jesus von Nazareth]] als ein Mensch dargestellt, der erst nach seinem Tode zum „Gott“ (Sohn Gottes) stilisiert wurde, insbesondere auf Betreiben des fanatischen Apostels [[Apostel Paulus|Paulus]]. <br /> Eine ähnliche Position war bei dem Schweizer Theologen Franz Camille Overbeck auszumachen. Als ein evangelischer Theologe, eng befreundet mit Friedrich Nietzsche und beeinflusst von [[Baruch Spinoza]] und Arthur Schopenhauer, zweifelte er sehr an „Gottes Dasein“: „Die beste Schule, um an dem Dasein eines Gottes als Weltenlenker zu zweifeln, ist die Kirchengeschichte.“ <br /> <br /> === Wagners Regenerationsgedanke ===<br /> Im letzten Teil seiner Ausführungen versucht Wagner – trotz aller Altersresignation – einen Ausweg aufzuzeigen, und vertieft sich in seine These, dass die Entartung des menschlichen Geschlechtes durch die Abkehr seiner natürlichen Nahrung verursacht worden sei. Da helfe der Menschheit nur eine schonungslose Bestandsaufnahme und die [[Regeneration]]: <br /> <br /> :''Wir müssen erkennen, dass eine große Regeneration des verdorbenen Menschengeschlechtes nur aus dem tiefen Boden einer '''wahrhaftigen''' Religion erwachsen kann [...] Verstehen wir sie recht – die Geschichte! Und zwar im Geiste und in der Wahrheit, nicht nach dem Worte und der Lüge unserer Universitätshistoriker, welche nur dem Eroberer ihr Lied singen, von dem Leiden der Menschheit aber nichts wissen wollen. Erkennen wir, dass nicht ihre Handlungen, sondern ihre Leiden die Menschen uns nahebringen und unseres Gedenkens würdig machen, dass allein nur dem unterliegenden, nicht dem siegenden Helden unsere Teilnahme zugehört.''<br /> <br /> Wagner zeigt nun auf, wie die Kunst und speziell die Musik, den Menschen helfen könne:<br /> <br /> :''Als alles sagende, tönende Seele der christlichen Religion, hinterließ uns die christliche Kirche als edelstes Erbe die Musik, die der erlösungsbedürftigen Menschheit eine neue Sprache lehrte, in der das Schrankenloseste sich nun mit unmissverständlichster Bestimmtheit aussprechen konnte.''<br /> <br /> Wagner stellt dann einen Vergleich mit dem Gottesdienst der [[Shaker]]-Sekte in Amerika an, „deren Mitglieder, nach feierlich und herzlich bestätigtem Gelübde der Entsagung, im Tempel singend und tanzend sich ergehen.“<br /> <br /> :''Drückt sich hier eine kindliche Freude über wiedergewonnene Unschuld aus, so dürfte uns, die wir die, durch Erkenntnis des Verfalles des menschlichen Geschlechtes errungene Siegesgewissheit des Willens über sich selbst mit unserem täglichen Speise-Mahle feiern, das Untertauchen in das Element jener symphonischen Offenbarungen als ein weihevoll reinigender religiöser Akt selbst gelten.''<br /> <br /> === Was nützt diese Erkenntnis? ===<br /> Als ein „weihevoll reinigender religiöser Akt“, so sollte Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal wirken. Um dies noch genauer zu erklären, schrieb Wagner einen „Nachtrag“ zu seiner Schrift mit dem Titel: „Was nützt diese Erkenntnis?“ <br /> [[Bild:Schopenhauer.jpg|thumb|190px|Arthur Schopenhauer 1859]]<br /> <br /> &quot;Fragt ihr, was die Erkenntnis des Verfalles der Menschheit nützen soll, so fragt die wahrhaft großen Dichter aller Zeiten; fragt die Gründer wahrhafter Religionen&quot;, schreibt Wagner und verweist auf [[Goethe]] und [[Schopenhauer]]. Er stellt dann erneut die Frage nach der „Regeneration“ eines der „Kriegs-Zivilisation“ verfallenen Menschengeschlechtes und wirbt vehement für die Ideen Schopenhauers, der Wege zur Umkehr des fehlgeleiteten Willens aufgezeigt hätte. Der richtige Weg sei zu finden, wenn man erkenne, dass die ganze Zivilisation aus Mangel an Liebe zugrunde geht und diese Lieblosigkeit der Welt als ihr eigentliches Leiden verständlich gemacht werden müsse. Verstehen aber hieße: Mitleiden, um dadurch das Leiden des Anderen mindern zu können. Dieses Verständnis könne die Musik fördern, in dem sie Gefühle und das Gemüt ansprechen könne.<br /> <br /> Wagner verdeutlicht nun, dass er zur Transformierung seiner gleichnishaften Botschaft, nämlich Erlösung und Regeneration der Menschheit durch Mitleid – dargestellt durch den suchenden [[Parsifal]] und den leidende [[Amfortas]] – eine Kunstform gewählt habe, die mit religiöser Symbolik eine „entrückende Wirkung auf das Gemüt“ ausüben solle. Er kommt dann abschließend wieder auf die Vegetarier zurück und bekräftigt deren Regenerationsgedanken: Weltverbesserung „durch Reinigung des Blutes“, und stellt damit sein Werk Parsifal in einen damals aktuellen Kontext. Er beschließt seine Ausführungen:<br /> <br /> :''Wir erkennen den Grund des Verfalles der historischen Menschheit, sowie die Notwendigkeit einer Regeneration derselben; wir glauben an die Möglichkeit dieser Regeneration, und widmen uns ihrer Durchführung in jedem Sinne.''<br /> <br /> == Parsifal-Intention ==<br /> Wie sein Regenerationswerk ''Parsifal'' „wirken“ sollte, das geht aus der Schlusspassage von Wagners letztem Beitrag: „Das Bühnenweihfestspiel in Bayreuth 1882“ hervor, den er am 1. November 1882, kurz vor seinem Tod, in Venedig für die „Bayreuther Blätter“ schrieb:<br /> <br /> :''Wer kann ein Leben lang mit offenen Sinnen und freiem Herzen in diese Welt des durch Lug, Trug und Heuchelei organisierten und legalisierten Mordes und Raubes blicken, ohne zu Zeiten mit Ekel sich von ihr abwenden zu müssen? Wohin trifft dann sein Blick? Gar oft wohl in die Tiefe des Todes. Ihr alle, meine Freunde, erkanntet, dass die Wahrhaftigkeit des Vorbildes [Parsifal], das er euch zur Nachbildung darbot, es eben war, was auch euch die Weihe der Weltentrückung gab; denn ihr konntet nicht anders, als nur in jener höheren Wahrhaftigkeit eure eigene Befriedigung suchen.'' <br /> <br /> == Literatur ==<br /> * Richard Wagner: Sämtliche Schriften und Dichtungen, Band 10, Leipzig 1911<br /> * Sven Friedrich (Hrsg): ''Richard Wagner, Werke, Schriften und Briefe'', Digitale Bibliothek, Berlin 2004.<br /> * http://www.sezession.de/pdf/heft11_28-33.pdf<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Der Kunst-Messias, Richard Wagners Vermächtnis in seinen Schriften'', Würzburg 2009.<br /> <br /> [[Kategorie:Richard Wagner]]<br /> [[Kategorie:Religionskritische Literatur]]<br /> [[Kategorie:Kunstliteratur]]<br /> [[Kategorie:Literatur (Musik)]]</div> Pdiffenderfer https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Religion_und_Kunst&diff=59376957 Religion und Kunst 2009-04-24T19:04:58Z <p>Pdiffenderfer: </p> <hr /> <div>'''Religion und Kunst''' ist eine der Hauptschriften [[Richard Wagner]]s und wurde von ihm während der Kompositionsarbeit an seinem letzten Musikdrama ''[[Parsifal]]'' im Jahre 1880 in Neapel (Villa Angri) geschrieben und in den ''Bayreuther Blättern'' publiziert und später im zehnten Band seiner ''Gesammelten Schriften und Dichtungen'' in Buchform veröffentlicht.<br /> <br /> [[File:Parsifal vor der Gralsburg.JPG|left|thumb|350px|&quot;Parsifal vor der Gralsburg&quot; — Weimar 1928 von Hans Werner Schmidt (1859–1950)]]<br /> <br /> Wagner äußert sich in dieser Schrift – auch als „Regenerationsschrift“ bezeichnet – umfassend zum Thema [[Religion]] und stellt sein Weltbild dar. Aus seinen Briefen an [[Hans Paul von Wolzogen (Schriftsteller)|Hans Paul von Wolzogen]], dem Herausgeber der Bayreuther Blätter, ist zu erkennen, dass er die „ihn nicht verstehen wollende Welt“ provozieren und „einen starken Artikel“ schreiben wollte. Bereits in der Einleitung stellt Wagner die aus seiner Sicht bestehende Verbindung von Religion und Kunst her:<br /> <br /> :''Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten sei, den Kern der Religion zu retten, indem sie die mythischen Symbole, welche sie im eigentlichen Sinne als wahr geglaubt wissen will, ihrem sinnbildlichen Werte nach erfasst, um durch ideale Darstellung derselben die in ihnen verborgene tiefe Wahrheit erkennen zu lassen.'' <br /> <br /> == Die Themen der Regenerationsschrift ==<br /> === Christlicher Glaube und Buddhismus ===<br /> Wagner führt zu Beginn aus, wie [[Religion]]en entstanden sind und diese alle nur auf der „Hinfälligkeit der Welt“ basierten, wobei sich erfolgreiche [[Religionsstifter]] mit mythischen Allegorien Gehör beim Volke verschafft hätten. Eine Besonderheit der [[Christentum|christlichen Religion]] sei die Tatsache, dass sich diese Religion ausdrücklich an die „Armen am Geiste“ wende: ''Selig sind, die da geistig arm sind, denn ihnen ist das Himmelreich'' ([[Matthäus]] 5.4), und somit speziell für „arme Leut’“ Trost und Heilsanleitungen erschlossen werden sollen. Im Gegensatz dazu stehe der [[Buddhismus]], der ohne [[Gott]], ohne [[Himmel (Religion)|Himmel]] und [[Hölle]] Wege zur Selbsterkenntnis aufzeige und eher eine Religion für „denkende“ Menschen sei. Wagner vergleicht dann das Christentum mit dem Buddhismus, ganz im Sinne [[Arthur Schopenhauer]]s, der sich ebenfalls zu den Lehren der Brahmanen, zu [[Wiedergeburt]] und [[Askese]] hingezogen fühlte und daraus sein Hauptwerk [[Die Welt als Wille und Vorstellung]] entwickelte. <br /> [[Bild:Michelangelo - Fresco of the Last Judgement.jpg|thumb|Micheangelos „Jüngstes Gericht“]]<br /> <br /> === Kritik am Christentum ===<br /> <br /> Am Beispiel der [[griechische Kunst|griechischen Kunst]] erklärt Wagner weiter, was er unter [[Kunst]] versteht und schlägt dann den Bogen zum Götterglauben der Griechen und zum gekreuzigten [[Christus]], den er als „göttlichen“ Menschen bezeichnet, dem „jüdischen Schöpfer [[JHWH#Jehovah|Jehova]]“ allerdings seine tiefe Abneigung bekundet. In langen Passagen kritisiert Wagner scharf die amtliche [[Kirche (Organisation)|Kirche]], die ihre Macht über die „Seelen der Armen“ vorzugsweise mit dem Schreckensbild der [[Hölle]] und dem „[[jüngstes Gericht|letzten Gericht]]“ ausübe. Es gebe nichts Hässlicheres und Ekelhafteres, als die Bilder der ewigen [[Verdammnis]], wozu auch das Gemälde des „jüngsten Gerichtes“ von [[Michelangelo]] in der [[Sixtina]] gehöre. Dagegen seien die Bildnisse des am Kreuze leidenden [[Heiland]]es weitaus eindrucksvollere Darstellungen, die sich rasch zu einem Grundtypus für weitere Bilder von [[Märtyrer|Glaubensmärtyrern]] und [[Heilige]]n entwickelten. Leiden durch verklärte „Entrückungs-Wonne“ sei ein Hauptgegenstand der bildenden Kunst geworden, führt Wagner weiter aus, wogegen die Darstellung von Motiven der realen Welt nach und nach verlernt worden seien. Demzufolge habe sich eine starke Affinität zwischen Religion und Kunst entwickelt, zumindest durch der [[Malerei]], später aber auch durch die [[Musik]].<br /> <br /> === Entstehung der Musik aus dem Christentum ===<br /> Wagner argumentiert, dass die Musik die einzige dem christlichen Glauben ganz entsprechende Kunst sei. Somit habe sich die heutige Musik aus der Religion entwickelt und sei ohne Zweifel ein Produkt des Christentums. <br /> <br /> :''In diesem Sinne ist nun, nach der vorangegangenen Erörterung über die Nötigung der poetischen Lyrik zur Auflösung des wörtlichen Begriffes in das Tongebilde, anzuerkennen, dass die Musik das eigenste Wesen der christlichen Religion mit unvergleichlicher Bestimmtheit offenbart, weshalb wir sie sinnbildlich in dasselbe Verhältnis zur Religion setzen möchten, in welchem wir den Gottes-Knaben zur jungfräulichen Mutter auf jenem Raphaelischen Gemälde uns darstellten: Als reine Form darf uns die Musik als eine welterlösende Geburt des göttlichen Dogmas von der Nichtigkeit der Erscheinungs-Welt selbst gelten.'' <br /> <br /> Bei den gemalten Bildern hieße es: „das bedeutet“, die Musik aber sage: „das ist“, führt Wagner weiter aus, denn Musik hebe jeden Zwiespalt zwischen Begriff und Empfindung auf, sich dabei von der Erscheinungswelt gänzlich abwenden und unser Gemüt wie durch eine besondere [[Gnade]] einnehmen.<br /> <br /> === Verfall des Menschengeschlechtes ===<br /> Ähnlich wie in seinen früheren „Revolutionsschriften“ (Kunst und Revolution) beschäftigte sich Wagner im zweiten Teil seiner Alters-Schrift, die er unter dem Eindruck des Buches: „[[Thalysia]], oder das Heil der Menschheit“ des [[Vegetarier]]s [[Robert Springer]] schrieb, ausführlich mit dem „Verfall“ des menschlichen Geschlechtes. Der Mensch sei ein „[[Raubtier]]“, das Länder erobert, die natürlich lebenden Eingeborenen unterjocht, große Reiche von Unterjochten gründet und Staaten und Zivilisationen einrichtet, nur um seinen Raub in Ruhe zu genießen. Es folgen Passagen über Geld und [[Eigentum]], ein Thema, dem sich Wagner immer wieder gewidmet hat, vor allem in seinem [[Der Ring des Nibelungen]].<br /> <br /> Wagner beschreibt im Weiteren, wie in [[Indien]] unter dem Einfluss von Landschaft und [[Klima]] der Buddhismus entstanden sei, der das Leben der Tiere mehr achte, als es die christlichen Europäer tun und beruft sich dabei auf den Orientalisten [[Eugène Burnouf]]. <br /> [[Bild:Kapitolinischer_Pythagoras_adjusted.jpg|thumb|Büste des Pythagoras]]<br /> <br /> Wagner kommt dann zu einem Thema, das ihn in seinen letzten Lebensjahren sehr beschäftigte. Im Herbst 1879 las er die Druckschrift „''Die Folterkammer der Wissenschaft''“, von [[Ernst von Weber]]. Darin ging es um die [[Vivisektion]], um Tierversuche für den Fortschritt der Medizin. Wagner schrieb daraufhin einen öffentlichen Brief und setzte sich vehement für den [[Tierschutz]] ein. Insgesamt 46 Tagebucheintragungen seitens [[Cosima Wagner|Cosima]] unterstreichen, wie intensiv hierüber im Hause Wagner diskutiert wurde, wobei er sich auch auf den griechischen „Zahlen-Philosophen“ [[Pythagoras]] berief.<br /> :''Ein Mysterium hüllte Pythagoras ein, den Lehrer der Pflanzen-Nahrung. Kein Weiser sann nach ihm über das Wesen der Welt nach, ohne auf seine Lehre zurückzukommen. Genossenschaften gründeten sich, welche, verborgen vor der Welt und ihrem Wüten, die Befolgung dieser Lehre als ein religiöses Reinigungsmittel von Sünde und Elend ausübten. Unter den Ärmsten erschien der Heiland den Weg der Erlösung nicht mehr durch Lehren, sondern durch das Beispiel zu weisen. Sein eigenes Fleisch und Blut gab er, als höchstes Sühnungsopfer für alles sündhaft vergossene Blut und geschlachtete Fleisch dahin, und reichte dafür seinen Jüngern Wein und Brot zum täglichen Mahle: „Solches allein genießet zu meinem Angedenken.“'' <br /> <br /> Im weiteren Verlauf seiner „Religions-Schrift“ stellt Wagner fest, dass die Menschen in ihrer Entwicklung vom [[Klima]] der Natur geprägt worden seien und auch die Ernährung für die [[Evolution]] eine Rolle gespielt habe. Ähnlich wie es Pflanzen-fressende Tiere gebe, hätte der Mensch nicht unbedingt ein Tiermörder und „Fleischfresser“ werden müssen, aber offensichtlich habe es die Evolution so gewollt, und so wurde der Mensch vom „Fruchtesser“ des Paradieses zu einem Raubtier. Die Geschichte von der Vertreibung von [[Adam und Eva]] aus dem Paradies sei demnach als eine [[Allegorie]] aufzufassen, nämlich Vertreibung von ehemaligen „Vegetariern“ nach einem blutigen Festmahl. Später habe der „ungerechte Judengott“ das „Fleischopfer“ [[Abel (Bibel)|Abel]]s mehr geschätzt als das „Fruchtopfer“ [[Kain]]s.<br /> <br /> === Kritik an Kirche und Judentum ===<br /> Wagner fühlte sich persönlich immer wieder durch Juden desavouiert, beispielsweise durch seine erfolgreichen Musikerkonkurrenten [[Meyerbeer]] und [[Mendelssohn]], durch Journalisten und Kritiker seiner avandgardistischen Tonkunst und durch den jüdischen „Geldadel“, der ihm – nach seiner Lesart – den gerechten Lohn seines Künstlerdaseins verweigerte. Er litt, obwohl er viele Freunde jüdischer Abstammung hatte, an einem regelrechten [[Verfolgungswahn]] und verdeutlichte dies in seiner älteren Schrift ''[[Das Judentum in der Musik]]''. Später wurde er durch seine Frau Cosima, die in ihren Ansichten noch wesentlich radikaler war, in seiner pauschalen Judenkritik noch ermuntert. <br /> [[Bild:Ernest-Renan.gif|thumb|Ernest Renan]] <br /> Wagner übernahm in seiner Kritik der christlichen Lehre, der Kirche und des Judentums Positionen, die zu seiner Zeit insbesondere durch die religionphilosophischen Schriften von [[Ernest Renan]] und [[Franz Overbeck]] zunehmenden Anklang fanden. Diese Schriften hatte Wagner im April 1873 von [[Friedrich Nietzsche]] erhalten. Ernest Renan erregte vor allem durch sein Buch „'''Das Leben Jesu'''“ (1863) großes Aufsehen. Hier wurde das Leben und die Person Jesu aus den antiken Verhältnissen der Zeit erklärt und [[Jesus von Nazareth]] als ein Mensch dargestellt, der erst nach seinem Tode zum „Gott“ (Sohn Gottes) stilisiert wurde, insbesondere auf Betreiben des fanatischen Apostels [[Apostel Paulus|Paulus]]. <br /> Eine ähnliche Position war bei dem Schweizer Theologen Franz Camille Overbeck auszumachen. Als ein evangelischer Theologe, eng befreundet mit Friedrich Nietzsche und beeinflusst von [[Baruch Spinoza]] und Arthur Schopenhauer, zweifelte er sehr an „Gottes Dasein“: „Die beste Schule, um an dem Dasein eines Gottes als Weltenlenker zu zweifeln, ist die Kirchengeschichte.“ <br /> <br /> === Wagners Regenerationsgedanke ===<br /> Im letzten Teil seiner Ausführungen versucht Wagner – trotz aller Altersresignation – einen Ausweg aufzuzeigen, und vertieft sich in seine These, dass die Entartung des menschlichen Geschlechtes durch die Abkehr seiner natürlichen Nahrung verursacht worden sei. Da helfe der Menschheit nur eine schonungslose Bestandsaufnahme und die [[Regeneration]]: <br /> <br /> :''Wir müssen erkennen, dass eine große Regeneration des verdorbenen Menschengeschlechtes nur aus dem tiefen Boden einer '''wahrhaftigen''' Religion erwachsen kann [...] Verstehen wir sie recht – die Geschichte! Und zwar im Geiste und in der Wahrheit, nicht nach dem Worte und der Lüge unserer Universitätshistoriker, welche nur dem Eroberer ihr Lied singen, von dem Leiden der Menschheit aber nichts wissen wollen. Erkennen wir, dass nicht ihre Handlungen, sondern ihre Leiden die Menschen uns nahebringen und unseres Gedenkens würdig machen, dass allein nur dem unterliegenden, nicht dem siegenden Helden unsere Teilnahme zugehört.''<br /> <br /> Wagner zeigt nun auf, wie die Kunst und speziell die Musik, den Menschen helfen könne:<br /> <br /> :''Als alles sagende, tönende Seele der christlichen Religion, hinterließ uns die christliche Kirche als edelstes Erbe die Musik, die der erlösungsbedürftigen Menschheit eine neue Sprache lehrte, in der das Schrankenloseste sich nun mit unmissverständlichster Bestimmtheit aussprechen konnte.''<br /> <br /> Wagner stellt dann einen Vergleich mit dem Gottesdienst der [[Shaker]]-Sekte in Amerika an, „deren Mitglieder, nach feierlich und herzlich bestätigtem Gelübde der Entsagung, im Tempel singend und tanzend sich ergehen.“<br /> <br /> :''Drückt sich hier eine kindliche Freude über wiedergewonnene Unschuld aus, so dürfte uns, die wir die, durch Erkenntnis des Verfalles des menschlichen Geschlechtes errungene Siegesgewissheit des Willens über sich selbst mit unserem täglichen Speise-Mahle feiern, das Untertauchen in das Element jener symphonischen Offenbarungen als ein weihevoll reinigender religiöser Akt selbst gelten.''<br /> <br /> === Was nützt diese Erkenntnis? ===<br /> Als ein „weihevoll reinigender religiöser Akt“, so sollte Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal wirken. Um dies noch genauer zu erklären, schrieb Wagner einen „Nachtrag“ zu seiner Schrift mit dem Titel: „Was nützt diese Erkenntnis?“ <br /> [[Bild:Schopenhauer.jpg|thumb|190px|Arthur Schopenhauer 1859]]<br /> <br /> &quot;Fragt ihr, was die Erkenntnis des Verfalles der Menschheit nützen soll, so fragt die wahrhaft großen Dichter aller Zeiten; fragt die Gründer wahrhafter Religionen&quot;, schreibt Wagner und verweist auf [[Goethe]] und [[Schopenhauer]]. Er stellt dann erneut die Frage nach der „Regeneration“ eines der „Kriegs-Zivilisation“ verfallenen Menschengeschlechtes und wirbt vehement für die Ideen Schopenhauers, der Wege zur Umkehr des fehlgeleiteten Willens aufgezeigt hätte. Der richtige Weg sei zu finden, wenn man erkenne, dass die ganze Zivilisation aus Mangel an Liebe zugrunde geht und diese Lieblosigkeit der Welt als ihr eigentliches Leiden verständlich gemacht werden müsse. Verstehen aber hieße: Mitleiden, um dadurch das Leiden des Anderen mindern zu können. Dieses Verständnis könne die Musik fördern, in dem sie Gefühle und das Gemüt ansprechen könne.<br /> <br /> Wagner verdeutlicht nun, dass er zur Transformierung seiner gleichnishaften Botschaft, nämlich Erlösung und Regeneration der Menschheit durch Mitleid – dargestellt durch den suchenden [[Parsifal]] und den leidende [[Amfortas]] – eine Kunstform gewählt habe, die mit religiöser Symbolik eine „entrückende Wirkung auf das Gemüt“ ausüben solle. Er kommt dann abschließend wieder auf die Vegetarier zurück und bekräftigt deren Regenerationsgedanken: Weltverbesserung „durch Reinigung des Blutes“, und stellt damit sein Werk Parsifal in einen damals aktuellen Kontext. Er beschließt seine Ausführungen:<br /> <br /> :''Wir erkennen den Grund des Verfalles der historischen Menschheit, sowie die Notwendigkeit einer Regeneration derselben; wir glauben an die Möglichkeit dieser Regeneration, und widmen uns ihrer Durchführung in jedem Sinne.''<br /> <br /> == Parsifal-Intention ==<br /> Wie sein Regenerationswerk ''Parsifal'' „wirken“ sollte, das geht aus der Schlusspassage von Wagners letztem Beitrag: „Das Bühnenweihfestspiel in Bayreuth 1882“ hervor, den er am 1. November 1882, kurz vor seinem Tod, in Venedig für die „Bayreuther Blätter“ schrieb:<br /> <br /> :''Wer kann ein Leben lang mit offenen Sinnen und freiem Herzen in diese Welt des durch Lug, Trug und Heuchelei organisierten und legalisierten Mordes und Raubes blicken, ohne zu Zeiten mit Ekel sich von ihr abwenden zu müssen? Wohin trifft dann sein Blick? Gar oft wohl in die Tiefe des Todes. Ihr alle, meine Freunde, erkanntet, dass die Wahrhaftigkeit des Vorbildes [Parsifal], das er euch zur Nachbildung darbot, es eben war, was auch euch die Weihe der Weltentrückung gab; denn ihr konntet nicht anders, als nur in jener höheren Wahrhaftigkeit eure eigene Befriedigung suchen.'' <br /> <br /> == Literatur ==<br /> * Richard Wagner: Sämtliche Schriften und Dichtungen, Band 10, Leipzig 1911<br /> * Sven Friedrich (Hrsg): ''Richard Wagner, Werke, Schriften und Briefe'', Digitale Bibliothek, Berlin 2004.<br /> * http://www.sezession.de/pdf/heft11_28-33.pdf<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Der Kunst-Messias, Richard Wagners Vermächtnis in seinen Schriften'', Würzburg 2009.<br /> <br /> [[Kategorie:Richard Wagner]]<br /> [[Kategorie:Religionskritische Literatur]]<br /> [[Kategorie:Kunstliteratur]]<br /> [[Kategorie:Literatur (Musik)]]</div> Pdiffenderfer https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Parsifal&diff=59375740 Parsifal 2009-04-24T18:20:36Z <p>Pdiffenderfer: </p> <hr /> <div>{{Dieser Artikel|behandelt die Wagner-Oper Parsifal. &lt;br /&gt; Für den Helden dieser Oper und zum gleichnamigen epischen Werk von Wolfram von Eschenbach siehe [[Parzival]].}}<br /> {{Infobox Oper<br /> |T = Parsifal<br /> |OS = deutsch<br /> |Form = [[durchkomponiert]]<br /> |Mus = Richard Wagner<br /> |Lib = Richard Wagner<br /> |UA = 26. Juli 1882<br /> |UAort = [[Bayreuther Festspielhaus|Festspielhaus]], [[Bayreuth]]<br /> |Dauer = ca. 4 Stunden<br /> |OrtZeit = frühes Mittelalter<br /> |Pers = <br /> * Amfortas, Gralskönig (Bariton)<br /> * Titurel, Amfortas’ Vater (Bass)<br /> * Gurnemanz, Gralsritter (Bass)<br /> * Parsifal (Tenor)<br /> * Klingsor (Bass)<br /> * Kundry (Sopran oder Mezzosopran)<br /> * Zwei Gralsritter (Tenor und Bass)<br /> * Vier Knappen (Sopran und Tenor)<br /> * Klingsors Zaubermädchen (6 Einzelsängerinnen, Sopran und Alt)<br /> * Stimme aus der Höhe (Alt)<br /> * Chor:<br /> ** Zaubermädchen (Sopran und Alt)<br /> ** Bruderschaft der Gralsritter (Tenor und Bass)<br /> ** Jünglinge und Knaben (Tenor, Sopran und Alt)<br /> }}<br /> <br /> '''Parsifal''' ist der Titel des letzten [[Oper|musikdramatischen]] Werks von [[Richard Wagner]]. Wagner selbst bezeichnete das dreiaktige Stück als ein ''Bühnenweihfestspiel'' und verfügte, dass es ausschließlich im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt werden sollte.<br /> <br /> == Intention Wagners ==<br /> <br /> [[File:Parsifal vor der Gralsburg.JPG|left|thumb|350px|&quot;Parsifal vor der Gralsburg&quot; — Weimar 1928 von Hans Werner Schmidt (1859–1950)]]<br /> <br /> [[Datei:Wagner Parsifal 1877.jpg|links| thumb|140px| Titelblatt der Text-Broschur als Erstdruck]]<br /> Auf den ersten Blick wirkt Wagners Bühnenweihfestspiel wie ein „religiöses Werk“, mit weihevoller Musik, Monstranzenthüllung (Gral), Taufe, christlichem Abendmahlsritual usw. Bereits in seinen Züricher Kunstschriften entwickelte er die Idee, den Kern des Religiösen durch Kunst zu verdeutlichen. In ''[[Religion und Kunst]]'', schreibt er zusammenfassend:<br /> <br /> :''Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten sei, den Kern der Religion zu retten, indem sie die mythischen Symbole, welche sie im eigentlichen Sinne als wahr geglaubt wissen will, ihrem sinnbildlichen Werte nach erfasst, um durch ideale Darstellung derselben die in ihnen verborgene tiefe Wahrheit erkennen zu lassen.''<br /> <br /> Wagner erklärt, dass er zur Transformierung seiner gleichnishaften Botschaft, nämlich Erlösung und Regeneration der Menschheit durch Mitleid – dargestellt durch den suchenden Parsifal und den leidenden Amfortas – eine Kunstform gewählt habe, die mit religiöser Symbolik eine „entrückende Wirkung auf das Gemüt“ ausüben solle.<br /> <br /> == Entstehungsgeschichte ==<br /> <br /> Wagner beschäftigte sich schon 1845 in Marienbad, als er ''Lohengrin'' entwarf und die erste Idee für ''Die Meistersinger von Nürnberg'' niederschrieb, mit dem Stoff der Sage, doch die erste Skizze mit dem Titel „[[Parzival]]“ entstand erst 1857 in Zürich. 1865 bat [[Ludwig II. (Bayern)|König Ludwig II.]] von [[Königreich Bayern|Bayern]], der seit 1864 Wagner finanziell unterstützte, den Parzival-Plan auszuführen. Daraufhin entstand der erste Prosaentwurf des Werks. Nachdem die ersten [[Bayreuther Festspiele]] mit der Aufführung des [[Ring des Nibelungen]] beendet waren, begann Wagner auf Bitten seiner Frau [[Cosima Wagner|Cosima]] – die in ihren Tagebüchern den gesamten Entstehungsprozess detailliert festgehalten hat – im Januar 1877 mit der Verwirklichung seiner alten Parzival-Pläne. Bald änderte Wagner die Schreibweise des Namens zu „Parsifal“, indem er sich auf die angeblich persischen Worte für „rein“ (fal) und „Tor“ (parsi) bezog. Als im Herzen reiner Tor ist die Figur des ''Parsifal'' im Werk auch angelegt. Mit der Komposition begann Wagner im September 1877, im April 1879 waren die Orchesterskizzen für alle drei Akte fertig, doch sollte es noch bis Januar 1882 dauern, bis das Werk (während eines längeren Aufenthaltes in [[Palermo]]) vollständig komponiert und die [[Partitur]] vollendet war. <br /> Im November 1880 erklang erstmals das Orchester-Vorspiel des ersten Aufzugs in einer Privataufführung für König [[Ludwig II. von Bayern]] in München.<br /> <br /> Die Verlagsrechte verkaufte Wagner zu einem damals hohen Preis von 100.000 RM an die Nachfolger seines Verlegerfreundes [[Franz Schott]] in Mainz, die somit auch die 2. Festspiele mitfinanzierten.<br /> <br /> == Historischer Hintergrund ==<br /> <br /> Die Handlung geht zurück auf das Versepos [[Wolfram von Eschenbach|Wolframs von Eschenbach]], strafft und konzentriert jedoch die Geschichte und verändert vor allem die szenischen Requisiten Gral und Speer. Die Personen werden auf wenige Hauptfiguren reduziert, die Handlung auf den in fast allen Werken Wagners dominierenden Erlösungsgedanken konzentriert. <br /> <br /> König Titurel ist im Besitz zweier wundertätiger [[Reliquie]]n, [[Gral]] und [[Heilige Lanze|Heiliger Speer]]. Der Gral diente als Trinkbecher beim letzten Abendmahl und fing das Blut Christi am Kreuz auf. Der Speer ist jener, mit dem Jesus am Kreuz seine Seitenwunde beigebracht wurde. Titurel hat Ritter um sich gesammelt, die, von den Reliquien gestärkt, in die Welt ziehen und für das Gute kämpfen. Auch Klingsor bemühte sich einst, der Gralsgemeinschaft angehören zu dürfen, wurde aber wegen seiner Unkeuschheit abgelehnt. Daraufhin entmannte er sich selbst und schuf sich in der Wüste ein Gegenreich, einen Zaubergarten mit verführerischen Frauen, und schwor, den König und seine Ritter zu entmachten und die Reliquien an sich zu bringen.<br /> <br /> Den Anfechtungen hielten manche der Ritter nicht stand, so dass Titurels Sohn Amfortas als junger Gralskönig beschloss, mit der heiligen Lanze bewaffnet gegen Klingsor in den Kampf zu ziehen. Doch auch er wurde von einer geheimnisvollen Frau verführt. Es gelang Klingsor, ihm dabei die Lanze, den heiligen Speer zu entwenden. Amfortas trägt seitdem eine Verwundung, die Klingsor ihm mit diesem Speer schlug, eine Wunde, an der Amfortas seitdem entsetzlich leidet. Denn die Wunde schließt sich nicht mehr. Mit jeder neuen Enthüllung des Grals, wodurch die gesamte Ritterschaft genährt wird, bricht sie von neuem auf.<br /> <br /> == Handlung ==<br /> <br /> === 1. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg ===<br /> [[Datei:1_Act1-_Vorspiel.ogg|miniatur|Vorspiel Parsifal, Bayreuth 1951, Festspielorchester, Hans Knappertbusch]]<br /> [[Datei:Hermann Hendrich Parsifal.jpg|miniatur|rechts|''Parsifal'' von [[Hermann Hendrich]]]]<br /> Auf einer Waldlichtung nahe der Gralsburg weckt Ritter Gurnemanz einige Knappen. Er fordert sie auf zu beten und das Morgenbad des jungen Königs Amfortas vorzubereiten. [[Cundrie la Surziere|Kundry]], die geheimnisvoll wilde Helferin der Gralsritter, kommt eilig herbeigeritten. Mit letzter Kraft überreicht sie Balsam für den verletzten König. Doch halb verzweifelt, halb spöttisch bemerkt sie, er werde wohl so wenig helfen wie das [[Heilkräuter|Heilkraut]], das Ritter Gawan bereits gebracht hat. Kundry wird von den Knappen als „Heidin“ und „Zauberweib“ verhöhnt. Nur Gurnemanz nimmt sie in Schutz, als die Knappen spottend fordern, Kundry solle doch losziehen, um die verloren gegangene heilige Lanze zurückzuholen. Jetzt erzählt Gurnemanz, dass nach einer [[Prophezeiung]] nur ein „durch Mitleid wissender“ reiner Tor den Speer zurückgewinnen und damit Amfortas heilen könne. Denn die Wunde schließe nur der Speer, der sie auch schlug. <br /> <br /> Die Szene wird durch Lärm vom nahen See gestört. Die Ritter fingen einen Knaben, der einen Schwan mit Pfeil und Bogen getötet hat. Es ist Parsifal, der Sohn der Herzeleide und des im Kampf gefallenen Ritters Gamuret. Der Knabe wuchs unter der Obhut seiner Mutter im Wald ohne Kontakt zur Außenwelt auf. Er weiß selbst weder seinen Namen, noch woher er kommt und wer sein Vater ist. Doch Kundry kennt seine Geschichte und erzählt vom Tod seiner Mutter. Gurnemanz glaubt, den in der Vision des Amfortas angekündigten „reinen Toren“ gefunden zu haben und nimmt ihn, während Kundry in einen hypnotischen Schlaf fällt, mit zur Gralsburg.<br /> <br /> Dort versammeln sich die Ritter, Amfortas, Titurel und, als stummer Zuschauer, Parsifal zur Enthüllung des Grals. Amfortas beklagt seine Schmerzen, die der Anblick des Grals nur kurz lindern kann. Titurel und die Ritter fordern ihn auf, den Gral zu enthüllen. Der Kelch mit dem Blut Christi leuchtet in einem magischen Lichtschein. Die Ritter nehmen daraufhin das Mahl, Brot und Wein, und verlassen danach gestärkt den Tempel. Parsifal ist nicht fähig, zu all dem, was er sah, etwas zu sagen und wird von Gurnemanz, der glaubt, sich in ihm getäuscht zu haben, vor die Tür gesetzt. Jedoch: eine Stimme aus der Höhe wiederholt mit den letzten Klängen der Gralsglocken die Worte der Prophezeiung: „Durch Mitleid wissend, der reine Tor“.<br /> [[Datei:Villa Rufolo Garten.JPG|miniatur|Garten der Villa Rufolo, dem Modell des „Zaubergartens“]]<br /> <br /> === 2. Aufzug, Klingsors Zaubergarten ===<br /> <br /> Der zweite Akt führt in eine andere, fantastische Welt. Klingsor beobachtet in seinem Zauberspiegel Parsifal, der sich seiner Burg und dem Zaubergarten nähert. Mit Kundry als Werkzeug will er dem Toren die Unschuld rauben. Jetzt kommt die Rolle der Kundry ans Tageslicht: Indem sie Jesus auf seinem Weg zur Kreuzigung verhöhnt hat, sucht sie ihn nun „von Welt zu Welt“, in immer neuen Wiedergeburten, um Erlösung von ihrer Schuld zu finden. Voll Todessehnsucht dient sie seither zum einen freiwillig büßend den Gralsrittern als Helferin, zum anderen gelingt es dem Zauberer Klingsor immer wieder, sie in seinen Bann zu ziehen und als willenloses, schönes Werkzeug der Verlockung zu missbrauchen. Sie war es auch, die in veränderter Gestalt Amfortas verführt hat. <br /> <br /> Erlösung kann sie nur erlangen, wenn ein Mann ihrer Verführung widersteht. Sie fügt sich nur widerstrebend dem Befehl Klingsors, Parsifal zu bezwingen, muss aber seiner Macht gehorchen. Nachdem Parsifal den unschuldigen Verlockungen der Zaubermädchen, alles Blumen in Klingsors Garten, entfliehen will, ruft Kundry ihn mit seinem Namen. Sie eröffnet ihm damit seine wahre Identität und erzählt dem Knaben vom Tod seiner Mutter. Tröstend, aber mit der Absicht, ihn in die Liebe einzuführen, schließt sie ihn in ihre Arme. Doch in dem Moment eines langen Kusses erkennt Parsifal die Zusammenhänge und die Ursache von Amfortas′ Leiden, er wird „welthellsichtig“. Parsifal stößt Kundry zurück und verspricht ihr dafür Erlösung. Ihr Ausbruch von rasendem Lachen und Schreien ruft Klingsor herbei, der den heiligen Speer auf Parsifal schleudert. Der Speer bleibt schwebend über Parsifal stehen, der ergreift ihn, schlägt damit das Kreuzzeichen, worauf Kundry und Klingsor, mit ihnen der gesamte Zaubergarten, zusammenbrechen. Kundry blickt im Zusammensinken nach Parsifal, der ihr im Enteilen noch zuruft: „Du weißt, wo du mich wiederfinden kannst!“<br /> <br /> === 3. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg ===<br /> <br /> Das Orchestervorspiel stellt die labyrinthische Irrfahrt Parsifals dar, der zur Gralsburg zurückzufinden sucht. <br /> <br /> Jahre sind vergangen. Gurnemanz lebt nun allein als Einsiedler im Wald und findet dort eines Morgens Kundry in tiefer Ohnmacht im Gestrüpp. Nachdem sie erwacht, ist sie ganz verwandelt – sanft, hilfsbereit und schweigsam. Ein Ritter in schwarzer Rüstung betritt die Szene, und Gurnemanz verweist dem Unbekannten am heilgen Karfreitag mit Waffen aufzutreten. Als Parsifal sein Visier öffnet und die Rüstung ablegt, erkennt Gurnemanz hocherfreut, dass es Parsifal mit dem heiligen Speer ist, den er zurückgeholt hat. <br /> <br /> Er begrüßt ihn schlicht und berichtet vom Tod Titurels und davon, dass die Gralsrunde zerfallen ist, weil die Zeremonie durch Amfortas nie mehr vollzogen wurde. Nur zur Totenfeier für Titurel will Amfortas noch einmal, ein letztes mal, den Gral enthüllen. Kundry wäscht Parsifal die Füße und Gurnemanz salbt und segnet ihn, damit er rein von allen Sünden und aller Irrfahrt Staub von ihm gewaschen sei. Durch diese Handlungen wird Parsifal zum neuen Gralskönig. Als sein „erstes Amt“ spendet er Kundry, die heftig weint, die Taufe. Staunend nehmen Parsifal und Gurnemanz die wie verwandelt erscheinende Blumenaue wahr, als ob sie durch Kundrys Reuetränen aufgeblüht wäre – bedeutungsvoll spricht Gurnemanz: „Das ist Karfreitagszauber, Herr“. Es ist Mittag, Glockengeläut von der Gralsburg ertönt. Gemeinsam machen sich alle drei auf den Weg zur Burg. <br /> <br /> Dort hat sich die in zwei Gruppen gespaltene Ritterschaft versammelt. Amfortas beklagt seinen toten Vater, der durch seine Schuld, weil er den lebensspendenden Gral nicht mehr enthüllte, gestorben ist und erfleht verzweifelt seine Erlösung: die Ritter sollen ihn töten, von selbst dann würde ihnen wohl der Gral leuchten. Bevor es dazu kommt, betreten Parsifal und seine Begleiter den Tempel. Mit der heiligen Lanze schließt Parsifal Amfortas Wunde, er übernimmt sein Amt und enthüllt den Gral. Aus der Höhe kommt eine weiße Taube als Zeichen besonderer Gnade herab und schwebt über Parsifal und dem erglühenden Gral. Kundry ist von ihrem Fluch erlöst, sie darf, was sie sich seit Jahrhunderten gewünscht hat, sterben und sinkt „entseelt“, wie es bei Wagner heißt, zu Boden. Parsifal verfügt die Öffnung des Grals für alle Zeiten: „Nicht soll der mehr verschlossen sein!“ <br /> <br /> Das einst durch Amfortas entweihte Heiligtum ist wieder vollständig – Gral und heiliger Speer sind vereint. Aus der Höhe besingen Knabenstimmen die wunderbare Rettung der Gralsgemeinschaft: „Höchsten Heiles Wunder: Erlösung dem Erlöser.“<br /> <br /> == Die ersten Aufführungen ==<br /> Die [[Uraufführung]] fand zu den 2. Bayreuther Festspielen am 26. Juli 1882 statt und wurde von [[Hermann Levi]] dirigiert. Das Bühnenbild schuf [[Paul von Joukowsky]], den Wagner auf seinen Italienreisen in [[Neapel]] kennengelernt hatte. Demzufolge war die Bühne mediterran beeinflusst: Der Gralstempel der Uraufführung erinnerte an den Dom von [[Siena]], Klingsors Zauberschloss war vom Garten des Palazzo Rufolo in [[Ravello]] beeinflusst.<br /> Insgesamt wurden bis Ende August noch 20 Aufführungen gegeben. In der letzten Vorstellung übernahm der Komponist selbst den Stab und dirigierte von der Verwandlungsmusik im III. Aufzug an bis zum Ende. – Es war das einzige Mal, dass Wagner in seinem Festspielhaus eine öffentliche Aufführung leitete. <br /> <br /> Die Reaktion des Publikums – darunter auch viele Künstler und Musiker – war durchweg positiv und entsprach der Intention Wagners, mit seinem Bühnenweihfestspiel einen Effekt der „Sammlung“ zu erzielen, in einer Gesinnungs-Gemeinschaft besinnlich reflektieren und meditieren zu können. <br /> Bei vielen traf er den Nerv. Der junge [[Gustav Mahler]] schrieb, dass er keines Wortes fähig aus dem Festspielhaus hinausgetreten sei und gewusst habe, dass ihm das Größte und Schmerzlichste nun aufgegangen wäre. [[Claude Debussy]] hielt fest, dass die Musik zu Parsifal von erlesener Schönheit und sie eines der schönsten Klangdenkmäler sei, die zum unvergänglichen Ruhm der Musik errichtet worden seien.<br /> <br /> == Zur Aufführungspraxis ==<br /> Nach dem ausdrücklichen Willen Wagners und seiner Erben sollte der ''Parsifal'' ausschließlich in Bayreuth zur Aufführung kommen. Kurz nach dem Tod des Komponisten wurde von seiner Witwe [[Cosima Wagner|Cosima]] eine Sonder-Aufführung in München für [[Ludwig II. (Bayern)|König Ludwig II.]] gestattet. Die erste szenische Aufführung des ''Parsifal'' außerhalb Bayreuths, die [[Heinrich Conried]] am 24. Dezember 1903 ohne Genehmigung Cosima Wagners an der [[Metropolitan Opera]] in [[New York City|New York]] durchführte, verärgerte Cosima dagegen derart, dass der Dirigent der Aufführung [[Alfred Hertz]] künftig von allen deutschen Bühnen verbannt war ([[Felix Mottl]], der die Oper ursprünglich einstudiert hatte, war als Dirigent im letzten Augenblick zurückgetreten). Cosima Wagner bemühte sich später nachdrücklich, den 1913 endenden [[Urheberrecht]]sschutz für das Werk verlängern zu lassen, worüber es zu einer kontroversen Auseinandersetzung im [[Reichstag (Deutsches Kaiserreich)|Reichstag]] kam. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit, so dass von 1913 an Aufführungen des ''Parsifal'' in aller Welt nichts mehr im Wege stand. Die erste legitime vollständige Aufführung des ''Parsifal'' nach dem Ende der Schutzfrist fand im [[Opernhaus Zürich]] 1913 statt, die erste Aufführung in Deutschland 1914 im damaligen Stadttheater in [[Halle (Saale)]].<br /> <br /> Lange Jahre war es üblich, nach Aufführungen des Parsifal wegen des „religiösen“ Charakters überhaupt nicht zu [[klatschen]]. Auch heute verzichtet das Publikum oft noch nach dem ersten Akt (Abendmahlszene) darauf. Wagner selbst hatte nichts gegen Beifall bei Parsifal-Aufführungen. Er wurde aber selbst, als er seinen „Blumenmädchen“ des zweiten Akts in die Musik hinein Beifall klatschte, ausgezischt.<br /> <br /> Traditionsgemäß wird ''Parsifal'' gern zu Ostern oder an den Tagen davor und danach gegeben – der dritte Akt spielt an einem Karfreitag. Zuweilen finden auch Aufführungen am Karfreitag statt, was wegen des ernsten und pseudo-religiösen Charakters des Werks in einigen deutschen Bundesländern erlaubt ist ([[Feiertage in Deutschland|Feiertagsgesetze]]).<br /> <br /> == Reflexionen ==<br /> === Friedrich Nietzsche ===<br /> Die Hinwendung Wagners zur Mitleidsethik des Christentums, zum Religiösen an sich, wie sie auch im ''Parsifal'' zum Ausdruck kommt, war einer der Gründe für die zunehmende Entfremdung und schließlich für den Bruch zwischen [[Friedrich Nietzsche]] und Wagner. Nietzsche schilderte dies später in einem Brief an [[Lou Andreas-Salomé|Lou von Salomé]]:<br /> :''Die letzten geschriebenen Worte Wagner’s an mich stehen in einem schönen Widmungs-Exemplar des Parsifal „Meinem theuren Freunde Friedrich Nietzsche. Richard Wagner, Ober-Kirchenrath.“ Genau zu gleicher Zeit traf, von mir gesendet, bei ihm mein Buch „Menschliches Allzumenschliches“ ein – und damit war Alles &lt;u&gt;klar&lt;/u&gt;, aber auch Alles zu Ende.''&lt;ref&gt;Brief Nietzsches an Salomé, 16. Juli 1882, [[Nietzsche-Ausgabe#Die Colli-Montinari-Ausgabe|KSB]] 6, Nr. 269, S. 229.&lt;/ref&gt;<br /> <br /> Als Nietzsche Anfang 1887 in Monte Carlo zum ersten Male das Vorspiel zu Parsifal hörte, da bekannte der bekennende Antichrist und Pfarrerssohn, dass nichts Vergleichbares das „tiefe“ Christentum ausdrücken und zum Mitgefühl anregen würde; ein unbeschreiblicher Ausdruck von Größe und Mitleiden sei diese Musik. „Hat Wagner je etwas besser gemacht?“ … fragte er in einem Brief an seinen „Assistenten“ [[Peter Gast]] (Heinrich Köselitz) und versuchte, das Gehörte zu beschreiben:<br /> <br /> :''… ein außerordentliches Gefühl, Erlebnis und Ereignis der Seele im Grunde der Musik, das Wagner die höchste Ehre macht, eine Synthesis von Zuständen, die vielen Menschen, auch „höheren Menschen“, als unvereinbar gelten werden, von richtender Strenge, von „Höhe“ im erschreckenden Sinne des Wortes, von einem Mitwissen und Durchschauen, das eine Seele wie mit Messern durchschneidet – und von Mitleiden mit dem, was da geschaut und gerichtet wird.''<br /> <br /> === Hans Knappertsbusch ===<br /> [[Hans Knappertsbusch]], einer der berühmtesten Dirigenten des ''Parsifal'' in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, war von der Unverzichtbarkeit religiöser Symbole wie z.&amp;nbsp;B. dem Erscheinen der Taube am Ende des Werks überzeugt. Als [[Wieland Wagner]] eben dieses Symbol aus seiner Inszenierung entfernen wollte, weigerte sich Knappertsbusch zu dirigieren. Wieland behielt also die Taube bei, ließ sie aber nur so weit aus dem Schnürboden der Bayreuther Bühne herunterkommen, dass der Dirigent sie vom Pult steil nach oben blickend sehen konnte, während sie für das Publikum unsichtbar blieb. Der Legende nach ging Knappertsbusch später zu Wieland Wagner und legte ihm wortlos ein Stück Bindfaden auf den Schreibtisch.<br /> <br /> === Adolf Hitler ===<br /> Auch [[Adolf Hitler]], der seit seiner Jugendzeit in Wien ein glühender Wagner-Verehrer war, gab ein Urteil ab und bezeichnete den Parsifal als die Schlüsseloper par excellence. <br /> <br /> Ab 1934 nahm Hitler per Verfügung Einfluss auf die Bayreuther Parsifal-Inszenierung. Er steuerte mit seinem ehemaligen Maler-Idol [[Alfred Roller]] aus Wien Ideen zum Bühnenbild bei, wollte bereits damals eine Art „Entrümpelung“, weg vom allzu christlichen Weihegetue. &lt;!--Hitler hätte nur zu gerne den echten Gral besessen und beauftragte unter anderen [[Otto Rahn]], in Süd-Frankreich nach dem Heiligen Gral zu suchen.--&gt;<br /> <br /> === Thomas Mann ===<br /> [[Thomas Mann]], der sich immer wieder mit dem „Phänomen Wagner“ auseinandersetzte, ihm nach eigenen Worten Kunstglück und Kunsterkenntnis verdankte und ihn lange Zeit über all sein künstlerisches Denken und Tun stellte, aber auch ehrlich genug war, seine Liebe zu Wagner als „Liebe ohne Glauben“ zu bezeichnen, meinte, das Werk wäre in „seiner frommen Verderbtheit und ungeheuerlichen Schmerzensausdruckskraft sicher das Merkwürdigste, was es gibt“. In einem Brief an seinen Schriftstellerkollegen [[Ludwig Ewers]] schrieb er am 23. August 1909 nach einer Parsifal-Aufführung: <br /> <br /> :''Obgleich ich recht skeptisch hinging und das Gefühl hatte, nach Lourdes oder zu einer Wahrsagerin oder an sonst an einen Ort suggestiven Schwindels zu pilgern, war ich schließlich doch tief erschüttert. Gewisse Stellen namentlich im III. Akt, die Karfreitagsmusik, die Taufe, Salbung etc., dann aber auch das unvergessliche Schlussbild – sind bedeutend und durchaus unwiderstehlich […] Eine so furchtbare Ausdruckskraft gibt es doch wohl in allen Künsten nicht wieder. Die Akzente der Zerknirschung und Qual, an denen Wagner sein ganzes Leben lang geübt hat, kommen erst hier zu ihrer endgültigen Intensität …''<br /> <br /> == Bedeutende Einspielungen ==<br /> * Amfortas: [[George London]] – Titurel: [[Arnold van Mill]] – Gurnemanz: [[Ludwig Weber (Sänger)|Ludwig Weber]] – Parsifal: [[Wolfgang Windgassen]] – Klingsor: [[Hermann Uhde]] – Kundry: [[Martha Mödl]] – Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele – [[Hans Knappertsbusch]] (1951). *ADD<br /> * Amfortas: [[Thomas Stewart (Sänger)|Thomas Stewart]] – Titurel: [[Karl Ridderbusch]] – Gurnemanz: [[Franz Crass]] – Parsifal: [[James King]] – Klingsor: [[Donald McIntyre]] – Kundry: [[Gwyneth Jones]] – Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele – [[Pierre Boulez]] (1970). *ADD<br /> * Amfortas: [[Dietrich Fischer-Dieskau]] – Titurel: [[Hans Hotter]] – Gurnemanz: [[Gottlob Frick]] – Parsifal: [[René Kollo]] – Klingsor: [[Zoltán Kelemen]] – Kundry: [[Christa Ludwig]] – Wiener Staatsopernchor – [[Wiener Philharmoniker]] – [[Georg Solti|Sir Georg Solti]] (1971/72). *ADD<br /> * Amfortas: [[José van Dam]] – Titurel: [[Victor von Halem]] – Gurnemanz: [[Kurt Moll]] – Parsifal: [[Peter Hofmann (Sänger)|Peter Hofmann]] – Klingsor: [[Siegmund Nimsgern]] – Kundry: [[Dunja Vejzovic]] – Chor der Deutschen Oper Berlin – [[Berliner Philharmoniker]] – [[Herbert von Karajan]] (1979/80). *DDD<br /> * Amfortas: [[Bernd Weikl]] – Titurel: [[Matti Salminen]] – Gurnemanz: [[Kurt Moll]] – Parsifal: [[James King]] – Klingsor: [[Franz Mazura]] – Kundry: [[Yvonne Minton]] – [[Tölzer Knabenchor]] – Chor und Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks – [[Rafael Kubelik]] (1980). *ADD<br /> * Amfortas: [[Simon Estes]] – Titurel: [[Matti Salminen]] – Gurnemanz: [[Hans Sotin]] – Parsifal: [[Peter Hofmann (Sänger)|Peter Hofmann]] – Klingsor: [[Franz Mazura]] – Kundry: [[Waltraud Meier]] – Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele – [[James Levine]] (1985). *DDD<br /> * Amfortas: José van Dam – Titurel: [[James Morris]] – Gurnemanz: Kurt Moll – Parsifal: [[Plácido Domingo]] – Klingsor: [[Ekkehard Wlaschiha]] – Kundry: [[Jessye Norman]] – Chor und Orchester der Metropolitan Opera – James Levine (1988). *DDD <br /> * Amfortas: [[Falk Struckmann]] – Titurel: [[Ain Anger]] – Gurnemanz: [[Franz-Josef Selig]] – Parsifal: Placido Domingo – Klingsor: [[Wolfgang Brankl]] – Kundry: Waltraud Meier – Chor und Orchester der Wiener Staatsoper – [[Christian Thielemann]] (2005). *DDD <br /> * Amfortas: [[José van Dam]] – Titurel: Matti Salminen – Gurnemanz: Matthias Hölle – Parsifal: [[Siegfried Jerusalem]] – Klingsor: [[Günter von Kannen]] – Kundry: Waltraud Meier – Chor der Staatsoper Berlin, Berliner Philharmoniker – [[Daniel Barenboim]] (1995). *DDD<br /> <br /> == Allgemeines ==<br /> * ''WWV (Wagner-Werke-Verzeichnis)'': 111<br /> * ''Verlag'': [[B. Schott’s Söhne]], [[Mainz]] (Richard-Wagner-Gesamtausgabe)<br /> <br /> == Einzelnachweise und Literatur ==<br /> &lt;references /&gt;<br /> * Sven Friedrich: ''Richard Wagner, Deutung und Wirkung.'' Würzburg 2004<br /> * Felix Gross: ''Der Mythos Richard Wagners.'' Wien 1931<br /> * Werner Huemer: ''Die Botschaft aus dem Gral.'' Stuttgart 2002<br /> * Ulrike Kienzle: ''… daß wissend würde die Welt!'' Würzburg 2005<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Gott und Gral.'' Würzburg 2007<br /> * Horst Obleser: ''Parzival auf der Suche.'' Leinfelden 1997<br /> * Daniel Schneller: ''Richard Wagners Parsifal und die Erneuerung des Mysteriendramas in Bayreuth.'' Bern 1999<br /> <br /> == Weblinks ==<br /> * [http://www.opera-guide.ch/synopsis.php?id=418&amp;uilang=de&amp;lang=de Synopse der Handlung]<br /> * [http://www.richard-wagner-werkstatt.com/texte/?W=Parsifal/ Textbuch und Szenenübersicht zu Parsifal ]<br /> * [http://www.richard-wagner-postkarten.de/postkarten/par.php Richard Wagner Postkarten-Galerie – Bilder zu Parsifal]<br /> <br /> [[Kategorie:Oper (Werk)|Parsifal]]<br /> [[Kategorie:Oper in deutscher Sprache|Parsifal]]<br /> [[Kategorie:Werk von Richard Wagner|Parsifal]]<br /> [[Kategorie:1882|Parsifal]]<br /> <br /> [[ca:Parsifal]]<br /> [[da:Parsifal]]<br /> [[el:Πάρσιφαλ (όπερα)]]<br /> [[en:Parsifal]]<br /> [[es:Parsifal]]<br /> [[fi:Parsifal]]<br /> [[fr:Parsifal]]<br /> [[ga:Parsifal]]<br /> [[hu:Parsifal (opera)]]<br /> [[it:Parsifal (opera)]]<br /> [[ja:パルジファル]]<br /> [[ko:파르지팔]]<br /> [[nl:Parsifal]]<br /> [[no:Parsifal]]<br /> [[pl:Parsifal (opera)]]<br /> [[pt:Parsifal]]<br /> [[ru:Парсифаль (опера)]]<br /> [[simple:Parsifal]]<br /> [[sl:Parsifal (opera)]]<br /> [[sr:Парсифал]]<br /> [[sv:Parsifal (opera)]]<br /> [[tr:Parsifal]]<br /> [[vls:Parsifal]]<br /> [[zh:帕西法尔]]</div> Pdiffenderfer https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Parsifal&diff=59375720 Parsifal 2009-04-24T18:19:34Z <p>Pdiffenderfer: </p> <hr /> <div>{{Dieser Artikel|behandelt die Wagner-Oper Parsifal. &lt;br /&gt; Für den Helden dieser Oper und zum gleichnamigen epischen Werk von Wolfram von Eschenbach siehe [[Parzival]].}}<br /> {{Infobox Oper<br /> |T = Parsifal<br /> |OS = deutsch<br /> |Form = [[durchkomponiert]]<br /> |Mus = Richard Wagner<br /> |Lib = Richard Wagner<br /> |UA = 26. Juli 1882<br /> |UAort = [[Bayreuther Festspielhaus|Festspielhaus]], [[Bayreuth]]<br /> |Dauer = ca. 4 Stunden<br /> |OrtZeit = frühes Mittelalter<br /> |Pers = <br /> * Amfortas, Gralskönig (Bariton)<br /> * Titurel, Amfortas’ Vater (Bass)<br /> * Gurnemanz, Gralsritter (Bass)<br /> * Parsifal (Tenor)<br /> * Klingsor (Bass)<br /> * Kundry (Sopran oder Mezzosopran)<br /> * Zwei Gralsritter (Tenor und Bass)<br /> * Vier Knappen (Sopran und Tenor)<br /> * Klingsors Zaubermädchen (6 Einzelsängerinnen, Sopran und Alt)<br /> * Stimme aus der Höhe (Alt)<br /> * Chor:<br /> ** Zaubermädchen (Sopran und Alt)<br /> ** Bruderschaft der Gralsritter (Tenor und Bass)<br /> ** Jünglinge und Knaben (Tenor, Sopran und Alt)<br /> }}<br /> <br /> [[File:Parsifal vor der Gralsburg.JPG|left|thumb|350px|&quot;Parsifal vor der Gralsburg&quot; — Weimar 1928 von Hans Werner Schmidt (1859–1950)]]<br /> <br /> '''Parsifal''' ist der Titel des letzten [[Oper|musikdramatischen]] Werks von [[Richard Wagner]]. Wagner selbst bezeichnete das dreiaktige Stück als ein ''Bühnenweihfestspiel'' und verfügte, dass es ausschließlich im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt werden sollte.<br /> <br /> == Intention Wagners ==<br /> [[Datei:Wagner Parsifal 1877.jpg|links| thumb|140px| Titelblatt der Text-Broschur als Erstdruck]]<br /> Auf den ersten Blick wirkt Wagners Bühnenweihfestspiel wie ein „religiöses Werk“, mit weihevoller Musik, Monstranzenthüllung (Gral), Taufe, christlichem Abendmahlsritual usw. Bereits in seinen Züricher Kunstschriften entwickelte er die Idee, den Kern des Religiösen durch Kunst zu verdeutlichen. In ''[[Religion und Kunst]]'', schreibt er zusammenfassend:<br /> <br /> :''Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten sei, den Kern der Religion zu retten, indem sie die mythischen Symbole, welche sie im eigentlichen Sinne als wahr geglaubt wissen will, ihrem sinnbildlichen Werte nach erfasst, um durch ideale Darstellung derselben die in ihnen verborgene tiefe Wahrheit erkennen zu lassen.''<br /> <br /> Wagner erklärt, dass er zur Transformierung seiner gleichnishaften Botschaft, nämlich Erlösung und Regeneration der Menschheit durch Mitleid – dargestellt durch den suchenden Parsifal und den leidenden Amfortas – eine Kunstform gewählt habe, die mit religiöser Symbolik eine „entrückende Wirkung auf das Gemüt“ ausüben solle.<br /> <br /> == Entstehungsgeschichte ==<br /> <br /> Wagner beschäftigte sich schon 1845 in Marienbad, als er ''Lohengrin'' entwarf und die erste Idee für ''Die Meistersinger von Nürnberg'' niederschrieb, mit dem Stoff der Sage, doch die erste Skizze mit dem Titel „[[Parzival]]“ entstand erst 1857 in Zürich. 1865 bat [[Ludwig II. (Bayern)|König Ludwig II.]] von [[Königreich Bayern|Bayern]], der seit 1864 Wagner finanziell unterstützte, den Parzival-Plan auszuführen. Daraufhin entstand der erste Prosaentwurf des Werks. Nachdem die ersten [[Bayreuther Festspiele]] mit der Aufführung des [[Ring des Nibelungen]] beendet waren, begann Wagner auf Bitten seiner Frau [[Cosima Wagner|Cosima]] – die in ihren Tagebüchern den gesamten Entstehungsprozess detailliert festgehalten hat – im Januar 1877 mit der Verwirklichung seiner alten Parzival-Pläne. Bald änderte Wagner die Schreibweise des Namens zu „Parsifal“, indem er sich auf die angeblich persischen Worte für „rein“ (fal) und „Tor“ (parsi) bezog. Als im Herzen reiner Tor ist die Figur des ''Parsifal'' im Werk auch angelegt. Mit der Komposition begann Wagner im September 1877, im April 1879 waren die Orchesterskizzen für alle drei Akte fertig, doch sollte es noch bis Januar 1882 dauern, bis das Werk (während eines längeren Aufenthaltes in [[Palermo]]) vollständig komponiert und die [[Partitur]] vollendet war. <br /> Im November 1880 erklang erstmals das Orchester-Vorspiel des ersten Aufzugs in einer Privataufführung für König [[Ludwig II. von Bayern]] in München.<br /> <br /> Die Verlagsrechte verkaufte Wagner zu einem damals hohen Preis von 100.000 RM an die Nachfolger seines Verlegerfreundes [[Franz Schott]] in Mainz, die somit auch die 2. Festspiele mitfinanzierten.<br /> <br /> == Historischer Hintergrund ==<br /> <br /> Die Handlung geht zurück auf das Versepos [[Wolfram von Eschenbach|Wolframs von Eschenbach]], strafft und konzentriert jedoch die Geschichte und verändert vor allem die szenischen Requisiten Gral und Speer. Die Personen werden auf wenige Hauptfiguren reduziert, die Handlung auf den in fast allen Werken Wagners dominierenden Erlösungsgedanken konzentriert. <br /> <br /> König Titurel ist im Besitz zweier wundertätiger [[Reliquie]]n, [[Gral]] und [[Heilige Lanze|Heiliger Speer]]. Der Gral diente als Trinkbecher beim letzten Abendmahl und fing das Blut Christi am Kreuz auf. Der Speer ist jener, mit dem Jesus am Kreuz seine Seitenwunde beigebracht wurde. Titurel hat Ritter um sich gesammelt, die, von den Reliquien gestärkt, in die Welt ziehen und für das Gute kämpfen. Auch Klingsor bemühte sich einst, der Gralsgemeinschaft angehören zu dürfen, wurde aber wegen seiner Unkeuschheit abgelehnt. Daraufhin entmannte er sich selbst und schuf sich in der Wüste ein Gegenreich, einen Zaubergarten mit verführerischen Frauen, und schwor, den König und seine Ritter zu entmachten und die Reliquien an sich zu bringen.<br /> <br /> Den Anfechtungen hielten manche der Ritter nicht stand, so dass Titurels Sohn Amfortas als junger Gralskönig beschloss, mit der heiligen Lanze bewaffnet gegen Klingsor in den Kampf zu ziehen. Doch auch er wurde von einer geheimnisvollen Frau verführt. Es gelang Klingsor, ihm dabei die Lanze, den heiligen Speer zu entwenden. Amfortas trägt seitdem eine Verwundung, die Klingsor ihm mit diesem Speer schlug, eine Wunde, an der Amfortas seitdem entsetzlich leidet. Denn die Wunde schließt sich nicht mehr. Mit jeder neuen Enthüllung des Grals, wodurch die gesamte Ritterschaft genährt wird, bricht sie von neuem auf.<br /> <br /> == Handlung ==<br /> <br /> === 1. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg ===<br /> [[Datei:1_Act1-_Vorspiel.ogg|miniatur|Vorspiel Parsifal, Bayreuth 1951, Festspielorchester, Hans Knappertbusch]]<br /> [[Datei:Hermann Hendrich Parsifal.jpg|miniatur|rechts|''Parsifal'' von [[Hermann Hendrich]]]]<br /> Auf einer Waldlichtung nahe der Gralsburg weckt Ritter Gurnemanz einige Knappen. Er fordert sie auf zu beten und das Morgenbad des jungen Königs Amfortas vorzubereiten. [[Cundrie la Surziere|Kundry]], die geheimnisvoll wilde Helferin der Gralsritter, kommt eilig herbeigeritten. Mit letzter Kraft überreicht sie Balsam für den verletzten König. Doch halb verzweifelt, halb spöttisch bemerkt sie, er werde wohl so wenig helfen wie das [[Heilkräuter|Heilkraut]], das Ritter Gawan bereits gebracht hat. Kundry wird von den Knappen als „Heidin“ und „Zauberweib“ verhöhnt. Nur Gurnemanz nimmt sie in Schutz, als die Knappen spottend fordern, Kundry solle doch losziehen, um die verloren gegangene heilige Lanze zurückzuholen. Jetzt erzählt Gurnemanz, dass nach einer [[Prophezeiung]] nur ein „durch Mitleid wissender“ reiner Tor den Speer zurückgewinnen und damit Amfortas heilen könne. Denn die Wunde schließe nur der Speer, der sie auch schlug. <br /> <br /> Die Szene wird durch Lärm vom nahen See gestört. Die Ritter fingen einen Knaben, der einen Schwan mit Pfeil und Bogen getötet hat. Es ist Parsifal, der Sohn der Herzeleide und des im Kampf gefallenen Ritters Gamuret. Der Knabe wuchs unter der Obhut seiner Mutter im Wald ohne Kontakt zur Außenwelt auf. Er weiß selbst weder seinen Namen, noch woher er kommt und wer sein Vater ist. Doch Kundry kennt seine Geschichte und erzählt vom Tod seiner Mutter. Gurnemanz glaubt, den in der Vision des Amfortas angekündigten „reinen Toren“ gefunden zu haben und nimmt ihn, während Kundry in einen hypnotischen Schlaf fällt, mit zur Gralsburg.<br /> <br /> Dort versammeln sich die Ritter, Amfortas, Titurel und, als stummer Zuschauer, Parsifal zur Enthüllung des Grals. Amfortas beklagt seine Schmerzen, die der Anblick des Grals nur kurz lindern kann. Titurel und die Ritter fordern ihn auf, den Gral zu enthüllen. Der Kelch mit dem Blut Christi leuchtet in einem magischen Lichtschein. Die Ritter nehmen daraufhin das Mahl, Brot und Wein, und verlassen danach gestärkt den Tempel. Parsifal ist nicht fähig, zu all dem, was er sah, etwas zu sagen und wird von Gurnemanz, der glaubt, sich in ihm getäuscht zu haben, vor die Tür gesetzt. Jedoch: eine Stimme aus der Höhe wiederholt mit den letzten Klängen der Gralsglocken die Worte der Prophezeiung: „Durch Mitleid wissend, der reine Tor“.<br /> [[Datei:Villa Rufolo Garten.JPG|miniatur|Garten der Villa Rufolo, dem Modell des „Zaubergartens“]]<br /> <br /> === 2. Aufzug, Klingsors Zaubergarten ===<br /> <br /> Der zweite Akt führt in eine andere, fantastische Welt. Klingsor beobachtet in seinem Zauberspiegel Parsifal, der sich seiner Burg und dem Zaubergarten nähert. Mit Kundry als Werkzeug will er dem Toren die Unschuld rauben. Jetzt kommt die Rolle der Kundry ans Tageslicht: Indem sie Jesus auf seinem Weg zur Kreuzigung verhöhnt hat, sucht sie ihn nun „von Welt zu Welt“, in immer neuen Wiedergeburten, um Erlösung von ihrer Schuld zu finden. Voll Todessehnsucht dient sie seither zum einen freiwillig büßend den Gralsrittern als Helferin, zum anderen gelingt es dem Zauberer Klingsor immer wieder, sie in seinen Bann zu ziehen und als willenloses, schönes Werkzeug der Verlockung zu missbrauchen. Sie war es auch, die in veränderter Gestalt Amfortas verführt hat. <br /> <br /> Erlösung kann sie nur erlangen, wenn ein Mann ihrer Verführung widersteht. Sie fügt sich nur widerstrebend dem Befehl Klingsors, Parsifal zu bezwingen, muss aber seiner Macht gehorchen. Nachdem Parsifal den unschuldigen Verlockungen der Zaubermädchen, alles Blumen in Klingsors Garten, entfliehen will, ruft Kundry ihn mit seinem Namen. Sie eröffnet ihm damit seine wahre Identität und erzählt dem Knaben vom Tod seiner Mutter. Tröstend, aber mit der Absicht, ihn in die Liebe einzuführen, schließt sie ihn in ihre Arme. Doch in dem Moment eines langen Kusses erkennt Parsifal die Zusammenhänge und die Ursache von Amfortas′ Leiden, er wird „welthellsichtig“. Parsifal stößt Kundry zurück und verspricht ihr dafür Erlösung. Ihr Ausbruch von rasendem Lachen und Schreien ruft Klingsor herbei, der den heiligen Speer auf Parsifal schleudert. Der Speer bleibt schwebend über Parsifal stehen, der ergreift ihn, schlägt damit das Kreuzzeichen, worauf Kundry und Klingsor, mit ihnen der gesamte Zaubergarten, zusammenbrechen. Kundry blickt im Zusammensinken nach Parsifal, der ihr im Enteilen noch zuruft: „Du weißt, wo du mich wiederfinden kannst!“<br /> <br /> === 3. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg ===<br /> <br /> Das Orchestervorspiel stellt die labyrinthische Irrfahrt Parsifals dar, der zur Gralsburg zurückzufinden sucht. <br /> <br /> Jahre sind vergangen. Gurnemanz lebt nun allein als Einsiedler im Wald und findet dort eines Morgens Kundry in tiefer Ohnmacht im Gestrüpp. Nachdem sie erwacht, ist sie ganz verwandelt – sanft, hilfsbereit und schweigsam. Ein Ritter in schwarzer Rüstung betritt die Szene, und Gurnemanz verweist dem Unbekannten am heilgen Karfreitag mit Waffen aufzutreten. Als Parsifal sein Visier öffnet und die Rüstung ablegt, erkennt Gurnemanz hocherfreut, dass es Parsifal mit dem heiligen Speer ist, den er zurückgeholt hat. <br /> <br /> Er begrüßt ihn schlicht und berichtet vom Tod Titurels und davon, dass die Gralsrunde zerfallen ist, weil die Zeremonie durch Amfortas nie mehr vollzogen wurde. Nur zur Totenfeier für Titurel will Amfortas noch einmal, ein letztes mal, den Gral enthüllen. Kundry wäscht Parsifal die Füße und Gurnemanz salbt und segnet ihn, damit er rein von allen Sünden und aller Irrfahrt Staub von ihm gewaschen sei. Durch diese Handlungen wird Parsifal zum neuen Gralskönig. Als sein „erstes Amt“ spendet er Kundry, die heftig weint, die Taufe. Staunend nehmen Parsifal und Gurnemanz die wie verwandelt erscheinende Blumenaue wahr, als ob sie durch Kundrys Reuetränen aufgeblüht wäre – bedeutungsvoll spricht Gurnemanz: „Das ist Karfreitagszauber, Herr“. Es ist Mittag, Glockengeläut von der Gralsburg ertönt. Gemeinsam machen sich alle drei auf den Weg zur Burg. <br /> <br /> Dort hat sich die in zwei Gruppen gespaltene Ritterschaft versammelt. Amfortas beklagt seinen toten Vater, der durch seine Schuld, weil er den lebensspendenden Gral nicht mehr enthüllte, gestorben ist und erfleht verzweifelt seine Erlösung: die Ritter sollen ihn töten, von selbst dann würde ihnen wohl der Gral leuchten. Bevor es dazu kommt, betreten Parsifal und seine Begleiter den Tempel. Mit der heiligen Lanze schließt Parsifal Amfortas Wunde, er übernimmt sein Amt und enthüllt den Gral. Aus der Höhe kommt eine weiße Taube als Zeichen besonderer Gnade herab und schwebt über Parsifal und dem erglühenden Gral. Kundry ist von ihrem Fluch erlöst, sie darf, was sie sich seit Jahrhunderten gewünscht hat, sterben und sinkt „entseelt“, wie es bei Wagner heißt, zu Boden. Parsifal verfügt die Öffnung des Grals für alle Zeiten: „Nicht soll der mehr verschlossen sein!“ <br /> <br /> Das einst durch Amfortas entweihte Heiligtum ist wieder vollständig – Gral und heiliger Speer sind vereint. Aus der Höhe besingen Knabenstimmen die wunderbare Rettung der Gralsgemeinschaft: „Höchsten Heiles Wunder: Erlösung dem Erlöser.“<br /> <br /> == Die ersten Aufführungen ==<br /> Die [[Uraufführung]] fand zu den 2. Bayreuther Festspielen am 26. Juli 1882 statt und wurde von [[Hermann Levi]] dirigiert. Das Bühnenbild schuf [[Paul von Joukowsky]], den Wagner auf seinen Italienreisen in [[Neapel]] kennengelernt hatte. Demzufolge war die Bühne mediterran beeinflusst: Der Gralstempel der Uraufführung erinnerte an den Dom von [[Siena]], Klingsors Zauberschloss war vom Garten des Palazzo Rufolo in [[Ravello]] beeinflusst.<br /> Insgesamt wurden bis Ende August noch 20 Aufführungen gegeben. In der letzten Vorstellung übernahm der Komponist selbst den Stab und dirigierte von der Verwandlungsmusik im III. Aufzug an bis zum Ende. – Es war das einzige Mal, dass Wagner in seinem Festspielhaus eine öffentliche Aufführung leitete. <br /> <br /> Die Reaktion des Publikums – darunter auch viele Künstler und Musiker – war durchweg positiv und entsprach der Intention Wagners, mit seinem Bühnenweihfestspiel einen Effekt der „Sammlung“ zu erzielen, in einer Gesinnungs-Gemeinschaft besinnlich reflektieren und meditieren zu können. <br /> Bei vielen traf er den Nerv. Der junge [[Gustav Mahler]] schrieb, dass er keines Wortes fähig aus dem Festspielhaus hinausgetreten sei und gewusst habe, dass ihm das Größte und Schmerzlichste nun aufgegangen wäre. [[Claude Debussy]] hielt fest, dass die Musik zu Parsifal von erlesener Schönheit und sie eines der schönsten Klangdenkmäler sei, die zum unvergänglichen Ruhm der Musik errichtet worden seien.<br /> <br /> == Zur Aufführungspraxis ==<br /> Nach dem ausdrücklichen Willen Wagners und seiner Erben sollte der ''Parsifal'' ausschließlich in Bayreuth zur Aufführung kommen. Kurz nach dem Tod des Komponisten wurde von seiner Witwe [[Cosima Wagner|Cosima]] eine Sonder-Aufführung in München für [[Ludwig II. (Bayern)|König Ludwig II.]] gestattet. Die erste szenische Aufführung des ''Parsifal'' außerhalb Bayreuths, die [[Heinrich Conried]] am 24. Dezember 1903 ohne Genehmigung Cosima Wagners an der [[Metropolitan Opera]] in [[New York City|New York]] durchführte, verärgerte Cosima dagegen derart, dass der Dirigent der Aufführung [[Alfred Hertz]] künftig von allen deutschen Bühnen verbannt war ([[Felix Mottl]], der die Oper ursprünglich einstudiert hatte, war als Dirigent im letzten Augenblick zurückgetreten). Cosima Wagner bemühte sich später nachdrücklich, den 1913 endenden [[Urheberrecht]]sschutz für das Werk verlängern zu lassen, worüber es zu einer kontroversen Auseinandersetzung im [[Reichstag (Deutsches Kaiserreich)|Reichstag]] kam. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit, so dass von 1913 an Aufführungen des ''Parsifal'' in aller Welt nichts mehr im Wege stand. Die erste legitime vollständige Aufführung des ''Parsifal'' nach dem Ende der Schutzfrist fand im [[Opernhaus Zürich]] 1913 statt, die erste Aufführung in Deutschland 1914 im damaligen Stadttheater in [[Halle (Saale)]].<br /> <br /> Lange Jahre war es üblich, nach Aufführungen des Parsifal wegen des „religiösen“ Charakters überhaupt nicht zu [[klatschen]]. Auch heute verzichtet das Publikum oft noch nach dem ersten Akt (Abendmahlszene) darauf. Wagner selbst hatte nichts gegen Beifall bei Parsifal-Aufführungen. Er wurde aber selbst, als er seinen „Blumenmädchen“ des zweiten Akts in die Musik hinein Beifall klatschte, ausgezischt.<br /> <br /> Traditionsgemäß wird ''Parsifal'' gern zu Ostern oder an den Tagen davor und danach gegeben – der dritte Akt spielt an einem Karfreitag. Zuweilen finden auch Aufführungen am Karfreitag statt, was wegen des ernsten und pseudo-religiösen Charakters des Werks in einigen deutschen Bundesländern erlaubt ist ([[Feiertage in Deutschland|Feiertagsgesetze]]).<br /> <br /> == Reflexionen ==<br /> === Friedrich Nietzsche ===<br /> Die Hinwendung Wagners zur Mitleidsethik des Christentums, zum Religiösen an sich, wie sie auch im ''Parsifal'' zum Ausdruck kommt, war einer der Gründe für die zunehmende Entfremdung und schließlich für den Bruch zwischen [[Friedrich Nietzsche]] und Wagner. Nietzsche schilderte dies später in einem Brief an [[Lou Andreas-Salomé|Lou von Salomé]]:<br /> :''Die letzten geschriebenen Worte Wagner’s an mich stehen in einem schönen Widmungs-Exemplar des Parsifal „Meinem theuren Freunde Friedrich Nietzsche. Richard Wagner, Ober-Kirchenrath.“ Genau zu gleicher Zeit traf, von mir gesendet, bei ihm mein Buch „Menschliches Allzumenschliches“ ein – und damit war Alles &lt;u&gt;klar&lt;/u&gt;, aber auch Alles zu Ende.''&lt;ref&gt;Brief Nietzsches an Salomé, 16. Juli 1882, [[Nietzsche-Ausgabe#Die Colli-Montinari-Ausgabe|KSB]] 6, Nr. 269, S. 229.&lt;/ref&gt;<br /> <br /> Als Nietzsche Anfang 1887 in Monte Carlo zum ersten Male das Vorspiel zu Parsifal hörte, da bekannte der bekennende Antichrist und Pfarrerssohn, dass nichts Vergleichbares das „tiefe“ Christentum ausdrücken und zum Mitgefühl anregen würde; ein unbeschreiblicher Ausdruck von Größe und Mitleiden sei diese Musik. „Hat Wagner je etwas besser gemacht?“ … fragte er in einem Brief an seinen „Assistenten“ [[Peter Gast]] (Heinrich Köselitz) und versuchte, das Gehörte zu beschreiben:<br /> <br /> :''… ein außerordentliches Gefühl, Erlebnis und Ereignis der Seele im Grunde der Musik, das Wagner die höchste Ehre macht, eine Synthesis von Zuständen, die vielen Menschen, auch „höheren Menschen“, als unvereinbar gelten werden, von richtender Strenge, von „Höhe“ im erschreckenden Sinne des Wortes, von einem Mitwissen und Durchschauen, das eine Seele wie mit Messern durchschneidet – und von Mitleiden mit dem, was da geschaut und gerichtet wird.''<br /> <br /> === Hans Knappertsbusch ===<br /> [[Hans Knappertsbusch]], einer der berühmtesten Dirigenten des ''Parsifal'' in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, war von der Unverzichtbarkeit religiöser Symbole wie z.&amp;nbsp;B. dem Erscheinen der Taube am Ende des Werks überzeugt. Als [[Wieland Wagner]] eben dieses Symbol aus seiner Inszenierung entfernen wollte, weigerte sich Knappertsbusch zu dirigieren. Wieland behielt also die Taube bei, ließ sie aber nur so weit aus dem Schnürboden der Bayreuther Bühne herunterkommen, dass der Dirigent sie vom Pult steil nach oben blickend sehen konnte, während sie für das Publikum unsichtbar blieb. Der Legende nach ging Knappertsbusch später zu Wieland Wagner und legte ihm wortlos ein Stück Bindfaden auf den Schreibtisch.<br /> <br /> === Adolf Hitler ===<br /> Auch [[Adolf Hitler]], der seit seiner Jugendzeit in Wien ein glühender Wagner-Verehrer war, gab ein Urteil ab und bezeichnete den Parsifal als die Schlüsseloper par excellence. <br /> <br /> Ab 1934 nahm Hitler per Verfügung Einfluss auf die Bayreuther Parsifal-Inszenierung. Er steuerte mit seinem ehemaligen Maler-Idol [[Alfred Roller]] aus Wien Ideen zum Bühnenbild bei, wollte bereits damals eine Art „Entrümpelung“, weg vom allzu christlichen Weihegetue. &lt;!--Hitler hätte nur zu gerne den echten Gral besessen und beauftragte unter anderen [[Otto Rahn]], in Süd-Frankreich nach dem Heiligen Gral zu suchen.--&gt;<br /> <br /> === Thomas Mann ===<br /> [[Thomas Mann]], der sich immer wieder mit dem „Phänomen Wagner“ auseinandersetzte, ihm nach eigenen Worten Kunstglück und Kunsterkenntnis verdankte und ihn lange Zeit über all sein künstlerisches Denken und Tun stellte, aber auch ehrlich genug war, seine Liebe zu Wagner als „Liebe ohne Glauben“ zu bezeichnen, meinte, das Werk wäre in „seiner frommen Verderbtheit und ungeheuerlichen Schmerzensausdruckskraft sicher das Merkwürdigste, was es gibt“. In einem Brief an seinen Schriftstellerkollegen [[Ludwig Ewers]] schrieb er am 23. August 1909 nach einer Parsifal-Aufführung: <br /> <br /> :''Obgleich ich recht skeptisch hinging und das Gefühl hatte, nach Lourdes oder zu einer Wahrsagerin oder an sonst an einen Ort suggestiven Schwindels zu pilgern, war ich schließlich doch tief erschüttert. Gewisse Stellen namentlich im III. Akt, die Karfreitagsmusik, die Taufe, Salbung etc., dann aber auch das unvergessliche Schlussbild – sind bedeutend und durchaus unwiderstehlich […] Eine so furchtbare Ausdruckskraft gibt es doch wohl in allen Künsten nicht wieder. Die Akzente der Zerknirschung und Qual, an denen Wagner sein ganzes Leben lang geübt hat, kommen erst hier zu ihrer endgültigen Intensität …''<br /> <br /> == Bedeutende Einspielungen ==<br /> * Amfortas: [[George London]] – Titurel: [[Arnold van Mill]] – Gurnemanz: [[Ludwig Weber (Sänger)|Ludwig Weber]] – Parsifal: [[Wolfgang Windgassen]] – Klingsor: [[Hermann Uhde]] – Kundry: [[Martha Mödl]] – Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele – [[Hans Knappertsbusch]] (1951). *ADD<br /> * Amfortas: [[Thomas Stewart (Sänger)|Thomas Stewart]] – Titurel: [[Karl Ridderbusch]] – Gurnemanz: [[Franz Crass]] – Parsifal: [[James King]] – Klingsor: [[Donald McIntyre]] – Kundry: [[Gwyneth Jones]] – Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele – [[Pierre Boulez]] (1970). *ADD<br /> * Amfortas: [[Dietrich Fischer-Dieskau]] – Titurel: [[Hans Hotter]] – Gurnemanz: [[Gottlob Frick]] – Parsifal: [[René Kollo]] – Klingsor: [[Zoltán Kelemen]] – Kundry: [[Christa Ludwig]] – Wiener Staatsopernchor – [[Wiener Philharmoniker]] – [[Georg Solti|Sir Georg Solti]] (1971/72). *ADD<br /> * Amfortas: [[José van Dam]] – Titurel: [[Victor von Halem]] – Gurnemanz: [[Kurt Moll]] – Parsifal: [[Peter Hofmann (Sänger)|Peter Hofmann]] – Klingsor: [[Siegmund Nimsgern]] – Kundry: [[Dunja Vejzovic]] – Chor der Deutschen Oper Berlin – [[Berliner Philharmoniker]] – [[Herbert von Karajan]] (1979/80). *DDD<br /> * Amfortas: [[Bernd Weikl]] – Titurel: [[Matti Salminen]] – Gurnemanz: [[Kurt Moll]] – Parsifal: [[James King]] – Klingsor: [[Franz Mazura]] – Kundry: [[Yvonne Minton]] – [[Tölzer Knabenchor]] – Chor und Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks – [[Rafael Kubelik]] (1980). *ADD<br /> * Amfortas: [[Simon Estes]] – Titurel: [[Matti Salminen]] – Gurnemanz: [[Hans Sotin]] – Parsifal: [[Peter Hofmann (Sänger)|Peter Hofmann]] – Klingsor: [[Franz Mazura]] – Kundry: [[Waltraud Meier]] – Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele – [[James Levine]] (1985). *DDD<br /> * Amfortas: José van Dam – Titurel: [[James Morris]] – Gurnemanz: Kurt Moll – Parsifal: [[Plácido Domingo]] – Klingsor: [[Ekkehard Wlaschiha]] – Kundry: [[Jessye Norman]] – Chor und Orchester der Metropolitan Opera – James Levine (1988). *DDD <br /> * Amfortas: [[Falk Struckmann]] – Titurel: [[Ain Anger]] – Gurnemanz: [[Franz-Josef Selig]] – Parsifal: Placido Domingo – Klingsor: [[Wolfgang Brankl]] – Kundry: Waltraud Meier – Chor und Orchester der Wiener Staatsoper – [[Christian Thielemann]] (2005). *DDD <br /> * Amfortas: [[José van Dam]] – Titurel: Matti Salminen – Gurnemanz: Matthias Hölle – Parsifal: [[Siegfried Jerusalem]] – Klingsor: [[Günter von Kannen]] – Kundry: Waltraud Meier – Chor der Staatsoper Berlin, Berliner Philharmoniker – [[Daniel Barenboim]] (1995). *DDD<br /> <br /> == Allgemeines ==<br /> * ''WWV (Wagner-Werke-Verzeichnis)'': 111<br /> * ''Verlag'': [[B. Schott’s Söhne]], [[Mainz]] (Richard-Wagner-Gesamtausgabe)<br /> <br /> == Einzelnachweise und Literatur ==<br /> &lt;references /&gt;<br /> * Sven Friedrich: ''Richard Wagner, Deutung und Wirkung.'' Würzburg 2004<br /> * Felix Gross: ''Der Mythos Richard Wagners.'' Wien 1931<br /> * Werner Huemer: ''Die Botschaft aus dem Gral.'' Stuttgart 2002<br /> * Ulrike Kienzle: ''… daß wissend würde die Welt!'' Würzburg 2005<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Gott und Gral.'' Würzburg 2007<br /> * Horst Obleser: ''Parzival auf der Suche.'' Leinfelden 1997<br /> * Daniel Schneller: ''Richard Wagners Parsifal und die Erneuerung des Mysteriendramas in Bayreuth.'' Bern 1999<br /> <br /> == Weblinks ==<br /> * [http://www.opera-guide.ch/synopsis.php?id=418&amp;uilang=de&amp;lang=de Synopse der Handlung]<br /> * [http://www.richard-wagner-werkstatt.com/texte/?W=Parsifal/ Textbuch und Szenenübersicht zu Parsifal ]<br /> * [http://www.richard-wagner-postkarten.de/postkarten/par.php Richard Wagner Postkarten-Galerie – Bilder zu Parsifal]<br /> <br /> [[Kategorie:Oper (Werk)|Parsifal]]<br /> [[Kategorie:Oper in deutscher Sprache|Parsifal]]<br /> [[Kategorie:Werk von Richard Wagner|Parsifal]]<br /> [[Kategorie:1882|Parsifal]]<br /> <br /> [[ca:Parsifal]]<br /> [[da:Parsifal]]<br /> [[el:Πάρσιφαλ (όπερα)]]<br /> [[en:Parsifal]]<br /> [[es:Parsifal]]<br /> [[fi:Parsifal]]<br /> [[fr:Parsifal]]<br /> [[ga:Parsifal]]<br /> [[hu:Parsifal (opera)]]<br /> [[it:Parsifal (opera)]]<br /> [[ja:パルジファル]]<br /> [[ko:파르지팔]]<br /> [[nl:Parsifal]]<br /> [[no:Parsifal]]<br /> [[pl:Parsifal (opera)]]<br /> [[pt:Parsifal]]<br /> [[ru:Парсифаль (опера)]]<br /> [[simple:Parsifal]]<br /> [[sl:Parsifal (opera)]]<br /> [[sr:Парсифал]]<br /> [[sv:Parsifal (opera)]]<br /> [[tr:Parsifal]]<br /> [[vls:Parsifal]]<br /> [[zh:帕西法尔]]</div> Pdiffenderfer https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Richard_Wagner&diff=59375708 Richard Wagner 2009-04-24T18:19:02Z <p>Pdiffenderfer: /* Intention Wagners */</p> <hr /> <div>{{Dieser Artikel|behandelt den Komponisten. Weitere Personen dieses Namens siehe unter [[Richard Wagner (Begriffsklärung)]].}}<br /> [[Bild:Richard Wagner by Caesar Willich ca 1862.jpg|thumb|220px|Richard Wagner (Porträt von Cäsar Willich), um 1862]]<br /> [[Bild:Wagner Luzern 1868.jpg|thumb|220px|Richard Wagner um 1868]]<br /> <br /> '''Wilhelm Richard Wagner''' (* [[22. Mai]] [[1813]] in [[Leipzig]]; † [[13. Februar]] [[1883]] in [[Venedig]] im Palazzo Vendramin-Calergi) war ein [[Liste deutscher Komponisten klassischer Musik|deutscher Komponist]], [[Dramatiker]], [[Schriftsteller]], [[Theaterregisseur]] und [[Dirigent]]. Mit seinen [[Musikdrama|Musikdramen]] gilt er als einer der bedeutendsten Erneuerer der europäischen Musik im 19. Jahrhundert. Er veränderte die Ausdrucksfähigkeit [[Musik der Romantik|romantischer Musik]] und die theoretischen und praktischen Grundlagen der [[Oper]], indem er dramatische Handlungen als [[Gesamtkunstwerk]] gestaltete und dazu Text, Musik und Regieanweisungen schrieb. Als erster Komponist gründete er Festspiele in dem von ihm geplanten [[Bayreuther Festspielhaus]]. Seine Neuerungen in der [[Harmonik]] beeinflussten die Entwicklung der Musik bis in die [[Neue Musik|Moderne]]. <br /> <br /> == Leben ==<br /> === Kindheit und Jugendzeit ===<br /> Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig (im Gasthof „[[Brühl (Leipzig)#Richard Wagners Geburtshaus|Zum roten und weißen Löwen]]”) als neuntes Kind des [[Aktuar|Polizeiaktuarius]] Carl Friedrich Wagner (1770–1813) und der Bäckerstochter Johanna Rosine Wagner, geb. Pätz (1774–1848), geboren und am 16. August auf den Namen Wilhelm Richard Wagner in der [[Thomaskirche (Leipzig)|Thomaskirche]] zu Leipzig getauft.&lt;ref&gt;Kirchliches Archiv Leipzig (KAL): Taufbuch Thomas 1811-1817, S. 156&lt;/ref&gt; Sechs Monate nach seiner Geburt, am 23. November 1813, starb der Vater an [[Typhus]]. Im August 1814 heiratete Wagners Mutter den Schauspieler und Dichter Ludwig Geyer (1780–1821), der sich der Familie nach dem Tod des Vaters angenommen hatte und den Carl Friedrich Wagner sehr geschätzt hatte. Spekulationen, wonach Geyer der leibliche Vater Richard Wagners gewesen sei, sind weder bewiesen noch klar widerlegt. Zeitlebens sollte Richard „wegen seiner Väter” ein Identitätsproblem haben.<br /> <br /> Noch 1814 übersiedelte die Familie nach [[Dresden]]. Am 16. Februar 1815 wurde Richards Halbschwester Cäcilie geboren. Seine älteren Geschwister hießen Albert, Gustav, Rosalie, Julius, Luise, Klara, Theresia und Ottilie. Im Jahr 1817 wurde Richard - noch unter dem Namen Richard Geyer - eingeschult. Zwei Jahre später erkrankte der Stiefvater Ludwig Geyer und starb am 30. September 1821 in Dresden. Richard kam daraufhin bei mehreren Verwandten „in Pflege”. So kam er im Oktober 1821 zum Bruder seines Stiefvaters Karl nach [[Eisleben]], wo auch schon sein Bruder Julius aufgenommen worden war, und lebte dort für ein Jahr unter dem Namen „Richard Geyer”. &lt;ref&gt;Burkhard Zemlin: „Stadtführer Lutherstadt Eisleben”, Bindlach 1996, ISBN 3-8112-0833-0 und Autobiografie „Mein Leben”&lt;/ref&gt;Ab dem 2. Dezember 1822 besuchte er die [[Kreuzschule]] in Dresden. 1826 übersiedelte die Familie nach [[Prag]], weil Richards Schwester Rosalie dort ein Engagement erhielt. Richard blieb weiter in Dresden und war bei der Familie Dr. Böhme untergebracht; er besuchte aber seine Familie mehrmals in Prag. Ab Weihnachten 1827 war er wieder mit seiner zurückgekehrten Familie in Leipzig. Hier besuchte er von 1828 bis 1830, jetzt unter dem Namen Richard Wagner, die [[Alte Nikolaischule|Nikolaischule]] sowie die [[Thomasschule zu Leipzig]]. Der vaterlose Knabe fand in dieser Zeit ein Vorbild in seinem Onkel Adolph Wagner, einem Philologen, der sich als Übersetzer der Werke [[Sophokles]]' einen Namen gemacht hatte und mit [[Goethe]] korrespondierte. Richard las in dessen umfangreicher Bibliothek [[Shakespeare]] und die [[Romantiker#Vertreter der Romantik|Romantiker]], z.&amp;nbsp;B. [[E.T.A. Hoffmann]] und schrieb schon als Schüler sein erstes Drama: die Tragödie ''Leubald'', ein großes Trauerspiel in fünf Akten im Stile Shakespeares. <br /> <br /> Die Jugendzeit Wagners war insgesamt dadurch geprägt, dass er als jüngstes Kind einer Künstlerfamilie praktisch vaterlos und ohne „Zucht und Ordnung” aufwuchs. Er war als Kind äußerst wild (der Korsak) und hat unter einer gewissen Verwahrlosung gelitten, was seinen [[Persönlichkeit|Charakter]] insofern prägen sollte, dass er durch [[Erziehung]] auch „nicht gebeugt” wurde und sich so die Unbekümmertheit und [[Neugier]] erhielt.<br /> <br /> === Sturm und Drang ===<br /> Mit 16 Jahren erlebte Wagner in Leipzig erstmals [[Beethoven]]s Oper ''[[Fidelio]]'' mit [[Wilhelmine Schröder-Devrient]] in der Titelrolle. Von nun an stand für ihn fest, dass er Musiker werden wollte. Er verfasste bald erste [[Sonate]]n, ein Streichquartett sowie den unvollendet gebliebenen Opernversuch ''[[Die Hochzeit]]''. Ab 1831 studierte er an der [[Universität Leipzig]] Musik, außerdem nahm er Kompositionsunterricht beim [[Thomaskantor]] [[Christian Theodor Weinlig]], dem er auch sein erstes Werk (''[[Klaviersonate]] in B-Dur'') widmete. Dieses erste Werk erschien bereits ein Jahr später gedruckt durch den Verlag Breitkopf &amp; Härtel. Davon und auch von dem Erfolg der ersten Aufführung seiner Konzertouvertüre in d-Moll im Jahr 1832 in Leipzig angespornt, komponierte Wagner weitere Konzertstücke, u. a. die ''C-dur-[[Sinfonie]]'', die noch im selben Jahr im Prager Konservatorium uraufgeführt wurde.<br /> <br /> Angeregt von E.T.A. Hoffmann und einem Stoff aus „Ritterzeit und Ritterwesen” hatte er den Plan zu seiner ersten Oper unter dem Titel ''Die Hochzeit'' verfasst. Er dichtete den Text und begann mit der Komposition der ersten Nummern dieses „Nachtstücks von schwärzester Farbe” (R.W.), dessen übertriebene Schauerromantik bei seiner Schwester Rosalie jedoch wenig ankam. Daraufhin vernichtete Wagner den Textentwurf, von der Partitur blieben Teile erhalten (WWV 31). <br /> <br /> Wagner war beim [[Corps Saxonia Leipzig]] aktiv, allerdings nicht lange. Wagner selbst schreibt, dass er freiwillig das Corps verlassen habe: vor allem aus Enttäuschung über die apolitische Haltung der Leipziger Landsmannschafter (= Corpsstudenten) zum Aufstand der Polen. Die &quot;schmerzliche Trauer&quot; Wagners über die polnische Niederlage bei [[Ostrolenka]] hätten die Landsmannschafter nicht geteilt. &lt;ref&gt;Horst Grimm/Leo Besser-Walzel, Die Corporationen, Frankfurt am Main, 1986; Richard Wagner, Gregor-Dellin (Hrsg.), Mein Leben, München 1983, S. 51 ff. Dazu auch Huss, Richard Wagner als Corpsstudent, in: Studenten-Kurier 4/2006, S. 16, mit Klarstellung von Weiß, Richard Wagners mißglückte Contrahagen, in: Studenten-Kurier 1/2007, S. 3, 4 &lt;/ref&gt;<br /> <br /> 1833 wurde Wagner durch den Schriftsteller und Publizisten [[Heinrich Laube]] von den Ideen des [[Junges Deutschland (Literatur)|Jungen Deutschland]], einer revolutionär orientierten literarischen Bewegung des [[Vormärz]], beeindruckt. Gleichzeitig begann er mit der Komposition der Oper ''[[Die Feen]]'', nachdem er sein erstes Engagement als Chordirektor des [[Würzburg]]er Theaters erhalten hatte. In Laubes ''Zeitung für die elegante Welt'' erschien bald darauf sein Aufsatz „Die Deutsche Oper”. Als musikalischer Leiter der Sommersaison in [[Bad Lauchstädt]] und des Theaters in [[Magdeburg]] lernte er die Schauspielerin [[Minna Planer]] kennen und verliebte sich leidenschaftlich in sie. Wagners erste selbstständige musikalische Einstudierung war nach seiner Aussage die Musik zu [[Johann Nestroy]]s Posse ''[[Lumpazivagabundus]]'' (1833) von [[Adolf Müller senior]].<br /> [[Bild:Minna.jpg|thumb|Minna Planer]]<br /> [[Bild:Richard Wagner 1842.jpg|thumb|Richard Wagner 1842 in Paris, Zeichnung von Ernst B.Kietz]]<br /> <br /> === Reifejahre ===<br /> 1835 arbeitete Wagner an der Oper ''[[Das Liebesverbot]]'' und leitete die zweite Magdeburger Spielzeit. Am 29. März 1836 fand unter desolaten Bedingungen die Uraufführung der Oper ''Das Liebesverbot oder Die Novize von Palermo'' in Magdeburg statt. Über Berlin reiste Wagner nach [[Königsberg (Preußen)|Königsberg]]. Am 24. November heiratete er Minna Planer, die dort als Schauspielerin engagiert war. Am 1. April 1837 wurde er [[Musikdirektor]] in Königsberg. Der Theaterbetrieb brach allerdings kurz darauf wegen Bankrotts der Direktion zusammen. Wagner war es nach dem Brauch der „[[Fahrendes Volk|Fahrenden]]” gewohnt, über seine Verhältnisse zu leben und ansässige Bürger um Darlehen zu bitten, die er nicht zurückzahlen konnte. Im Juni 1837 gelang es ihm, eine [[Kapellmeister]]stelle in [[Riga]] zu erlangen, wo er sich zunächst vor seinen deutschen [[Gläubiger]]n in Sicherheit bringen konnte. Im Juli verließ ihn seine Frau Minna mit einem Kaufmann namens Dietrich, sie kehrte im Oktober aber reumütig wieder zu ihm nach Riga zurück. Hier entstand der Text und der Beginn der Partitur seiner ersten Erfolgsoper: ''[[Rienzi]]''. Wagner lernte hier auch [[Wilhelm Hauff]]s Märchen vom „Gespensterschiff” mit dem Holländer-Stoff kennen. Mit dem Theaterdirektor [[Karl von Holtei]] plante er ein Singspiel unter dem Titel ''Die glückliche Bärenfamilie'', sperrte sich aber bald gegen den Theaterbetrieb. Es war eine Zeit, in der die Geschichte der [[deutsche Wanderbühne|Wanderbühnen]] zu Ende ging, die zunehmend durch Stadttheater mit festem Personal ersetzt wurden.<br /> <br /> Bereits 1839 verlor Wagner seine Stellung in Riga wieder. Aus Furcht vor seinen Gläubigern überschritt er heimlich die russisch-ostpreussische Grenze und fuhr gemeinsam mit seiner Frau auf dem kleinen Segelschiff ''Thetis'' nach [[London]]. Die stürmisch verlaufende, mehrfach in norwegischen Häfen unterbrochene und schließlich über vier Wochen dauernde Seefahrt, bei der das Schiff beinahe kenterte, brachte Inspirationen für den ''[[Der fliegende Holländer|Fliegenden Holländer]]''. Nach kurzem Aufenthalt in London reisten sie über [[Boulogne-sur-Mer]], wo Wagner den führenden Pariser Opernkomponisten [[Giacomo Meyerbeer]] persönlich kennenlernte, weiter nach Paris.<br /> <br /> Wagner verbrachte die Jahre 1840 und 1841 unter ärmlichen wirtschaftlichen Bedingungen in [[Paris]]: Er vollendete dort ''Rienzi'' (1840) und schrieb und komponierte den ''Fliegenden Holländer'' (1841). Meyerbeer erkannte seine Begabung und förderte ihn, doch war er von Wagners „Pumpgenie” ([[Thomas Mann]]) weniger begeistert. In Paris befanden sich die führenden Theater der Welt. Lehrreich nahm Wagner Anregungen der [[Grand opéra]] oder des [[Melodram (Theater)|Melodram]]s auf. Um sich und seine Frau ernähren zu können, verfasste er Artikel für diverse Journale und erledigte musikalische Lohnarbeiten. Er lernte [[Heinrich Heine]] und [[Franz Liszt]] kennen. Aus Geldnot musste er sogar den Prosaentwurf zum ''Fliegenden Holländer'' unter dem Titel ''Le vaisseau fantôme'' für 500 Francs an die Pariser Oper verkaufen, die den Kompositionsauftrag an ihren Hauskomponisten [[Pierre-Louis Dietsch]] vergab – was Wagner indes nicht davon abhielt, seine Idee selbst auszuführen und in Musik zu setzen.<br /> <br /> In Paris setzte er sich mehr und mehr mit den politischen Vorgängen in Frankreich auseinander. Während ihn in jungen Jahren die Gräuel der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] „mit aufrichtigem Abscheu gegen ihre Helden” erfüllt hatten, wie er in ''Mein Leben'' schrieb, reagierte er ganz anders, als [[Marie-Joseph Motier, Marquis de La Fayette|Lafayette]] die liberale Opposition in Paris anführte. „Die geschichtliche Welt begann für mich von diesem Tage an; und natürlich nahm ich volle Partei für die Revolution, die sich mir nun unter der Form eines mutigen und siegreichen Volkskampfes, frei von allen den Flecken der schrecklichen Auswüchse der ersten französischen Revolution darstellte.”&lt;ref&gt; zit nach Martin Gregor-Dellin, Richard Wagner. Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert. Ein Künstler erwacht im Vormärz &lt;/ref&gt;<br /> <br /> In diese Zeit fiel auch die Beschäftigung mit [[Ludwig Andreas Feuerbach|Ludwig Feuerbachs]] religionskritischer [[Philosophie]] und den Theorien des französischen [[Sozialismus|Frühsozialisten]] und frühen Theoretikers des modernen [[Anarchismus]] [[Pierre-Joseph Proudhon]]. Vor allem die Formulierung Proudhons zur Frage: Was ist Eigentum? sollte Wagner zeitlebens beschäftigen: „Solange Eigentum Privilegien birgt, solange bedeutet privilegiertes – also erpresserisches – Eigentum Diebstahl.” Diese Einstellung wurde vor allem in seinem [[Der Ring des Nibelungen|Nibelungen]]drama ein roter Faden.<br /> <br /> === Dresdner Jahre ===<br /> <br /> [[Bild:Dresden Hoftheater J C A Richter.jpg|thumb|300px|Das alte Dresdner Hoftheater zur Zeit Richard Wagners]]<br /> [[Bild: Graupa, Schäfersches Gut.jpg|thumb|300px|Das Schäfersche Gut (Lohengrinhaus) in Graupa]]<br /> <br /> Im Frühjahr 1842 erhielt Wagner von der Dresdner Hofoper die Nachricht, dass man seine neue Oper ''Rienzi'' aufführen wolle. Nachdem es ihm in Paris nicht gelungen war, künstlerische Pläne voranzubringen und dort Erfolg zu haben, verließ er im April 1842 Paris und siedelte sich in Dresden an. Den Juni verbrachte er in [[Teplitz-Schönau]], wo er schon 1834 und 1836 gewesen war. Auf dem [[Burg Střekov|Schreckenstein]] entstand der erste ''[[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg|Tannhäuser]]''-Entwurf. Die Uraufführung des ''Rienzi'' fand am 20. Oktober in Dresden statt. Sie war ein großer Erfolg und bedeutete den künstlerischen Durchbruch des jungen Wagner. Etwa zur gleichen Zeit wurde Franz Liszt [[Hofkapellmeister]] in Weimar.<br /> <br /> 1843 wurde Wagner zum Königlich-Sächsischen [[Kapellmeister]] an der [[Semperoper|Dresdner Hofoper]] ernannt und konnte dort auch am 2. Januar seine Oper ''Der fliegende Holländer'' zur Uraufführung bringen. Wenig später übernahm er auch zusätzlich die Leitung der [[Dresdner Liedertafel]], in deren Auftrag er das monumentale Chorwerk ''[[Das Liebesmahl der Apostel]]'' komponierte; die Uraufführung am 6. Juli 1843 in der [[Frauenkirche (Dresden)|Frauenkirche]] im Rahmen des Zweiten Allgemeinen Dresdner Männergesangsfestes war durch und durch ein Erfolg. Wagner distanzierte sich aber in der Folge davon, weitere oratorische Werke zu komponieren und führte das Werk zu Lebzeiten nicht mehr auf. Kurz darauf überredete er seinen Freund [[Ferdinand Hiller]], die Leitung der Dresdner Liedertafel zu übernehmen. <br /> <br /> Es entstand eine Freundschaft mit Anton Pusinelli und [[August Röckel]], mit dem er vor allem Gespräche über Politik führte. Hier befreundete er sich auch mit dem russischen Anarchisten [[Michail Bakunin]]. 1844 arbeitete Wagner weiter an der Oper ''Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg''. Im Juli 1845 hielt sich Wagner in [[Marienbad]] auf. Er entwarf dort in einer ersten Inhaltsskizze die Handlung zu den ''[[Die Meistersinger von Nürnberg|Meistersingern]]'' und beschäftigte sich intensiv mit den deutschen Sagen, vor allem dem Nibelungen- und dem Gral-Mythos. Er begann mit der Konzeption seiner Oper ''[[Lohengrin]]''. In Dresden leitete er am 19. Oktober die Uraufführung seines ''Tannhäuser''. 1846 dirigierte Wagner Beethovens [[9. Sinfonie (Beethoven)|9. Symphonie]] – wobei er u. a. den jungen [[Hans von Bülow]] tief beeindruckte – und begann im Sommer, während eines dreimonatigen Urlaubes in [[Graupa]] nahe Dresden, mit der Komposition des ''Lohengrin''. Am 9. Januar 1848 verstarb Wagners Mutter in Leipzig. Im Frühjahr 1848 besuchte Franz Liszt Wagner erstmals in Dresden, wenig später kam es zu einem Gegenbesuch bei Liszt in Weimar, womit eine lange Freundschaft begann. <br /> <br /> Um sich Anregungen für eine Theaterreform zu holen, reiste Wagner im Sommer 1848 nach Wien. Anschließend schloss er sich in Dresden den republikanischen Reformbestrebungen in Sachsen an. Er bemühte sich um eine Theaterreform am Hoftheater und entwickelte seine Idealvorstellungen über den Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft. Er veröffentlichte einige Beiträge in den ''Volksblättern'' seines Freundes [[August Röckel]], u. a. die Schrift: ''[[Die Kunst und die Revolution|Die Revolution]]''. Zur gleichen Zeit entstand seine Abhandlung ''[[Die Wibelungen]]'' ''Weltgeschichte aus der Sage'', eine Vorstufe zu seinem Hauptwerk ''[[Der Ring des Nibelungen]]'', dessen Konzeption mit dem ''Siegfried'' zeitgleich entstand, ebenso wie die Konzeption eines Musikdramas ''[[Jesus von Nazareth]]'', wobei er Jesus vor allem als Sozialrevolutionär sah.<br /> <br /> === Zürcher Jahre ===<br /> [[File:Richard Wagners Steckbrief 1849.jpg|thumb|Wagners Steckbrief von 1849]]<br /> Im Frühjahr 1849 beteiligte sich Wagner aktiv am [[Dresdner Maiaufstand]]. Er wurde, nach Niederschlagung der Volksunruhen, wie auch seine Freunde [[Gottfried Semper]] und [[August Röckel]], von der Polizei steckbrieflich gesucht und sah sich gezwungen zu fliehen. Seine Flucht führte ihn mit falschem Pass zunächst in die Schweiz, und nach einem kurzem Aufenthalt in Paris ins dauerhafte [[Exil]] nach [[Zürich]]. Dort entstanden in den Folgejahren die ''Zürcher Kunstschriften'', unter anderen ''[[Die Kunst und die Revolution]]'', ''[[Das Kunstwerk der Zukunft]]'' und seine große musiktheoretische Schrift ''[[Oper und Drama]]''. <br /> <br /> In einem regen Briefaustausch mit seinen Freunden Franz Liszt, August Röckel und [[Theodor Uhlig]] entwickelte und erklärte er seine zukünftigen künstlerischen Ambitionen. Mit seinem neuen Opernentwurf ''[[Wieland der Schmied]]'' versuchte Wagner in Paris erneut sein Glück, allerdings vergeblich. Er lernte die junge Jessie Laussot kennen, die in unglücklicher Ehe gebunden war und folgte ihr nach Bordeaux, in der Absicht sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und mit ihr nach Griechenland zu fliehen. Nach einigen Wochen beendete er die Affäre und kehrte zu seiner Frau nach Zürich zurück. Am 28. August 1850 wurde in Abwesenheit Wagners durch Franz Liszt in [[Weimar]] ''Lohengrin'' uraufgeführt. <br /> [[Bild:Mathilde-Wesendonck-1.jpg|thumb|Mathilde Wesendonck, 1860, nach einem Portrait von C. Dorner]]<br /> Wagner lernte 1852 Otto und [[Mathilde Wesendonck]] kennen und begann (nach einer Kur in der Wasserheilanstalt Albisbrunn) mit der Dichtung zum ''Ring des Nibelungen''. Er lernte [[Georg Herwegh]] kennen, einen Weggenossen von [[Karl Marx]], der ein reger Diskussionspartner und Wanderfreund wurde. Wagner unternahm ausgedehnte Bergtouren, unter anderen eine mehrwöchige Fußwanderung nach Italien. In der Einsamkeit der Hochgebirgslandschaften und erhabenen Gletscher sah er die idealen Szenenbilder für seinen ''Ring''. Am 16. Februar 1853 las Wagner erstmals öffentlich seine komplette Ring-Dichtung an vier Abenden im Hotel Baur au Lac in Zürich.<br /> <br /> Im Mai 1853 gab Wagner enthusiastisch aufgenommene Konzerte mit Ausschnitten aus eigenen Werken in Zürich. Im Juli besuchte ihn Liszt; bei dieser Gelegenheit kam es zum Bruderschaftstrunk mit Liszt und Herwegh. Wagner reiste im September erneut nach Italien, wo ihm in einem Hotel in [[La Spezia]] im Halbschlaf die Ur-Idee zum Beginn des [[Der Ring des Nibelungen|Ring des Nibelungen]] kam und konzipierte das ''[[Das Rheingold|Rheingold]]''-Vorspiel. Am 10. Oktober war Wagner bei Liszt in Paris und sah zum ersten Mal dessen Tochter [[Cosima Wagner|Cosima]], die zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt war. Er begann mit der ''Rheingold''-Komposition, die er innerhalb von drei Monaten bis Januar 1854 abschloss.<br /> <br /> 1854 las Richard Wagner auf Empfehlung von Herwegh [[Arthur Schopenhauer|Schopenhauers]] Hauptwerk, ''[[Die Welt als Wille und Vorstellung]]''. Im gleichen Jahr begann er mit der Konzeption von ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]''. 1855 gab Wagner mehrere Konzerte in London. 1856 richtete er ein [[Gnadenrecht|Gnadengesuch]] an den [[Johann (Sachsen)|sächsischen König]]. Zwischenzeitlich lebte er auf dem „Grünen Hügel” neben der [[Villa Wesendonck]] in Zürich, arbeitete an ''[[Siegfried (Oper)|Siegfried]]'' und später an ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'' und vertonte - als musikalische Studien zum ''Tristan'' - fünf Gedichte von Mathilde Wesendonck (''[[Wesendonck-Lieder]]''). Am 18. August 1857 wurden [[Hans von Bülow]] und Cosima in Berlin getraut und unternahmen ihre Hochzeitsreise zu Wagner nach Zürich. 1858 spitzte sich Wagners Affäre mit Mathilde Wesendonck zu: Nachdem Minna die schwärmerische Freundschaft ihres Mannes zur verheirateten Mathilde Wesendonck aufgedeckt und einen [[Eklat]] provoziert hatte, trennte sich Wagner von seiner Frau. Er reiste nach Venedig, wo er den zweiten Akt des ''Tristan'' komponierte. Seine Frau übersiedelte nach Dresden.<br /> <br /> === Wanderjahre ===<br /> [[Bild:Richard and Cosima Wagner.jpg|thumb|200px|Richard und Cosima Wagner]]<br /> [[Bild:Ludwig II; Bavaria Rex.jpg|thumb|200px|Der junge König Ludwig II. von Bayern]]<br /> Im Frühjahr 1859 musste Wagner aus politischen Gründen das damals unter österreichischer Verwaltung stehende Venedig verlassen. Er begab sich nach [[Luzern]] und vollendete im Hotel Schweizer Hof den ''Tristan''. Danach ging er wieder nach Paris, wohin Minna ihm nachfolgte. In Fürstin [[Pauline von Metternich|Metternich]] und Marie von Kalergis (später Fürstin Muchanoff) fand er neue Mäzene, die ihm Konzerte in Paris und Brüssel ermöglichten. Im August 1860 konnte Wagner nach einer Teil[[amnestie]] durch den sächsischen König wieder deutschen Boden betreten. <br /> <br /> 1861 studierte Wagner in Paris eine neu verfasste französische Fassung seines [[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg|Tannhäuser]] ein, für die er die erste Szene neu komponiert und ein Ballett eingefügt hatte. Trotzdem entsprach das Ergebnis nicht den vorgefassten Erwartungen einiger Pariser Publikums-Clubs, so dass es zum [[Pierre-Louis Dietsch|Tannhäuser-Skandal]] kam. Auch hatte der Dirigent der Aufführung [[Pierre-Louis Dietsch]] nach Wagners Meinung die Produktion sabotiert. Nach der dritten durch Zwischenrufe gestörten Aufführung zog Wagner sein Werk zurück. Er verließ Paris und hielt sich in [[Karlsruhe]], Venedig und Wien auf, kehrte dann einige Wochen wieder nach Paris zurück, um im Auftrag des Musikverlegers [[Franz Schott]] aus Mainz mit seiner neuen Arbeit ''Die Meistersinger von Nürnberg'' zu beginnen. Anfang 1862 siedelte er nach Wiesbaden-Biebrich, um die Musik zu den „Meistersingern” zu komponieren.<br /> <br /> Ein neues Zusammentreffen mit Minna Anfang 1862 in Biebrich führte zur endgültigen Trennung des Ehepaars. Im gleichen Jahr erließ der König von Sachsen eine vollständige Amnestie, worauf Wagners Freund und Gönner [[Wendelin Weißheimer]] ihm erstmals wieder ein Konzert in Leipzig, seiner Heimatstadt, ermöglichte. In Weimar sah Wagner Franz Liszt wieder. Im Juli traf er sich mit den Bülows, danach blieb er in Wien und wohnte einige Monate in [[Penzing (Wiener Bezirksteil)|Penzing]], um die geplante Uraufführung seines ''Tristan'' zu begleiten, zu der es aber wegen zahlreicher Schwierigkeiten nicht kam. Im [[Wiener Musikverein]] gab er im Beisein der [[Kaiserin Elisabeth]] einige umjubelte Konzerte, erstmals mit Ausschnitten aus seinem ''Ring''. 1863 gab Wagner Konzerte in [[Sankt Petersburg]], [[Moskau]], [[Budapest]], [[Prag]] und Karlsruhe, die künstlerisch erfolgreich waren, jedoch nicht die erwarteten Einnahmen brachten. Am 28. November bekannten sich Wagner und Cosima in Berlin gegenseitig ihre Liebe. Im Frühjahr 1864 flüchtete Wagner vor Steuerfahndung und Gläubigern aus Wien und besuchte [[Eliza Wille]] in Mariafeld bei Zürich. <br /> <br /> Als letzte Rettung aus größter finanzieller Not und persönlicher Verzweiflung wurde Wagner am 4. Mai 1864 von König [[Ludwig II. (Bayern)|Ludwig II.]] in [[München]] empfangen, der wenige Wochen zuvor im Alter von 18 Jahren die Regentschaft vom verstorbenen Vater [[Maximilian II. Joseph (Bayern)|Maximilian]] übernommen hatte. Wagner war nicht nur der Lieblingskomponist des Königs, sondern wurde auch sein „väterlicher” Freund und Berater. Der König blieb bis zum Tode Wagners dessen [[Mäzen]]. In dieser exponierten Stellung nahm Wagner Einfluss auf politische Entscheidungen des jungen Königs und verfasste verschiedene politische Schriften. Im Juni und Juli des gleichen Jahres weilte Cosima bei Wagner im Haus Pellet am [[Starnberger See]], wo sie ihre Liebesbeziehung besiegelten. Der König stellte ihm ein Haus in München, in der Brienner Straße, als Wohnsitz zur Verfügung. Am 10. April 1865 wurde Isolde, das erste gemeinsame Kind von Cosima von Bülow und Richard Wagner in München geboren. Am 10. Juni fand die Uraufführung von ''Tristan und Isolde'' in München statt. Am 17. Juli begann Wagner seine Autobiographie ''Mein Leben'' zu diktieren. Wegen heftiger Proteste der Bevölkerung und der Regierung, die Wagner und Ludwig II. Verschwendungssucht vorhielten, verließ Wagner Bayern in Richtung Schweiz. Er mietete vorübergehend ein Landhaus bei Genf, begann sich dort einzurichten und die Komposition des ersten Akts der ''Meistersinger'' fortzusetzen. Auf der Suche nach einem dauerhaften Wohnsitz reiste er nach Toulon, Lyon und Marseille.<br /> <br /> === Asyl in Tribschen ===<br /> Inzwischen war seine Frau Minna am 25. Januar 1866 in Dresden gestorben. Ende März mietete Wagner das bei Luzern gelegene Landhaus [[Tribschen]] und zog am 15. April dort ein. Die unterbrochene Kompositionsarbeit an den ''Meistersingern'' wurde wieder aufgenommen.<br /> [[Bild:Luzern Haus Tribschen.JPG|thumb|300px|Wagners Haus in Tribschen]]<br /> <br /> Am 22. Mai erhielt er überraschenden Besuch von König Ludwig. Dieser wollte als König abdanken und bei Richard Wagner bleiben, der den jungen König jedoch überzeugen konnte, nach München zurückzukehren.&lt;ref&gt;Briefwechsel König Ludwig und Richard Wagner.&lt;/ref&gt; Wenige Monate später zog Cosima mit ihren beiden Bülow-Kindern (Daniela und Blandine) und der Wagner-Tochter Isolde bei ihm ein. Eva (Eva Maria), Cosimas und Wagners zweites Kind, wurde dort am 17. Februar 1867 geboren. Die Uraufführung der ''Meistersinger'' fand am 21. Juni 1868 in München statt. Am 8. November begegnete Wagner in Leipzig [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]] das erste Mal. Ab dem 16. November lebte Cosima für immer bei Wagner. Sie begann am 1. Januar 1869 ihr Tagebuch zu schreiben. Friedrich Nietzsche, seit kurzem Professor in Basel, war regelmäßig in Tribschen zu Gast. Am 6. Juni 1869 wurde [[Siegfried Wagner]], Cosimas und Richards drittes Kind, in Tribschen geboren. Am 22. September fand auf Veranlassung König Ludwigs, jedoch gegen den Willen Wagners, in München die Uraufführung des ''Rheingold'' statt. Auch die Uraufführung der ''Walküre'' erfolgte ohne Wagners Zustimmung, der den ''Ring'' nur vollständig aufführen wollte, am 26. Juni 1870 in München. <br /> <br /> Am 18. Juli 1870 wurde die Ehe Cosimas und [[Hans von Bülow]]s geschieden, am 25. August wurden Cosima und Richard Wagner in der protestantischen Kirche von Luzern getraut. Am 25.&amp;nbsp;Dezember 1870 fand die Uraufführung des ''[[Tribschen#Siegfried-Idyll|Siegfried-Idylls]]'', als Geburtstagsgeschenk für Cosima auf der Treppe in Wagners Haus in Tribschen statt. 1871 wählte Wagner [[Bayreuth]] als Festspielort und kündigte erstmals Festspiele an. Im April reiste Wagner mit Cosima über Bayreuth nach Berlin, wo sie von [[Otto von Bismarck]] empfangen wurden. Zur Finanzierung der Festspiele wurden ab 1872 Patronatsscheine verkauft und die ersten Wagnervereine gegründet; eine wesentliche Rolle spielte hier [[Marie Gräfin Schleinitz]], die Wagner 1863 kennen gelernt hatte und zeitlebens enthusiastisch förderte. Im Frühjahr übersiedelte Wagner mit seiner Familie von Tribschen nach Bayreuth und konnte dort am 22. Mai den Grundstein für sein [[Bayreuther Festspielhaus|Festspielhaus]] legen. <br /> <br /> [[Bild:Bayreuth07.JPG|thumb|300px|Villa Wahnfried in Bayreuth]]<br /> [[Bild:Bayreuth Festspielhaus 2006-07-16.jpg|thumb|300px|Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth]]<br /> [[Bild:Richard Wagner at Bayreuth.jpg|thumb|300px|Richard Wagner in Bayreuth, Haus Wahnfried]]<br /> <br /> === Die Bayreuther Jahre ===<br /> Im Bayreuther Festspielhaus ließ Wagner ein „unsichtbares Orchester” anlegen, indem der [[Orchestergraben]] mit einer Abdeckung zum [[Publikum]] hin abgeschirmt wurde („[[mystischer Abgrund]]”), so dass die Konzentration der Zuschauer einzig auf die dramatische Handlung und die akustische Wahrnehmung der Musik gerichtet werden konnte, ohne dass deren Tonerzeugung sichtbar wurde. Wie sich zeigte, war durch diese Einrichtung aber auch eine besondere Klangqualität erreicht worden. Die einzigartige [[Akustik]] des Hauses beruht auch darauf, dass der Raum ein [[Holzbau]] ist und der Zuschauerraum keine [[Logenplatz|Loge]]n an den Seiten hat. Die Sitze sind ungepolstert, so dass weniger Schall geschluckt wird. Die Idee zu dieser Anlage des Festspielhauses geht zurück auf das Theater in Riga, wo Wagner in einer Art [[Scheune]] dirigieren musste, die durch eine Bretterwand unterteilt war, von deren Akustik er jedoch begeistert war.<br /> <br /> Im darauf folgenden Jahr war Wagner viel auf Konzertreisen unterwegs, um Geld für seine Festspiel-Stiftung einzuspielen. [[Anton Bruckner|Bruckner]] und Nietzsche waren zu Besuch in Bayreuth. Am 2. August 1873 war das [[Richtfest]] des Festspielhauses. In diesem Jahr hatte [[Friedrich Nietzsche]] seine ersten schweren Krankheitsanfälle. Auch Wagner wurde von den vielfältigen Belastungen seiner Arbeit zunehmend angegriffen und hatte in den letzten zehn Lebensjahren unter regelmäßigen Herzanfällen zu leiden.<br /> <br /> Am 28. April 1874 bezogen Cosima und Richard Wagner das [[Haus Wahnfried]]. Die Partitur des ''Ring des Nibelungen'' wurde am 21. November 1874 beendet und König Ludwig gewidmet, der mit einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung das Festspielunternehmen rettete, als Wagners eigene Mittel und eingehende Spenden zu versiegen drohten. In Anwesenheit Kaiser [[Wilhelm I. (Deutsches Reich)|Wilhelms I.]] begannen am 13. August 1876 die ersten [[Bayreuther Festspiele]] mit der vollständigen Aufführung des ''Ring des Nibelungen''. Im September reiste Wagner nach Italien und hatte eine letzte Begegnung mit Nietzsche in [[Sorrent (Kampanien)|Sorrent]]. In den Jahren 1877 bis 1879 arbeitete Wagner in seinem Haus Wahnfried am ''[[Parsifal]]''. Während eines London-Aufenthalts wurde er durch [[Victoria (Vereinigtes Königreich)|Königin Victoria]] von [[England]] empfangen. Am 31. Dezember 1879 verreiste Wagner erneut nach Italien und hielt sich im Folgejahr überwiegend in [[Neapel]], [[Ravello]], [[Siena]] und Venedig auf. Dort entstanden auch seine so genannten „Regenerationsschriften” ([[Religion und Kunst]]), die in den von [[Hans Paul von Wolzogen (Schriftsteller)|Hans von Wolzogen]] herausgegebenen „Bayreuther Blättern” veröffentlicht wurden.<br /> <br /> Im November 1881 reiste der gesundheitlich angeschlagene Wagner wegen des günstigeren Klimas mit seiner Familie nach [[Sizilien]] und vollendete am 13. Januar 1882 in [[Palermo]] den ''Parsifal'', der im selben Jahr bei den zweiten Bayreuther Festspielen am 26. Juli uraufgeführt wurde. Zuvor gab es in München eine Privataufführung des Parsifal-Vorspieles für König Ludwig; es war deren letzte Begegnung.<br /> <br /> === Tod in Venedig ===<br /> Am 16. September 1882 reiste Wagner mit seiner Familie abermals nach Venedig, wo er auch mehrere Wochen mit Franz Liszt zusammen war. Am 25. Dezember gaben sie (als Geburtstagsgeschenk für Cosima) letztmalig ein gemeinsames Konzert im [[Teatro La Fenice]]. <br /> <br /> Am 13. Februar 1883 hielt er sich in dem von ihm und seiner Familie bewohnten Seitenflügel des Palazzo Vendramin auf. Um die Mittagszeit wartete die Familie bei Tisch auf Wagner, der trotz Herzkrämpfen in seinem Arbeitszimmer an einem Aufsatz ''Über das Weibliche im Menschlichen'' schrieb. Das Hausmädchen fand ihn zusammengesunken an seinem Schreibtisch über den Worten „Gleichwohl geht der Prozeß der Emanzipation des Weibes nur unter ekstatischen Zuckungen vor sich. Liebe - Tragik”. Er sagte noch: „Meine Frau und der Doktor”, bevor er in Bewusstlosigkeit fiel und gegen 15.30 Uhr in Cosimas Armen starb. <br /> <br /> Der Bildhauer Augusto Benvenuti nahm am 14. Februar die Totenmaske ab, am 16. Februar wurde Wagners Leichnam, begleitet von seiner Familie und einigen Freunden, in zwei Sonderwagen, die dem Zug aus Venedig angehängt waren, über München nach [[Bayreuth]] überführt. Nach Ankunft am 18. Februar in Bayreuth wurde der Sarg unter den Klängen des Trauermarsches aus ''Götterdämmerung'' vom Bahnhof zur Villa Wahnfried geleitet und in der vorbereiteten Gruft im Garten beigesetzt.<br /> <br /> == Wirkung von Werk und Persönlichkeit ==<br /> === Intention Wagners ===<br /> <br /> [[File:Parsifal vor der Gralsburg.JPG|left|thumb|350px|&quot;Parsifal vor der Gralsburg&quot; — Weimar 1928 von Hans Werner Schmidt (1859–1950)]]<br /> <br /> Wagner wollte die aus seiner Sicht „dekadenten” Theater reformieren und mit Hilfe der Kunst zu einer besseren Volks-Erziehung beitragen und somit die Welt verbessern. Bereits in jungen Jahren war er von der Idee beherrscht, Musik und Drama zu verknüpfen ([[Das Kunstwerk der Zukunft]], [[Oper und Drama]]) und in Anlehnung an die Tradition der griechischen Tragödien eine neue Kunstrichtung zu begründen. In seinen Schriften hat er immer wieder beschrieben, wie erst mit Hilfe von Musik dramatische Handlungen zu „Botschaften” werden können und die Musik (das weiblich „gebärende Element”) der Dichtung (der männlich „zeugende Samen”) zusätzliche Ausdruckskraft verleiht. <br /> <br /> :''Die Wissenschaft hat uns den Organismus der Sprache aufgedeckt; aber was sie uns zeigte, war ein abgestorbener Organismus, den nur die höchste Dichternot wieder zu beleben vermag, und zwar dadurch, dass sie die Wunden, die das anatomische Seziermesser schnitt, dem Leibe der Sprache wieder schließt, und ihm den Atem einhaucht, der ihn zur Selbstbewegung beseele. Dieser Atem aber ist: – die Musik!''&lt;ref&gt;Richard Wagner: Oper und Drama&lt;/ref&gt; <br /> <br /> Seine Konzeption vertrat er mit Vehemenz und arbeitete zielstrebig darauf hin, seine Kunst-Idealvorstellung - in Form von Festspielen an einem Ort der Muße - zu verwirklichen. In König Ludwig II. fand er einen Gleichgesinnten, so dass beide ihre Kunst-Ideale (Festspielhaus, Musikschule, Kunsterziehung) in München realisieren wollten. Dies Vorhaben scheiterte jedoch und konnte durch beide erst später in Bayreuth verwirklicht werden. Dort entwickelte sich Wagners Festspielkonzept vor allem mit seinem Bühnenweihfestspiel [[Parsifal]] zu einem „Religionsersatz” durch die Kunst ([[Religion und Kunst]]).<br /> <br /> === Musik ===<br /> Wagners Werk ist ein Höhepunkt der romantischen Musik und beeinflusste viele Zeitgenossen und spätere Komponisten erheblich. Vor allem der [[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan]] brachte die Musiksprache des 19. Jahrhunderts weit voran und gilt vielen als Ausgangspunkt der [[Neue Musik|Modernen Musik]]. <br /> [[Bild:Tristanakkord.jpg|right|thumb|Der so genannte [[Tristan-Akkord]] (Musiktheorie)]]<br /> <br /> Das betrifft vor allem die [[Harmonik]]. Während in der Epoche der Klassik bis zum Tode [[Beethoven]]s die [[Melodik]] der vorrangige Bereich der Erfindungskraft war und als persönliche Sprache der Komponisten betrachtet wurde, tritt mit Wagner und Liszt die [[Harmonik]] in den Vordergrund. Mit dem Tristan, dessen erster Akt 1857 komponiert wurde, führte Wagner sie weit über den Stand, auf dem [[Johannes Brahms|Brahms]] noch 1892 in seinen späten Klavierstücken op. 117 bis 119 verblieb &lt;ref&gt; Diether de la Motte, Harmonielehre, Richard Wagner, Bärenreiter, Kassel 1985, S212. &lt;/ref&gt;. Sie ist das Gebiet, auf dem seine Phantasie sich entfaltet, einen charakteristischen Personalstil entwickelt und durch die jeweilige dramatische Situation des Geschehens in Grenzen gehalten wird, sich also nicht im Unendlichen verliert. Wagners Einfluss auf die Musikgeschichte erhellt schon daraus, dass über hundert Jahre nach der Komposition des Werkes die komplexen harmonischen Verläufe des „Tristan-Akkords” analysiert und unterschiedlich interpretiert wurden und von der Krise der modernen Harmonielehre die Rede war &lt;ref&gt; Martin Vogel, Der Tristan-Akkord und die Krise der modernen Harmonielehre, Düsseldorf 1962 &lt;/ref&gt;.<br /> Dieser Bewertung wird gelegentlich entgegengehalten, dass andere Komponisten vor Wagner bedeutende harmonische Neuerungen in die Musik eingeführt haben. Dies gilt etwa für [[Frédéric Chopin]], dessen gewagte Chromatik bzw. Harmonik – etwa in einigen Préludes und Nocturnes – seine Zeitgenossen überraschte.<br /> [[Bild:Richard_Wagner_-_Tristan_und_Isolde_-_Vorspiel.ogg|Tristan und Isolde – Vorspiel|thumb]]<br /> Es kann bei Wagners Einfluss, dem sich viele zu entziehen versuchten, zudem nicht von einer kontinuierlichen, gleichförmigen Entwicklung gesprochen werden. Komponisten wie etwa [[Tschaikowsky]] und [[Antonín Dvořák]] bewegten sich noch in „traditionellen” harmonischen Bahnen, während vor allem [[Richard Strauss]] und [[Gustav Mahler]] die wagnersche Tonsprache übernahmen.<br /> <br /> Gattungsgeschichtlich liegt Wagners Bedeutung in der Weiterentwicklung der sog. Nummernoper zum Musikdrama. Während etwa [[Carl Maria von Weber|Webers]] „[[Der Freischütz|Freischütz]]” eine Abfolge einzelner Nummern (Arien, Duette, Chöre etc.) darstellt, die durch gesprochene Rezitative miteinander verbunden werden, herrscht bei Wagner – vor allem in seinen reifen Werken – die sog. „unendliche Melodie”. Das Orchester beginnt am Anfang eines Aktes zu spielen und hört am Aktende auf. Gesprochen wird nicht. Es gibt keine Arien mehr, sondern – gesungene – Erzählungen bzw. Monologe, Dialoge etc. Sie stehen aber nicht isoliert neben- bzw. nacheinander, sondern werden untereinander durch die Orchestermusik verwoben. Dabei bedient sich Wagner der [[Leitmotiv|Leitmotivtechnik]], d. h. einer bestimmten Person, einem Gegenstand oder einem Gefühl (Liebe, Sehnsucht, Wut) wird ein bestimmtes musikalisches Motiv zugeordnet, das immer dann zu hören ist, wenn die Person, der Gegenstand oder das Gefühl auftauchen. <br /> Wagner wollte „Gedachtes” und „Gefühltes” musikalisch ausdrücken und bewirkte mit einer solchen „absichtsvollen Musik” eine bis dahin nicht gekannte „psychologische Wirkung” beim Zuhörer. Mit der Leitmotivtechnik im „Ring des Nibelungen” und bei „Tristan und Isolde” ist ihm dies eindrucksvoll gelungen. In einem Fall soll Wagners Musik Emotionen ausgelöst haben, die zum Tode führten; so beim Herztod des Dirigenten [[Josef Keilberth]] im 2. Akt „Tristan” in München.<br /> [[Bild:Richard Wagner als Dirigent.JPG|thumb|Schattenriss von W. Bithorn]]<br /> <br /> === Wagner als Dirigent ===<br /> Wagner prägte nachhaltig den Dirigierstil. Er dirigierte auswendig und unterstrich die Emotionalität der Musik durch Mimik und Gestik, was bis dahin nicht üblich war. Von großer Wirkung war die Aufführung der [[9. Sinfonie (Beethoven)|9. Symphonie von Beethoven]], die er am Palmsonntag 1846 in Dresden nach vielen Proben dirigierte. Wie in Dresden waren es auch später in Zürich oder London Wagners Interpretationen beethovenscher Symphonien, die ihn als Experten für dessen Dirigate auswiesen. Der Bildhauer [[Gustav Adolph Kietz]], jüngerer Bruder des Porträtmalers und Wagner-Freundes Ernst Benedikt Kietz, berichtet in seinen Erinnerungen:<br /> :''Das Haupt erhoben, den Oberkörper unbewegt, die linke Hand an der Seite ruhend, in der rechten den Taktstock, nicht mit dem Arm, sondern mit dem Handgelenk dirigierend – so steht Wagner in der Aufführung vor dem Orchester. Seine Leidenschaftlichkeit scheint nach außen gebändigt, sie entlädt sich aber im Mienenspiel und vor allem im Blick des Auges, das er als das wichtigste Mittel der Willensübertragung bezeichnet. Indem er auswendig dirigierte – was ihm Kritiker als Koketterie auslegten – behält er die Musiker im Auge, und ein jeder fühlt sich von ihm angesprochen. Vorübergehend setzt er mit dem Taktschlagen aus, um einer melodischen Linie das „Sprechende” zu verleihen. Aber dann versteht er es, die Musiker mit seinem Stab zu bannen und zum zartesten Pianissimo, zu Ausbrüchen der Verzweiflung, der Begeisterung mitzureißen.''<br /> <br /> [[Bild:Pierre-Auguste Renoir 114.jpg|thumb|Portrait Wagners von [[Pierre-Auguste Renoir]], 1882]]<br /> <br /> === Wagner als Persönlichkeit ===<br /> Wagner war schon früh davon überzeugt, ein Genie zu sein. „In fünfzig Jahren werde ich der Beherrscher der musikalischen Welt sein”, prophezeite er. Er war mit einem Körpermaß von 1,66 Meter nicht groß, hatte aber eine starke Ausstrahlung, wie selbst einer seiner größten Kritiker, der Wiener Rezensent [[Eduard Hanslick]] konstatieren musste: <br /> <br /> :''Er sprach unglaublich viel und schnell, in monoton singendem sächsischem Dialekt; er sprach in einem fort und immer von sich selbst, von seinen Werken, seinen Reformen, seinen Plänen. Er war der personifizierte Egoismus, rastlos tätig für sich selbst, teilnahmslos, rücksichtslos gegen andere. Dabei übte er doch den unbegreiflichen Zauber, sich Freunde zu machen und sie festzuhalten. Die hypnotisierende Gewalt, welche Wagner nicht bloß durch seine Musik ausübte, sondern auch durch seine Persönlichkeit, reicht hin, ihn zu einer der bedeutendsten Erscheinungen, zu einem Phänomen von Energie und Begabung zu stempeln.''&lt;ref&gt;Eduard Hanslick: Aus meinem Leben. Berlin 1911&lt;/ref&gt; <br /> Wagner hatte „sein Herz auf der Zunge” und gewann viele Freunde, die sich für ihn und seine Kunst einsetzten, z. B. Franz Liszt, Otto von Wesendonck, Julie Ritter u.&amp;nbsp;a. Er konnte charmant sein und beanspruchte für sich und seine Kunst, von der „Gesellschaft” unterstützt zu werden (es gab damals noch keine Tantiemen für Wiederaufführungen von Kunstwerken). Seine finanziellen Probleme sah er als „lächerliche Schulden”, denen man in der Zukunft eine erheblich größere „Aktiva” gegenüberstellen könne. Erst durch König Ludwig II. konnte dieser „Anspruch” erfüllt werden, wobei Wagner es immer als Priorität ansah, seine Festspielidee verwirklichen zu können. <br /> <br /> Cosima Wagner verstand es, ihr Idol und ihren späteren Ehemann „ins rechte Licht” zu setzen, beispielsweise durch den „Hausbiographen” [[Carl Friedrich Glasenapp]], der noch zu Wagners Lebzeiten eine mehrbändige Biographie zu schreiben begann. Seine Autobiographie diktierte Wagner seiner Frau Cosima und schenkte den ersten Privatdruck seinem „Freund” König Ludwig II. Erst im Jahre 1911 wurde die Autobiographie veröffentlicht. Wagner wurde von verschiedenen Malern porträtiert, u. a. von [[Franz von Lenbach]] und [[Pierre-Auguste Renoir]] (1882).<br /> <br /> === Rezeption ===<br /> Wie kaum ein anderer Künstler hat Wagner polarisiert, und bis in die Gegenwart beschäftigen sich Interpreten unterschiedlicher Disziplinen mit seinem vielschichtigen Werk. Neben Komponisten, die Wagner ablehnten, wie [[Johannes Brahms|Brahms]] und [[Tschaikowsky]], gab es Kritiker wie Nietzsche – und später Adorno –, die nicht nur auf die Gefahren des „sinnbetörenden Rausches” hinwiesen, sondern sich mit den Wirkungen Wagners auf die Musik der Zukunft, ja der gesamten Kultur auseinandersetzten.<br /> [[Bild:Nietzsche1882.jpg|thumb|160px|Friedrich Nietzsche, 1882]]<br /> <br /> ==== [[Friedrich Nietzsche]] ====<br /> Zunächst hatte Nietzsche Wagner in seiner frühen Schrift [[Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik]] noch als Erneuerer deutscher Kultur gefeiert und ihm in seinen ''Unzeitgemäßen Betrachtungen'' einen eigenen Essay ''Richard Wagner in Bayreuth'' gewidmet. Nachdem er sich in ''Menschliches, Allzumenschliches'' (1878–1880) von seinem früheren Abgott schrittweise gelöst hatte, publizierte er später etliche kritische, ja hämische Schriften, in denen er Wagner, vor allem nach dessen [[Parsifal]], zudem der Dekadenz, des „undeutschen” Wesens und der Sinnbenebelung bezichtigte und über das geistige Niveau der sog. Wagnerianer in [[Bayreuth]] spottete. <br /> <br /> Nietzsches Kritik an Wagner ist vielschichtig, und obwohl sie sich vor allem am Spätwerk, dem Parsifal entzündete, bezog er sie nun auch auf frühere Werke und den ''Ring'', den er in den Unzeitgemäßen Betrachtungen noch gefeiert hatte. Als ehemaliger „Schüler” Schopenhauers (''Schopenhauer als Erzieher''), der sich später gegen den Pessimismus seines Lehrers stellte, analysierte Nietzsche dessen Einfluss auf Wagner. Habe Wagner als revolutionärer Denker zunächst in Verträgen, Gesetzen, Institutionen das Übel der Welt erblickt – das Vertragsmotiv im Ring –, änderte sich später sein Weltbild, und das [[christlich]]e Motiv der [[Erlösung]] trat in den Mittelpunkt. Viele Figuren Wagners sollten fortan „erlöst” werden. Wagners „Schiff” sei nach der „Götterdämmerung der alten Moral” lange Zeit „lustig auf dieser Bahn” (des Optimismus) gelaufen, bis es auf das „Riff” der schopenhauerschen Philosophie gefahren sei &lt;ref&gt; Friedrich Nietzsche, ''Der Fall Wagner'', Abschnitt 4 &lt;/ref&gt;. Er habe dann den ''Ring'' ins Schopenhauersche übersetzt: Alles auf der Welt laufe schief, und alles gehe zugrunde. So sei nur das Nichts, die Auslöschung, die „[[Ragnarök|Götterdämmerung]]” die Erlösung – und dieses Nichts werde von Wagner nun unaufhörlich gefeiert. In den anderen kurzen Spätschriften wie ''Nietzsche contra Wagner'' und Teilen von ''Ecce homo'' wiederholte er seine Angriffe und Vorwürfe der décadence. <br /> :''Denn der Parsifal ist ein Werk der Tücke, der Rachsucht, der heimlichen Giftmischerei gegen die Voraussetzungen des Lebens, ein schlechtes Werk. – Die Predigt der Keuschheit bleibt eine Aufreizung zur Widernatur: Ich verachte jedermann, der den Parsifal nicht als Attentat auf die Sinnlichkeit empfindet''. &lt;ref&gt;''Nietzsche contra Wagner'', Wagner als Apostel der Keuschheit, 3&lt;/ref&gt;<br /> <br /> Bei aller Kritik an Wagner gab Nietzsche halb ironisch zu, dass man schon aus psychologischen Gründen auf Wagner nicht verzichten könne. Zwar sei [[Georges Bizet]]s helle, südliche und diesseitige Welt der schweren und schwülen Atmosphäre Wagners vorzuziehen, doch kein Psychologe könne auf Wagner verzichten.<br /> <br /> Kurz vor seinem Zusammenbruch im Januar 1889 in Turin, zog Nietzsche in seinen Spätwerken ''Ecce homo'', ''Götzen-Dämmerung'' und ''Der Fall Wagner'' eine brennglasartige Bilanz seines Denkens. In seinem letzten Werk, [[Nietzsche contra Wagner]], das er zu Weihnachten 1888 veröffentlichte, setzte er sich schonungslos mit Wagner, den Deutschen und deren „décadence” auseinander. <br /> <br /> Siehe: [[Nietzsche contra Wagner]]<br /> <br /> ==== [[Franz Liszt]] ====<br /> Das Verhältnis Liszt-Wagner war nicht ohne Spannungen. Mit „Altersweisheit” fanden sie wieder zueinander. Nach Wagners plötzlichem Tod schrieb Liszt an Olga von Meyendorff:<br /> :''Die Zeitungen sind voll von Notizen über den Tod des großen Dichterkomponisten (...), des unübertrefflichen Gestalters eines Ideals, das vor ihm in der Gesamt-Kunst, Dichtung, Musik und Theaterdarstellung, nicht verwirklicht wurde (...) Wagner nur als eine berühmte oder ausgezeichnete Persönlichkeit anzusehen scheint mir eine, wenn auch noch so wenig, törichte Täuschung zu sein. Die Verästelungen seines Geistes kommen aus tiefsten Wurzeln hervor. In Ihm überwiegt das Übermenschliche.''<br /> [[Bild:Thomas Mann 1937.jpg|160px|thumb|Thomas Mann, 1937 &lt;br&gt;&lt;small&gt;Foto von [[Carl van Vechten]]&lt;/small&gt;]]<br /> <br /> ==== [[Thomas Mann]] ====<br /> Thomas Mann beschäftigte sich in Essays, Vorträgen und seinem epischen Werk immer wieder mit Wagner. Er konnte sich dem Klangrausch seiner Musik nicht entziehen und analysierte in kritischen Abhandlungen die Schwächen Wagners:<br /> :''Wagner, das Pumpgenie, der luxusbedürftige Revolutionär, der namenlos unbescheidene, nur von sich erfüllte, ewig monologisierende, rodomontierende, die Welt über alles belehrende Propagandist und Schauspieler seiner selbst...''<br /> <br /> :''Die Passion für Wagners zaubervolles Werk begleitet mein Leben, seit ich seiner zuerst gewahr wurde und es mir zu erobern, es mit Erkenntnis zu durchdringen begann. Was ich ihm als Genießender und Lernender verdanke, kann ich nie vergessen, nie die Stunden tiefen, einsamen Glückes inmitten der Theatermenge, Stunden voll von Schauern und Wonnen der Nerven und des Intellektes, von Einblicken in rührende und große Bedeutsamkeiten, wie eben nur diese Kunst sie gewährt. Meine Neugier nach ihr ist nie ermüdet; ich bin nicht satt geworden, sie zu belauschen, zu bewundern, zu überwachen – nicht ohne Misstrauen, ich gebe es zu.''&lt;ref&gt;{{internetquelle|autor=Josef Lehmkuhl|hrsg= Königshausen &amp; Neumann, ISBN 978-3-826-03347-6 |url=http://books.google.com/books?id=hR6KS3W2vUwC&amp;pg=PA8&amp;lpg=PA8&amp;dq=Wagner,+das+Pumpgenie,+der+luxusbed%C3%BCrftige+Revolution%C3%A4r,&amp;source=bl&amp;ots=FfCCydt1gB&amp;sig=Wn663vLvRvw61eFZtJP1yNIwSJ8&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;resnum=4&amp;ct=result|titel=... kennst du genau den Ring? Seite 8 f|zugriff=26. November 2008}}&lt;/ref&gt;<br /> <br /> In seinem später als Essay erschienenen Vortrag „[[Leiden und Größe Richard Wagners]]”, den er 1933 zum fünfzigsten Todestag Wagners in München hielt, analysierte er das wagnersche Lebenswerk und setzte sich derart kritisch mit der Persönlichkeit und seelischen Qualität der Musik Wagners auseinander, dass es zu einem inszenierten Protest gegen den Schriftsteller kam. Dieser ''Protest der Richard-Wagner-Stadt München'', der am 16./17. April 1933 in den ''Münchener Neuesten Nachrichten'' erschien und u. a. von [[Hans Knappertsbusch]], [[Richard Strauss]] und [[Hans Pfitzner]] unterzeichnet war, befestigte Thomas Manns in dem Entschluss, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Die Verfasser warfen Thomas Mann vor, von den Idealen der [[Betrachtungen eines Unpolitischen]] abgerückt zu sein und mit „ästhetisierendem Snobismus” das „tiefste deutsche Gefühl”&lt;ref&gt; zit. nach Thomas Mann, ''Achtung Europa`'', Band 4, Hrsg. Hermann Kurzke, Frankfurt am Main, 1995 S. 342 &lt;/ref&gt; zu beleidigen und den „großen deutschen Meister”&lt;ref&gt;{{internetquelle|autor=Klaus Schröter|hrsg=|url=http://books.google.com/books?id=LP5iN-aJoXMC&amp;pg=PA199&amp;lpg=PA199&amp;dq=gro%C3%9Fen+deutschen+Meister+Wagner&amp;source=web&amp;ots=5K_4wEakte&amp;sig=AKgR2oHQuib0h9-Jq8-CO6ScWrg&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;resnum=3&amp;ct=result|titel=Thomas Mann im Urteil seiner Zeit|zugriff=26. November 2008}}&lt;/ref&gt;<br /> zu verunglimpfen.<br /> <br /> ==== [[Theodor W. Adorno]] ====<br /> Der Sozialphilosoph, Musiktheoretiker der [[Zweite Wiener Schule|Zweiten Wiener Schule]] beschäftigte sich u. a. in seinem Buch „Versuch über Wagner” mit dem Werk des Komponisten. <br /> :''Seine Musik gebärdet sich, als ob ihr keine Stunde schlüge, während sie bloß die Stunden ihrer Dauer verleugnet, indem sie sie zurückführt in den Anfang. Die Dynamik der permanenten Regression hat dem Wagnerschen Werk ein Rätselhaftes verliehen, und heute noch bleibt dem Hörer, im Unterschied zu fast jeder anderen Musik, trotz aller Vertrautheit das Unauflösliche des blinden Flecks zurück. Wagner verweigert dem Gehör, das ihn begleitet, die feste Bestimmung und lässt es im Zweifel, ob der Formsinn eines jeden Augenblicks richtig aufgefasst sei.''<br /> <br /> ==== [[Marcel Prawy]] ====<br /> Der Wiener Dramaturg, Theater- und Musikkritiker resümiert in seiner Wagner-Hommage:&lt;ref&gt;Marcel Prawy: „Nun sei bedankt”, mein Richard-Wagner-Buch. München 1982; ISBN 3-442-10191-3&lt;/ref&gt;<br /> :''Man muss diesem Leben Verständnis entgegenbringen, einem Leben, das nur einem Ziel gedient hat: dem Theater seiner Vision. Wagners Leben und Werk sind das phantastische Märchen der Tausend-und-zweiten Nacht ... er wurde am 22. Mai 1813 geboren ... und ist niemals gestorben.<br /> <br /> == Wagner und der Antisemitismus ==<br /> === Antisemitismus im Umfeld Wagners ===<br /> [[Bild:Hschamberlain1895.jpg|right|thumb|160jpx|Houston Stewart Chamberlain 1895]]<br /> Die Bewertung von Richard Wagners [[Antisemitismus]] ist bis heute von verschiedenen Perspektiven und Interpretationen seines Wirkens und seiner Werke geprägt, die in nicht unwesentlichem Maße seine eigene Ambivalenz im Verhältnis zum [[Judentum]], Religion im Allgemeinen und der politischen Landschaft seiner Zeit widerspiegelt. Wagners Äußerungen griffen jene antisemitischen Stereotypen und Reflexe auf, die er in Deutschland und Europa des 19. Jahrhunderts bereits vorfand und deren Ursprung sich bis zu [[Martin Luther]] zurückverfolgen lässt, der seinen [[Antijudaismus]] in mehreren Schriften zum Ausdruck brachte, u. a. „[[Von den Jüden und iren Lügen]]” (1543). Antisemitismus gehörte in Wagners Umfeld zum „guten Ton”, vor allem während der Zeit mit Cosima, die eine extreme antisemitische Einstellung hatte und deren Rolle somit kritisch beleuchtet werden muss.<br /> <br /> Der englische Schriftsteller [[Houston Stewart Chamberlain]], Verfasser der „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts”, einem Werk, dessen schwärmerischer Germanenkult von antisemitischem und rassistischem Gedankengut durchzogen ist, heiratete 1908 Wagners zweite Tochter Eva. Chamberlain gilt als einer der ideologischen Wegbereiter des nationalsozialistischen Antisemitismus. Er versuchte mit seinen Schriften, auch Wagners Werke im Sinne des [[Nationalsozialismus]] umzudeuten.<br /> <br /> === Wagners Antisemitismus ===<br /> [[Bild:Mendelssohn Bartholdy.jpg|180px|thumb|upright|Felix Mendelssohn Bartholdy mit 30 Jahren. Aquarell von [[James Warren Childe]] (Ausschnitt), 1839]]<br /> Wagners Weltbild, in dem sich künstlerische und politisch-agitatorische Ambitionen vermischten, war geprägt von einer pauschalen Sehnsucht nach Aufbruch, Umsturz und Revolution, nach einer meist nicht näher definierten neuen Kunst und Gesellschaft durch Untergang des Bestehenden (siehe: [[Die Kunst und die Revolution]]). Seine Motivation war eine sich stets wandelnde Mischung aus humanistisch-aufklärerischer Revolution gegen Aristokratie, romantischer Aspekte wie der Rückkehr zur Natur und der Ablehnung der [[Industrialisierung]], sowie [[Nationalismus|nationalistischer]] Phantasien von der totalen Einheit einer Rasse oder eines Volkes.<br /> <br /> Ressentiments gegen deutsche Juden waren für Wagner ein willkommenes Ventil für seinen ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex, wie einige Biographen meinen, beispielsweise der Tiefenpsychologe [[Josef Rattner]], der in einem „Psychogramm” Wagners Antisemitismus wie folgt erklärt:<br /> <br /> :''Wer so hartnäckig um eine Ideologie des Hasses kreist, bedarf ihrer und kann anscheinend ohne sie nicht leben. Daher muss das antisemitische und rassistische Element in Wagners Persönlichkeit in einem größeren Zusammenhang gesehen werden.''&lt;ref&gt;Josef Rattner: Richard Wagner im Lichte der Tiefenpsychologie. Berlin 1984&lt;/ref&gt; <br /> <br /> Rattner führt weiter aus, dass Wagners Antisemitismus – auch der von Cosima Wagner – eine Beihilfe zur Integration in die „vornehme Welt” gewesen sei. Mit dem dauernden Sichaufreizen am Judentum „vollzog das Ehepaar Wagner ein Ritual”. Sie hätten sich dabei gegenseitig ihr „Wohlgeborensein”, ihre „Deutschheit” und zumindest ihre „rassische Aristokratie” versichert. Zwei ehrgeizige, auf Perfektionismus bedachte Charaktere hätten sich im Antisemitismus zur wechselseitigen und absoluten Selbstbestätigung vereinigt. <br /> <br /> Seine von Freunden und Bekannten häufig beschriebene Ruhmsucht, sein Hang zu Luxus, Verschwendung und Blendwerk waren ausgerechnet die Eigenschaften, die er häufig den Juden vorwarf. Wagner gehörte wie seine Geschwister zum Theatermilieu, das sich damals vom [[fahrendes Volk|fahrenden Volk]] zu emanzipieren und bürgerliche Anerkennung zu erwerben versuchte. Die [[jüdische Emanzipation]] im Zuge der Gewerbefreiheit und der Auflösung der Berufsverbote und Zünfte wurde von anderen Unterprivilegierten als bedrohliche Konkurrenz gesehen. <br /> <br /> Blieben finanzieller Erfolg und Anerkennung aus, so wähnte Wagner sich nicht selten als Opfer angeblicher jüdischer Gegnerschaft. Die missgünstige Geringschätzung und Diffamierung von jüdischen Komponisten wie [[Giacomo Meyerbeer]] und [[Felix Mendelssohn Bartholdy]] versuchte er mit Schriften wie [[Das Judentum in der Musik]] und dem darauf aufbauenden ''Brief an Gräfin Muchanow'' zu theoretisieren; wie Kritiker anführen, um diese persönliche Motivation zu überdecken. In diesem Zusammenhang wird auch der musikalische Einfluss Mendelssohns auf Wagner diskutiert. So waren einige Frühwerke Wagners, wie etwa die ''Columbus-Ouvertüre'', teilweise von Kompositionen Mendelssohns angeregt worden. Trotz persönlicher Vorbehalte rühmte Wagner Mendelssohns Musik; dessen ''[[Die Hebriden (Mendelssohn)|Hebriden-Ouvertüre]]'' bezeichnete er 1879 in den „Bayreuther Blättern” als „eines der schönsten Musikwerke, die wir besitzen”.<br /> <br /> Wagners Einsatz für den [[Tierschutz]] am Ende seines Lebens hatte auch antisemitische Anklänge. Angelehnt an [[Schopenhauer]] hielt er [[Schächtung]] und [[Vivisektion]] für zwei Seiten einer Medaille und Ausdruck einer „Jüdischen Medizin”&lt;ref&gt;ARLUKE, A. &amp; B. SAX (1992): Understanding Nazi Animal Protection and the Holocaust. Anthrozoös, H. 5, 6-31&lt;/ref&gt;. Wagner unterstützte unter anderem in einem offenen Brief&lt;ref&gt;Offenes Schreiben an Herrn Ernst von Weber Verfasser der Schrift Die Folterkammern der Wissenschaft, 1879, R. Wagner, Gesammelte Werke, Leipzig 1888&lt;/ref&gt; Anliegen der Tierschutzbewegung im Kaiserreich. Wagner betonte, die Menschheit könne durch Verzicht auf Fleischgenuss zu einem höheren moralischen Dasein gelangen, wurde selbst aber nicht Vegetarier. <br /> <br /> Wagners Schriften und Äußerungen über und gegen Juden umfassen ein weites Spektrum. Dieses reicht von niedersten, affektiven Tiraden über die angesprochenen Theorien bis hin zu fast versöhnlichen Tönen und – wie einige Historiker und Musikkritiker meinen – zu einer Identifizierung mit der Außenseiterrolle der Juden als jemand, der sich selbst oft als Außenseiter empfand. <br /> <br /> Wagner pflegte Freundschaften zu jüdischen Landsleuten wie seinem Helfer Karl Tausig, [[Joseph Rubinstein]], [[Angelo Neumann]] und der berühmten Sängerin [[Lilli Lehmann]]. Bemerkenswert ist, dass er am Ende seines Lebens die [[Parsifal]]-Uraufführung [[Hermann Levi]] anvertraute, der ebenfalls zu seinem jüdischen Freundeskreis zählte und Sohn eines Rabbiners war. Ob das ein Widerspruch zu seinen antisemitischen Äußerungen ist und inwieweit diese dadurch relativiert werden, ist Gegenstand der Debatte. Der Musikkritiker [[Joachim Kaiser]] hat verschiedentlich darauf hingewiesen, dass sich antisemitische Äußerungen in dem, was Wagner wirklich wichtig war, nämlich seinen musikdramatischen Werken, nicht nachweisen lassen, wenngleich – etwa von [[Saul Friedländer]] – die Auffassung vertreten wurde, einige Figuren wie Mime und Alberich aus dem „Ring” zeigten Züge von Judenkarikaturen.<br /> <br /> Ein Kongress mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas ''Wagner und die Juden'' fand erstmalig im Festspielsommer 1998 in Bayreuth unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus Deutschland, Israel und den USA statt, die Beiträge und z. T. sehr kontroversen Diskussionen wurden unter der Herausgeberschaft von [[Dieter Borchmeyer]] u.&amp;nbsp;a. publiziert.&lt;ref&gt;[http://www.sun.rhbnc.ac.uk/Music/Conferences/98-8-wuj.html Kongress Richard Wagner und die Juden, Kurzfassungen der Beiträge]&lt;/ref&gt;<br /> <br /> === Wagner und Hitler ===<br /> Die tradierte Wagner-Rezeption beschwichtigt, Wagners journalistischer Antisemitismus wäre eine Randnotiz geblieben, hätte ihn nicht das [[Nationalsozialismus|nationalsozialistische]] Regime unter [[Adolf Hitler]] vereinnahmt. Es hatte ihn zum deutschen Komponisten par excellence stilisiert und in seinem Niedergang Wagners Musiktheater für einen mortalen Endzeit-Kult missbraucht. <br /> <br /> Während seiner Wiener Zeit ging Hitler regelmäßig in die Oper und beschäftigte sich intensiv mit Wagner. Als Vorbild eigener Lebensvisionen war Wagner für ihn ein vergöttertes Idol &lt;ref&gt;Joachim Fest: ''Hitler. Eine Biographie''. Ullstein, Berlin Neuausgabe 2002, Lizenzausgabe des Spiegel-Verlags, Hamburg 2007, S. 94 &lt;/ref&gt;. Wie [[Joachim Fest]] beschreibt, machte die eingebildete Nachfolge die „Verführung durch den romantischen Geniebegriff deutlich”, welcher in Wagner seine Erfüllung und Entgleisung gefunden habe. Die eskapistischen Träume des scheiternden, im Männerheim lebenden Künstlers Hitler entzündeten sich am Genie Wagners. Hitler erklärte später, mit Ausnahme Wagners keine Vorläufer gehabt zu haben und bezeichnete Wagner als „größte Prophetengestalt, die das deutsche Volk besessen” habe. &lt;ref&gt; zit. Nach Joachim Fest: ''Hitler. Eine Biographie'' S. 96 &lt;/ref&gt;<br /> <br /> [[Bild:Wagner Das Judenthum in der Musik 1869.jpg|thumb| 140px| Original-Broschur 1869]]<br /> In seiner Broschüre ''Das Judenthum in der Musik'' (1869) schreibt Richard Wagner ohne notwendigen Bezug auf die musiktheoretische Polemik vom ''„natürlichen Widerwillen gegen jüdisches Wesen”'' und: ''„Der Jude ist nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge dieser Welt wirklich bereits mehr als emanzipiert: er herrscht, und wird solange herrschen, als das Geld die Macht bleibt, vor welcher alles unser Thun und Treiben seine Kraft verliert”.'' An die Juden gerichtet schließt er mit den Worten: ''„Aber bedenkt, dass nur Eines eure Erlösung von dem auf euch lastenden Fluche sein kann: die Erlösung Ahasvers, - der U n t e r g a n g !”'' (so gesperrt im Original).<br /> <br /> Richard Wagner hatte diesen Text bereits 1850 in der Neue[n] Zeitschrift für Musik unter dem Pseudonym ''„K. Freigedank”'' publiziert. 1869 tritt er damit wieder [!] an die Öffentlichkeit, diesmal unter eigenem Namen und mit einem Anhang (S. 31 – 57), der den ursprünglichen Aufsatz an Judenhass und Demagogie übertrifft. In ihm heißt es gegen Ende in tückischer Resignation, doch gleichwohl appellativ: ''„Ob der Verfall unserer Cultur durch eine gewaltsame Auswerfung des zersetzenden fremden Elementes aufgehalten werden könne, vermag ich nicht zu beurtheilen, weil hierzu Kräfte gehören müssten, deren Vorhandensein mir unbekannt ist.”'' Es ist unwahrscheinlich, dass Hitler diese Schrift nicht gekannt hat. Jedenfalls hat sich der gescheiterte Künstler Hitler, dem Massenerschütterer und Großmeister des Musiktheaters verfallen, &lt;ref&gt; So hat Thomas Mann Richard Wagner bezeichnet. &lt;/ref&gt; zum Vollstrecker seines Propheten gemacht. &lt;ref&gt; Köhler, Joachim: Wagners Hitler. Der Prophet und sein Vollstrecker. München: K. Blessing 1997 &lt;/ref&gt; <br /> <br /> Das auf die Juden gemünzte Begriffspaar &quot;Dämon&quot; und &quot;Verfall&quot; taucht zuerst bei Wagner auf &lt;ref&gt;&quot;Erkenne dich selbst&quot; 1881&lt;/ref&gt;. Es wird von [[Alfred Rosenberg]] in einer antisemitischen Schrift von 1923 aufgegriffen: ''Als eines der Vorzeichen dieses kommenden Kampfes...steht die Erkenntnis des Wesens des Dämons unseres heutigen Verfalls...'' &lt;ref&gt;&quot;Die Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische Weltpolitik&quot; Böpple, München 1923, Ausgabe 1933 auf S. 133&lt;/ref&gt; und taucht sinngemäß bei Hitler wieder auf. Der Dämon wird zum &quot;Polypen&quot;, einem häufigen Karikatur-Motiv gegen Juden. Verfall gerät zu &quot;Umstrickung&quot;: ''Werden unser Volk ... das Opfer dieser blut- und geldgierigen jüdischen Völkertyrannen, so sinkt die ganze Erde in die Umstrickung dieses Polypen...'' &lt;ref&gt;&quot;Mein kampf&quot; 721. Aufl. 1942, S. 703&lt;/ref&gt;, <br /> <br /> Hitlers Lieblingsopern waren ''Rienzi, der letzte der Tribunen'' und ''Parsifal''. Aus ''Parsifal'' wollte er sich „seine Religion bauen”: ''Gottesdienst in feierlicher Form ohne theologisches Parteiengezänk, ohne ekelhafte Kutten und Weiberröcke''.&lt;ref&gt; Hermann Rauschning; Gespräche mit Hitler.&lt;/ref&gt; <br /> Hitler lernte im Jahre 1923 Cosima und Winifred Wagner in Bayreuth kennen und nahm später als „Führer” per Verfügung Einfluss auf die Festspiele hinsichtlich des Programms und der Regie, z. B. bei ''Parsifal''. Als ehemaliger Postkartenmaler Ideen zum Bühnenbild eines der höchstrangigen Musikfestivals in Deutschland beizusteuern, verschaffte Hitler persönliche Genugtuung und das Gefühl der Anerkennung beim deutschen Bürgertum. <br /> <br /> Das Thema Wagner und Hitler wird seit Jahrzehnten publizistisch behandelt, beispielsweise von Hartmut Zelinsky und Joachim Köhler. Köhler versucht in seinem Buch „Wagners Hitler”, den Einfluss der wagnerschen Gedankenwelt auf Hitler und dessen Handeln nachzuweisen.<br /> <br /> In [[Israel]] ist Wagner immer noch heftig umstritten. Die öffentliche Aufführung von Wagners Werken ist praktisch nicht möglich. So führte die Aufführung des Vorspiels zu ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'' durch [[Daniel Barenboim]] im Juli 2001 zu einem [[Eklat]] &lt;ref&gt;http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,144085,00.html &lt;/ref&gt;, einer Kritik des Wiesenthal-Zentrums und des damaligen Jerusalemer Bürgermeisters [[Ehud Olmert]]. Andere Wagner-Aufführungen waren bereits vorher durch Proteste von [[Holocaust]]-Überlebenden verhindert worden.<br /> <br /> == Werke ==<br /> [[Bild:Berlin, Tiergarten, Richard-Wagner-Denkmal.jpg|thumb|Das von [[Gustav Eberlein]] geschaffene [[Richard-Wagner-Denkmal (Berlin)|Wagner-Denkmal]] im Berliner Tiergarten]]<br /> [[Bild:Liebethaler-grund wagnerdenkmal-2.jpg|thumb|[[Richard-Wagner-Denkmal (Graupa)|Wagner-Denkmal]] im [[Liebethaler Grund]] in der Nähe von [[Pirna]]]]<br /> [[Bild:WahnfriedBayreuth11.JPG|thumb|350px|Das Grab: „Die Welt hat zu wissen, wer hier liegt” R.W.]]<br /> <br /> === Musikdramatische Werke ===<br /> *''[[Die Feen]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 32 (1833–1834, [[Uraufführung|UA]]: 29. Juni 1888 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> *''[[Das Liebesverbot]] oder Die Novize von Palermo'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 38 (1834–1836, UA: 29. März 1836 Stadttheater Magdeburg)<br /> *''[[Rienzi|Rienzi, der Letzte der Tribunen]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 49 (1837–1840, UA: 20. Oktober 1842 Königlich Sächsisches Hoftheater Dresden)<br /> <br /> Nur die folgenden zehn Werke wählte Wagner für Aufführungen im Festspielhaus auf dem [[Grüner Hügel|Grünen Hügel]] in Bayreuth aus:<br /> *''[[Der Fliegende Holländer]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 63 (1840–1841, UA: 2. Januar 1843 Königlich Sächsisches Hoftheater Dresden. Überarbeitet 1852 (Zürich) und 1864 (München))<br /> *''[[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 70 (1842–1845, UA: 19. Oktober 1845 Königlich Sächsisches Hoftheater Dresden. Überarbeitet 1847, 1860 (Erstdruck der Partitur, sog. „Dresdener Fassung”), 1861 (Paris, in frz. Sprache), 1875 (Wien, sog. „Pariser Fassung”)) <br /> *''[[Lohengrin]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 75 (1845–1848, UA: 28. August 1850, Großherzogliches Hoftheater Weimar.)<br /> *''[[Der Ring des Nibelungen]]'' (betont: N'''i'''belungen) [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 86, mit vier Teilen:<br /> **''Vorabend: [[Das Rheingold]]'' (1851–1854, UA: 22. September 1869 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> **''Erster Tag: [[Die Walküre]]'' (betont: W'''a'''lküre) (1851–1856, UA: 26. Juni 1870 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> **''Zweiter Tag: [[Siegfried (Oper)|Siegfried]]'' (1851–1871, UA: 16. August 1876 Festspielhaus Bayreuth)<br /> **''Dritter Tag: [[Götterdämmerung (Oper)|Götterdämmerung]]'' (1848–1874, UA: 17. August 1876 Festspielhaus Bayreuth)<br /> *''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 90 (1856–1859, UA: 10. Juni 1865 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> *''[[Die Meistersinger von Nürnberg]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 96 (1845–1867, UA: 21. Juni 1868 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> *''[[Parsifal]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 111 (1865–1882, UA: 26. Juli 1882 Festspielhaus Bayreuth) – „Bühnenweihfestspiel”<br /> <br /> === Sonstige Musikwerke ===<br /> *''Symphonie C-Dur''<br /> *''Symphonie E-Dur'' (unvollendet, es existieren nur 2 Sätze)<br /> *''[[Das Liebesmahl der Apostel]]'' ein biblische Szene, für Männerstimmen und großes Orchester (1843)<br /> *''Fantasie'' für Klavier in fis-Moll (1831)<br /> *3 Klaviersonaten<br /> **Klaviersonate in B-Dur (1831)<br /> **Klaviersonate in A-Dur (1832)<br /> **Klaviersonate in As-Dur (1853)<br /> *''Züricher Vielliebchen-Walzer'' für Klavier in Es-Dur (1854)<br /> *''[[Wesendonck-Lieder]]''<br /> *''[[Siegfried-Idyll]]'' für kleines Orchester (1870)<br /> *''König Enzio-Ouvertüre'' (1832)<br /> *''Columbus-Ouvertüre'' (1835)<br /> *''Polonia'', C-Dur (1836)<br /> *''Rule Britannica'', D-Dur (1837)<br /> *''Eine Faust-Ouvertüre'', d-Moll (1844)<br /> *''Huldigungsmarsch für Ludwig II. von Bayern'', Es-Dur (1864)<br /> *''Kaisermarsch'', B-Dur (1871)<br /> *''Großer Festmarsch'', G-Dur (1876)<br /> *''Ankunft bei den schwarzen Schwänen – Albumblatt in As-Dur für Klavier'' in As-Dur (1861)<br /> <br /> Insgesamt sind nach dem Wagner-Werkverzeichnis ([[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]]) einschließlich aller Gelegenheitskompositionen und Widmungsblätter, jedoch ohne die Schriften Wagners, 113 Werke verzeichnet.<br /> <br /> === Schriften ===<br /> Wagner hat neben den Inhaltsentwürfen, Textfassungen und Analysen seiner Musikdramen zahlreiche [[Musiktheorie|musiktheoretische]], [[Philosophie|philosophische]], [[Politik|politische]] und [[Belletristik|belletristische]] Schriften verfasst und sie mit seinen Musikdramen ab 1871 in seiner Sammlung ''Sämtliche Schriften und Dichtungen'' herausgegeben, die – einschließlich der Autobiografie ''Mein Leben'' – 16 Bände umfasst. Wagner war schriftstellerisch produktiver als die meisten anderen Komponisten. Zudem hat er tausende Briefe geschrieben. <br /> Die meisten seiner Schriften sind stilistisch verunglückt und zeichnen sich nicht durch stringente Gedankenführung aus. Neben trocken deduzierendem Stil und Kanzleiprosa finden sich hymnische Episoden und Gedankenblitze &lt;ref&gt; Kindlers Neues Literaturlexikon, Richard Wagner, Das Kunstwerk der Zukunft, München 1992&lt;/ref&gt;.<br /> Gregor-Dellin urteilt in seiner Wagner-Biographie, die Schriften seien mit „Reisszwecken gespickt, ein unverdaulicher Brei, Kanzeleiprosa”, und [[Ludwig Reiners]] griff für Beispiele schlechter Prosa immer wieder auf Texte Wagners zurück.<br /> Für den ebenso kritischen wie begeisterten Verehrer [[Thomas Mann]] enthalten die Schriften „sehr Wahres und Falsches ineinander geschlungen” und „höchste Sachkunde neben peinlicher Mitrederei”. Man könne aus Wagners Schriften nicht viel über den Verfasser lernen. „Wagners siegreiches Werk beweist nicht seine Theorie, sondern nur sich selbst.”<br /> <br /> Wie auch immer man die Schriften beurteilt, so können sie doch als Nährboden betrachtet werden, aus dem seine musikdramatischen Werke hervorgegangen sind. Zugleich machen sie deren geistigen Hintergrund verständlich.<br /> [[Bild:Erstausgaben für Wikipedia II 011.jpg|right|thumb|180px|Titelblatt des Erstdruckes]]<br /> <br /> Als seine wichtigsten Schriften gelten:<br /> <br /> * ''Eine Pilgerfahrt zu Beethoven'' (1840)<br /> * ''Zu Beethovens Neunter Symphonie'' (1846)<br /> * ''Der Nibelungen-Mythos als Entwurf zu einem Drama'' (1848)<br /> * ''[[Die Wibelungen]]. Weltgeschichte aus der Sage'' (1849)<br /> * ''[[Die Kunst und die Revolution|Die Revolution]]'' (1849) – die erste von mehreren Kunst-Revolutions-Schriften<br /> * ''Der Mensch und die bestehende Gesellschaft'' (1849)<br /> * ''[[Die Kunst und die Revolution]]'' (1849)<br /> * ''[[Das Kunstwerk der Zukunft]]'' (1850)<br /> * ''Kunst und Klima'' (1850) <br /> *''[[Das Judentum in der Musik]]'' (1850) → [http://www.sammlung-dr-hans-peter-haack.de/deutsche_literatur_bis_1900/wagner_r_1869_das_judenthum_in_der_musik-a242.htm] – eine Polemik gegen jüdische Komponisten <br /> * ''[[Oper und Drama]]'' (1851) – ein Essay über die Theorie der Oper <br /> * ''Eine Mitteilung an meine Freunde'' (1851) Vorstufe zu Wagners Autobiographie<br /> * ''[[Über Staat und Religion]]'' (1864) Eine theoretische Abhandlung für König Ludwig II.<br /> * ''Deutsche Kunst und Deutsche Politik'' (1868)<br /> * ''Über das Dirigieren'' (1869)<br /> * ''Beethoven'' (1870)<br /> * ''Das Bühnenfestspielhaus zu Bayreuth'' (1873)<br /> * ''Was ist deutsch?'' (1878) und: ''Wollen wir hoffen?'' (1879)<br /> * ''[[Religion und Kunst]]'' (1880) plus Nachtrag: ''Was nützt diese Erkenntnis?''<br /> * ''Das Bühnenweihfestspiel in Bayreuth'' (1882)<br /> <br /> Wagners Autobiografie ''Mein Leben'', die zu seinen Lebzeiten nur im Privatdruck in etwa 25 Exemplaren für enge Freunde erschien, gilt als kulturhistorisches Dokument des 19. Jahrhunderts, ebenso wie die Tagebuchaufzeichnungen Cosima Wagners, die sie von 1869 bis zum Tod ihres Gatten führte. Darin ist viel Privates, „Nebensächliches” mitgeteilt, aber auch zahlreiche Aussprüche und Gespräche Wagners bis hin zu seinen Träumen.<br /> <br /> == Einzelnachweise ==<br /> &lt;references/&gt;<br /> <br /> == Siehe auch ==<br /> * [[Bayreuther Festspiele]]<br /> * [[Wagner (Familie)]]<br /> * [[Zukunftsmusik]]<br /> * [[Richard-Wagner-Denkmal]]<br /> <br /> == Literatur ==<br /> === Über Richard Wagner ===<br /> * [[Wendelin Weißheimer]]: ''Erlebnisse mit Richard Wagner, Franz Liszt und vielen anderen Zeitgenossen'', Stuttgart 1898, 3.Aufl.<br /> * Hans-Joachim Bauer: ''Reclams Musikführer Richard Wagner''. Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-15-010374-6<br /> * [[Paul Bekker]]: ''Richard Wagner'' (1924)<br /> * Elsa Binder: ''[[Malwida von Meysenbug]] und Friedrich Nietzsche. Die Entwicklung ihrer Freundschaft mit besonderer Berücksichtigung ihres Verhältnisses zur Stellung der Frau''. Überarbeiteter Nachdruck, Schutterwald/Baden: Dr. Klaus Fischer Verlag 2007. ISBN 978-3-928640-77-0. (Malwida von Meysenbug war eine enge Freundin Wagners und erlebte seinen Bruch mit Nietzsche]<br /> * Werner Breig, Martin Dürrer, Andreas Mielke: ''Wagner-Briefe-Verzeichnis'' (WBV). Breitkopf &amp; Härtel, Wiesbaden 1998, ISBN 3-7651-0330-6<br /> * [[Martin Geck]]: ''Richard Wagner''. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-50661-0<br /> * [[Carl Friedrich Glasenapp]]: ''Das Leben Richard Wagners''. Sechs Bände. Leipzig 1876–1911<br /> * [[Martin Gregor-Dellin]]: ''Richard Wagner – Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert''. Piper, München 1980, ISBN 3-492-02527-7<br /> * [[Brigitte Hamann]]: ''Die Familie Wagner''. Rowohlt, Reinbek 2005, ISBN 3-499-50658-0<br /> * Walter Hansen: ''Richard Wagner. Sein Leben in Bildern''. Mit 186 Abb., durchgehend vierfarbig. dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-34457-9<br /> * [[Jacques Hartog]]: ''Richard Wagner''. Johannes M. Meulenhoff Verlag, Leipzig 1913<br /> * [[Friedrich von Hausegger]]: ''Richard Wagner – Aus dem Geiste der Musik geboren''. (Hörbuch) ABOD, Norderstedt 2006, ISBN 3-8341-0174-5<br /> * Eckehard Kiem/Ludwig Holtmeier (Hrsg.), Richard Wagner und seine Zeit, Laaber 2003, ISBN 3-921518-95-4<br /> * Joachim Köhler: ''Der letzte der Titanen'', Richard Wagners Leben und Werk. Claassen-Verlag München, 2001, ISBN 3-546-00273-3<br /> * Joachim Köhler: ''Wagners Hitler'', der Prophet und sein Vollstrecker. Blessing-Verlag München, 1977, ISBN 3-89667-016-6<br /> * [[Ludwig Marcuse]]: ''Das denkwürdige Leben des Richard Wagner''. Szczesny-Verlag München, 1963<br /> * [[Heinz-Klaus Metzger]] und [[Rainer Riehn]] (Hrsg.): ''Richard Wagner. Wie antisemitisch darf ein Künstler sein?'' aus der Reihe: [[Musik-Konzepte (Periodikum)|Musik-Konzepte]], Heft 5, Edition Text u. Kritik, München 1978, ISBN 3-921402-67-0<br /> * {{ADB|40|544|571|Wagner, Richard|Franz Muncker|ADB:Wagner, Richard}}<br /> * [[Ferdinand Pfohl]]: ''Richard Wagner, Sein Leben und Schaffen.'' Ullstein, Berlin-Wien 1911, 398 Seiten<br /> * Hannu Salmi: ''Wagner and Wagnerism in Nineteenth-Century Sweden, Finland, and the Baltic Provinces: Reception, Enthusiasm, Cult.'' Eastman Studies in Music. University of Rochester Press, Rochester NY 2005.<br /> * Hannu Salmi: ''Imagined Germany. Richard Wagner’s National Utopia''. German Life and Civilization, Vol. 29. General editor: Jost Hermand. Peter Lang Publishing, New York 1999.<br /> * Scholz, Dieter David: Ein deutsches Mißverständnis. Richard Wagner zwischen Barrikade und Walhalla. Berlin: Parthas Verlag 1997, 383 Seiten, ISBN 3-932529-13-8<br /> * [[Alexander Schmidt]]: ''Braune Brüder im Geiste? Volk und Rasse bei Wagner und Hitler – Ein kritischer Schrift-Vergleich''. Tectum Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-8288-9252-1<br /> * Stefan Lorenz Sorgner/H. James Birx/ Nikolaus Knoepffler (Hg.): Wagner und Nietzsche: Kultur – Werk – Wirkung. Ein Handbuch. Rowohlt, Reinbek, 2008. ISBN 978-3-499-55691-3<br /> * [[Cosima Wagner]]: ''Die Tagebücher''. Piper München, 1977 ISBN 3-492-02199-9<br /> * Sven Friedrich: ''Der Klassik(ver)führer: Sonderband Richard Wagner'', Auricula, Berlin 2007, ISBN 978-3-936196-08-5<br /> <br /> === Über Wagners Werke ===<br /> * [[Dieter Borchmeyer]], Ami Maayani, Susanne Vill (Hrsg.): ''Richard Wagner und die Juden'', J.B. ’Metzler, Stuttgart, Weimar 2000, ISBN 3-476-01754-0<br /> * Lothar Bornscheuer: [http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/wissen/projekte-pool/rezeption_nibelungen/wagner_bornscheuer.pdf ''Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen. Ein Meisterwerk des Anarchismus''.] (PDF-Datei) [[Rezeption]] des Nibelungenstoffs, [http://www.goethezeitportal.de GoethezeitPortal.de], 2005<br /> * John Deathridge, Martin Geck, Egon Voss (Hrsg.): ''Wagner Werkverzeichnis'' (WWV), [[Schott Music|Schott]], Mainz 1986 ISBN 3-7957-2201-2 <br /> * Jens Malte Fischer: ''Richard Wagners ´Das Judentum in der Musik´'', Eine kritische Dokumentation als Beitrag zur Geschichte des europäischen Antisemitismus. Insel, Frankfurt/Main 2000, ISBN 3-458-34317-2<br /> * Sven Friedrich: ''Richard Wagner, Deutung und Wirkung'', Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2851-1<br /> * Sven Friedrich: ''Der Klassik(ver)führer: Sonderband Wagners Ring-Motive'', Auricula, Berlin 2004, ISBN 3-936196-02-8<br /> * Sven Friedrich (Hrsg): ''Richard Wagner; Werke, Schriften und Briefe'', Digitale Bibliothek, Berlin 2004.<br /> * [[Markus Kiesel]] (Hrsg.), Das Richard Wagner Festspielhaus Bayreuth, nettpress Köln 2007, ISBN 978-3-00-020809-6<br /> * Richard Klein (Hrsg.), Narben des Gesamtkunstwerks. Wagners Ring des Nibelungen, München 2001, ISBN 3-7705-3565-0<br /> * Josef Lehmkuhl: ''„Kennst du genau den RING?”'' Eine Reise zu Richard Wagners ''Der Ring des Nibelungen'', Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3347-7<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Gott und Gral Eine Exkursion mit Parsifal und Richard Wagner'', Würzburg 2007, ISBN 3-8260-3690-5<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Der Kunst-Messias; Richard Wagners Vermächtnis in seinen Schriften'', Würzburg 2009, ISBN 3-8260-4113-6<br /> * Rolf Stemmle: Richard Wagners Bühnenwerke erzählt: 1. Holländer – Tannhäuser – Lohengrin, Würzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3686-6; 2. Der Ring des Nibelungen, ISBN 978-3-8260-3134-2, Würzburg 2005; 3. Tristan – Meistersinger – Parsifal, Würzburg 2006, ISBN 978-3-8260-3372-8; 4. Feen, Liebesverbot, Rienzi, ISBN 978-3-8260-4080-1<br /> * [[Marc A. Weiner]]: ''Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners'', Henschel, Berlin 2000, ISBN 3-89487-358-2 (Übers. von Henning Thies), Originaltitel: ''Richard Wagner and the Anti-Semitic Imagination'', University of Nebraska Press, Lincoln/London 1995, ISBN 0-8032-4775-3<br /> <br /> === Über Wagner-Aufführungen ===<br /> *Appia, Adolphe: La mise en scène du Drame Wagnerien, Paris 1895<br /> *Appia, Adolphe: Die Musik und die Inszenierung, 1899<br /> *Appia, Adolphe: Über das Bayreuther Festspielhaus, 1902. In: Barth, Herbert (Hrsg.): Der Festspielhügel. Richard Wagners Werk in Bayreuth 1876–1976. München 1976, S. 99–103<br /> *Badenhausen, Rolf / Harald Zielske (Hrsg.): Bühnenformen Bühnenräume Bühnendekorationen. Beiträge zur Entwicklung des Spielorts. Berlin 1974. <br /> *Barth, Herbert (Hrsg.): Der Festspielhügel. Richard Wagners Werk in Bayreuth 1876–1976. München 1976<br /> *Petzet, Detta und Michael: Die Richard Wagner-Bühne Ludwig II. München 1970.<br /> *Schöne, Günther: Das Bühnenbild im 19. Jahrhundert. In: Katalog des Theatermuseums München, München 1959 (S. 5–20)<br /> *Skraup, Siegmund: 1924–1944. Die Sprache Bayreuths und die Sprache der Zeit. In: Theater unserer Zeit, Band 2: Der Fall Bayreuth, Basel/Stuttgart 1962<br /> *Steinbeck, Dietrich: Richard Wagners Tannhäuser-Szenarium. Das Vorbild der Erstaufführungen und der Dekorationspläne, Berlin 1968 = Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, Band 64 (S. 6–12)<br /> *Steinbeck, Dietrich: Inszenierungsformen des „Tannhäuser” (1845–1904), Regensburg 1964 = Forschungsbeiträge zur Musikwissenschaft (Hrsg. v. Gustav-Bosse-Verlag), Band XIV (S. 70–73, 103–107, 111–112)<br /> *Wagner, Richard: Schriften und Dichtungen. Neun Bände, Leipzig 1872. Band 3: Das Kunstwerk der Zukunft (S. 147–148, 152–153). Band 5: Über die Aufführung des „Tannhäuser” (S. 164–165). Bemerkungen zur Aufführung der Oper „Der Fliegende Holländer” (S. 207–208)<br /> *Wagner, Wieland (Hrsg.): Richard Wagner und das Neue Bayreuth. München 1962<br /> *Westernhagen, Curt von: Das Bühnenbild. Vision – Vorschrift – Verwirklichung. In: Richard Wagner und das Neue Bayreuth, hrsg. v. Wieland Wagner, München 1962, S. 183–206<br /> <br /> == Weblinks ==<br /> {{commons|Richard Wagner}}<br /> {{wikisource|Richard Wagner}}<br /> {{Wikiquote|Richard Wagner}}<br /> {{PND|118594117}}<br /> {{LeMO|WagnerRichard|Richard Wagner|Dorlis Blume}}<br /> *{{BAM|Wagner|Richard}}<br /> *{{Zeno-Autor|Literatur/M/Wagner,+Richard}}<br /> * [http://www.klassika.info/Komponisten/Wagner/index.html Übersicht über das Verzeichnis der Werke Richard Wagners] bei [http://www.klassika.info Klassika.info]<br /> * [http://www.zeno.org/Literatur/M/Wagner,+Richard/Autobiographisches/Mein+Leben Digitalisierter Volltext von Wagners Autobiographie ''Mein Leben'']<br /> *[http://www.zeno.org/Musik/M/Glasenapp,+Carl+Friedrich/Das+Leben+Richard+Wagners Digitalisierter Volltext von Carl Friedrich Glasenapps Wagner-Biographie]<br /> * [http://www.wagnerwiki.de/wiki/Hauptseite WagnerWiki] – Umfangreiche Informationen über Richard Wagner<br /> * [http://www.richard-wagner-web.de Richard Wagner-Web] – umfangreiche Informationen über Leben und Werk Richard Wagners<br /> * [http://www.jursitzky.net/Genealogie_Wagner.htm Genealogie Richard Wagner] – Richard Wagners Ahnentafel<br /> * [http://www.wagnerportal.de Das Wagnerportal] – umfangreiche Informationen über Richard Wagner aus der Wagnerstadt<br /> * [http://users.utu.fi/hansalmi/wagner.html Richard Wagner Archive] – sehr umfangreiche Informationssammlung, sowie elektronische Volltexte fast aller Werke, wissenschaftliche Behandlung vieler Aspekte (meist auf Englisch)<br /> * [http://www.zb.unizh.ch/sondersa/musik/Wagner/wagner.htm Wagneriana-Sammlung] in der [[Zentralbibliothek Zürich]]<br /> * [http://www.richard-wagner-werkstatt.com Richard Wagner-Werkstatt] – Textbücher (Zitatsuche möglich), Biographie-Datenbank, Wagner-Aufführungskalender für ganz Europa mit Vorschau bis 2013, Hör-Beispiele<br /> * [http://koenigludwig2.ko.funpic.de/daten/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=15&amp;Itemid=32 Richard Wagner und Ludwig II.] – Richard Wagners Beziehung zum bayrischen Märchenkönig<br /> * [http://www.sun.rhbnc.ac.uk/Music/Conferences/98-8-wuj.html ''Wagner und die Juden'']. Auszüge aus den Beiträgen zum internationalen Symposion 1998. Vollständige Texte bei Borchmeyer &amp; al. (s. Literatur).<br /> * [http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/rose.htm Auszüge aus ''Wagner und der Antisemitismus''] von Paul Lawrence Rose, Zürich 1999. <br /> * [http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=1519&amp;ausgabe=200009 Jens Malte Fischers ''Richard Wagner: Das Judenthum in der Musik''] (Rezension)<br /> * [http://www.zeit.de/1999/29/Zwanghaft_fixiert ''Zwanghaft fixiert. Wagner und der Antisemitismus''], Artikel aus der ''Zeit'', 1999.<br /> * [http://www.documentamusica.de Wolf's Thematic Index of the Works of the Great Composers]<br /> * [http://www.altug-uenlue.de/dateien/texte/Tristan.pdf ''Tristan-Akkord''], Artikel aus ''Musiktheorie'', Heft 2, 2003.<br /> <br /> ; Noten und Hörbeispiele <br /> * {{IMSLP|id=Wagner%2C_Wilhelm_Richard|cname=Wagner}}<br /> * {{ChoralWiki}}<br /> * {{WIMA|idx=Wagner}}<br /> * [http://www.classiccat.net/wagner_r/index.htm ClassicCat.net] Freie Aufnahmen <br /> <br /> {{Navigationsleiste Leiter der Bayreuther Festspiele}}<br /> <br /> {{DEFAULTSORT:Wagner, Richard}}<br /> [[Kategorie:Deutscher Komponist]]<br /> [[Kategorie:Komponist (Romantik)]]<br /> [[Kategorie:Komponist (Oper)]]<br /> [[Kategorie:Korporierter (Schülerverbindung)]]<br /> [[Kategorie:Corpsstudent]]<br /> [[Kategorie:Künstler (Dresden)]]<br /> [[Kategorie:Richard Wagner| ]]<br /> [[Kategorie:Exil in Zürich]]<br /> [[Kategorie:Drama]]<br /> [[Kategorie:Libretto]]<br /> [[Kategorie:Realismus (Literatur)]]<br /> [[Kategorie:Deutscher]]<br /> [[Kategorie:Geboren 1813]]<br /> [[Kategorie:Gestorben 1883]]<br /> [[Kategorie:Mann]]<br /> <br /> {{Personendaten<br /> |NAME=Wagner, Richard<br /> |ALTERNATIVNAMEN=<br /> |KURZBESCHREIBUNG=deutscher Komponist<br /> |GEBURTSDATUM=22. Mai 1813<br /> |GEBURTSORT=[[Leipzig]], Deutschland<br /> |STERBEDATUM=13. Februar 1883<br /> |STERBEORT=[[Venedig]], Italien<br /> }}<br /> <br /> {{Link FA|he}}<br /> {{Link FA|li}}<br /> {{Link FA|no}}<br /> {{Link FA|sr}}<br /> <br /> [[an:Richard Wagner]]<br /> [[ar:ريتشارد فاغنر]]<br /> [[arz:ريتشارد فاجنر]]<br /> [[bat-smg:Richard Wagner]]<br /> [[be:Вільгельм Рыхард Вагнер]]<br /> [[be-x-old:Рыхард Вагнэр]]<br /> [[bg:Рихард Вагнер]]<br /> [[bn:রিশার্ড ভাগনার]]<br /> [[br:Richard Wagner]]<br /> [[bs:Richard Wagner]]<br /> [[ca:Richard Wagner]]<br /> [[cs:Richard Wagner]]<br /> [[cv:Рихăрт Вакнĕр]]<br /> [[cy:Richard Wagner]]<br /> [[da:Richard Wagner]]<br /> [[el:Ρίχαρντ Βάγκνερ]]<br /> [[en:Richard Wagner]]<br /> [[eo:Richard Wagner]]<br /> [[es:Richard Wagner]]<br /> [[et:Richard Wagner]]<br /> [[eu:Richard Wagner]]<br /> [[fa:ریچارد واگنر]]<br /> [[fi:Richard Wagner]]<br /> [[fr:Richard Wagner]]<br /> [[fy:Richard Wagner]]<br /> [[ga:Richard Wagner]]<br /> [[gl:Richard Wagner]]<br /> [[gv:Richard Wagner]]<br /> [[he:ריכרד וגנר]]<br /> [[hr:Richard Wagner]]<br /> [[hu:Richard Wagner]]<br /> [[hy:Րիխարդ Վագներ]]<br /> [[id:Richard Wagner]]<br /> [[is:Richard Wagner]]<br /> [[it:Richard Wagner]]<br /> [[ja:リヒャルト・ワーグナー]]<br /> [[jv:Richard Wagner]]<br /> [[ka:რიხარდ ვაგნერი]]<br /> [[kk:Вагнер, Рихард]]<br /> [[ko:리하르트 바그너]]<br /> [[la:Wilhelmus Ricardus Wagner]]<br /> [[lb:Richard Wagner]]<br /> [[li:Richard Wagner]]<br /> [[lij:Richard Wagner]]<br /> [[lt:Richard Wagner]]<br /> [[lv:Rihards Vāgners]]<br /> [[mk:Рихард Вагнер]]<br /> [[ml:റിച്ചാര്‍ഡ് വാഗ്നര്‍]]<br /> [[mr:रिचर्ड वॅग्नर]]<br /> [[ms:Richard Wagner]]<br /> [[nah:Richard Wagner]]<br /> [[nl:Richard Wagner]]<br /> [[nn:Richard Wagner]]<br /> [[no:Richard Wagner]]<br /> [[os:Вагнер, Рихард]]<br /> [[pam:Richard Wagner]]<br /> [[pl:Richard Wagner]]<br /> [[pms:Richard Wagner]]<br /> [[pt:Richard Wagner]]<br /> [[qu:Richard Wagner]]<br /> [[ro:Richard Wagner]]<br /> [[ru:Вагнер, Рихард]]<br /> [[sco:Richard Wagner]]<br /> [[sh:Richard Wagner]]<br /> [[simple:Richard Wagner]]<br /> [[sk:Richard Wagner]]<br /> [[sl:Richard Wagner]]<br /> [[sq:Wilhelm Richard Wagner]]<br /> [[sr:Рихард Вагнер]]<br /> [[sv:Richard Wagner]]<br /> [[sw:Richard Wagner]]<br /> [[ta:ரிச்சார்ட் வாக்னர்]]<br /> [[th:ริชาร์ด วากเนอร์]]<br /> [[tl:Richard Wagner]]<br /> [[tr:Richard Wagner]]<br /> [[uk:Ріхард Вагнер]]<br /> [[uz:Richard Wagner]]<br /> [[vi:Richard Wagner]]<br /> [[vo:Richard Wagner]]<br /> [[yi:ריכארד וואגנער]]<br /> [[zh:理查德·瓦格纳]]<br /> [[zh-min-nan:Richard Wagner]]<br /> [[zh-yue:華格納]]</div> Pdiffenderfer https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Richard_Wagner&diff=59374246 Richard Wagner 2009-04-24T17:24:12Z <p>Pdiffenderfer: /* Intention Wagners */</p> <hr /> <div>{{Dieser Artikel|behandelt den Komponisten. Weitere Personen dieses Namens siehe unter [[Richard Wagner (Begriffsklärung)]].}}<br /> [[Bild:Richard Wagner by Caesar Willich ca 1862.jpg|thumb|220px|Richard Wagner (Porträt von Cäsar Willich), um 1862]]<br /> [[Bild:Wagner Luzern 1868.jpg|thumb|220px|Richard Wagner um 1868]]<br /> <br /> '''Wilhelm Richard Wagner''' (* [[22. Mai]] [[1813]] in [[Leipzig]]; † [[13. Februar]] [[1883]] in [[Venedig]] im Palazzo Vendramin-Calergi) war ein [[Liste deutscher Komponisten klassischer Musik|deutscher Komponist]], [[Dramatiker]], [[Schriftsteller]], [[Theaterregisseur]] und [[Dirigent]]. Mit seinen [[Musikdrama|Musikdramen]] gilt er als einer der bedeutendsten Erneuerer der europäischen Musik im 19. Jahrhundert. Er veränderte die Ausdrucksfähigkeit [[Musik der Romantik|romantischer Musik]] und die theoretischen und praktischen Grundlagen der [[Oper]], indem er dramatische Handlungen als [[Gesamtkunstwerk]] gestaltete und dazu Text, Musik und Regieanweisungen schrieb. Als erster Komponist gründete er Festspiele in dem von ihm geplanten [[Bayreuther Festspielhaus]]. Seine Neuerungen in der [[Harmonik]] beeinflussten die Entwicklung der Musik bis in die [[Neue Musik|Moderne]]. <br /> <br /> == Leben ==<br /> === Kindheit und Jugendzeit ===<br /> Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig (im Gasthof „[[Brühl (Leipzig)#Richard Wagners Geburtshaus|Zum roten und weißen Löwen]]”) als neuntes Kind des [[Aktuar|Polizeiaktuarius]] Carl Friedrich Wagner (1770–1813) und der Bäckerstochter Johanna Rosine Wagner, geb. Pätz (1774–1848), geboren und am 16. August auf den Namen Wilhelm Richard Wagner in der [[Thomaskirche (Leipzig)|Thomaskirche]] zu Leipzig getauft.&lt;ref&gt;Kirchliches Archiv Leipzig (KAL): Taufbuch Thomas 1811-1817, S. 156&lt;/ref&gt; Sechs Monate nach seiner Geburt, am 23. November 1813, starb der Vater an [[Typhus]]. Im August 1814 heiratete Wagners Mutter den Schauspieler und Dichter Ludwig Geyer (1780–1821), der sich der Familie nach dem Tod des Vaters angenommen hatte und den Carl Friedrich Wagner sehr geschätzt hatte. Spekulationen, wonach Geyer der leibliche Vater Richard Wagners gewesen sei, sind weder bewiesen noch klar widerlegt. Zeitlebens sollte Richard „wegen seiner Väter” ein Identitätsproblem haben.<br /> <br /> Noch 1814 übersiedelte die Familie nach [[Dresden]]. Am 16. Februar 1815 wurde Richards Halbschwester Cäcilie geboren. Seine älteren Geschwister hießen Albert, Gustav, Rosalie, Julius, Luise, Klara, Theresia und Ottilie. Im Jahr 1817 wurde Richard - noch unter dem Namen Richard Geyer - eingeschult. Zwei Jahre später erkrankte der Stiefvater Ludwig Geyer und starb am 30. September 1821 in Dresden. Richard kam daraufhin bei mehreren Verwandten „in Pflege”. So kam er im Oktober 1821 zum Bruder seines Stiefvaters Karl nach [[Eisleben]], wo auch schon sein Bruder Julius aufgenommen worden war, und lebte dort für ein Jahr unter dem Namen „Richard Geyer”. &lt;ref&gt;Burkhard Zemlin: „Stadtführer Lutherstadt Eisleben”, Bindlach 1996, ISBN 3-8112-0833-0 und Autobiografie „Mein Leben”&lt;/ref&gt;Ab dem 2. Dezember 1822 besuchte er die [[Kreuzschule]] in Dresden. 1826 übersiedelte die Familie nach [[Prag]], weil Richards Schwester Rosalie dort ein Engagement erhielt. Richard blieb weiter in Dresden und war bei der Familie Dr. Böhme untergebracht; er besuchte aber seine Familie mehrmals in Prag. Ab Weihnachten 1827 war er wieder mit seiner zurückgekehrten Familie in Leipzig. Hier besuchte er von 1828 bis 1830, jetzt unter dem Namen Richard Wagner, die [[Alte Nikolaischule|Nikolaischule]] sowie die [[Thomasschule zu Leipzig]]. Der vaterlose Knabe fand in dieser Zeit ein Vorbild in seinem Onkel Adolph Wagner, einem Philologen, der sich als Übersetzer der Werke [[Sophokles]]' einen Namen gemacht hatte und mit [[Goethe]] korrespondierte. Richard las in dessen umfangreicher Bibliothek [[Shakespeare]] und die [[Romantiker#Vertreter der Romantik|Romantiker]], z.&amp;nbsp;B. [[E.T.A. Hoffmann]] und schrieb schon als Schüler sein erstes Drama: die Tragödie ''Leubald'', ein großes Trauerspiel in fünf Akten im Stile Shakespeares. <br /> <br /> Die Jugendzeit Wagners war insgesamt dadurch geprägt, dass er als jüngstes Kind einer Künstlerfamilie praktisch vaterlos und ohne „Zucht und Ordnung” aufwuchs. Er war als Kind äußerst wild (der Korsak) und hat unter einer gewissen Verwahrlosung gelitten, was seinen [[Persönlichkeit|Charakter]] insofern prägen sollte, dass er durch [[Erziehung]] auch „nicht gebeugt” wurde und sich so die Unbekümmertheit und [[Neugier]] erhielt.<br /> <br /> === Sturm und Drang ===<br /> Mit 16 Jahren erlebte Wagner in Leipzig erstmals [[Beethoven]]s Oper ''[[Fidelio]]'' mit [[Wilhelmine Schröder-Devrient]] in der Titelrolle. Von nun an stand für ihn fest, dass er Musiker werden wollte. Er verfasste bald erste [[Sonate]]n, ein Streichquartett sowie den unvollendet gebliebenen Opernversuch ''[[Die Hochzeit]]''. Ab 1831 studierte er an der [[Universität Leipzig]] Musik, außerdem nahm er Kompositionsunterricht beim [[Thomaskantor]] [[Christian Theodor Weinlig]], dem er auch sein erstes Werk (''[[Klaviersonate]] in B-Dur'') widmete. Dieses erste Werk erschien bereits ein Jahr später gedruckt durch den Verlag Breitkopf &amp; Härtel. Davon und auch von dem Erfolg der ersten Aufführung seiner Konzertouvertüre in d-Moll im Jahr 1832 in Leipzig angespornt, komponierte Wagner weitere Konzertstücke, u. a. die ''C-dur-[[Sinfonie]]'', die noch im selben Jahr im Prager Konservatorium uraufgeführt wurde.<br /> <br /> Angeregt von E.T.A. Hoffmann und einem Stoff aus „Ritterzeit und Ritterwesen” hatte er den Plan zu seiner ersten Oper unter dem Titel ''Die Hochzeit'' verfasst. Er dichtete den Text und begann mit der Komposition der ersten Nummern dieses „Nachtstücks von schwärzester Farbe” (R.W.), dessen übertriebene Schauerromantik bei seiner Schwester Rosalie jedoch wenig ankam. Daraufhin vernichtete Wagner den Textentwurf, von der Partitur blieben Teile erhalten (WWV 31). <br /> <br /> Wagner war beim [[Corps Saxonia Leipzig]] aktiv, allerdings nicht lange. Wagner selbst schreibt, dass er freiwillig das Corps verlassen habe: vor allem aus Enttäuschung über die apolitische Haltung der Leipziger Landsmannschafter (= Corpsstudenten) zum Aufstand der Polen. Die &quot;schmerzliche Trauer&quot; Wagners über die polnische Niederlage bei [[Ostrolenka]] hätten die Landsmannschafter nicht geteilt. &lt;ref&gt;Horst Grimm/Leo Besser-Walzel, Die Corporationen, Frankfurt am Main, 1986; Richard Wagner, Gregor-Dellin (Hrsg.), Mein Leben, München 1983, S. 51 ff. Dazu auch Huss, Richard Wagner als Corpsstudent, in: Studenten-Kurier 4/2006, S. 16, mit Klarstellung von Weiß, Richard Wagners mißglückte Contrahagen, in: Studenten-Kurier 1/2007, S. 3, 4 &lt;/ref&gt;<br /> <br /> 1833 wurde Wagner durch den Schriftsteller und Publizisten [[Heinrich Laube]] von den Ideen des [[Junges Deutschland (Literatur)|Jungen Deutschland]], einer revolutionär orientierten literarischen Bewegung des [[Vormärz]], beeindruckt. Gleichzeitig begann er mit der Komposition der Oper ''[[Die Feen]]'', nachdem er sein erstes Engagement als Chordirektor des [[Würzburg]]er Theaters erhalten hatte. In Laubes ''Zeitung für die elegante Welt'' erschien bald darauf sein Aufsatz „Die Deutsche Oper”. Als musikalischer Leiter der Sommersaison in [[Bad Lauchstädt]] und des Theaters in [[Magdeburg]] lernte er die Schauspielerin [[Minna Planer]] kennen und verliebte sich leidenschaftlich in sie. Wagners erste selbstständige musikalische Einstudierung war nach seiner Aussage die Musik zu [[Johann Nestroy]]s Posse ''[[Lumpazivagabundus]]'' (1833) von [[Adolf Müller senior]].<br /> [[Bild:Minna.jpg|thumb|Minna Planer]]<br /> [[Bild:Richard Wagner 1842.jpg|thumb|Richard Wagner 1842 in Paris, Zeichnung von Ernst B.Kietz]]<br /> <br /> === Reifejahre ===<br /> 1835 arbeitete Wagner an der Oper ''[[Das Liebesverbot]]'' und leitete die zweite Magdeburger Spielzeit. Am 29. März 1836 fand unter desolaten Bedingungen die Uraufführung der Oper ''Das Liebesverbot oder Die Novize von Palermo'' in Magdeburg statt. Über Berlin reiste Wagner nach [[Königsberg (Preußen)|Königsberg]]. Am 24. November heiratete er Minna Planer, die dort als Schauspielerin engagiert war. Am 1. April 1837 wurde er [[Musikdirektor]] in Königsberg. Der Theaterbetrieb brach allerdings kurz darauf wegen Bankrotts der Direktion zusammen. Wagner war es nach dem Brauch der „[[Fahrendes Volk|Fahrenden]]” gewohnt, über seine Verhältnisse zu leben und ansässige Bürger um Darlehen zu bitten, die er nicht zurückzahlen konnte. Im Juni 1837 gelang es ihm, eine [[Kapellmeister]]stelle in [[Riga]] zu erlangen, wo er sich zunächst vor seinen deutschen [[Gläubiger]]n in Sicherheit bringen konnte. Im Juli verließ ihn seine Frau Minna mit einem Kaufmann namens Dietrich, sie kehrte im Oktober aber reumütig wieder zu ihm nach Riga zurück. Hier entstand der Text und der Beginn der Partitur seiner ersten Erfolgsoper: ''[[Rienzi]]''. Wagner lernte hier auch [[Wilhelm Hauff]]s Märchen vom „Gespensterschiff” mit dem Holländer-Stoff kennen. Mit dem Theaterdirektor [[Karl von Holtei]] plante er ein Singspiel unter dem Titel ''Die glückliche Bärenfamilie'', sperrte sich aber bald gegen den Theaterbetrieb. Es war eine Zeit, in der die Geschichte der [[deutsche Wanderbühne|Wanderbühnen]] zu Ende ging, die zunehmend durch Stadttheater mit festem Personal ersetzt wurden.<br /> <br /> Bereits 1839 verlor Wagner seine Stellung in Riga wieder. Aus Furcht vor seinen Gläubigern überschritt er heimlich die russisch-ostpreussische Grenze und fuhr gemeinsam mit seiner Frau auf dem kleinen Segelschiff ''Thetis'' nach [[London]]. Die stürmisch verlaufende, mehrfach in norwegischen Häfen unterbrochene und schließlich über vier Wochen dauernde Seefahrt, bei der das Schiff beinahe kenterte, brachte Inspirationen für den ''[[Der fliegende Holländer|Fliegenden Holländer]]''. Nach kurzem Aufenthalt in London reisten sie über [[Boulogne-sur-Mer]], wo Wagner den führenden Pariser Opernkomponisten [[Giacomo Meyerbeer]] persönlich kennenlernte, weiter nach Paris.<br /> <br /> Wagner verbrachte die Jahre 1840 und 1841 unter ärmlichen wirtschaftlichen Bedingungen in [[Paris]]: Er vollendete dort ''Rienzi'' (1840) und schrieb und komponierte den ''Fliegenden Holländer'' (1841). Meyerbeer erkannte seine Begabung und förderte ihn, doch war er von Wagners „Pumpgenie” ([[Thomas Mann]]) weniger begeistert. In Paris befanden sich die führenden Theater der Welt. Lehrreich nahm Wagner Anregungen der [[Grand opéra]] oder des [[Melodram (Theater)|Melodram]]s auf. Um sich und seine Frau ernähren zu können, verfasste er Artikel für diverse Journale und erledigte musikalische Lohnarbeiten. Er lernte [[Heinrich Heine]] und [[Franz Liszt]] kennen. Aus Geldnot musste er sogar den Prosaentwurf zum ''Fliegenden Holländer'' unter dem Titel ''Le vaisseau fantôme'' für 500 Francs an die Pariser Oper verkaufen, die den Kompositionsauftrag an ihren Hauskomponisten [[Pierre-Louis Dietsch]] vergab – was Wagner indes nicht davon abhielt, seine Idee selbst auszuführen und in Musik zu setzen.<br /> <br /> In Paris setzte er sich mehr und mehr mit den politischen Vorgängen in Frankreich auseinander. Während ihn in jungen Jahren die Gräuel der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] „mit aufrichtigem Abscheu gegen ihre Helden” erfüllt hatten, wie er in ''Mein Leben'' schrieb, reagierte er ganz anders, als [[Marie-Joseph Motier, Marquis de La Fayette|Lafayette]] die liberale Opposition in Paris anführte. „Die geschichtliche Welt begann für mich von diesem Tage an; und natürlich nahm ich volle Partei für die Revolution, die sich mir nun unter der Form eines mutigen und siegreichen Volkskampfes, frei von allen den Flecken der schrecklichen Auswüchse der ersten französischen Revolution darstellte.”&lt;ref&gt; zit nach Martin Gregor-Dellin, Richard Wagner. Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert. Ein Künstler erwacht im Vormärz &lt;/ref&gt;<br /> <br /> In diese Zeit fiel auch die Beschäftigung mit [[Ludwig Andreas Feuerbach|Ludwig Feuerbachs]] religionskritischer [[Philosophie]] und den Theorien des französischen [[Sozialismus|Frühsozialisten]] und frühen Theoretikers des modernen [[Anarchismus]] [[Pierre-Joseph Proudhon]]. Vor allem die Formulierung Proudhons zur Frage: Was ist Eigentum? sollte Wagner zeitlebens beschäftigen: „Solange Eigentum Privilegien birgt, solange bedeutet privilegiertes – also erpresserisches – Eigentum Diebstahl.” Diese Einstellung wurde vor allem in seinem [[Der Ring des Nibelungen|Nibelungen]]drama ein roter Faden.<br /> <br /> === Dresdner Jahre ===<br /> <br /> [[Bild:Dresden Hoftheater J C A Richter.jpg|thumb|300px|Das alte Dresdner Hoftheater zur Zeit Richard Wagners]]<br /> [[Bild: Graupa, Schäfersches Gut.jpg|thumb|300px|Das Schäfersche Gut (Lohengrinhaus) in Graupa]]<br /> <br /> Im Frühjahr 1842 erhielt Wagner von der Dresdner Hofoper die Nachricht, dass man seine neue Oper ''Rienzi'' aufführen wolle. Nachdem es ihm in Paris nicht gelungen war, künstlerische Pläne voranzubringen und dort Erfolg zu haben, verließ er im April 1842 Paris und siedelte sich in Dresden an. Den Juni verbrachte er in [[Teplitz-Schönau]], wo er schon 1834 und 1836 gewesen war. Auf dem [[Burg Střekov|Schreckenstein]] entstand der erste ''[[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg|Tannhäuser]]''-Entwurf. Die Uraufführung des ''Rienzi'' fand am 20. Oktober in Dresden statt. Sie war ein großer Erfolg und bedeutete den künstlerischen Durchbruch des jungen Wagner. Etwa zur gleichen Zeit wurde Franz Liszt [[Hofkapellmeister]] in Weimar.<br /> <br /> 1843 wurde Wagner zum Königlich-Sächsischen [[Kapellmeister]] an der [[Semperoper|Dresdner Hofoper]] ernannt und konnte dort auch am 2. Januar seine Oper ''Der fliegende Holländer'' zur Uraufführung bringen. Wenig später übernahm er auch zusätzlich die Leitung der [[Dresdner Liedertafel]], in deren Auftrag er das monumentale Chorwerk ''[[Das Liebesmahl der Apostel]]'' komponierte; die Uraufführung am 6. Juli 1843 in der [[Frauenkirche (Dresden)|Frauenkirche]] im Rahmen des Zweiten Allgemeinen Dresdner Männergesangsfestes war durch und durch ein Erfolg. Wagner distanzierte sich aber in der Folge davon, weitere oratorische Werke zu komponieren und führte das Werk zu Lebzeiten nicht mehr auf. Kurz darauf überredete er seinen Freund [[Ferdinand Hiller]], die Leitung der Dresdner Liedertafel zu übernehmen. <br /> <br /> Es entstand eine Freundschaft mit Anton Pusinelli und [[August Röckel]], mit dem er vor allem Gespräche über Politik führte. Hier befreundete er sich auch mit dem russischen Anarchisten [[Michail Bakunin]]. 1844 arbeitete Wagner weiter an der Oper ''Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg''. Im Juli 1845 hielt sich Wagner in [[Marienbad]] auf. Er entwarf dort in einer ersten Inhaltsskizze die Handlung zu den ''[[Die Meistersinger von Nürnberg|Meistersingern]]'' und beschäftigte sich intensiv mit den deutschen Sagen, vor allem dem Nibelungen- und dem Gral-Mythos. Er begann mit der Konzeption seiner Oper ''[[Lohengrin]]''. In Dresden leitete er am 19. Oktober die Uraufführung seines ''Tannhäuser''. 1846 dirigierte Wagner Beethovens [[9. Sinfonie (Beethoven)|9. Symphonie]] – wobei er u. a. den jungen [[Hans von Bülow]] tief beeindruckte – und begann im Sommer, während eines dreimonatigen Urlaubes in [[Graupa]] nahe Dresden, mit der Komposition des ''Lohengrin''. Am 9. Januar 1848 verstarb Wagners Mutter in Leipzig. Im Frühjahr 1848 besuchte Franz Liszt Wagner erstmals in Dresden, wenig später kam es zu einem Gegenbesuch bei Liszt in Weimar, womit eine lange Freundschaft begann. <br /> <br /> Um sich Anregungen für eine Theaterreform zu holen, reiste Wagner im Sommer 1848 nach Wien. Anschließend schloss er sich in Dresden den republikanischen Reformbestrebungen in Sachsen an. Er bemühte sich um eine Theaterreform am Hoftheater und entwickelte seine Idealvorstellungen über den Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft. Er veröffentlichte einige Beiträge in den ''Volksblättern'' seines Freundes [[August Röckel]], u. a. die Schrift: ''[[Die Kunst und die Revolution|Die Revolution]]''. Zur gleichen Zeit entstand seine Abhandlung ''[[Die Wibelungen]]'' ''Weltgeschichte aus der Sage'', eine Vorstufe zu seinem Hauptwerk ''[[Der Ring des Nibelungen]]'', dessen Konzeption mit dem ''Siegfried'' zeitgleich entstand, ebenso wie die Konzeption eines Musikdramas ''[[Jesus von Nazareth]]'', wobei er Jesus vor allem als Sozialrevolutionär sah.<br /> <br /> === Zürcher Jahre ===<br /> [[File:Richard Wagners Steckbrief 1849.jpg|thumb|Wagners Steckbrief von 1849]]<br /> Im Frühjahr 1849 beteiligte sich Wagner aktiv am [[Dresdner Maiaufstand]]. Er wurde, nach Niederschlagung der Volksunruhen, wie auch seine Freunde [[Gottfried Semper]] und [[August Röckel]], von der Polizei steckbrieflich gesucht und sah sich gezwungen zu fliehen. Seine Flucht führte ihn mit falschem Pass zunächst in die Schweiz, und nach einem kurzem Aufenthalt in Paris ins dauerhafte [[Exil]] nach [[Zürich]]. Dort entstanden in den Folgejahren die ''Zürcher Kunstschriften'', unter anderen ''[[Die Kunst und die Revolution]]'', ''[[Das Kunstwerk der Zukunft]]'' und seine große musiktheoretische Schrift ''[[Oper und Drama]]''. <br /> <br /> In einem regen Briefaustausch mit seinen Freunden Franz Liszt, August Röckel und [[Theodor Uhlig]] entwickelte und erklärte er seine zukünftigen künstlerischen Ambitionen. Mit seinem neuen Opernentwurf ''[[Wieland der Schmied]]'' versuchte Wagner in Paris erneut sein Glück, allerdings vergeblich. Er lernte die junge Jessie Laussot kennen, die in unglücklicher Ehe gebunden war und folgte ihr nach Bordeaux, in der Absicht sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und mit ihr nach Griechenland zu fliehen. Nach einigen Wochen beendete er die Affäre und kehrte zu seiner Frau nach Zürich zurück. Am 28. August 1850 wurde in Abwesenheit Wagners durch Franz Liszt in [[Weimar]] ''Lohengrin'' uraufgeführt. <br /> [[Bild:Mathilde-Wesendonck-1.jpg|thumb|Mathilde Wesendonck, 1860, nach einem Portrait von C. Dorner]]<br /> Wagner lernte 1852 Otto und [[Mathilde Wesendonck]] kennen und begann (nach einer Kur in der Wasserheilanstalt Albisbrunn) mit der Dichtung zum ''Ring des Nibelungen''. Er lernte [[Georg Herwegh]] kennen, einen Weggenossen von [[Karl Marx]], der ein reger Diskussionspartner und Wanderfreund wurde. Wagner unternahm ausgedehnte Bergtouren, unter anderen eine mehrwöchige Fußwanderung nach Italien. In der Einsamkeit der Hochgebirgslandschaften und erhabenen Gletscher sah er die idealen Szenenbilder für seinen ''Ring''. Am 16. Februar 1853 las Wagner erstmals öffentlich seine komplette Ring-Dichtung an vier Abenden im Hotel Baur au Lac in Zürich.<br /> <br /> Im Mai 1853 gab Wagner enthusiastisch aufgenommene Konzerte mit Ausschnitten aus eigenen Werken in Zürich. Im Juli besuchte ihn Liszt; bei dieser Gelegenheit kam es zum Bruderschaftstrunk mit Liszt und Herwegh. Wagner reiste im September erneut nach Italien, wo ihm in einem Hotel in [[La Spezia]] im Halbschlaf die Ur-Idee zum Beginn des [[Der Ring des Nibelungen|Ring des Nibelungen]] kam und konzipierte das ''[[Das Rheingold|Rheingold]]''-Vorspiel. Am 10. Oktober war Wagner bei Liszt in Paris und sah zum ersten Mal dessen Tochter [[Cosima Wagner|Cosima]], die zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt war. Er begann mit der ''Rheingold''-Komposition, die er innerhalb von drei Monaten bis Januar 1854 abschloss.<br /> <br /> 1854 las Richard Wagner auf Empfehlung von Herwegh [[Arthur Schopenhauer|Schopenhauers]] Hauptwerk, ''[[Die Welt als Wille und Vorstellung]]''. Im gleichen Jahr begann er mit der Konzeption von ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]''. 1855 gab Wagner mehrere Konzerte in London. 1856 richtete er ein [[Gnadenrecht|Gnadengesuch]] an den [[Johann (Sachsen)|sächsischen König]]. Zwischenzeitlich lebte er auf dem „Grünen Hügel” neben der [[Villa Wesendonck]] in Zürich, arbeitete an ''[[Siegfried (Oper)|Siegfried]]'' und später an ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'' und vertonte - als musikalische Studien zum ''Tristan'' - fünf Gedichte von Mathilde Wesendonck (''[[Wesendonck-Lieder]]''). Am 18. August 1857 wurden [[Hans von Bülow]] und Cosima in Berlin getraut und unternahmen ihre Hochzeitsreise zu Wagner nach Zürich. 1858 spitzte sich Wagners Affäre mit Mathilde Wesendonck zu: Nachdem Minna die schwärmerische Freundschaft ihres Mannes zur verheirateten Mathilde Wesendonck aufgedeckt und einen [[Eklat]] provoziert hatte, trennte sich Wagner von seiner Frau. Er reiste nach Venedig, wo er den zweiten Akt des ''Tristan'' komponierte. Seine Frau übersiedelte nach Dresden.<br /> <br /> === Wanderjahre ===<br /> [[Bild:Richard and Cosima Wagner.jpg|thumb|200px|Richard und Cosima Wagner]]<br /> [[Bild:Ludwig II; Bavaria Rex.jpg|thumb|200px|Der junge König Ludwig II. von Bayern]]<br /> Im Frühjahr 1859 musste Wagner aus politischen Gründen das damals unter österreichischer Verwaltung stehende Venedig verlassen. Er begab sich nach [[Luzern]] und vollendete im Hotel Schweizer Hof den ''Tristan''. Danach ging er wieder nach Paris, wohin Minna ihm nachfolgte. In Fürstin [[Pauline von Metternich|Metternich]] und Marie von Kalergis (später Fürstin Muchanoff) fand er neue Mäzene, die ihm Konzerte in Paris und Brüssel ermöglichten. Im August 1860 konnte Wagner nach einer Teil[[amnestie]] durch den sächsischen König wieder deutschen Boden betreten. <br /> <br /> 1861 studierte Wagner in Paris eine neu verfasste französische Fassung seines [[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg|Tannhäuser]] ein, für die er die erste Szene neu komponiert und ein Ballett eingefügt hatte. Trotzdem entsprach das Ergebnis nicht den vorgefassten Erwartungen einiger Pariser Publikums-Clubs, so dass es zum [[Pierre-Louis Dietsch|Tannhäuser-Skandal]] kam. Auch hatte der Dirigent der Aufführung [[Pierre-Louis Dietsch]] nach Wagners Meinung die Produktion sabotiert. Nach der dritten durch Zwischenrufe gestörten Aufführung zog Wagner sein Werk zurück. Er verließ Paris und hielt sich in [[Karlsruhe]], Venedig und Wien auf, kehrte dann einige Wochen wieder nach Paris zurück, um im Auftrag des Musikverlegers [[Franz Schott]] aus Mainz mit seiner neuen Arbeit ''Die Meistersinger von Nürnberg'' zu beginnen. Anfang 1862 siedelte er nach Wiesbaden-Biebrich, um die Musik zu den „Meistersingern” zu komponieren.<br /> <br /> Ein neues Zusammentreffen mit Minna Anfang 1862 in Biebrich führte zur endgültigen Trennung des Ehepaars. Im gleichen Jahr erließ der König von Sachsen eine vollständige Amnestie, worauf Wagners Freund und Gönner [[Wendelin Weißheimer]] ihm erstmals wieder ein Konzert in Leipzig, seiner Heimatstadt, ermöglichte. In Weimar sah Wagner Franz Liszt wieder. Im Juli traf er sich mit den Bülows, danach blieb er in Wien und wohnte einige Monate in [[Penzing (Wiener Bezirksteil)|Penzing]], um die geplante Uraufführung seines ''Tristan'' zu begleiten, zu der es aber wegen zahlreicher Schwierigkeiten nicht kam. Im [[Wiener Musikverein]] gab er im Beisein der [[Kaiserin Elisabeth]] einige umjubelte Konzerte, erstmals mit Ausschnitten aus seinem ''Ring''. 1863 gab Wagner Konzerte in [[Sankt Petersburg]], [[Moskau]], [[Budapest]], [[Prag]] und Karlsruhe, die künstlerisch erfolgreich waren, jedoch nicht die erwarteten Einnahmen brachten. Am 28. November bekannten sich Wagner und Cosima in Berlin gegenseitig ihre Liebe. Im Frühjahr 1864 flüchtete Wagner vor Steuerfahndung und Gläubigern aus Wien und besuchte [[Eliza Wille]] in Mariafeld bei Zürich. <br /> <br /> Als letzte Rettung aus größter finanzieller Not und persönlicher Verzweiflung wurde Wagner am 4. Mai 1864 von König [[Ludwig II. (Bayern)|Ludwig II.]] in [[München]] empfangen, der wenige Wochen zuvor im Alter von 18 Jahren die Regentschaft vom verstorbenen Vater [[Maximilian II. Joseph (Bayern)|Maximilian]] übernommen hatte. Wagner war nicht nur der Lieblingskomponist des Königs, sondern wurde auch sein „väterlicher” Freund und Berater. Der König blieb bis zum Tode Wagners dessen [[Mäzen]]. In dieser exponierten Stellung nahm Wagner Einfluss auf politische Entscheidungen des jungen Königs und verfasste verschiedene politische Schriften. Im Juni und Juli des gleichen Jahres weilte Cosima bei Wagner im Haus Pellet am [[Starnberger See]], wo sie ihre Liebesbeziehung besiegelten. Der König stellte ihm ein Haus in München, in der Brienner Straße, als Wohnsitz zur Verfügung. Am 10. April 1865 wurde Isolde, das erste gemeinsame Kind von Cosima von Bülow und Richard Wagner in München geboren. Am 10. Juni fand die Uraufführung von ''Tristan und Isolde'' in München statt. Am 17. Juli begann Wagner seine Autobiographie ''Mein Leben'' zu diktieren. Wegen heftiger Proteste der Bevölkerung und der Regierung, die Wagner und Ludwig II. Verschwendungssucht vorhielten, verließ Wagner Bayern in Richtung Schweiz. Er mietete vorübergehend ein Landhaus bei Genf, begann sich dort einzurichten und die Komposition des ersten Akts der ''Meistersinger'' fortzusetzen. Auf der Suche nach einem dauerhaften Wohnsitz reiste er nach Toulon, Lyon und Marseille.<br /> <br /> === Asyl in Tribschen ===<br /> Inzwischen war seine Frau Minna am 25. Januar 1866 in Dresden gestorben. Ende März mietete Wagner das bei Luzern gelegene Landhaus [[Tribschen]] und zog am 15. April dort ein. Die unterbrochene Kompositionsarbeit an den ''Meistersingern'' wurde wieder aufgenommen.<br /> [[Bild:Luzern Haus Tribschen.JPG|thumb|300px|Wagners Haus in Tribschen]]<br /> <br /> Am 22. Mai erhielt er überraschenden Besuch von König Ludwig. Dieser wollte als König abdanken und bei Richard Wagner bleiben, der den jungen König jedoch überzeugen konnte, nach München zurückzukehren.&lt;ref&gt;Briefwechsel König Ludwig und Richard Wagner.&lt;/ref&gt; Wenige Monate später zog Cosima mit ihren beiden Bülow-Kindern (Daniela und Blandine) und der Wagner-Tochter Isolde bei ihm ein. Eva (Eva Maria), Cosimas und Wagners zweites Kind, wurde dort am 17. Februar 1867 geboren. Die Uraufführung der ''Meistersinger'' fand am 21. Juni 1868 in München statt. Am 8. November begegnete Wagner in Leipzig [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]] das erste Mal. Ab dem 16. November lebte Cosima für immer bei Wagner. Sie begann am 1. Januar 1869 ihr Tagebuch zu schreiben. Friedrich Nietzsche, seit kurzem Professor in Basel, war regelmäßig in Tribschen zu Gast. Am 6. Juni 1869 wurde [[Siegfried Wagner]], Cosimas und Richards drittes Kind, in Tribschen geboren. Am 22. September fand auf Veranlassung König Ludwigs, jedoch gegen den Willen Wagners, in München die Uraufführung des ''Rheingold'' statt. Auch die Uraufführung der ''Walküre'' erfolgte ohne Wagners Zustimmung, der den ''Ring'' nur vollständig aufführen wollte, am 26. Juni 1870 in München. <br /> <br /> Am 18. Juli 1870 wurde die Ehe Cosimas und [[Hans von Bülow]]s geschieden, am 25. August wurden Cosima und Richard Wagner in der protestantischen Kirche von Luzern getraut. Am 25.&amp;nbsp;Dezember 1870 fand die Uraufführung des ''[[Tribschen#Siegfried-Idyll|Siegfried-Idylls]]'', als Geburtstagsgeschenk für Cosima auf der Treppe in Wagners Haus in Tribschen statt. 1871 wählte Wagner [[Bayreuth]] als Festspielort und kündigte erstmals Festspiele an. Im April reiste Wagner mit Cosima über Bayreuth nach Berlin, wo sie von [[Otto von Bismarck]] empfangen wurden. Zur Finanzierung der Festspiele wurden ab 1872 Patronatsscheine verkauft und die ersten Wagnervereine gegründet; eine wesentliche Rolle spielte hier [[Marie Gräfin Schleinitz]], die Wagner 1863 kennen gelernt hatte und zeitlebens enthusiastisch förderte. Im Frühjahr übersiedelte Wagner mit seiner Familie von Tribschen nach Bayreuth und konnte dort am 22. Mai den Grundstein für sein [[Bayreuther Festspielhaus|Festspielhaus]] legen. <br /> <br /> [[Bild:Bayreuth07.JPG|thumb|300px|Villa Wahnfried in Bayreuth]]<br /> [[Bild:Bayreuth Festspielhaus 2006-07-16.jpg|thumb|300px|Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth]]<br /> [[Bild:Richard Wagner at Bayreuth.jpg|thumb|300px|Richard Wagner in Bayreuth, Haus Wahnfried]]<br /> <br /> === Die Bayreuther Jahre ===<br /> Im Bayreuther Festspielhaus ließ Wagner ein „unsichtbares Orchester” anlegen, indem der [[Orchestergraben]] mit einer Abdeckung zum [[Publikum]] hin abgeschirmt wurde („[[mystischer Abgrund]]”), so dass die Konzentration der Zuschauer einzig auf die dramatische Handlung und die akustische Wahrnehmung der Musik gerichtet werden konnte, ohne dass deren Tonerzeugung sichtbar wurde. Wie sich zeigte, war durch diese Einrichtung aber auch eine besondere Klangqualität erreicht worden. Die einzigartige [[Akustik]] des Hauses beruht auch darauf, dass der Raum ein [[Holzbau]] ist und der Zuschauerraum keine [[Logenplatz|Loge]]n an den Seiten hat. Die Sitze sind ungepolstert, so dass weniger Schall geschluckt wird. Die Idee zu dieser Anlage des Festspielhauses geht zurück auf das Theater in Riga, wo Wagner in einer Art [[Scheune]] dirigieren musste, die durch eine Bretterwand unterteilt war, von deren Akustik er jedoch begeistert war.<br /> <br /> Im darauf folgenden Jahr war Wagner viel auf Konzertreisen unterwegs, um Geld für seine Festspiel-Stiftung einzuspielen. [[Anton Bruckner|Bruckner]] und Nietzsche waren zu Besuch in Bayreuth. Am 2. August 1873 war das [[Richtfest]] des Festspielhauses. In diesem Jahr hatte [[Friedrich Nietzsche]] seine ersten schweren Krankheitsanfälle. Auch Wagner wurde von den vielfältigen Belastungen seiner Arbeit zunehmend angegriffen und hatte in den letzten zehn Lebensjahren unter regelmäßigen Herzanfällen zu leiden.<br /> <br /> Am 28. April 1874 bezogen Cosima und Richard Wagner das [[Haus Wahnfried]]. Die Partitur des ''Ring des Nibelungen'' wurde am 21. November 1874 beendet und König Ludwig gewidmet, der mit einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung das Festspielunternehmen rettete, als Wagners eigene Mittel und eingehende Spenden zu versiegen drohten. In Anwesenheit Kaiser [[Wilhelm I. (Deutsches Reich)|Wilhelms I.]] begannen am 13. August 1876 die ersten [[Bayreuther Festspiele]] mit der vollständigen Aufführung des ''Ring des Nibelungen''. Im September reiste Wagner nach Italien und hatte eine letzte Begegnung mit Nietzsche in [[Sorrent (Kampanien)|Sorrent]]. In den Jahren 1877 bis 1879 arbeitete Wagner in seinem Haus Wahnfried am ''[[Parsifal]]''. Während eines London-Aufenthalts wurde er durch [[Victoria (Vereinigtes Königreich)|Königin Victoria]] von [[England]] empfangen. Am 31. Dezember 1879 verreiste Wagner erneut nach Italien und hielt sich im Folgejahr überwiegend in [[Neapel]], [[Ravello]], [[Siena]] und Venedig auf. Dort entstanden auch seine so genannten „Regenerationsschriften” ([[Religion und Kunst]]), die in den von [[Hans Paul von Wolzogen (Schriftsteller)|Hans von Wolzogen]] herausgegebenen „Bayreuther Blättern” veröffentlicht wurden.<br /> <br /> Im November 1881 reiste der gesundheitlich angeschlagene Wagner wegen des günstigeren Klimas mit seiner Familie nach [[Sizilien]] und vollendete am 13. Januar 1882 in [[Palermo]] den ''Parsifal'', der im selben Jahr bei den zweiten Bayreuther Festspielen am 26. Juli uraufgeführt wurde. Zuvor gab es in München eine Privataufführung des Parsifal-Vorspieles für König Ludwig; es war deren letzte Begegnung.<br /> <br /> === Tod in Venedig ===<br /> Am 16. September 1882 reiste Wagner mit seiner Familie abermals nach Venedig, wo er auch mehrere Wochen mit Franz Liszt zusammen war. Am 25. Dezember gaben sie (als Geburtstagsgeschenk für Cosima) letztmalig ein gemeinsames Konzert im [[Teatro La Fenice]]. <br /> <br /> Am 13. Februar 1883 hielt er sich in dem von ihm und seiner Familie bewohnten Seitenflügel des Palazzo Vendramin auf. Um die Mittagszeit wartete die Familie bei Tisch auf Wagner, der trotz Herzkrämpfen in seinem Arbeitszimmer an einem Aufsatz ''Über das Weibliche im Menschlichen'' schrieb. Das Hausmädchen fand ihn zusammengesunken an seinem Schreibtisch über den Worten „Gleichwohl geht der Prozeß der Emanzipation des Weibes nur unter ekstatischen Zuckungen vor sich. Liebe - Tragik”. Er sagte noch: „Meine Frau und der Doktor”, bevor er in Bewusstlosigkeit fiel und gegen 15.30 Uhr in Cosimas Armen starb. <br /> <br /> Der Bildhauer Augusto Benvenuti nahm am 14. Februar die Totenmaske ab, am 16. Februar wurde Wagners Leichnam, begleitet von seiner Familie und einigen Freunden, in zwei Sonderwagen, die dem Zug aus Venedig angehängt waren, über München nach [[Bayreuth]] überführt. Nach Ankunft am 18. Februar in Bayreuth wurde der Sarg unter den Klängen des Trauermarsches aus ''Götterdämmerung'' vom Bahnhof zur Villa Wahnfried geleitet und in der vorbereiteten Gruft im Garten beigesetzt.<br /> <br /> == Wirkung von Werk und Persönlichkeit ==<br /> === Intention Wagners ===<br /> <br /> [[File:Parsifal vor der Gralsburg.JPG|left|thumb|350px|&quot;Parsifal vor der Gralsburg&quot; — Weimar Germany 1928 von Hans Werner Schmidt (1859–1950)]]<br /> <br /> Wagner wollte die aus seiner Sicht „dekadenten” Theater reformieren und mit Hilfe der Kunst zu einer besseren Volks-Erziehung beitragen und somit die Welt verbessern. Bereits in jungen Jahren war er von der Idee beherrscht, Musik und Drama zu verknüpfen ([[Das Kunstwerk der Zukunft]], [[Oper und Drama]]) und in Anlehnung an die Tradition der griechischen Tragödien eine neue Kunstrichtung zu begründen. In seinen Schriften hat er immer wieder beschrieben, wie erst mit Hilfe von Musik dramatische Handlungen zu „Botschaften” werden können und die Musik (das weiblich „gebärende Element”) der Dichtung (der männlich „zeugende Samen”) zusätzliche Ausdruckskraft verleiht. <br /> <br /> :''Die Wissenschaft hat uns den Organismus der Sprache aufgedeckt; aber was sie uns zeigte, war ein abgestorbener Organismus, den nur die höchste Dichternot wieder zu beleben vermag, und zwar dadurch, dass sie die Wunden, die das anatomische Seziermesser schnitt, dem Leibe der Sprache wieder schließt, und ihm den Atem einhaucht, der ihn zur Selbstbewegung beseele. Dieser Atem aber ist: – die Musik!''&lt;ref&gt;Richard Wagner: Oper und Drama&lt;/ref&gt; <br /> <br /> Seine Konzeption vertrat er mit Vehemenz und arbeitete zielstrebig darauf hin, seine Kunst-Idealvorstellung - in Form von Festspielen an einem Ort der Muße - zu verwirklichen. In König Ludwig II. fand er einen Gleichgesinnten, so dass beide ihre Kunst-Ideale (Festspielhaus, Musikschule, Kunsterziehung) in München realisieren wollten. Dies Vorhaben scheiterte jedoch und konnte durch beide erst später in Bayreuth verwirklicht werden. Dort entwickelte sich Wagners Festspielkonzept vor allem mit seinem Bühnenweihfestspiel [[Parsifal]] zu einem „Religionsersatz” durch die Kunst ([[Religion und Kunst]]).<br /> <br /> === Musik ===<br /> Wagners Werk ist ein Höhepunkt der romantischen Musik und beeinflusste viele Zeitgenossen und spätere Komponisten erheblich. Vor allem der [[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan]] brachte die Musiksprache des 19. Jahrhunderts weit voran und gilt vielen als Ausgangspunkt der [[Neue Musik|Modernen Musik]]. <br /> [[Bild:Tristanakkord.jpg|right|thumb|Der so genannte [[Tristan-Akkord]] (Musiktheorie)]]<br /> <br /> Das betrifft vor allem die [[Harmonik]]. Während in der Epoche der Klassik bis zum Tode [[Beethoven]]s die [[Melodik]] der vorrangige Bereich der Erfindungskraft war und als persönliche Sprache der Komponisten betrachtet wurde, tritt mit Wagner und Liszt die [[Harmonik]] in den Vordergrund. Mit dem Tristan, dessen erster Akt 1857 komponiert wurde, führte Wagner sie weit über den Stand, auf dem [[Johannes Brahms|Brahms]] noch 1892 in seinen späten Klavierstücken op. 117 bis 119 verblieb &lt;ref&gt; Diether de la Motte, Harmonielehre, Richard Wagner, Bärenreiter, Kassel 1985, S212. &lt;/ref&gt;. Sie ist das Gebiet, auf dem seine Phantasie sich entfaltet, einen charakteristischen Personalstil entwickelt und durch die jeweilige dramatische Situation des Geschehens in Grenzen gehalten wird, sich also nicht im Unendlichen verliert. Wagners Einfluss auf die Musikgeschichte erhellt schon daraus, dass über hundert Jahre nach der Komposition des Werkes die komplexen harmonischen Verläufe des „Tristan-Akkords” analysiert und unterschiedlich interpretiert wurden und von der Krise der modernen Harmonielehre die Rede war &lt;ref&gt; Martin Vogel, Der Tristan-Akkord und die Krise der modernen Harmonielehre, Düsseldorf 1962 &lt;/ref&gt;.<br /> Dieser Bewertung wird gelegentlich entgegengehalten, dass andere Komponisten vor Wagner bedeutende harmonische Neuerungen in die Musik eingeführt haben. Dies gilt etwa für [[Frédéric Chopin]], dessen gewagte Chromatik bzw. Harmonik – etwa in einigen Préludes und Nocturnes – seine Zeitgenossen überraschte.<br /> [[Bild:Richard_Wagner_-_Tristan_und_Isolde_-_Vorspiel.ogg|Tristan und Isolde – Vorspiel|thumb]]<br /> Es kann bei Wagners Einfluss, dem sich viele zu entziehen versuchten, zudem nicht von einer kontinuierlichen, gleichförmigen Entwicklung gesprochen werden. Komponisten wie etwa [[Tschaikowsky]] und [[Antonín Dvořák]] bewegten sich noch in „traditionellen” harmonischen Bahnen, während vor allem [[Richard Strauss]] und [[Gustav Mahler]] die wagnersche Tonsprache übernahmen.<br /> <br /> Gattungsgeschichtlich liegt Wagners Bedeutung in der Weiterentwicklung der sog. Nummernoper zum Musikdrama. Während etwa [[Carl Maria von Weber|Webers]] „[[Der Freischütz|Freischütz]]” eine Abfolge einzelner Nummern (Arien, Duette, Chöre etc.) darstellt, die durch gesprochene Rezitative miteinander verbunden werden, herrscht bei Wagner – vor allem in seinen reifen Werken – die sog. „unendliche Melodie”. Das Orchester beginnt am Anfang eines Aktes zu spielen und hört am Aktende auf. Gesprochen wird nicht. Es gibt keine Arien mehr, sondern – gesungene – Erzählungen bzw. Monologe, Dialoge etc. Sie stehen aber nicht isoliert neben- bzw. nacheinander, sondern werden untereinander durch die Orchestermusik verwoben. Dabei bedient sich Wagner der [[Leitmotiv|Leitmotivtechnik]], d. h. einer bestimmten Person, einem Gegenstand oder einem Gefühl (Liebe, Sehnsucht, Wut) wird ein bestimmtes musikalisches Motiv zugeordnet, das immer dann zu hören ist, wenn die Person, der Gegenstand oder das Gefühl auftauchen. <br /> Wagner wollte „Gedachtes” und „Gefühltes” musikalisch ausdrücken und bewirkte mit einer solchen „absichtsvollen Musik” eine bis dahin nicht gekannte „psychologische Wirkung” beim Zuhörer. Mit der Leitmotivtechnik im „Ring des Nibelungen” und bei „Tristan und Isolde” ist ihm dies eindrucksvoll gelungen. In einem Fall soll Wagners Musik Emotionen ausgelöst haben, die zum Tode führten; so beim Herztod des Dirigenten [[Josef Keilberth]] im 2. Akt „Tristan” in München.<br /> [[Bild:Richard Wagner als Dirigent.JPG|thumb|Schattenriss von W. Bithorn]]<br /> <br /> === Wagner als Dirigent ===<br /> Wagner prägte nachhaltig den Dirigierstil. Er dirigierte auswendig und unterstrich die Emotionalität der Musik durch Mimik und Gestik, was bis dahin nicht üblich war. Von großer Wirkung war die Aufführung der [[9. Sinfonie (Beethoven)|9. Symphonie von Beethoven]], die er am Palmsonntag 1846 in Dresden nach vielen Proben dirigierte. Wie in Dresden waren es auch später in Zürich oder London Wagners Interpretationen beethovenscher Symphonien, die ihn als Experten für dessen Dirigate auswiesen. Der Bildhauer [[Gustav Adolph Kietz]], jüngerer Bruder des Porträtmalers und Wagner-Freundes Ernst Benedikt Kietz, berichtet in seinen Erinnerungen:<br /> :''Das Haupt erhoben, den Oberkörper unbewegt, die linke Hand an der Seite ruhend, in der rechten den Taktstock, nicht mit dem Arm, sondern mit dem Handgelenk dirigierend – so steht Wagner in der Aufführung vor dem Orchester. Seine Leidenschaftlichkeit scheint nach außen gebändigt, sie entlädt sich aber im Mienenspiel und vor allem im Blick des Auges, das er als das wichtigste Mittel der Willensübertragung bezeichnet. Indem er auswendig dirigierte – was ihm Kritiker als Koketterie auslegten – behält er die Musiker im Auge, und ein jeder fühlt sich von ihm angesprochen. Vorübergehend setzt er mit dem Taktschlagen aus, um einer melodischen Linie das „Sprechende” zu verleihen. Aber dann versteht er es, die Musiker mit seinem Stab zu bannen und zum zartesten Pianissimo, zu Ausbrüchen der Verzweiflung, der Begeisterung mitzureißen.''<br /> <br /> [[Bild:Pierre-Auguste Renoir 114.jpg|thumb|Portrait Wagners von [[Pierre-Auguste Renoir]], 1882]]<br /> <br /> === Wagner als Persönlichkeit ===<br /> Wagner war schon früh davon überzeugt, ein Genie zu sein. „In fünfzig Jahren werde ich der Beherrscher der musikalischen Welt sein”, prophezeite er. Er war mit einem Körpermaß von 1,66 Meter nicht groß, hatte aber eine starke Ausstrahlung, wie selbst einer seiner größten Kritiker, der Wiener Rezensent [[Eduard Hanslick]] konstatieren musste: <br /> <br /> :''Er sprach unglaublich viel und schnell, in monoton singendem sächsischem Dialekt; er sprach in einem fort und immer von sich selbst, von seinen Werken, seinen Reformen, seinen Plänen. Er war der personifizierte Egoismus, rastlos tätig für sich selbst, teilnahmslos, rücksichtslos gegen andere. Dabei übte er doch den unbegreiflichen Zauber, sich Freunde zu machen und sie festzuhalten. Die hypnotisierende Gewalt, welche Wagner nicht bloß durch seine Musik ausübte, sondern auch durch seine Persönlichkeit, reicht hin, ihn zu einer der bedeutendsten Erscheinungen, zu einem Phänomen von Energie und Begabung zu stempeln.''&lt;ref&gt;Eduard Hanslick: Aus meinem Leben. Berlin 1911&lt;/ref&gt; <br /> Wagner hatte „sein Herz auf der Zunge” und gewann viele Freunde, die sich für ihn und seine Kunst einsetzten, z. B. Franz Liszt, Otto von Wesendonck, Julie Ritter u.&amp;nbsp;a. Er konnte charmant sein und beanspruchte für sich und seine Kunst, von der „Gesellschaft” unterstützt zu werden (es gab damals noch keine Tantiemen für Wiederaufführungen von Kunstwerken). Seine finanziellen Probleme sah er als „lächerliche Schulden”, denen man in der Zukunft eine erheblich größere „Aktiva” gegenüberstellen könne. Erst durch König Ludwig II. konnte dieser „Anspruch” erfüllt werden, wobei Wagner es immer als Priorität ansah, seine Festspielidee verwirklichen zu können. <br /> <br /> Cosima Wagner verstand es, ihr Idol und ihren späteren Ehemann „ins rechte Licht” zu setzen, beispielsweise durch den „Hausbiographen” [[Carl Friedrich Glasenapp]], der noch zu Wagners Lebzeiten eine mehrbändige Biographie zu schreiben begann. Seine Autobiographie diktierte Wagner seiner Frau Cosima und schenkte den ersten Privatdruck seinem „Freund” König Ludwig II. Erst im Jahre 1911 wurde die Autobiographie veröffentlicht. Wagner wurde von verschiedenen Malern porträtiert, u. a. von [[Franz von Lenbach]] und [[Pierre-Auguste Renoir]] (1882).<br /> <br /> === Rezeption ===<br /> Wie kaum ein anderer Künstler hat Wagner polarisiert, und bis in die Gegenwart beschäftigen sich Interpreten unterschiedlicher Disziplinen mit seinem vielschichtigen Werk. Neben Komponisten, die Wagner ablehnten, wie [[Johannes Brahms|Brahms]] und [[Tschaikowsky]], gab es Kritiker wie Nietzsche – und später Adorno –, die nicht nur auf die Gefahren des „sinnbetörenden Rausches” hinwiesen, sondern sich mit den Wirkungen Wagners auf die Musik der Zukunft, ja der gesamten Kultur auseinandersetzten.<br /> [[Bild:Nietzsche1882.jpg|thumb|160px|Friedrich Nietzsche, 1882]]<br /> <br /> ==== [[Friedrich Nietzsche]] ====<br /> Zunächst hatte Nietzsche Wagner in seiner frühen Schrift [[Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik]] noch als Erneuerer deutscher Kultur gefeiert und ihm in seinen ''Unzeitgemäßen Betrachtungen'' einen eigenen Essay ''Richard Wagner in Bayreuth'' gewidmet. Nachdem er sich in ''Menschliches, Allzumenschliches'' (1878–1880) von seinem früheren Abgott schrittweise gelöst hatte, publizierte er später etliche kritische, ja hämische Schriften, in denen er Wagner, vor allem nach dessen [[Parsifal]], zudem der Dekadenz, des „undeutschen” Wesens und der Sinnbenebelung bezichtigte und über das geistige Niveau der sog. Wagnerianer in [[Bayreuth]] spottete. <br /> <br /> Nietzsches Kritik an Wagner ist vielschichtig, und obwohl sie sich vor allem am Spätwerk, dem Parsifal entzündete, bezog er sie nun auch auf frühere Werke und den ''Ring'', den er in den Unzeitgemäßen Betrachtungen noch gefeiert hatte. Als ehemaliger „Schüler” Schopenhauers (''Schopenhauer als Erzieher''), der sich später gegen den Pessimismus seines Lehrers stellte, analysierte Nietzsche dessen Einfluss auf Wagner. Habe Wagner als revolutionärer Denker zunächst in Verträgen, Gesetzen, Institutionen das Übel der Welt erblickt – das Vertragsmotiv im Ring –, änderte sich später sein Weltbild, und das [[christlich]]e Motiv der [[Erlösung]] trat in den Mittelpunkt. Viele Figuren Wagners sollten fortan „erlöst” werden. Wagners „Schiff” sei nach der „Götterdämmerung der alten Moral” lange Zeit „lustig auf dieser Bahn” (des Optimismus) gelaufen, bis es auf das „Riff” der schopenhauerschen Philosophie gefahren sei &lt;ref&gt; Friedrich Nietzsche, ''Der Fall Wagner'', Abschnitt 4 &lt;/ref&gt;. Er habe dann den ''Ring'' ins Schopenhauersche übersetzt: Alles auf der Welt laufe schief, und alles gehe zugrunde. So sei nur das Nichts, die Auslöschung, die „[[Ragnarök|Götterdämmerung]]” die Erlösung – und dieses Nichts werde von Wagner nun unaufhörlich gefeiert. In den anderen kurzen Spätschriften wie ''Nietzsche contra Wagner'' und Teilen von ''Ecce homo'' wiederholte er seine Angriffe und Vorwürfe der décadence. <br /> :''Denn der Parsifal ist ein Werk der Tücke, der Rachsucht, der heimlichen Giftmischerei gegen die Voraussetzungen des Lebens, ein schlechtes Werk. – Die Predigt der Keuschheit bleibt eine Aufreizung zur Widernatur: Ich verachte jedermann, der den Parsifal nicht als Attentat auf die Sinnlichkeit empfindet''. &lt;ref&gt;''Nietzsche contra Wagner'', Wagner als Apostel der Keuschheit, 3&lt;/ref&gt;<br /> <br /> Bei aller Kritik an Wagner gab Nietzsche halb ironisch zu, dass man schon aus psychologischen Gründen auf Wagner nicht verzichten könne. Zwar sei [[Georges Bizet]]s helle, südliche und diesseitige Welt der schweren und schwülen Atmosphäre Wagners vorzuziehen, doch kein Psychologe könne auf Wagner verzichten.<br /> <br /> Kurz vor seinem Zusammenbruch im Januar 1889 in Turin, zog Nietzsche in seinen Spätwerken ''Ecce homo'', ''Götzen-Dämmerung'' und ''Der Fall Wagner'' eine brennglasartige Bilanz seines Denkens. In seinem letzten Werk, [[Nietzsche contra Wagner]], das er zu Weihnachten 1888 veröffentlichte, setzte er sich schonungslos mit Wagner, den Deutschen und deren „décadence” auseinander. <br /> <br /> Siehe: [[Nietzsche contra Wagner]]<br /> <br /> ==== [[Franz Liszt]] ====<br /> Das Verhältnis Liszt-Wagner war nicht ohne Spannungen. Mit „Altersweisheit” fanden sie wieder zueinander. Nach Wagners plötzlichem Tod schrieb Liszt an Olga von Meyendorff:<br /> :''Die Zeitungen sind voll von Notizen über den Tod des großen Dichterkomponisten (...), des unübertrefflichen Gestalters eines Ideals, das vor ihm in der Gesamt-Kunst, Dichtung, Musik und Theaterdarstellung, nicht verwirklicht wurde (...) Wagner nur als eine berühmte oder ausgezeichnete Persönlichkeit anzusehen scheint mir eine, wenn auch noch so wenig, törichte Täuschung zu sein. Die Verästelungen seines Geistes kommen aus tiefsten Wurzeln hervor. In Ihm überwiegt das Übermenschliche.''<br /> [[Bild:Thomas Mann 1937.jpg|160px|thumb|Thomas Mann, 1937 &lt;br&gt;&lt;small&gt;Foto von [[Carl van Vechten]]&lt;/small&gt;]]<br /> <br /> ==== [[Thomas Mann]] ====<br /> Thomas Mann beschäftigte sich in Essays, Vorträgen und seinem epischen Werk immer wieder mit Wagner. Er konnte sich dem Klangrausch seiner Musik nicht entziehen und analysierte in kritischen Abhandlungen die Schwächen Wagners:<br /> :''Wagner, das Pumpgenie, der luxusbedürftige Revolutionär, der namenlos unbescheidene, nur von sich erfüllte, ewig monologisierende, rodomontierende, die Welt über alles belehrende Propagandist und Schauspieler seiner selbst...''<br /> <br /> :''Die Passion für Wagners zaubervolles Werk begleitet mein Leben, seit ich seiner zuerst gewahr wurde und es mir zu erobern, es mit Erkenntnis zu durchdringen begann. Was ich ihm als Genießender und Lernender verdanke, kann ich nie vergessen, nie die Stunden tiefen, einsamen Glückes inmitten der Theatermenge, Stunden voll von Schauern und Wonnen der Nerven und des Intellektes, von Einblicken in rührende und große Bedeutsamkeiten, wie eben nur diese Kunst sie gewährt. Meine Neugier nach ihr ist nie ermüdet; ich bin nicht satt geworden, sie zu belauschen, zu bewundern, zu überwachen – nicht ohne Misstrauen, ich gebe es zu.''&lt;ref&gt;{{internetquelle|autor=Josef Lehmkuhl|hrsg= Königshausen &amp; Neumann, ISBN 978-3-826-03347-6 |url=http://books.google.com/books?id=hR6KS3W2vUwC&amp;pg=PA8&amp;lpg=PA8&amp;dq=Wagner,+das+Pumpgenie,+der+luxusbed%C3%BCrftige+Revolution%C3%A4r,&amp;source=bl&amp;ots=FfCCydt1gB&amp;sig=Wn663vLvRvw61eFZtJP1yNIwSJ8&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;resnum=4&amp;ct=result|titel=... kennst du genau den Ring? Seite 8 f|zugriff=26. November 2008}}&lt;/ref&gt;<br /> <br /> In seinem später als Essay erschienenen Vortrag „[[Leiden und Größe Richard Wagners]]”, den er 1933 zum fünfzigsten Todestag Wagners in München hielt, analysierte er das wagnersche Lebenswerk und setzte sich derart kritisch mit der Persönlichkeit und seelischen Qualität der Musik Wagners auseinander, dass es zu einem inszenierten Protest gegen den Schriftsteller kam. Dieser ''Protest der Richard-Wagner-Stadt München'', der am 16./17. April 1933 in den ''Münchener Neuesten Nachrichten'' erschien und u. a. von [[Hans Knappertsbusch]], [[Richard Strauss]] und [[Hans Pfitzner]] unterzeichnet war, befestigte Thomas Manns in dem Entschluss, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Die Verfasser warfen Thomas Mann vor, von den Idealen der [[Betrachtungen eines Unpolitischen]] abgerückt zu sein und mit „ästhetisierendem Snobismus” das „tiefste deutsche Gefühl”&lt;ref&gt; zit. nach Thomas Mann, ''Achtung Europa`'', Band 4, Hrsg. Hermann Kurzke, Frankfurt am Main, 1995 S. 342 &lt;/ref&gt; zu beleidigen und den „großen deutschen Meister”&lt;ref&gt;{{internetquelle|autor=Klaus Schröter|hrsg=|url=http://books.google.com/books?id=LP5iN-aJoXMC&amp;pg=PA199&amp;lpg=PA199&amp;dq=gro%C3%9Fen+deutschen+Meister+Wagner&amp;source=web&amp;ots=5K_4wEakte&amp;sig=AKgR2oHQuib0h9-Jq8-CO6ScWrg&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;resnum=3&amp;ct=result|titel=Thomas Mann im Urteil seiner Zeit|zugriff=26. November 2008}}&lt;/ref&gt;<br /> zu verunglimpfen.<br /> <br /> ==== [[Theodor W. Adorno]] ====<br /> Der Sozialphilosoph, Musiktheoretiker der [[Zweite Wiener Schule|Zweiten Wiener Schule]] beschäftigte sich u. a. in seinem Buch „Versuch über Wagner” mit dem Werk des Komponisten. <br /> :''Seine Musik gebärdet sich, als ob ihr keine Stunde schlüge, während sie bloß die Stunden ihrer Dauer verleugnet, indem sie sie zurückführt in den Anfang. Die Dynamik der permanenten Regression hat dem Wagnerschen Werk ein Rätselhaftes verliehen, und heute noch bleibt dem Hörer, im Unterschied zu fast jeder anderen Musik, trotz aller Vertrautheit das Unauflösliche des blinden Flecks zurück. Wagner verweigert dem Gehör, das ihn begleitet, die feste Bestimmung und lässt es im Zweifel, ob der Formsinn eines jeden Augenblicks richtig aufgefasst sei.''<br /> <br /> ==== [[Marcel Prawy]] ====<br /> Der Wiener Dramaturg, Theater- und Musikkritiker resümiert in seiner Wagner-Hommage:&lt;ref&gt;Marcel Prawy: „Nun sei bedankt”, mein Richard-Wagner-Buch. München 1982; ISBN 3-442-10191-3&lt;/ref&gt;<br /> :''Man muss diesem Leben Verständnis entgegenbringen, einem Leben, das nur einem Ziel gedient hat: dem Theater seiner Vision. Wagners Leben und Werk sind das phantastische Märchen der Tausend-und-zweiten Nacht ... er wurde am 22. Mai 1813 geboren ... und ist niemals gestorben.<br /> <br /> == Wagner und der Antisemitismus ==<br /> === Antisemitismus im Umfeld Wagners ===<br /> [[Bild:Hschamberlain1895.jpg|right|thumb|160jpx|Houston Stewart Chamberlain 1895]]<br /> Die Bewertung von Richard Wagners [[Antisemitismus]] ist bis heute von verschiedenen Perspektiven und Interpretationen seines Wirkens und seiner Werke geprägt, die in nicht unwesentlichem Maße seine eigene Ambivalenz im Verhältnis zum [[Judentum]], Religion im Allgemeinen und der politischen Landschaft seiner Zeit widerspiegelt. Wagners Äußerungen griffen jene antisemitischen Stereotypen und Reflexe auf, die er in Deutschland und Europa des 19. Jahrhunderts bereits vorfand und deren Ursprung sich bis zu [[Martin Luther]] zurückverfolgen lässt, der seinen [[Antijudaismus]] in mehreren Schriften zum Ausdruck brachte, u. a. „[[Von den Jüden und iren Lügen]]” (1543). Antisemitismus gehörte in Wagners Umfeld zum „guten Ton”, vor allem während der Zeit mit Cosima, die eine extreme antisemitische Einstellung hatte und deren Rolle somit kritisch beleuchtet werden muss.<br /> <br /> Der englische Schriftsteller [[Houston Stewart Chamberlain]], Verfasser der „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts”, einem Werk, dessen schwärmerischer Germanenkult von antisemitischem und rassistischem Gedankengut durchzogen ist, heiratete 1908 Wagners zweite Tochter Eva. Chamberlain gilt als einer der ideologischen Wegbereiter des nationalsozialistischen Antisemitismus. Er versuchte mit seinen Schriften, auch Wagners Werke im Sinne des [[Nationalsozialismus]] umzudeuten.<br /> <br /> === Wagners Antisemitismus ===<br /> [[Bild:Mendelssohn Bartholdy.jpg|180px|thumb|upright|Felix Mendelssohn Bartholdy mit 30 Jahren. Aquarell von [[James Warren Childe]] (Ausschnitt), 1839]]<br /> Wagners Weltbild, in dem sich künstlerische und politisch-agitatorische Ambitionen vermischten, war geprägt von einer pauschalen Sehnsucht nach Aufbruch, Umsturz und Revolution, nach einer meist nicht näher definierten neuen Kunst und Gesellschaft durch Untergang des Bestehenden (siehe: [[Die Kunst und die Revolution]]). Seine Motivation war eine sich stets wandelnde Mischung aus humanistisch-aufklärerischer Revolution gegen Aristokratie, romantischer Aspekte wie der Rückkehr zur Natur und der Ablehnung der [[Industrialisierung]], sowie [[Nationalismus|nationalistischer]] Phantasien von der totalen Einheit einer Rasse oder eines Volkes.<br /> <br /> Ressentiments gegen deutsche Juden waren für Wagner ein willkommenes Ventil für seinen ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex, wie einige Biographen meinen, beispielsweise der Tiefenpsychologe [[Josef Rattner]], der in einem „Psychogramm” Wagners Antisemitismus wie folgt erklärt:<br /> <br /> :''Wer so hartnäckig um eine Ideologie des Hasses kreist, bedarf ihrer und kann anscheinend ohne sie nicht leben. Daher muss das antisemitische und rassistische Element in Wagners Persönlichkeit in einem größeren Zusammenhang gesehen werden.''&lt;ref&gt;Josef Rattner: Richard Wagner im Lichte der Tiefenpsychologie. Berlin 1984&lt;/ref&gt; <br /> <br /> Rattner führt weiter aus, dass Wagners Antisemitismus – auch der von Cosima Wagner – eine Beihilfe zur Integration in die „vornehme Welt” gewesen sei. Mit dem dauernden Sichaufreizen am Judentum „vollzog das Ehepaar Wagner ein Ritual”. Sie hätten sich dabei gegenseitig ihr „Wohlgeborensein”, ihre „Deutschheit” und zumindest ihre „rassische Aristokratie” versichert. Zwei ehrgeizige, auf Perfektionismus bedachte Charaktere hätten sich im Antisemitismus zur wechselseitigen und absoluten Selbstbestätigung vereinigt. <br /> <br /> Seine von Freunden und Bekannten häufig beschriebene Ruhmsucht, sein Hang zu Luxus, Verschwendung und Blendwerk waren ausgerechnet die Eigenschaften, die er häufig den Juden vorwarf. Wagner gehörte wie seine Geschwister zum Theatermilieu, das sich damals vom [[fahrendes Volk|fahrenden Volk]] zu emanzipieren und bürgerliche Anerkennung zu erwerben versuchte. Die [[jüdische Emanzipation]] im Zuge der Gewerbefreiheit und der Auflösung der Berufsverbote und Zünfte wurde von anderen Unterprivilegierten als bedrohliche Konkurrenz gesehen. <br /> <br /> Blieben finanzieller Erfolg und Anerkennung aus, so wähnte Wagner sich nicht selten als Opfer angeblicher jüdischer Gegnerschaft. Die missgünstige Geringschätzung und Diffamierung von jüdischen Komponisten wie [[Giacomo Meyerbeer]] und [[Felix Mendelssohn Bartholdy]] versuchte er mit Schriften wie [[Das Judentum in der Musik]] und dem darauf aufbauenden ''Brief an Gräfin Muchanow'' zu theoretisieren; wie Kritiker anführen, um diese persönliche Motivation zu überdecken. In diesem Zusammenhang wird auch der musikalische Einfluss Mendelssohns auf Wagner diskutiert. So waren einige Frühwerke Wagners, wie etwa die ''Columbus-Ouvertüre'', teilweise von Kompositionen Mendelssohns angeregt worden. Trotz persönlicher Vorbehalte rühmte Wagner Mendelssohns Musik; dessen ''[[Die Hebriden (Mendelssohn)|Hebriden-Ouvertüre]]'' bezeichnete er 1879 in den „Bayreuther Blättern” als „eines der schönsten Musikwerke, die wir besitzen”.<br /> <br /> Wagners Einsatz für den [[Tierschutz]] am Ende seines Lebens hatte auch antisemitische Anklänge. Angelehnt an [[Schopenhauer]] hielt er [[Schächtung]] und [[Vivisektion]] für zwei Seiten einer Medaille und Ausdruck einer „Jüdischen Medizin”&lt;ref&gt;ARLUKE, A. &amp; B. SAX (1992): Understanding Nazi Animal Protection and the Holocaust. Anthrozoös, H. 5, 6-31&lt;/ref&gt;. Wagner unterstützte unter anderem in einem offenen Brief&lt;ref&gt;Offenes Schreiben an Herrn Ernst von Weber Verfasser der Schrift Die Folterkammern der Wissenschaft, 1879, R. Wagner, Gesammelte Werke, Leipzig 1888&lt;/ref&gt; Anliegen der Tierschutzbewegung im Kaiserreich. Wagner betonte, die Menschheit könne durch Verzicht auf Fleischgenuss zu einem höheren moralischen Dasein gelangen, wurde selbst aber nicht Vegetarier. <br /> <br /> Wagners Schriften und Äußerungen über und gegen Juden umfassen ein weites Spektrum. Dieses reicht von niedersten, affektiven Tiraden über die angesprochenen Theorien bis hin zu fast versöhnlichen Tönen und – wie einige Historiker und Musikkritiker meinen – zu einer Identifizierung mit der Außenseiterrolle der Juden als jemand, der sich selbst oft als Außenseiter empfand. <br /> <br /> Wagner pflegte Freundschaften zu jüdischen Landsleuten wie seinem Helfer Karl Tausig, [[Joseph Rubinstein]], [[Angelo Neumann]] und der berühmten Sängerin [[Lilli Lehmann]]. Bemerkenswert ist, dass er am Ende seines Lebens die [[Parsifal]]-Uraufführung [[Hermann Levi]] anvertraute, der ebenfalls zu seinem jüdischen Freundeskreis zählte und Sohn eines Rabbiners war. Ob das ein Widerspruch zu seinen antisemitischen Äußerungen ist und inwieweit diese dadurch relativiert werden, ist Gegenstand der Debatte. Der Musikkritiker [[Joachim Kaiser]] hat verschiedentlich darauf hingewiesen, dass sich antisemitische Äußerungen in dem, was Wagner wirklich wichtig war, nämlich seinen musikdramatischen Werken, nicht nachweisen lassen, wenngleich – etwa von [[Saul Friedländer]] – die Auffassung vertreten wurde, einige Figuren wie Mime und Alberich aus dem „Ring” zeigten Züge von Judenkarikaturen.<br /> <br /> Ein Kongress mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas ''Wagner und die Juden'' fand erstmalig im Festspielsommer 1998 in Bayreuth unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus Deutschland, Israel und den USA statt, die Beiträge und z. T. sehr kontroversen Diskussionen wurden unter der Herausgeberschaft von [[Dieter Borchmeyer]] u.&amp;nbsp;a. publiziert.&lt;ref&gt;[http://www.sun.rhbnc.ac.uk/Music/Conferences/98-8-wuj.html Kongress Richard Wagner und die Juden, Kurzfassungen der Beiträge]&lt;/ref&gt;<br /> <br /> === Wagner und Hitler ===<br /> Die tradierte Wagner-Rezeption beschwichtigt, Wagners journalistischer Antisemitismus wäre eine Randnotiz geblieben, hätte ihn nicht das [[Nationalsozialismus|nationalsozialistische]] Regime unter [[Adolf Hitler]] vereinnahmt. Es hatte ihn zum deutschen Komponisten par excellence stilisiert und in seinem Niedergang Wagners Musiktheater für einen mortalen Endzeit-Kult missbraucht. <br /> <br /> Während seiner Wiener Zeit ging Hitler regelmäßig in die Oper und beschäftigte sich intensiv mit Wagner. Als Vorbild eigener Lebensvisionen war Wagner für ihn ein vergöttertes Idol &lt;ref&gt;Joachim Fest: ''Hitler. Eine Biographie''. Ullstein, Berlin Neuausgabe 2002, Lizenzausgabe des Spiegel-Verlags, Hamburg 2007, S. 94 &lt;/ref&gt;. Wie [[Joachim Fest]] beschreibt, machte die eingebildete Nachfolge die „Verführung durch den romantischen Geniebegriff deutlich”, welcher in Wagner seine Erfüllung und Entgleisung gefunden habe. Die eskapistischen Träume des scheiternden, im Männerheim lebenden Künstlers Hitler entzündeten sich am Genie Wagners. Hitler erklärte später, mit Ausnahme Wagners keine Vorläufer gehabt zu haben und bezeichnete Wagner als „größte Prophetengestalt, die das deutsche Volk besessen” habe. &lt;ref&gt; zit. Nach Joachim Fest: ''Hitler. Eine Biographie'' S. 96 &lt;/ref&gt;<br /> <br /> [[Bild:Wagner Das Judenthum in der Musik 1869.jpg|thumb| 140px| Original-Broschur 1869]]<br /> In seiner Broschüre ''Das Judenthum in der Musik'' (1869) schreibt Richard Wagner ohne notwendigen Bezug auf die musiktheoretische Polemik vom ''„natürlichen Widerwillen gegen jüdisches Wesen”'' und: ''„Der Jude ist nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge dieser Welt wirklich bereits mehr als emanzipiert: er herrscht, und wird solange herrschen, als das Geld die Macht bleibt, vor welcher alles unser Thun und Treiben seine Kraft verliert”.'' An die Juden gerichtet schließt er mit den Worten: ''„Aber bedenkt, dass nur Eines eure Erlösung von dem auf euch lastenden Fluche sein kann: die Erlösung Ahasvers, - der U n t e r g a n g !”'' (so gesperrt im Original).<br /> <br /> Richard Wagner hatte diesen Text bereits 1850 in der Neue[n] Zeitschrift für Musik unter dem Pseudonym ''„K. Freigedank”'' publiziert. 1869 tritt er damit wieder [!] an die Öffentlichkeit, diesmal unter eigenem Namen und mit einem Anhang (S. 31 – 57), der den ursprünglichen Aufsatz an Judenhass und Demagogie übertrifft. In ihm heißt es gegen Ende in tückischer Resignation, doch gleichwohl appellativ: ''„Ob der Verfall unserer Cultur durch eine gewaltsame Auswerfung des zersetzenden fremden Elementes aufgehalten werden könne, vermag ich nicht zu beurtheilen, weil hierzu Kräfte gehören müssten, deren Vorhandensein mir unbekannt ist.”'' Es ist unwahrscheinlich, dass Hitler diese Schrift nicht gekannt hat. Jedenfalls hat sich der gescheiterte Künstler Hitler, dem Massenerschütterer und Großmeister des Musiktheaters verfallen, &lt;ref&gt; So hat Thomas Mann Richard Wagner bezeichnet. &lt;/ref&gt; zum Vollstrecker seines Propheten gemacht. &lt;ref&gt; Köhler, Joachim: Wagners Hitler. Der Prophet und sein Vollstrecker. München: K. Blessing 1997 &lt;/ref&gt; <br /> <br /> Das auf die Juden gemünzte Begriffspaar &quot;Dämon&quot; und &quot;Verfall&quot; taucht zuerst bei Wagner auf &lt;ref&gt;&quot;Erkenne dich selbst&quot; 1881&lt;/ref&gt;. Es wird von [[Alfred Rosenberg]] in einer antisemitischen Schrift von 1923 aufgegriffen: ''Als eines der Vorzeichen dieses kommenden Kampfes...steht die Erkenntnis des Wesens des Dämons unseres heutigen Verfalls...'' &lt;ref&gt;&quot;Die Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische Weltpolitik&quot; Böpple, München 1923, Ausgabe 1933 auf S. 133&lt;/ref&gt; und taucht sinngemäß bei Hitler wieder auf. Der Dämon wird zum &quot;Polypen&quot;, einem häufigen Karikatur-Motiv gegen Juden. Verfall gerät zu &quot;Umstrickung&quot;: ''Werden unser Volk ... das Opfer dieser blut- und geldgierigen jüdischen Völkertyrannen, so sinkt die ganze Erde in die Umstrickung dieses Polypen...'' &lt;ref&gt;&quot;Mein kampf&quot; 721. Aufl. 1942, S. 703&lt;/ref&gt;, <br /> <br /> Hitlers Lieblingsopern waren ''Rienzi, der letzte der Tribunen'' und ''Parsifal''. Aus ''Parsifal'' wollte er sich „seine Religion bauen”: ''Gottesdienst in feierlicher Form ohne theologisches Parteiengezänk, ohne ekelhafte Kutten und Weiberröcke''.&lt;ref&gt; Hermann Rauschning; Gespräche mit Hitler.&lt;/ref&gt; <br /> Hitler lernte im Jahre 1923 Cosima und Winifred Wagner in Bayreuth kennen und nahm später als „Führer” per Verfügung Einfluss auf die Festspiele hinsichtlich des Programms und der Regie, z. B. bei ''Parsifal''. Als ehemaliger Postkartenmaler Ideen zum Bühnenbild eines der höchstrangigen Musikfestivals in Deutschland beizusteuern, verschaffte Hitler persönliche Genugtuung und das Gefühl der Anerkennung beim deutschen Bürgertum. <br /> <br /> Das Thema Wagner und Hitler wird seit Jahrzehnten publizistisch behandelt, beispielsweise von Hartmut Zelinsky und Joachim Köhler. Köhler versucht in seinem Buch „Wagners Hitler”, den Einfluss der wagnerschen Gedankenwelt auf Hitler und dessen Handeln nachzuweisen.<br /> <br /> In [[Israel]] ist Wagner immer noch heftig umstritten. Die öffentliche Aufführung von Wagners Werken ist praktisch nicht möglich. So führte die Aufführung des Vorspiels zu ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'' durch [[Daniel Barenboim]] im Juli 2001 zu einem [[Eklat]] &lt;ref&gt;http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,144085,00.html &lt;/ref&gt;, einer Kritik des Wiesenthal-Zentrums und des damaligen Jerusalemer Bürgermeisters [[Ehud Olmert]]. Andere Wagner-Aufführungen waren bereits vorher durch Proteste von [[Holocaust]]-Überlebenden verhindert worden.<br /> <br /> == Werke ==<br /> [[Bild:Berlin, Tiergarten, Richard-Wagner-Denkmal.jpg|thumb|Das von [[Gustav Eberlein]] geschaffene [[Richard-Wagner-Denkmal (Berlin)|Wagner-Denkmal]] im Berliner Tiergarten]]<br /> [[Bild:Liebethaler-grund wagnerdenkmal-2.jpg|thumb|[[Richard-Wagner-Denkmal (Graupa)|Wagner-Denkmal]] im [[Liebethaler Grund]] in der Nähe von [[Pirna]]]]<br /> [[Bild:WahnfriedBayreuth11.JPG|thumb|350px|Das Grab: „Die Welt hat zu wissen, wer hier liegt” R.W.]]<br /> <br /> === Musikdramatische Werke ===<br /> *''[[Die Feen]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 32 (1833–1834, [[Uraufführung|UA]]: 29. Juni 1888 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> *''[[Das Liebesverbot]] oder Die Novize von Palermo'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 38 (1834–1836, UA: 29. März 1836 Stadttheater Magdeburg)<br /> *''[[Rienzi|Rienzi, der Letzte der Tribunen]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 49 (1837–1840, UA: 20. Oktober 1842 Königlich Sächsisches Hoftheater Dresden)<br /> <br /> Nur die folgenden zehn Werke wählte Wagner für Aufführungen im Festspielhaus auf dem [[Grüner Hügel|Grünen Hügel]] in Bayreuth aus:<br /> *''[[Der Fliegende Holländer]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 63 (1840–1841, UA: 2. Januar 1843 Königlich Sächsisches Hoftheater Dresden. Überarbeitet 1852 (Zürich) und 1864 (München))<br /> *''[[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 70 (1842–1845, UA: 19. Oktober 1845 Königlich Sächsisches Hoftheater Dresden. Überarbeitet 1847, 1860 (Erstdruck der Partitur, sog. „Dresdener Fassung”), 1861 (Paris, in frz. Sprache), 1875 (Wien, sog. „Pariser Fassung”)) <br /> *''[[Lohengrin]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 75 (1845–1848, UA: 28. August 1850, Großherzogliches Hoftheater Weimar.)<br /> *''[[Der Ring des Nibelungen]]'' (betont: N'''i'''belungen) [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 86, mit vier Teilen:<br /> **''Vorabend: [[Das Rheingold]]'' (1851–1854, UA: 22. September 1869 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> **''Erster Tag: [[Die Walküre]]'' (betont: W'''a'''lküre) (1851–1856, UA: 26. Juni 1870 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> **''Zweiter Tag: [[Siegfried (Oper)|Siegfried]]'' (1851–1871, UA: 16. August 1876 Festspielhaus Bayreuth)<br /> **''Dritter Tag: [[Götterdämmerung (Oper)|Götterdämmerung]]'' (1848–1874, UA: 17. August 1876 Festspielhaus Bayreuth)<br /> *''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 90 (1856–1859, UA: 10. Juni 1865 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> *''[[Die Meistersinger von Nürnberg]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 96 (1845–1867, UA: 21. Juni 1868 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> *''[[Parsifal]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 111 (1865–1882, UA: 26. Juli 1882 Festspielhaus Bayreuth) – „Bühnenweihfestspiel”<br /> <br /> === Sonstige Musikwerke ===<br /> *''Symphonie C-Dur''<br /> *''Symphonie E-Dur'' (unvollendet, es existieren nur 2 Sätze)<br /> *''[[Das Liebesmahl der Apostel]]'' ein biblische Szene, für Männerstimmen und großes Orchester (1843)<br /> *''Fantasie'' für Klavier in fis-Moll (1831)<br /> *3 Klaviersonaten<br /> **Klaviersonate in B-Dur (1831)<br /> **Klaviersonate in A-Dur (1832)<br /> **Klaviersonate in As-Dur (1853)<br /> *''Züricher Vielliebchen-Walzer'' für Klavier in Es-Dur (1854)<br /> *''[[Wesendonck-Lieder]]''<br /> *''[[Siegfried-Idyll]]'' für kleines Orchester (1870)<br /> *''König Enzio-Ouvertüre'' (1832)<br /> *''Columbus-Ouvertüre'' (1835)<br /> *''Polonia'', C-Dur (1836)<br /> *''Rule Britannica'', D-Dur (1837)<br /> *''Eine Faust-Ouvertüre'', d-Moll (1844)<br /> *''Huldigungsmarsch für Ludwig II. von Bayern'', Es-Dur (1864)<br /> *''Kaisermarsch'', B-Dur (1871)<br /> *''Großer Festmarsch'', G-Dur (1876)<br /> *''Ankunft bei den schwarzen Schwänen – Albumblatt in As-Dur für Klavier'' in As-Dur (1861)<br /> <br /> Insgesamt sind nach dem Wagner-Werkverzeichnis ([[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]]) einschließlich aller Gelegenheitskompositionen und Widmungsblätter, jedoch ohne die Schriften Wagners, 113 Werke verzeichnet.<br /> <br /> === Schriften ===<br /> Wagner hat neben den Inhaltsentwürfen, Textfassungen und Analysen seiner Musikdramen zahlreiche [[Musiktheorie|musiktheoretische]], [[Philosophie|philosophische]], [[Politik|politische]] und [[Belletristik|belletristische]] Schriften verfasst und sie mit seinen Musikdramen ab 1871 in seiner Sammlung ''Sämtliche Schriften und Dichtungen'' herausgegeben, die – einschließlich der Autobiografie ''Mein Leben'' – 16 Bände umfasst. Wagner war schriftstellerisch produktiver als die meisten anderen Komponisten. Zudem hat er tausende Briefe geschrieben. <br /> Die meisten seiner Schriften sind stilistisch verunglückt und zeichnen sich nicht durch stringente Gedankenführung aus. Neben trocken deduzierendem Stil und Kanzleiprosa finden sich hymnische Episoden und Gedankenblitze &lt;ref&gt; Kindlers Neues Literaturlexikon, Richard Wagner, Das Kunstwerk der Zukunft, München 1992&lt;/ref&gt;.<br /> Gregor-Dellin urteilt in seiner Wagner-Biographie, die Schriften seien mit „Reisszwecken gespickt, ein unverdaulicher Brei, Kanzeleiprosa”, und [[Ludwig Reiners]] griff für Beispiele schlechter Prosa immer wieder auf Texte Wagners zurück.<br /> Für den ebenso kritischen wie begeisterten Verehrer [[Thomas Mann]] enthalten die Schriften „sehr Wahres und Falsches ineinander geschlungen” und „höchste Sachkunde neben peinlicher Mitrederei”. Man könne aus Wagners Schriften nicht viel über den Verfasser lernen. „Wagners siegreiches Werk beweist nicht seine Theorie, sondern nur sich selbst.”<br /> <br /> Wie auch immer man die Schriften beurteilt, so können sie doch als Nährboden betrachtet werden, aus dem seine musikdramatischen Werke hervorgegangen sind. Zugleich machen sie deren geistigen Hintergrund verständlich.<br /> [[Bild:Erstausgaben für Wikipedia II 011.jpg|right|thumb|180px|Titelblatt des Erstdruckes]]<br /> <br /> Als seine wichtigsten Schriften gelten:<br /> <br /> * ''Eine Pilgerfahrt zu Beethoven'' (1840)<br /> * ''Zu Beethovens Neunter Symphonie'' (1846)<br /> * ''Der Nibelungen-Mythos als Entwurf zu einem Drama'' (1848)<br /> * ''[[Die Wibelungen]]. Weltgeschichte aus der Sage'' (1849)<br /> * ''[[Die Kunst und die Revolution|Die Revolution]]'' (1849) – die erste von mehreren Kunst-Revolutions-Schriften<br /> * ''Der Mensch und die bestehende Gesellschaft'' (1849)<br /> * ''[[Die Kunst und die Revolution]]'' (1849)<br /> * ''[[Das Kunstwerk der Zukunft]]'' (1850)<br /> * ''Kunst und Klima'' (1850) <br /> *''[[Das Judentum in der Musik]]'' (1850) → [http://www.sammlung-dr-hans-peter-haack.de/deutsche_literatur_bis_1900/wagner_r_1869_das_judenthum_in_der_musik-a242.htm] – eine Polemik gegen jüdische Komponisten <br /> * ''[[Oper und Drama]]'' (1851) – ein Essay über die Theorie der Oper <br /> * ''Eine Mitteilung an meine Freunde'' (1851) Vorstufe zu Wagners Autobiographie<br /> * ''[[Über Staat und Religion]]'' (1864) Eine theoretische Abhandlung für König Ludwig II.<br /> * ''Deutsche Kunst und Deutsche Politik'' (1868)<br /> * ''Über das Dirigieren'' (1869)<br /> * ''Beethoven'' (1870)<br /> * ''Das Bühnenfestspielhaus zu Bayreuth'' (1873)<br /> * ''Was ist deutsch?'' (1878) und: ''Wollen wir hoffen?'' (1879)<br /> * ''[[Religion und Kunst]]'' (1880) plus Nachtrag: ''Was nützt diese Erkenntnis?''<br /> * ''Das Bühnenweihfestspiel in Bayreuth'' (1882)<br /> <br /> Wagners Autobiografie ''Mein Leben'', die zu seinen Lebzeiten nur im Privatdruck in etwa 25 Exemplaren für enge Freunde erschien, gilt als kulturhistorisches Dokument des 19. Jahrhunderts, ebenso wie die Tagebuchaufzeichnungen Cosima Wagners, die sie von 1869 bis zum Tod ihres Gatten führte. Darin ist viel Privates, „Nebensächliches” mitgeteilt, aber auch zahlreiche Aussprüche und Gespräche Wagners bis hin zu seinen Träumen.<br /> <br /> == Einzelnachweise ==<br /> &lt;references/&gt;<br /> <br /> == Siehe auch ==<br /> * [[Bayreuther Festspiele]]<br /> * [[Wagner (Familie)]]<br /> * [[Zukunftsmusik]]<br /> * [[Richard-Wagner-Denkmal]]<br /> <br /> == Literatur ==<br /> === Über Richard Wagner ===<br /> * [[Wendelin Weißheimer]]: ''Erlebnisse mit Richard Wagner, Franz Liszt und vielen anderen Zeitgenossen'', Stuttgart 1898, 3.Aufl.<br /> * Hans-Joachim Bauer: ''Reclams Musikführer Richard Wagner''. Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-15-010374-6<br /> * [[Paul Bekker]]: ''Richard Wagner'' (1924)<br /> * Elsa Binder: ''[[Malwida von Meysenbug]] und Friedrich Nietzsche. Die Entwicklung ihrer Freundschaft mit besonderer Berücksichtigung ihres Verhältnisses zur Stellung der Frau''. Überarbeiteter Nachdruck, Schutterwald/Baden: Dr. Klaus Fischer Verlag 2007. ISBN 978-3-928640-77-0. (Malwida von Meysenbug war eine enge Freundin Wagners und erlebte seinen Bruch mit Nietzsche]<br /> * Werner Breig, Martin Dürrer, Andreas Mielke: ''Wagner-Briefe-Verzeichnis'' (WBV). Breitkopf &amp; Härtel, Wiesbaden 1998, ISBN 3-7651-0330-6<br /> * [[Martin Geck]]: ''Richard Wagner''. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-50661-0<br /> * [[Carl Friedrich Glasenapp]]: ''Das Leben Richard Wagners''. Sechs Bände. Leipzig 1876–1911<br /> * [[Martin Gregor-Dellin]]: ''Richard Wagner – Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert''. Piper, München 1980, ISBN 3-492-02527-7<br /> * [[Brigitte Hamann]]: ''Die Familie Wagner''. Rowohlt, Reinbek 2005, ISBN 3-499-50658-0<br /> * Walter Hansen: ''Richard Wagner. Sein Leben in Bildern''. Mit 186 Abb., durchgehend vierfarbig. dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-34457-9<br /> * [[Jacques Hartog]]: ''Richard Wagner''. Johannes M. Meulenhoff Verlag, Leipzig 1913<br /> * [[Friedrich von Hausegger]]: ''Richard Wagner – Aus dem Geiste der Musik geboren''. (Hörbuch) ABOD, Norderstedt 2006, ISBN 3-8341-0174-5<br /> * Eckehard Kiem/Ludwig Holtmeier (Hrsg.), Richard Wagner und seine Zeit, Laaber 2003, ISBN 3-921518-95-4<br /> * Joachim Köhler: ''Der letzte der Titanen'', Richard Wagners Leben und Werk. Claassen-Verlag München, 2001, ISBN 3-546-00273-3<br /> * Joachim Köhler: ''Wagners Hitler'', der Prophet und sein Vollstrecker. Blessing-Verlag München, 1977, ISBN 3-89667-016-6<br /> * [[Ludwig Marcuse]]: ''Das denkwürdige Leben des Richard Wagner''. Szczesny-Verlag München, 1963<br /> * [[Heinz-Klaus Metzger]] und [[Rainer Riehn]] (Hrsg.): ''Richard Wagner. Wie antisemitisch darf ein Künstler sein?'' aus der Reihe: [[Musik-Konzepte (Periodikum)|Musik-Konzepte]], Heft 5, Edition Text u. Kritik, München 1978, ISBN 3-921402-67-0<br /> * {{ADB|40|544|571|Wagner, Richard|Franz Muncker|ADB:Wagner, Richard}}<br /> * [[Ferdinand Pfohl]]: ''Richard Wagner, Sein Leben und Schaffen.'' Ullstein, Berlin-Wien 1911, 398 Seiten<br /> * Hannu Salmi: ''Wagner and Wagnerism in Nineteenth-Century Sweden, Finland, and the Baltic Provinces: Reception, Enthusiasm, Cult.'' Eastman Studies in Music. University of Rochester Press, Rochester NY 2005.<br /> * Hannu Salmi: ''Imagined Germany. Richard Wagner’s National Utopia''. German Life and Civilization, Vol. 29. General editor: Jost Hermand. Peter Lang Publishing, New York 1999.<br /> * Scholz, Dieter David: Ein deutsches Mißverständnis. Richard Wagner zwischen Barrikade und Walhalla. Berlin: Parthas Verlag 1997, 383 Seiten, ISBN 3-932529-13-8<br /> * [[Alexander Schmidt]]: ''Braune Brüder im Geiste? Volk und Rasse bei Wagner und Hitler – Ein kritischer Schrift-Vergleich''. Tectum Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-8288-9252-1<br /> * Stefan Lorenz Sorgner/H. James Birx/ Nikolaus Knoepffler (Hg.): Wagner und Nietzsche: Kultur – Werk – Wirkung. Ein Handbuch. Rowohlt, Reinbek, 2008. ISBN 978-3-499-55691-3<br /> * [[Cosima Wagner]]: ''Die Tagebücher''. Piper München, 1977 ISBN 3-492-02199-9<br /> * Sven Friedrich: ''Der Klassik(ver)führer: Sonderband Richard Wagner'', Auricula, Berlin 2007, ISBN 978-3-936196-08-5<br /> <br /> === Über Wagners Werke ===<br /> * [[Dieter Borchmeyer]], Ami Maayani, Susanne Vill (Hrsg.): ''Richard Wagner und die Juden'', J.B. ’Metzler, Stuttgart, Weimar 2000, ISBN 3-476-01754-0<br /> * Lothar Bornscheuer: [http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/wissen/projekte-pool/rezeption_nibelungen/wagner_bornscheuer.pdf ''Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen. Ein Meisterwerk des Anarchismus''.] (PDF-Datei) [[Rezeption]] des Nibelungenstoffs, [http://www.goethezeitportal.de GoethezeitPortal.de], 2005<br /> * John Deathridge, Martin Geck, Egon Voss (Hrsg.): ''Wagner Werkverzeichnis'' (WWV), [[Schott Music|Schott]], Mainz 1986 ISBN 3-7957-2201-2 <br /> * Jens Malte Fischer: ''Richard Wagners ´Das Judentum in der Musik´'', Eine kritische Dokumentation als Beitrag zur Geschichte des europäischen Antisemitismus. Insel, Frankfurt/Main 2000, ISBN 3-458-34317-2<br /> * Sven Friedrich: ''Richard Wagner, Deutung und Wirkung'', Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2851-1<br /> * Sven Friedrich: ''Der Klassik(ver)führer: Sonderband Wagners Ring-Motive'', Auricula, Berlin 2004, ISBN 3-936196-02-8<br /> * Sven Friedrich (Hrsg): ''Richard Wagner; Werke, Schriften und Briefe'', Digitale Bibliothek, Berlin 2004.<br /> * [[Markus Kiesel]] (Hrsg.), Das Richard Wagner Festspielhaus Bayreuth, nettpress Köln 2007, ISBN 978-3-00-020809-6<br /> * Richard Klein (Hrsg.), Narben des Gesamtkunstwerks. Wagners Ring des Nibelungen, München 2001, ISBN 3-7705-3565-0<br /> * Josef Lehmkuhl: ''„Kennst du genau den RING?”'' Eine Reise zu Richard Wagners ''Der Ring des Nibelungen'', Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3347-7<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Gott und Gral Eine Exkursion mit Parsifal und Richard Wagner'', Würzburg 2007, ISBN 3-8260-3690-5<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Der Kunst-Messias; Richard Wagners Vermächtnis in seinen Schriften'', Würzburg 2009, ISBN 3-8260-4113-6<br /> * Rolf Stemmle: Richard Wagners Bühnenwerke erzählt: 1. Holländer – Tannhäuser – Lohengrin, Würzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3686-6; 2. Der Ring des Nibelungen, ISBN 978-3-8260-3134-2, Würzburg 2005; 3. Tristan – Meistersinger – Parsifal, Würzburg 2006, ISBN 978-3-8260-3372-8; 4. Feen, Liebesverbot, Rienzi, ISBN 978-3-8260-4080-1<br /> * [[Marc A. Weiner]]: ''Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners'', Henschel, Berlin 2000, ISBN 3-89487-358-2 (Übers. von Henning Thies), Originaltitel: ''Richard Wagner and the Anti-Semitic Imagination'', University of Nebraska Press, Lincoln/London 1995, ISBN 0-8032-4775-3<br /> <br /> === Über Wagner-Aufführungen ===<br /> *Appia, Adolphe: La mise en scène du Drame Wagnerien, Paris 1895<br /> *Appia, Adolphe: Die Musik und die Inszenierung, 1899<br /> *Appia, Adolphe: Über das Bayreuther Festspielhaus, 1902. In: Barth, Herbert (Hrsg.): Der Festspielhügel. Richard Wagners Werk in Bayreuth 1876–1976. München 1976, S. 99–103<br /> *Badenhausen, Rolf / Harald Zielske (Hrsg.): Bühnenformen Bühnenräume Bühnendekorationen. Beiträge zur Entwicklung des Spielorts. Berlin 1974. <br /> *Barth, Herbert (Hrsg.): Der Festspielhügel. Richard Wagners Werk in Bayreuth 1876–1976. München 1976<br /> *Petzet, Detta und Michael: Die Richard Wagner-Bühne Ludwig II. München 1970.<br /> *Schöne, Günther: Das Bühnenbild im 19. Jahrhundert. In: Katalog des Theatermuseums München, München 1959 (S. 5–20)<br /> *Skraup, Siegmund: 1924–1944. Die Sprache Bayreuths und die Sprache der Zeit. In: Theater unserer Zeit, Band 2: Der Fall Bayreuth, Basel/Stuttgart 1962<br /> *Steinbeck, Dietrich: Richard Wagners Tannhäuser-Szenarium. Das Vorbild der Erstaufführungen und der Dekorationspläne, Berlin 1968 = Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, Band 64 (S. 6–12)<br /> *Steinbeck, Dietrich: Inszenierungsformen des „Tannhäuser” (1845–1904), Regensburg 1964 = Forschungsbeiträge zur Musikwissenschaft (Hrsg. v. Gustav-Bosse-Verlag), Band XIV (S. 70–73, 103–107, 111–112)<br /> *Wagner, Richard: Schriften und Dichtungen. Neun Bände, Leipzig 1872. Band 3: Das Kunstwerk der Zukunft (S. 147–148, 152–153). Band 5: Über die Aufführung des „Tannhäuser” (S. 164–165). Bemerkungen zur Aufführung der Oper „Der Fliegende Holländer” (S. 207–208)<br /> *Wagner, Wieland (Hrsg.): Richard Wagner und das Neue Bayreuth. München 1962<br /> *Westernhagen, Curt von: Das Bühnenbild. Vision – Vorschrift – Verwirklichung. In: Richard Wagner und das Neue Bayreuth, hrsg. v. Wieland Wagner, München 1962, S. 183–206<br /> <br /> == Weblinks ==<br /> {{commons|Richard Wagner}}<br /> {{wikisource|Richard Wagner}}<br /> {{Wikiquote|Richard Wagner}}<br /> {{PND|118594117}}<br /> {{LeMO|WagnerRichard|Richard Wagner|Dorlis Blume}}<br /> *{{BAM|Wagner|Richard}}<br /> *{{Zeno-Autor|Literatur/M/Wagner,+Richard}}<br /> * [http://www.klassika.info/Komponisten/Wagner/index.html Übersicht über das Verzeichnis der Werke Richard Wagners] bei [http://www.klassika.info Klassika.info]<br /> * [http://www.zeno.org/Literatur/M/Wagner,+Richard/Autobiographisches/Mein+Leben Digitalisierter Volltext von Wagners Autobiographie ''Mein Leben'']<br /> *[http://www.zeno.org/Musik/M/Glasenapp,+Carl+Friedrich/Das+Leben+Richard+Wagners Digitalisierter Volltext von Carl Friedrich Glasenapps Wagner-Biographie]<br /> * [http://www.wagnerwiki.de/wiki/Hauptseite WagnerWiki] – Umfangreiche Informationen über Richard Wagner<br /> * [http://www.richard-wagner-web.de Richard Wagner-Web] – umfangreiche Informationen über Leben und Werk Richard Wagners<br /> * [http://www.jursitzky.net/Genealogie_Wagner.htm Genealogie Richard Wagner] – Richard Wagners Ahnentafel<br /> * [http://www.wagnerportal.de Das Wagnerportal] – umfangreiche Informationen über Richard Wagner aus der Wagnerstadt<br /> * [http://users.utu.fi/hansalmi/wagner.html Richard Wagner Archive] – sehr umfangreiche Informationssammlung, sowie elektronische Volltexte fast aller Werke, wissenschaftliche Behandlung vieler Aspekte (meist auf Englisch)<br /> * [http://www.zb.unizh.ch/sondersa/musik/Wagner/wagner.htm Wagneriana-Sammlung] in der [[Zentralbibliothek Zürich]]<br /> * [http://www.richard-wagner-werkstatt.com Richard Wagner-Werkstatt] – Textbücher (Zitatsuche möglich), Biographie-Datenbank, Wagner-Aufführungskalender für ganz Europa mit Vorschau bis 2013, Hör-Beispiele<br /> * [http://koenigludwig2.ko.funpic.de/daten/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=15&amp;Itemid=32 Richard Wagner und Ludwig II.] – Richard Wagners Beziehung zum bayrischen Märchenkönig<br /> * [http://www.sun.rhbnc.ac.uk/Music/Conferences/98-8-wuj.html ''Wagner und die Juden'']. Auszüge aus den Beiträgen zum internationalen Symposion 1998. Vollständige Texte bei Borchmeyer &amp; al. (s. Literatur).<br /> * [http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/rose.htm Auszüge aus ''Wagner und der Antisemitismus''] von Paul Lawrence Rose, Zürich 1999. <br /> * [http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=1519&amp;ausgabe=200009 Jens Malte Fischers ''Richard Wagner: Das Judenthum in der Musik''] (Rezension)<br /> * [http://www.zeit.de/1999/29/Zwanghaft_fixiert ''Zwanghaft fixiert. Wagner und der Antisemitismus''], Artikel aus der ''Zeit'', 1999.<br /> * [http://www.documentamusica.de Wolf's Thematic Index of the Works of the Great Composers]<br /> * [http://www.altug-uenlue.de/dateien/texte/Tristan.pdf ''Tristan-Akkord''], Artikel aus ''Musiktheorie'', Heft 2, 2003.<br /> <br /> ; Noten und Hörbeispiele <br /> * {{IMSLP|id=Wagner%2C_Wilhelm_Richard|cname=Wagner}}<br /> * {{ChoralWiki}}<br /> * {{WIMA|idx=Wagner}}<br /> * [http://www.classiccat.net/wagner_r/index.htm ClassicCat.net] Freie Aufnahmen <br /> <br /> {{Navigationsleiste Leiter der Bayreuther Festspiele}}<br /> <br /> {{DEFAULTSORT:Wagner, Richard}}<br /> [[Kategorie:Deutscher Komponist]]<br /> [[Kategorie:Komponist (Romantik)]]<br /> [[Kategorie:Komponist (Oper)]]<br /> [[Kategorie:Korporierter (Schülerverbindung)]]<br /> [[Kategorie:Corpsstudent]]<br /> [[Kategorie:Künstler (Dresden)]]<br /> [[Kategorie:Richard Wagner| ]]<br /> [[Kategorie:Exil in Zürich]]<br /> [[Kategorie:Drama]]<br /> [[Kategorie:Libretto]]<br /> [[Kategorie:Realismus (Literatur)]]<br /> [[Kategorie:Deutscher]]<br /> [[Kategorie:Geboren 1813]]<br /> [[Kategorie:Gestorben 1883]]<br /> [[Kategorie:Mann]]<br /> <br /> {{Personendaten<br /> |NAME=Wagner, Richard<br /> |ALTERNATIVNAMEN=<br /> |KURZBESCHREIBUNG=deutscher Komponist<br /> |GEBURTSDATUM=22. Mai 1813<br /> |GEBURTSORT=[[Leipzig]], Deutschland<br /> |STERBEDATUM=13. Februar 1883<br /> |STERBEORT=[[Venedig]], Italien<br /> }}<br /> <br /> {{Link FA|he}}<br /> {{Link FA|li}}<br /> {{Link FA|no}}<br /> {{Link FA|sr}}<br /> <br /> [[an:Richard Wagner]]<br /> [[ar:ريتشارد فاغنر]]<br /> [[arz:ريتشارد فاجنر]]<br /> [[bat-smg:Richard Wagner]]<br /> [[be:Вільгельм Рыхард Вагнер]]<br /> [[be-x-old:Рыхард Вагнэр]]<br /> [[bg:Рихард Вагнер]]<br /> [[bn:রিশার্ড ভাগনার]]<br /> [[br:Richard Wagner]]<br /> [[bs:Richard Wagner]]<br /> [[ca:Richard Wagner]]<br /> [[cs:Richard Wagner]]<br /> [[cv:Рихăрт Вакнĕр]]<br /> [[cy:Richard Wagner]]<br /> [[da:Richard Wagner]]<br /> [[el:Ρίχαρντ Βάγκνερ]]<br /> [[en:Richard Wagner]]<br /> [[eo:Richard Wagner]]<br /> [[es:Richard Wagner]]<br /> [[et:Richard Wagner]]<br /> [[eu:Richard Wagner]]<br /> [[fa:ریچارد واگنر]]<br /> [[fi:Richard Wagner]]<br /> [[fr:Richard Wagner]]<br /> [[fy:Richard Wagner]]<br /> [[ga:Richard Wagner]]<br /> [[gl:Richard Wagner]]<br /> [[gv:Richard Wagner]]<br /> [[he:ריכרד וגנר]]<br /> [[hr:Richard Wagner]]<br /> [[hu:Richard Wagner]]<br /> [[hy:Րիխարդ Վագներ]]<br /> [[id:Richard Wagner]]<br /> [[is:Richard Wagner]]<br /> [[it:Richard Wagner]]<br /> [[ja:リヒャルト・ワーグナー]]<br /> [[jv:Richard Wagner]]<br /> [[ka:რიხარდ ვაგნერი]]<br /> [[kk:Вагнер, Рихард]]<br /> [[ko:리하르트 바그너]]<br /> [[la:Wilhelmus Ricardus Wagner]]<br /> [[lb:Richard Wagner]]<br /> [[li:Richard Wagner]]<br /> [[lij:Richard Wagner]]<br /> [[lt:Richard Wagner]]<br /> [[lv:Rihards Vāgners]]<br /> [[mk:Рихард Вагнер]]<br /> [[ml:റിച്ചാര്‍ഡ് വാഗ്നര്‍]]<br /> [[mr:रिचर्ड वॅग्नर]]<br /> [[ms:Richard Wagner]]<br /> [[nah:Richard Wagner]]<br /> [[nl:Richard Wagner]]<br /> [[nn:Richard Wagner]]<br /> [[no:Richard Wagner]]<br /> [[os:Вагнер, Рихард]]<br /> [[pam:Richard Wagner]]<br /> [[pl:Richard Wagner]]<br /> [[pms:Richard Wagner]]<br /> [[pt:Richard Wagner]]<br /> [[qu:Richard Wagner]]<br /> [[ro:Richard Wagner]]<br /> [[ru:Вагнер, Рихард]]<br /> [[sco:Richard Wagner]]<br /> [[sh:Richard Wagner]]<br /> [[simple:Richard Wagner]]<br /> [[sk:Richard Wagner]]<br /> [[sl:Richard Wagner]]<br /> [[sq:Wilhelm Richard Wagner]]<br /> [[sr:Рихард Вагнер]]<br /> [[sv:Richard Wagner]]<br /> [[sw:Richard Wagner]]<br /> [[ta:ரிச்சார்ட் வாக்னர்]]<br /> [[th:ริชาร์ด วากเนอร์]]<br /> [[tl:Richard Wagner]]<br /> [[tr:Richard Wagner]]<br /> [[uk:Ріхард Вагнер]]<br /> [[uz:Richard Wagner]]<br /> [[vi:Richard Wagner]]<br /> [[vo:Richard Wagner]]<br /> [[yi:ריכארד וואגנער]]<br /> [[zh:理查德·瓦格纳]]<br /> [[zh-min-nan:Richard Wagner]]<br /> [[zh-yue:華格納]]</div> Pdiffenderfer https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Richard_Wagner&diff=59374227 Richard Wagner 2009-04-24T17:23:22Z <p>Pdiffenderfer: /* Wirkung von Werk und Persönlichkeit */</p> <hr /> <div>{{Dieser Artikel|behandelt den Komponisten. Weitere Personen dieses Namens siehe unter [[Richard Wagner (Begriffsklärung)]].}}<br /> [[Bild:Richard Wagner by Caesar Willich ca 1862.jpg|thumb|220px|Richard Wagner (Porträt von Cäsar Willich), um 1862]]<br /> [[Bild:Wagner Luzern 1868.jpg|thumb|220px|Richard Wagner um 1868]]<br /> <br /> '''Wilhelm Richard Wagner''' (* [[22. Mai]] [[1813]] in [[Leipzig]]; † [[13. Februar]] [[1883]] in [[Venedig]] im Palazzo Vendramin-Calergi) war ein [[Liste deutscher Komponisten klassischer Musik|deutscher Komponist]], [[Dramatiker]], [[Schriftsteller]], [[Theaterregisseur]] und [[Dirigent]]. Mit seinen [[Musikdrama|Musikdramen]] gilt er als einer der bedeutendsten Erneuerer der europäischen Musik im 19. Jahrhundert. Er veränderte die Ausdrucksfähigkeit [[Musik der Romantik|romantischer Musik]] und die theoretischen und praktischen Grundlagen der [[Oper]], indem er dramatische Handlungen als [[Gesamtkunstwerk]] gestaltete und dazu Text, Musik und Regieanweisungen schrieb. Als erster Komponist gründete er Festspiele in dem von ihm geplanten [[Bayreuther Festspielhaus]]. Seine Neuerungen in der [[Harmonik]] beeinflussten die Entwicklung der Musik bis in die [[Neue Musik|Moderne]]. <br /> <br /> == Leben ==<br /> === Kindheit und Jugendzeit ===<br /> Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig (im Gasthof „[[Brühl (Leipzig)#Richard Wagners Geburtshaus|Zum roten und weißen Löwen]]”) als neuntes Kind des [[Aktuar|Polizeiaktuarius]] Carl Friedrich Wagner (1770–1813) und der Bäckerstochter Johanna Rosine Wagner, geb. Pätz (1774–1848), geboren und am 16. August auf den Namen Wilhelm Richard Wagner in der [[Thomaskirche (Leipzig)|Thomaskirche]] zu Leipzig getauft.&lt;ref&gt;Kirchliches Archiv Leipzig (KAL): Taufbuch Thomas 1811-1817, S. 156&lt;/ref&gt; Sechs Monate nach seiner Geburt, am 23. November 1813, starb der Vater an [[Typhus]]. Im August 1814 heiratete Wagners Mutter den Schauspieler und Dichter Ludwig Geyer (1780–1821), der sich der Familie nach dem Tod des Vaters angenommen hatte und den Carl Friedrich Wagner sehr geschätzt hatte. Spekulationen, wonach Geyer der leibliche Vater Richard Wagners gewesen sei, sind weder bewiesen noch klar widerlegt. Zeitlebens sollte Richard „wegen seiner Väter” ein Identitätsproblem haben.<br /> <br /> Noch 1814 übersiedelte die Familie nach [[Dresden]]. Am 16. Februar 1815 wurde Richards Halbschwester Cäcilie geboren. Seine älteren Geschwister hießen Albert, Gustav, Rosalie, Julius, Luise, Klara, Theresia und Ottilie. Im Jahr 1817 wurde Richard - noch unter dem Namen Richard Geyer - eingeschult. Zwei Jahre später erkrankte der Stiefvater Ludwig Geyer und starb am 30. September 1821 in Dresden. Richard kam daraufhin bei mehreren Verwandten „in Pflege”. So kam er im Oktober 1821 zum Bruder seines Stiefvaters Karl nach [[Eisleben]], wo auch schon sein Bruder Julius aufgenommen worden war, und lebte dort für ein Jahr unter dem Namen „Richard Geyer”. &lt;ref&gt;Burkhard Zemlin: „Stadtführer Lutherstadt Eisleben”, Bindlach 1996, ISBN 3-8112-0833-0 und Autobiografie „Mein Leben”&lt;/ref&gt;Ab dem 2. Dezember 1822 besuchte er die [[Kreuzschule]] in Dresden. 1826 übersiedelte die Familie nach [[Prag]], weil Richards Schwester Rosalie dort ein Engagement erhielt. Richard blieb weiter in Dresden und war bei der Familie Dr. Böhme untergebracht; er besuchte aber seine Familie mehrmals in Prag. Ab Weihnachten 1827 war er wieder mit seiner zurückgekehrten Familie in Leipzig. Hier besuchte er von 1828 bis 1830, jetzt unter dem Namen Richard Wagner, die [[Alte Nikolaischule|Nikolaischule]] sowie die [[Thomasschule zu Leipzig]]. Der vaterlose Knabe fand in dieser Zeit ein Vorbild in seinem Onkel Adolph Wagner, einem Philologen, der sich als Übersetzer der Werke [[Sophokles]]' einen Namen gemacht hatte und mit [[Goethe]] korrespondierte. Richard las in dessen umfangreicher Bibliothek [[Shakespeare]] und die [[Romantiker#Vertreter der Romantik|Romantiker]], z.&amp;nbsp;B. [[E.T.A. Hoffmann]] und schrieb schon als Schüler sein erstes Drama: die Tragödie ''Leubald'', ein großes Trauerspiel in fünf Akten im Stile Shakespeares. <br /> <br /> Die Jugendzeit Wagners war insgesamt dadurch geprägt, dass er als jüngstes Kind einer Künstlerfamilie praktisch vaterlos und ohne „Zucht und Ordnung” aufwuchs. Er war als Kind äußerst wild (der Korsak) und hat unter einer gewissen Verwahrlosung gelitten, was seinen [[Persönlichkeit|Charakter]] insofern prägen sollte, dass er durch [[Erziehung]] auch „nicht gebeugt” wurde und sich so die Unbekümmertheit und [[Neugier]] erhielt.<br /> <br /> === Sturm und Drang ===<br /> Mit 16 Jahren erlebte Wagner in Leipzig erstmals [[Beethoven]]s Oper ''[[Fidelio]]'' mit [[Wilhelmine Schröder-Devrient]] in der Titelrolle. Von nun an stand für ihn fest, dass er Musiker werden wollte. Er verfasste bald erste [[Sonate]]n, ein Streichquartett sowie den unvollendet gebliebenen Opernversuch ''[[Die Hochzeit]]''. Ab 1831 studierte er an der [[Universität Leipzig]] Musik, außerdem nahm er Kompositionsunterricht beim [[Thomaskantor]] [[Christian Theodor Weinlig]], dem er auch sein erstes Werk (''[[Klaviersonate]] in B-Dur'') widmete. Dieses erste Werk erschien bereits ein Jahr später gedruckt durch den Verlag Breitkopf &amp; Härtel. Davon und auch von dem Erfolg der ersten Aufführung seiner Konzertouvertüre in d-Moll im Jahr 1832 in Leipzig angespornt, komponierte Wagner weitere Konzertstücke, u. a. die ''C-dur-[[Sinfonie]]'', die noch im selben Jahr im Prager Konservatorium uraufgeführt wurde.<br /> <br /> Angeregt von E.T.A. Hoffmann und einem Stoff aus „Ritterzeit und Ritterwesen” hatte er den Plan zu seiner ersten Oper unter dem Titel ''Die Hochzeit'' verfasst. Er dichtete den Text und begann mit der Komposition der ersten Nummern dieses „Nachtstücks von schwärzester Farbe” (R.W.), dessen übertriebene Schauerromantik bei seiner Schwester Rosalie jedoch wenig ankam. Daraufhin vernichtete Wagner den Textentwurf, von der Partitur blieben Teile erhalten (WWV 31). <br /> <br /> Wagner war beim [[Corps Saxonia Leipzig]] aktiv, allerdings nicht lange. Wagner selbst schreibt, dass er freiwillig das Corps verlassen habe: vor allem aus Enttäuschung über die apolitische Haltung der Leipziger Landsmannschafter (= Corpsstudenten) zum Aufstand der Polen. Die &quot;schmerzliche Trauer&quot; Wagners über die polnische Niederlage bei [[Ostrolenka]] hätten die Landsmannschafter nicht geteilt. &lt;ref&gt;Horst Grimm/Leo Besser-Walzel, Die Corporationen, Frankfurt am Main, 1986; Richard Wagner, Gregor-Dellin (Hrsg.), Mein Leben, München 1983, S. 51 ff. Dazu auch Huss, Richard Wagner als Corpsstudent, in: Studenten-Kurier 4/2006, S. 16, mit Klarstellung von Weiß, Richard Wagners mißglückte Contrahagen, in: Studenten-Kurier 1/2007, S. 3, 4 &lt;/ref&gt;<br /> <br /> 1833 wurde Wagner durch den Schriftsteller und Publizisten [[Heinrich Laube]] von den Ideen des [[Junges Deutschland (Literatur)|Jungen Deutschland]], einer revolutionär orientierten literarischen Bewegung des [[Vormärz]], beeindruckt. Gleichzeitig begann er mit der Komposition der Oper ''[[Die Feen]]'', nachdem er sein erstes Engagement als Chordirektor des [[Würzburg]]er Theaters erhalten hatte. In Laubes ''Zeitung für die elegante Welt'' erschien bald darauf sein Aufsatz „Die Deutsche Oper”. Als musikalischer Leiter der Sommersaison in [[Bad Lauchstädt]] und des Theaters in [[Magdeburg]] lernte er die Schauspielerin [[Minna Planer]] kennen und verliebte sich leidenschaftlich in sie. Wagners erste selbstständige musikalische Einstudierung war nach seiner Aussage die Musik zu [[Johann Nestroy]]s Posse ''[[Lumpazivagabundus]]'' (1833) von [[Adolf Müller senior]].<br /> [[Bild:Minna.jpg|thumb|Minna Planer]]<br /> [[Bild:Richard Wagner 1842.jpg|thumb|Richard Wagner 1842 in Paris, Zeichnung von Ernst B.Kietz]]<br /> <br /> === Reifejahre ===<br /> 1835 arbeitete Wagner an der Oper ''[[Das Liebesverbot]]'' und leitete die zweite Magdeburger Spielzeit. Am 29. März 1836 fand unter desolaten Bedingungen die Uraufführung der Oper ''Das Liebesverbot oder Die Novize von Palermo'' in Magdeburg statt. Über Berlin reiste Wagner nach [[Königsberg (Preußen)|Königsberg]]. Am 24. November heiratete er Minna Planer, die dort als Schauspielerin engagiert war. Am 1. April 1837 wurde er [[Musikdirektor]] in Königsberg. Der Theaterbetrieb brach allerdings kurz darauf wegen Bankrotts der Direktion zusammen. Wagner war es nach dem Brauch der „[[Fahrendes Volk|Fahrenden]]” gewohnt, über seine Verhältnisse zu leben und ansässige Bürger um Darlehen zu bitten, die er nicht zurückzahlen konnte. Im Juni 1837 gelang es ihm, eine [[Kapellmeister]]stelle in [[Riga]] zu erlangen, wo er sich zunächst vor seinen deutschen [[Gläubiger]]n in Sicherheit bringen konnte. Im Juli verließ ihn seine Frau Minna mit einem Kaufmann namens Dietrich, sie kehrte im Oktober aber reumütig wieder zu ihm nach Riga zurück. Hier entstand der Text und der Beginn der Partitur seiner ersten Erfolgsoper: ''[[Rienzi]]''. Wagner lernte hier auch [[Wilhelm Hauff]]s Märchen vom „Gespensterschiff” mit dem Holländer-Stoff kennen. Mit dem Theaterdirektor [[Karl von Holtei]] plante er ein Singspiel unter dem Titel ''Die glückliche Bärenfamilie'', sperrte sich aber bald gegen den Theaterbetrieb. Es war eine Zeit, in der die Geschichte der [[deutsche Wanderbühne|Wanderbühnen]] zu Ende ging, die zunehmend durch Stadttheater mit festem Personal ersetzt wurden.<br /> <br /> Bereits 1839 verlor Wagner seine Stellung in Riga wieder. Aus Furcht vor seinen Gläubigern überschritt er heimlich die russisch-ostpreussische Grenze und fuhr gemeinsam mit seiner Frau auf dem kleinen Segelschiff ''Thetis'' nach [[London]]. Die stürmisch verlaufende, mehrfach in norwegischen Häfen unterbrochene und schließlich über vier Wochen dauernde Seefahrt, bei der das Schiff beinahe kenterte, brachte Inspirationen für den ''[[Der fliegende Holländer|Fliegenden Holländer]]''. Nach kurzem Aufenthalt in London reisten sie über [[Boulogne-sur-Mer]], wo Wagner den führenden Pariser Opernkomponisten [[Giacomo Meyerbeer]] persönlich kennenlernte, weiter nach Paris.<br /> <br /> Wagner verbrachte die Jahre 1840 und 1841 unter ärmlichen wirtschaftlichen Bedingungen in [[Paris]]: Er vollendete dort ''Rienzi'' (1840) und schrieb und komponierte den ''Fliegenden Holländer'' (1841). Meyerbeer erkannte seine Begabung und förderte ihn, doch war er von Wagners „Pumpgenie” ([[Thomas Mann]]) weniger begeistert. In Paris befanden sich die führenden Theater der Welt. Lehrreich nahm Wagner Anregungen der [[Grand opéra]] oder des [[Melodram (Theater)|Melodram]]s auf. Um sich und seine Frau ernähren zu können, verfasste er Artikel für diverse Journale und erledigte musikalische Lohnarbeiten. Er lernte [[Heinrich Heine]] und [[Franz Liszt]] kennen. Aus Geldnot musste er sogar den Prosaentwurf zum ''Fliegenden Holländer'' unter dem Titel ''Le vaisseau fantôme'' für 500 Francs an die Pariser Oper verkaufen, die den Kompositionsauftrag an ihren Hauskomponisten [[Pierre-Louis Dietsch]] vergab – was Wagner indes nicht davon abhielt, seine Idee selbst auszuführen und in Musik zu setzen.<br /> <br /> In Paris setzte er sich mehr und mehr mit den politischen Vorgängen in Frankreich auseinander. Während ihn in jungen Jahren die Gräuel der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] „mit aufrichtigem Abscheu gegen ihre Helden” erfüllt hatten, wie er in ''Mein Leben'' schrieb, reagierte er ganz anders, als [[Marie-Joseph Motier, Marquis de La Fayette|Lafayette]] die liberale Opposition in Paris anführte. „Die geschichtliche Welt begann für mich von diesem Tage an; und natürlich nahm ich volle Partei für die Revolution, die sich mir nun unter der Form eines mutigen und siegreichen Volkskampfes, frei von allen den Flecken der schrecklichen Auswüchse der ersten französischen Revolution darstellte.”&lt;ref&gt; zit nach Martin Gregor-Dellin, Richard Wagner. Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert. Ein Künstler erwacht im Vormärz &lt;/ref&gt;<br /> <br /> In diese Zeit fiel auch die Beschäftigung mit [[Ludwig Andreas Feuerbach|Ludwig Feuerbachs]] religionskritischer [[Philosophie]] und den Theorien des französischen [[Sozialismus|Frühsozialisten]] und frühen Theoretikers des modernen [[Anarchismus]] [[Pierre-Joseph Proudhon]]. Vor allem die Formulierung Proudhons zur Frage: Was ist Eigentum? sollte Wagner zeitlebens beschäftigen: „Solange Eigentum Privilegien birgt, solange bedeutet privilegiertes – also erpresserisches – Eigentum Diebstahl.” Diese Einstellung wurde vor allem in seinem [[Der Ring des Nibelungen|Nibelungen]]drama ein roter Faden.<br /> <br /> === Dresdner Jahre ===<br /> <br /> [[Bild:Dresden Hoftheater J C A Richter.jpg|thumb|300px|Das alte Dresdner Hoftheater zur Zeit Richard Wagners]]<br /> [[Bild: Graupa, Schäfersches Gut.jpg|thumb|300px|Das Schäfersche Gut (Lohengrinhaus) in Graupa]]<br /> <br /> Im Frühjahr 1842 erhielt Wagner von der Dresdner Hofoper die Nachricht, dass man seine neue Oper ''Rienzi'' aufführen wolle. Nachdem es ihm in Paris nicht gelungen war, künstlerische Pläne voranzubringen und dort Erfolg zu haben, verließ er im April 1842 Paris und siedelte sich in Dresden an. Den Juni verbrachte er in [[Teplitz-Schönau]], wo er schon 1834 und 1836 gewesen war. Auf dem [[Burg Střekov|Schreckenstein]] entstand der erste ''[[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg|Tannhäuser]]''-Entwurf. Die Uraufführung des ''Rienzi'' fand am 20. Oktober in Dresden statt. Sie war ein großer Erfolg und bedeutete den künstlerischen Durchbruch des jungen Wagner. Etwa zur gleichen Zeit wurde Franz Liszt [[Hofkapellmeister]] in Weimar.<br /> <br /> 1843 wurde Wagner zum Königlich-Sächsischen [[Kapellmeister]] an der [[Semperoper|Dresdner Hofoper]] ernannt und konnte dort auch am 2. Januar seine Oper ''Der fliegende Holländer'' zur Uraufführung bringen. Wenig später übernahm er auch zusätzlich die Leitung der [[Dresdner Liedertafel]], in deren Auftrag er das monumentale Chorwerk ''[[Das Liebesmahl der Apostel]]'' komponierte; die Uraufführung am 6. Juli 1843 in der [[Frauenkirche (Dresden)|Frauenkirche]] im Rahmen des Zweiten Allgemeinen Dresdner Männergesangsfestes war durch und durch ein Erfolg. Wagner distanzierte sich aber in der Folge davon, weitere oratorische Werke zu komponieren und führte das Werk zu Lebzeiten nicht mehr auf. Kurz darauf überredete er seinen Freund [[Ferdinand Hiller]], die Leitung der Dresdner Liedertafel zu übernehmen. <br /> <br /> Es entstand eine Freundschaft mit Anton Pusinelli und [[August Röckel]], mit dem er vor allem Gespräche über Politik führte. Hier befreundete er sich auch mit dem russischen Anarchisten [[Michail Bakunin]]. 1844 arbeitete Wagner weiter an der Oper ''Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg''. Im Juli 1845 hielt sich Wagner in [[Marienbad]] auf. Er entwarf dort in einer ersten Inhaltsskizze die Handlung zu den ''[[Die Meistersinger von Nürnberg|Meistersingern]]'' und beschäftigte sich intensiv mit den deutschen Sagen, vor allem dem Nibelungen- und dem Gral-Mythos. Er begann mit der Konzeption seiner Oper ''[[Lohengrin]]''. In Dresden leitete er am 19. Oktober die Uraufführung seines ''Tannhäuser''. 1846 dirigierte Wagner Beethovens [[9. Sinfonie (Beethoven)|9. Symphonie]] – wobei er u. a. den jungen [[Hans von Bülow]] tief beeindruckte – und begann im Sommer, während eines dreimonatigen Urlaubes in [[Graupa]] nahe Dresden, mit der Komposition des ''Lohengrin''. Am 9. Januar 1848 verstarb Wagners Mutter in Leipzig. Im Frühjahr 1848 besuchte Franz Liszt Wagner erstmals in Dresden, wenig später kam es zu einem Gegenbesuch bei Liszt in Weimar, womit eine lange Freundschaft begann. <br /> <br /> Um sich Anregungen für eine Theaterreform zu holen, reiste Wagner im Sommer 1848 nach Wien. Anschließend schloss er sich in Dresden den republikanischen Reformbestrebungen in Sachsen an. Er bemühte sich um eine Theaterreform am Hoftheater und entwickelte seine Idealvorstellungen über den Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft. Er veröffentlichte einige Beiträge in den ''Volksblättern'' seines Freundes [[August Röckel]], u. a. die Schrift: ''[[Die Kunst und die Revolution|Die Revolution]]''. Zur gleichen Zeit entstand seine Abhandlung ''[[Die Wibelungen]]'' ''Weltgeschichte aus der Sage'', eine Vorstufe zu seinem Hauptwerk ''[[Der Ring des Nibelungen]]'', dessen Konzeption mit dem ''Siegfried'' zeitgleich entstand, ebenso wie die Konzeption eines Musikdramas ''[[Jesus von Nazareth]]'', wobei er Jesus vor allem als Sozialrevolutionär sah.<br /> <br /> === Zürcher Jahre ===<br /> [[File:Richard Wagners Steckbrief 1849.jpg|thumb|Wagners Steckbrief von 1849]]<br /> Im Frühjahr 1849 beteiligte sich Wagner aktiv am [[Dresdner Maiaufstand]]. Er wurde, nach Niederschlagung der Volksunruhen, wie auch seine Freunde [[Gottfried Semper]] und [[August Röckel]], von der Polizei steckbrieflich gesucht und sah sich gezwungen zu fliehen. Seine Flucht führte ihn mit falschem Pass zunächst in die Schweiz, und nach einem kurzem Aufenthalt in Paris ins dauerhafte [[Exil]] nach [[Zürich]]. Dort entstanden in den Folgejahren die ''Zürcher Kunstschriften'', unter anderen ''[[Die Kunst und die Revolution]]'', ''[[Das Kunstwerk der Zukunft]]'' und seine große musiktheoretische Schrift ''[[Oper und Drama]]''. <br /> <br /> In einem regen Briefaustausch mit seinen Freunden Franz Liszt, August Röckel und [[Theodor Uhlig]] entwickelte und erklärte er seine zukünftigen künstlerischen Ambitionen. Mit seinem neuen Opernentwurf ''[[Wieland der Schmied]]'' versuchte Wagner in Paris erneut sein Glück, allerdings vergeblich. Er lernte die junge Jessie Laussot kennen, die in unglücklicher Ehe gebunden war und folgte ihr nach Bordeaux, in der Absicht sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und mit ihr nach Griechenland zu fliehen. Nach einigen Wochen beendete er die Affäre und kehrte zu seiner Frau nach Zürich zurück. Am 28. August 1850 wurde in Abwesenheit Wagners durch Franz Liszt in [[Weimar]] ''Lohengrin'' uraufgeführt. <br /> [[Bild:Mathilde-Wesendonck-1.jpg|thumb|Mathilde Wesendonck, 1860, nach einem Portrait von C. Dorner]]<br /> Wagner lernte 1852 Otto und [[Mathilde Wesendonck]] kennen und begann (nach einer Kur in der Wasserheilanstalt Albisbrunn) mit der Dichtung zum ''Ring des Nibelungen''. Er lernte [[Georg Herwegh]] kennen, einen Weggenossen von [[Karl Marx]], der ein reger Diskussionspartner und Wanderfreund wurde. Wagner unternahm ausgedehnte Bergtouren, unter anderen eine mehrwöchige Fußwanderung nach Italien. In der Einsamkeit der Hochgebirgslandschaften und erhabenen Gletscher sah er die idealen Szenenbilder für seinen ''Ring''. Am 16. Februar 1853 las Wagner erstmals öffentlich seine komplette Ring-Dichtung an vier Abenden im Hotel Baur au Lac in Zürich.<br /> <br /> Im Mai 1853 gab Wagner enthusiastisch aufgenommene Konzerte mit Ausschnitten aus eigenen Werken in Zürich. Im Juli besuchte ihn Liszt; bei dieser Gelegenheit kam es zum Bruderschaftstrunk mit Liszt und Herwegh. Wagner reiste im September erneut nach Italien, wo ihm in einem Hotel in [[La Spezia]] im Halbschlaf die Ur-Idee zum Beginn des [[Der Ring des Nibelungen|Ring des Nibelungen]] kam und konzipierte das ''[[Das Rheingold|Rheingold]]''-Vorspiel. Am 10. Oktober war Wagner bei Liszt in Paris und sah zum ersten Mal dessen Tochter [[Cosima Wagner|Cosima]], die zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt war. Er begann mit der ''Rheingold''-Komposition, die er innerhalb von drei Monaten bis Januar 1854 abschloss.<br /> <br /> 1854 las Richard Wagner auf Empfehlung von Herwegh [[Arthur Schopenhauer|Schopenhauers]] Hauptwerk, ''[[Die Welt als Wille und Vorstellung]]''. Im gleichen Jahr begann er mit der Konzeption von ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]''. 1855 gab Wagner mehrere Konzerte in London. 1856 richtete er ein [[Gnadenrecht|Gnadengesuch]] an den [[Johann (Sachsen)|sächsischen König]]. Zwischenzeitlich lebte er auf dem „Grünen Hügel” neben der [[Villa Wesendonck]] in Zürich, arbeitete an ''[[Siegfried (Oper)|Siegfried]]'' und später an ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'' und vertonte - als musikalische Studien zum ''Tristan'' - fünf Gedichte von Mathilde Wesendonck (''[[Wesendonck-Lieder]]''). Am 18. August 1857 wurden [[Hans von Bülow]] und Cosima in Berlin getraut und unternahmen ihre Hochzeitsreise zu Wagner nach Zürich. 1858 spitzte sich Wagners Affäre mit Mathilde Wesendonck zu: Nachdem Minna die schwärmerische Freundschaft ihres Mannes zur verheirateten Mathilde Wesendonck aufgedeckt und einen [[Eklat]] provoziert hatte, trennte sich Wagner von seiner Frau. Er reiste nach Venedig, wo er den zweiten Akt des ''Tristan'' komponierte. Seine Frau übersiedelte nach Dresden.<br /> <br /> === Wanderjahre ===<br /> [[Bild:Richard and Cosima Wagner.jpg|thumb|200px|Richard und Cosima Wagner]]<br /> [[Bild:Ludwig II; Bavaria Rex.jpg|thumb|200px|Der junge König Ludwig II. von Bayern]]<br /> Im Frühjahr 1859 musste Wagner aus politischen Gründen das damals unter österreichischer Verwaltung stehende Venedig verlassen. Er begab sich nach [[Luzern]] und vollendete im Hotel Schweizer Hof den ''Tristan''. Danach ging er wieder nach Paris, wohin Minna ihm nachfolgte. In Fürstin [[Pauline von Metternich|Metternich]] und Marie von Kalergis (später Fürstin Muchanoff) fand er neue Mäzene, die ihm Konzerte in Paris und Brüssel ermöglichten. Im August 1860 konnte Wagner nach einer Teil[[amnestie]] durch den sächsischen König wieder deutschen Boden betreten. <br /> <br /> 1861 studierte Wagner in Paris eine neu verfasste französische Fassung seines [[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg|Tannhäuser]] ein, für die er die erste Szene neu komponiert und ein Ballett eingefügt hatte. Trotzdem entsprach das Ergebnis nicht den vorgefassten Erwartungen einiger Pariser Publikums-Clubs, so dass es zum [[Pierre-Louis Dietsch|Tannhäuser-Skandal]] kam. Auch hatte der Dirigent der Aufführung [[Pierre-Louis Dietsch]] nach Wagners Meinung die Produktion sabotiert. Nach der dritten durch Zwischenrufe gestörten Aufführung zog Wagner sein Werk zurück. Er verließ Paris und hielt sich in [[Karlsruhe]], Venedig und Wien auf, kehrte dann einige Wochen wieder nach Paris zurück, um im Auftrag des Musikverlegers [[Franz Schott]] aus Mainz mit seiner neuen Arbeit ''Die Meistersinger von Nürnberg'' zu beginnen. Anfang 1862 siedelte er nach Wiesbaden-Biebrich, um die Musik zu den „Meistersingern” zu komponieren.<br /> <br /> Ein neues Zusammentreffen mit Minna Anfang 1862 in Biebrich führte zur endgültigen Trennung des Ehepaars. Im gleichen Jahr erließ der König von Sachsen eine vollständige Amnestie, worauf Wagners Freund und Gönner [[Wendelin Weißheimer]] ihm erstmals wieder ein Konzert in Leipzig, seiner Heimatstadt, ermöglichte. In Weimar sah Wagner Franz Liszt wieder. Im Juli traf er sich mit den Bülows, danach blieb er in Wien und wohnte einige Monate in [[Penzing (Wiener Bezirksteil)|Penzing]], um die geplante Uraufführung seines ''Tristan'' zu begleiten, zu der es aber wegen zahlreicher Schwierigkeiten nicht kam. Im [[Wiener Musikverein]] gab er im Beisein der [[Kaiserin Elisabeth]] einige umjubelte Konzerte, erstmals mit Ausschnitten aus seinem ''Ring''. 1863 gab Wagner Konzerte in [[Sankt Petersburg]], [[Moskau]], [[Budapest]], [[Prag]] und Karlsruhe, die künstlerisch erfolgreich waren, jedoch nicht die erwarteten Einnahmen brachten. Am 28. November bekannten sich Wagner und Cosima in Berlin gegenseitig ihre Liebe. Im Frühjahr 1864 flüchtete Wagner vor Steuerfahndung und Gläubigern aus Wien und besuchte [[Eliza Wille]] in Mariafeld bei Zürich. <br /> <br /> Als letzte Rettung aus größter finanzieller Not und persönlicher Verzweiflung wurde Wagner am 4. Mai 1864 von König [[Ludwig II. (Bayern)|Ludwig II.]] in [[München]] empfangen, der wenige Wochen zuvor im Alter von 18 Jahren die Regentschaft vom verstorbenen Vater [[Maximilian II. Joseph (Bayern)|Maximilian]] übernommen hatte. Wagner war nicht nur der Lieblingskomponist des Königs, sondern wurde auch sein „väterlicher” Freund und Berater. Der König blieb bis zum Tode Wagners dessen [[Mäzen]]. In dieser exponierten Stellung nahm Wagner Einfluss auf politische Entscheidungen des jungen Königs und verfasste verschiedene politische Schriften. Im Juni und Juli des gleichen Jahres weilte Cosima bei Wagner im Haus Pellet am [[Starnberger See]], wo sie ihre Liebesbeziehung besiegelten. Der König stellte ihm ein Haus in München, in der Brienner Straße, als Wohnsitz zur Verfügung. Am 10. April 1865 wurde Isolde, das erste gemeinsame Kind von Cosima von Bülow und Richard Wagner in München geboren. Am 10. Juni fand die Uraufführung von ''Tristan und Isolde'' in München statt. Am 17. Juli begann Wagner seine Autobiographie ''Mein Leben'' zu diktieren. Wegen heftiger Proteste der Bevölkerung und der Regierung, die Wagner und Ludwig II. Verschwendungssucht vorhielten, verließ Wagner Bayern in Richtung Schweiz. Er mietete vorübergehend ein Landhaus bei Genf, begann sich dort einzurichten und die Komposition des ersten Akts der ''Meistersinger'' fortzusetzen. Auf der Suche nach einem dauerhaften Wohnsitz reiste er nach Toulon, Lyon und Marseille.<br /> <br /> === Asyl in Tribschen ===<br /> Inzwischen war seine Frau Minna am 25. Januar 1866 in Dresden gestorben. Ende März mietete Wagner das bei Luzern gelegene Landhaus [[Tribschen]] und zog am 15. April dort ein. Die unterbrochene Kompositionsarbeit an den ''Meistersingern'' wurde wieder aufgenommen.<br /> [[Bild:Luzern Haus Tribschen.JPG|thumb|300px|Wagners Haus in Tribschen]]<br /> <br /> Am 22. Mai erhielt er überraschenden Besuch von König Ludwig. Dieser wollte als König abdanken und bei Richard Wagner bleiben, der den jungen König jedoch überzeugen konnte, nach München zurückzukehren.&lt;ref&gt;Briefwechsel König Ludwig und Richard Wagner.&lt;/ref&gt; Wenige Monate später zog Cosima mit ihren beiden Bülow-Kindern (Daniela und Blandine) und der Wagner-Tochter Isolde bei ihm ein. Eva (Eva Maria), Cosimas und Wagners zweites Kind, wurde dort am 17. Februar 1867 geboren. Die Uraufführung der ''Meistersinger'' fand am 21. Juni 1868 in München statt. Am 8. November begegnete Wagner in Leipzig [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]] das erste Mal. Ab dem 16. November lebte Cosima für immer bei Wagner. Sie begann am 1. Januar 1869 ihr Tagebuch zu schreiben. Friedrich Nietzsche, seit kurzem Professor in Basel, war regelmäßig in Tribschen zu Gast. Am 6. Juni 1869 wurde [[Siegfried Wagner]], Cosimas und Richards drittes Kind, in Tribschen geboren. Am 22. September fand auf Veranlassung König Ludwigs, jedoch gegen den Willen Wagners, in München die Uraufführung des ''Rheingold'' statt. Auch die Uraufführung der ''Walküre'' erfolgte ohne Wagners Zustimmung, der den ''Ring'' nur vollständig aufführen wollte, am 26. Juni 1870 in München. <br /> <br /> Am 18. Juli 1870 wurde die Ehe Cosimas und [[Hans von Bülow]]s geschieden, am 25. August wurden Cosima und Richard Wagner in der protestantischen Kirche von Luzern getraut. Am 25.&amp;nbsp;Dezember 1870 fand die Uraufführung des ''[[Tribschen#Siegfried-Idyll|Siegfried-Idylls]]'', als Geburtstagsgeschenk für Cosima auf der Treppe in Wagners Haus in Tribschen statt. 1871 wählte Wagner [[Bayreuth]] als Festspielort und kündigte erstmals Festspiele an. Im April reiste Wagner mit Cosima über Bayreuth nach Berlin, wo sie von [[Otto von Bismarck]] empfangen wurden. Zur Finanzierung der Festspiele wurden ab 1872 Patronatsscheine verkauft und die ersten Wagnervereine gegründet; eine wesentliche Rolle spielte hier [[Marie Gräfin Schleinitz]], die Wagner 1863 kennen gelernt hatte und zeitlebens enthusiastisch förderte. Im Frühjahr übersiedelte Wagner mit seiner Familie von Tribschen nach Bayreuth und konnte dort am 22. Mai den Grundstein für sein [[Bayreuther Festspielhaus|Festspielhaus]] legen. <br /> <br /> [[Bild:Bayreuth07.JPG|thumb|300px|Villa Wahnfried in Bayreuth]]<br /> [[Bild:Bayreuth Festspielhaus 2006-07-16.jpg|thumb|300px|Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth]]<br /> [[Bild:Richard Wagner at Bayreuth.jpg|thumb|300px|Richard Wagner in Bayreuth, Haus Wahnfried]]<br /> <br /> === Die Bayreuther Jahre ===<br /> Im Bayreuther Festspielhaus ließ Wagner ein „unsichtbares Orchester” anlegen, indem der [[Orchestergraben]] mit einer Abdeckung zum [[Publikum]] hin abgeschirmt wurde („[[mystischer Abgrund]]”), so dass die Konzentration der Zuschauer einzig auf die dramatische Handlung und die akustische Wahrnehmung der Musik gerichtet werden konnte, ohne dass deren Tonerzeugung sichtbar wurde. Wie sich zeigte, war durch diese Einrichtung aber auch eine besondere Klangqualität erreicht worden. Die einzigartige [[Akustik]] des Hauses beruht auch darauf, dass der Raum ein [[Holzbau]] ist und der Zuschauerraum keine [[Logenplatz|Loge]]n an den Seiten hat. Die Sitze sind ungepolstert, so dass weniger Schall geschluckt wird. Die Idee zu dieser Anlage des Festspielhauses geht zurück auf das Theater in Riga, wo Wagner in einer Art [[Scheune]] dirigieren musste, die durch eine Bretterwand unterteilt war, von deren Akustik er jedoch begeistert war.<br /> <br /> Im darauf folgenden Jahr war Wagner viel auf Konzertreisen unterwegs, um Geld für seine Festspiel-Stiftung einzuspielen. [[Anton Bruckner|Bruckner]] und Nietzsche waren zu Besuch in Bayreuth. Am 2. August 1873 war das [[Richtfest]] des Festspielhauses. In diesem Jahr hatte [[Friedrich Nietzsche]] seine ersten schweren Krankheitsanfälle. Auch Wagner wurde von den vielfältigen Belastungen seiner Arbeit zunehmend angegriffen und hatte in den letzten zehn Lebensjahren unter regelmäßigen Herzanfällen zu leiden.<br /> <br /> Am 28. April 1874 bezogen Cosima und Richard Wagner das [[Haus Wahnfried]]. Die Partitur des ''Ring des Nibelungen'' wurde am 21. November 1874 beendet und König Ludwig gewidmet, der mit einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung das Festspielunternehmen rettete, als Wagners eigene Mittel und eingehende Spenden zu versiegen drohten. In Anwesenheit Kaiser [[Wilhelm I. (Deutsches Reich)|Wilhelms I.]] begannen am 13. August 1876 die ersten [[Bayreuther Festspiele]] mit der vollständigen Aufführung des ''Ring des Nibelungen''. Im September reiste Wagner nach Italien und hatte eine letzte Begegnung mit Nietzsche in [[Sorrent (Kampanien)|Sorrent]]. In den Jahren 1877 bis 1879 arbeitete Wagner in seinem Haus Wahnfried am ''[[Parsifal]]''. Während eines London-Aufenthalts wurde er durch [[Victoria (Vereinigtes Königreich)|Königin Victoria]] von [[England]] empfangen. Am 31. Dezember 1879 verreiste Wagner erneut nach Italien und hielt sich im Folgejahr überwiegend in [[Neapel]], [[Ravello]], [[Siena]] und Venedig auf. Dort entstanden auch seine so genannten „Regenerationsschriften” ([[Religion und Kunst]]), die in den von [[Hans Paul von Wolzogen (Schriftsteller)|Hans von Wolzogen]] herausgegebenen „Bayreuther Blättern” veröffentlicht wurden.<br /> <br /> Im November 1881 reiste der gesundheitlich angeschlagene Wagner wegen des günstigeren Klimas mit seiner Familie nach [[Sizilien]] und vollendete am 13. Januar 1882 in [[Palermo]] den ''Parsifal'', der im selben Jahr bei den zweiten Bayreuther Festspielen am 26. Juli uraufgeführt wurde. Zuvor gab es in München eine Privataufführung des Parsifal-Vorspieles für König Ludwig; es war deren letzte Begegnung.<br /> <br /> === Tod in Venedig ===<br /> Am 16. September 1882 reiste Wagner mit seiner Familie abermals nach Venedig, wo er auch mehrere Wochen mit Franz Liszt zusammen war. Am 25. Dezember gaben sie (als Geburtstagsgeschenk für Cosima) letztmalig ein gemeinsames Konzert im [[Teatro La Fenice]]. <br /> <br /> Am 13. Februar 1883 hielt er sich in dem von ihm und seiner Familie bewohnten Seitenflügel des Palazzo Vendramin auf. Um die Mittagszeit wartete die Familie bei Tisch auf Wagner, der trotz Herzkrämpfen in seinem Arbeitszimmer an einem Aufsatz ''Über das Weibliche im Menschlichen'' schrieb. Das Hausmädchen fand ihn zusammengesunken an seinem Schreibtisch über den Worten „Gleichwohl geht der Prozeß der Emanzipation des Weibes nur unter ekstatischen Zuckungen vor sich. Liebe - Tragik”. Er sagte noch: „Meine Frau und der Doktor”, bevor er in Bewusstlosigkeit fiel und gegen 15.30 Uhr in Cosimas Armen starb. <br /> <br /> Der Bildhauer Augusto Benvenuti nahm am 14. Februar die Totenmaske ab, am 16. Februar wurde Wagners Leichnam, begleitet von seiner Familie und einigen Freunden, in zwei Sonderwagen, die dem Zug aus Venedig angehängt waren, über München nach [[Bayreuth]] überführt. Nach Ankunft am 18. Februar in Bayreuth wurde der Sarg unter den Klängen des Trauermarsches aus ''Götterdämmerung'' vom Bahnhof zur Villa Wahnfried geleitet und in der vorbereiteten Gruft im Garten beigesetzt.<br /> <br /> == Wirkung von Werk und Persönlichkeit ==<br /> === Intention Wagners ===<br /> <br /> [[File:Parsifal vor der Gralsburg.JPG|left|thumb|350px|&quot;Parsifal vor der Gralsburg&quot; — inspired by Richard Wagner's opera ''[[Parsifal]]'', painted in Weimar Germany 1928 by Hans Werner Schmidt (1859–1950)]]<br /> <br /> Wagner wollte die aus seiner Sicht „dekadenten” Theater reformieren und mit Hilfe der Kunst zu einer besseren Volks-Erziehung beitragen und somit die Welt verbessern. Bereits in jungen Jahren war er von der Idee beherrscht, Musik und Drama zu verknüpfen ([[Das Kunstwerk der Zukunft]], [[Oper und Drama]]) und in Anlehnung an die Tradition der griechischen Tragödien eine neue Kunstrichtung zu begründen. In seinen Schriften hat er immer wieder beschrieben, wie erst mit Hilfe von Musik dramatische Handlungen zu „Botschaften” werden können und die Musik (das weiblich „gebärende Element”) der Dichtung (der männlich „zeugende Samen”) zusätzliche Ausdruckskraft verleiht. <br /> <br /> :''Die Wissenschaft hat uns den Organismus der Sprache aufgedeckt; aber was sie uns zeigte, war ein abgestorbener Organismus, den nur die höchste Dichternot wieder zu beleben vermag, und zwar dadurch, dass sie die Wunden, die das anatomische Seziermesser schnitt, dem Leibe der Sprache wieder schließt, und ihm den Atem einhaucht, der ihn zur Selbstbewegung beseele. Dieser Atem aber ist: – die Musik!''&lt;ref&gt;Richard Wagner: Oper und Drama&lt;/ref&gt; <br /> <br /> Seine Konzeption vertrat er mit Vehemenz und arbeitete zielstrebig darauf hin, seine Kunst-Idealvorstellung - in Form von Festspielen an einem Ort der Muße - zu verwirklichen. In König Ludwig II. fand er einen Gleichgesinnten, so dass beide ihre Kunst-Ideale (Festspielhaus, Musikschule, Kunsterziehung) in München realisieren wollten. Dies Vorhaben scheiterte jedoch und konnte durch beide erst später in Bayreuth verwirklicht werden. Dort entwickelte sich Wagners Festspielkonzept vor allem mit seinem Bühnenweihfestspiel [[Parsifal]] zu einem „Religionsersatz” durch die Kunst ([[Religion und Kunst]]).<br /> <br /> === Musik ===<br /> Wagners Werk ist ein Höhepunkt der romantischen Musik und beeinflusste viele Zeitgenossen und spätere Komponisten erheblich. Vor allem der [[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan]] brachte die Musiksprache des 19. Jahrhunderts weit voran und gilt vielen als Ausgangspunkt der [[Neue Musik|Modernen Musik]]. <br /> [[Bild:Tristanakkord.jpg|right|thumb|Der so genannte [[Tristan-Akkord]] (Musiktheorie)]]<br /> <br /> Das betrifft vor allem die [[Harmonik]]. Während in der Epoche der Klassik bis zum Tode [[Beethoven]]s die [[Melodik]] der vorrangige Bereich der Erfindungskraft war und als persönliche Sprache der Komponisten betrachtet wurde, tritt mit Wagner und Liszt die [[Harmonik]] in den Vordergrund. Mit dem Tristan, dessen erster Akt 1857 komponiert wurde, führte Wagner sie weit über den Stand, auf dem [[Johannes Brahms|Brahms]] noch 1892 in seinen späten Klavierstücken op. 117 bis 119 verblieb &lt;ref&gt; Diether de la Motte, Harmonielehre, Richard Wagner, Bärenreiter, Kassel 1985, S212. &lt;/ref&gt;. Sie ist das Gebiet, auf dem seine Phantasie sich entfaltet, einen charakteristischen Personalstil entwickelt und durch die jeweilige dramatische Situation des Geschehens in Grenzen gehalten wird, sich also nicht im Unendlichen verliert. Wagners Einfluss auf die Musikgeschichte erhellt schon daraus, dass über hundert Jahre nach der Komposition des Werkes die komplexen harmonischen Verläufe des „Tristan-Akkords” analysiert und unterschiedlich interpretiert wurden und von der Krise der modernen Harmonielehre die Rede war &lt;ref&gt; Martin Vogel, Der Tristan-Akkord und die Krise der modernen Harmonielehre, Düsseldorf 1962 &lt;/ref&gt;.<br /> Dieser Bewertung wird gelegentlich entgegengehalten, dass andere Komponisten vor Wagner bedeutende harmonische Neuerungen in die Musik eingeführt haben. Dies gilt etwa für [[Frédéric Chopin]], dessen gewagte Chromatik bzw. Harmonik – etwa in einigen Préludes und Nocturnes – seine Zeitgenossen überraschte.<br /> [[Bild:Richard_Wagner_-_Tristan_und_Isolde_-_Vorspiel.ogg|Tristan und Isolde – Vorspiel|thumb]]<br /> Es kann bei Wagners Einfluss, dem sich viele zu entziehen versuchten, zudem nicht von einer kontinuierlichen, gleichförmigen Entwicklung gesprochen werden. Komponisten wie etwa [[Tschaikowsky]] und [[Antonín Dvořák]] bewegten sich noch in „traditionellen” harmonischen Bahnen, während vor allem [[Richard Strauss]] und [[Gustav Mahler]] die wagnersche Tonsprache übernahmen.<br /> <br /> Gattungsgeschichtlich liegt Wagners Bedeutung in der Weiterentwicklung der sog. Nummernoper zum Musikdrama. Während etwa [[Carl Maria von Weber|Webers]] „[[Der Freischütz|Freischütz]]” eine Abfolge einzelner Nummern (Arien, Duette, Chöre etc.) darstellt, die durch gesprochene Rezitative miteinander verbunden werden, herrscht bei Wagner – vor allem in seinen reifen Werken – die sog. „unendliche Melodie”. Das Orchester beginnt am Anfang eines Aktes zu spielen und hört am Aktende auf. Gesprochen wird nicht. Es gibt keine Arien mehr, sondern – gesungene – Erzählungen bzw. Monologe, Dialoge etc. Sie stehen aber nicht isoliert neben- bzw. nacheinander, sondern werden untereinander durch die Orchestermusik verwoben. Dabei bedient sich Wagner der [[Leitmotiv|Leitmotivtechnik]], d. h. einer bestimmten Person, einem Gegenstand oder einem Gefühl (Liebe, Sehnsucht, Wut) wird ein bestimmtes musikalisches Motiv zugeordnet, das immer dann zu hören ist, wenn die Person, der Gegenstand oder das Gefühl auftauchen. <br /> Wagner wollte „Gedachtes” und „Gefühltes” musikalisch ausdrücken und bewirkte mit einer solchen „absichtsvollen Musik” eine bis dahin nicht gekannte „psychologische Wirkung” beim Zuhörer. Mit der Leitmotivtechnik im „Ring des Nibelungen” und bei „Tristan und Isolde” ist ihm dies eindrucksvoll gelungen. In einem Fall soll Wagners Musik Emotionen ausgelöst haben, die zum Tode führten; so beim Herztod des Dirigenten [[Josef Keilberth]] im 2. Akt „Tristan” in München.<br /> [[Bild:Richard Wagner als Dirigent.JPG|thumb|Schattenriss von W. Bithorn]]<br /> <br /> === Wagner als Dirigent ===<br /> Wagner prägte nachhaltig den Dirigierstil. Er dirigierte auswendig und unterstrich die Emotionalität der Musik durch Mimik und Gestik, was bis dahin nicht üblich war. Von großer Wirkung war die Aufführung der [[9. Sinfonie (Beethoven)|9. Symphonie von Beethoven]], die er am Palmsonntag 1846 in Dresden nach vielen Proben dirigierte. Wie in Dresden waren es auch später in Zürich oder London Wagners Interpretationen beethovenscher Symphonien, die ihn als Experten für dessen Dirigate auswiesen. Der Bildhauer [[Gustav Adolph Kietz]], jüngerer Bruder des Porträtmalers und Wagner-Freundes Ernst Benedikt Kietz, berichtet in seinen Erinnerungen:<br /> :''Das Haupt erhoben, den Oberkörper unbewegt, die linke Hand an der Seite ruhend, in der rechten den Taktstock, nicht mit dem Arm, sondern mit dem Handgelenk dirigierend – so steht Wagner in der Aufführung vor dem Orchester. Seine Leidenschaftlichkeit scheint nach außen gebändigt, sie entlädt sich aber im Mienenspiel und vor allem im Blick des Auges, das er als das wichtigste Mittel der Willensübertragung bezeichnet. Indem er auswendig dirigierte – was ihm Kritiker als Koketterie auslegten – behält er die Musiker im Auge, und ein jeder fühlt sich von ihm angesprochen. Vorübergehend setzt er mit dem Taktschlagen aus, um einer melodischen Linie das „Sprechende” zu verleihen. Aber dann versteht er es, die Musiker mit seinem Stab zu bannen und zum zartesten Pianissimo, zu Ausbrüchen der Verzweiflung, der Begeisterung mitzureißen.''<br /> <br /> [[Bild:Pierre-Auguste Renoir 114.jpg|thumb|Portrait Wagners von [[Pierre-Auguste Renoir]], 1882]]<br /> <br /> === Wagner als Persönlichkeit ===<br /> Wagner war schon früh davon überzeugt, ein Genie zu sein. „In fünfzig Jahren werde ich der Beherrscher der musikalischen Welt sein”, prophezeite er. Er war mit einem Körpermaß von 1,66 Meter nicht groß, hatte aber eine starke Ausstrahlung, wie selbst einer seiner größten Kritiker, der Wiener Rezensent [[Eduard Hanslick]] konstatieren musste: <br /> <br /> :''Er sprach unglaublich viel und schnell, in monoton singendem sächsischem Dialekt; er sprach in einem fort und immer von sich selbst, von seinen Werken, seinen Reformen, seinen Plänen. Er war der personifizierte Egoismus, rastlos tätig für sich selbst, teilnahmslos, rücksichtslos gegen andere. Dabei übte er doch den unbegreiflichen Zauber, sich Freunde zu machen und sie festzuhalten. Die hypnotisierende Gewalt, welche Wagner nicht bloß durch seine Musik ausübte, sondern auch durch seine Persönlichkeit, reicht hin, ihn zu einer der bedeutendsten Erscheinungen, zu einem Phänomen von Energie und Begabung zu stempeln.''&lt;ref&gt;Eduard Hanslick: Aus meinem Leben. Berlin 1911&lt;/ref&gt; <br /> Wagner hatte „sein Herz auf der Zunge” und gewann viele Freunde, die sich für ihn und seine Kunst einsetzten, z. B. Franz Liszt, Otto von Wesendonck, Julie Ritter u.&amp;nbsp;a. Er konnte charmant sein und beanspruchte für sich und seine Kunst, von der „Gesellschaft” unterstützt zu werden (es gab damals noch keine Tantiemen für Wiederaufführungen von Kunstwerken). Seine finanziellen Probleme sah er als „lächerliche Schulden”, denen man in der Zukunft eine erheblich größere „Aktiva” gegenüberstellen könne. Erst durch König Ludwig II. konnte dieser „Anspruch” erfüllt werden, wobei Wagner es immer als Priorität ansah, seine Festspielidee verwirklichen zu können. <br /> <br /> Cosima Wagner verstand es, ihr Idol und ihren späteren Ehemann „ins rechte Licht” zu setzen, beispielsweise durch den „Hausbiographen” [[Carl Friedrich Glasenapp]], der noch zu Wagners Lebzeiten eine mehrbändige Biographie zu schreiben begann. Seine Autobiographie diktierte Wagner seiner Frau Cosima und schenkte den ersten Privatdruck seinem „Freund” König Ludwig II. Erst im Jahre 1911 wurde die Autobiographie veröffentlicht. Wagner wurde von verschiedenen Malern porträtiert, u. a. von [[Franz von Lenbach]] und [[Pierre-Auguste Renoir]] (1882).<br /> <br /> === Rezeption ===<br /> Wie kaum ein anderer Künstler hat Wagner polarisiert, und bis in die Gegenwart beschäftigen sich Interpreten unterschiedlicher Disziplinen mit seinem vielschichtigen Werk. Neben Komponisten, die Wagner ablehnten, wie [[Johannes Brahms|Brahms]] und [[Tschaikowsky]], gab es Kritiker wie Nietzsche – und später Adorno –, die nicht nur auf die Gefahren des „sinnbetörenden Rausches” hinwiesen, sondern sich mit den Wirkungen Wagners auf die Musik der Zukunft, ja der gesamten Kultur auseinandersetzten.<br /> [[Bild:Nietzsche1882.jpg|thumb|160px|Friedrich Nietzsche, 1882]]<br /> <br /> ==== [[Friedrich Nietzsche]] ====<br /> Zunächst hatte Nietzsche Wagner in seiner frühen Schrift [[Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik]] noch als Erneuerer deutscher Kultur gefeiert und ihm in seinen ''Unzeitgemäßen Betrachtungen'' einen eigenen Essay ''Richard Wagner in Bayreuth'' gewidmet. Nachdem er sich in ''Menschliches, Allzumenschliches'' (1878–1880) von seinem früheren Abgott schrittweise gelöst hatte, publizierte er später etliche kritische, ja hämische Schriften, in denen er Wagner, vor allem nach dessen [[Parsifal]], zudem der Dekadenz, des „undeutschen” Wesens und der Sinnbenebelung bezichtigte und über das geistige Niveau der sog. Wagnerianer in [[Bayreuth]] spottete. <br /> <br /> Nietzsches Kritik an Wagner ist vielschichtig, und obwohl sie sich vor allem am Spätwerk, dem Parsifal entzündete, bezog er sie nun auch auf frühere Werke und den ''Ring'', den er in den Unzeitgemäßen Betrachtungen noch gefeiert hatte. Als ehemaliger „Schüler” Schopenhauers (''Schopenhauer als Erzieher''), der sich später gegen den Pessimismus seines Lehrers stellte, analysierte Nietzsche dessen Einfluss auf Wagner. Habe Wagner als revolutionärer Denker zunächst in Verträgen, Gesetzen, Institutionen das Übel der Welt erblickt – das Vertragsmotiv im Ring –, änderte sich später sein Weltbild, und das [[christlich]]e Motiv der [[Erlösung]] trat in den Mittelpunkt. Viele Figuren Wagners sollten fortan „erlöst” werden. Wagners „Schiff” sei nach der „Götterdämmerung der alten Moral” lange Zeit „lustig auf dieser Bahn” (des Optimismus) gelaufen, bis es auf das „Riff” der schopenhauerschen Philosophie gefahren sei &lt;ref&gt; Friedrich Nietzsche, ''Der Fall Wagner'', Abschnitt 4 &lt;/ref&gt;. Er habe dann den ''Ring'' ins Schopenhauersche übersetzt: Alles auf der Welt laufe schief, und alles gehe zugrunde. So sei nur das Nichts, die Auslöschung, die „[[Ragnarök|Götterdämmerung]]” die Erlösung – und dieses Nichts werde von Wagner nun unaufhörlich gefeiert. In den anderen kurzen Spätschriften wie ''Nietzsche contra Wagner'' und Teilen von ''Ecce homo'' wiederholte er seine Angriffe und Vorwürfe der décadence. <br /> :''Denn der Parsifal ist ein Werk der Tücke, der Rachsucht, der heimlichen Giftmischerei gegen die Voraussetzungen des Lebens, ein schlechtes Werk. – Die Predigt der Keuschheit bleibt eine Aufreizung zur Widernatur: Ich verachte jedermann, der den Parsifal nicht als Attentat auf die Sinnlichkeit empfindet''. &lt;ref&gt;''Nietzsche contra Wagner'', Wagner als Apostel der Keuschheit, 3&lt;/ref&gt;<br /> <br /> Bei aller Kritik an Wagner gab Nietzsche halb ironisch zu, dass man schon aus psychologischen Gründen auf Wagner nicht verzichten könne. Zwar sei [[Georges Bizet]]s helle, südliche und diesseitige Welt der schweren und schwülen Atmosphäre Wagners vorzuziehen, doch kein Psychologe könne auf Wagner verzichten.<br /> <br /> Kurz vor seinem Zusammenbruch im Januar 1889 in Turin, zog Nietzsche in seinen Spätwerken ''Ecce homo'', ''Götzen-Dämmerung'' und ''Der Fall Wagner'' eine brennglasartige Bilanz seines Denkens. In seinem letzten Werk, [[Nietzsche contra Wagner]], das er zu Weihnachten 1888 veröffentlichte, setzte er sich schonungslos mit Wagner, den Deutschen und deren „décadence” auseinander. <br /> <br /> Siehe: [[Nietzsche contra Wagner]]<br /> <br /> ==== [[Franz Liszt]] ====<br /> Das Verhältnis Liszt-Wagner war nicht ohne Spannungen. Mit „Altersweisheit” fanden sie wieder zueinander. Nach Wagners plötzlichem Tod schrieb Liszt an Olga von Meyendorff:<br /> :''Die Zeitungen sind voll von Notizen über den Tod des großen Dichterkomponisten (...), des unübertrefflichen Gestalters eines Ideals, das vor ihm in der Gesamt-Kunst, Dichtung, Musik und Theaterdarstellung, nicht verwirklicht wurde (...) Wagner nur als eine berühmte oder ausgezeichnete Persönlichkeit anzusehen scheint mir eine, wenn auch noch so wenig, törichte Täuschung zu sein. Die Verästelungen seines Geistes kommen aus tiefsten Wurzeln hervor. In Ihm überwiegt das Übermenschliche.''<br /> [[Bild:Thomas Mann 1937.jpg|160px|thumb|Thomas Mann, 1937 &lt;br&gt;&lt;small&gt;Foto von [[Carl van Vechten]]&lt;/small&gt;]]<br /> <br /> ==== [[Thomas Mann]] ====<br /> Thomas Mann beschäftigte sich in Essays, Vorträgen und seinem epischen Werk immer wieder mit Wagner. Er konnte sich dem Klangrausch seiner Musik nicht entziehen und analysierte in kritischen Abhandlungen die Schwächen Wagners:<br /> :''Wagner, das Pumpgenie, der luxusbedürftige Revolutionär, der namenlos unbescheidene, nur von sich erfüllte, ewig monologisierende, rodomontierende, die Welt über alles belehrende Propagandist und Schauspieler seiner selbst...''<br /> <br /> :''Die Passion für Wagners zaubervolles Werk begleitet mein Leben, seit ich seiner zuerst gewahr wurde und es mir zu erobern, es mit Erkenntnis zu durchdringen begann. Was ich ihm als Genießender und Lernender verdanke, kann ich nie vergessen, nie die Stunden tiefen, einsamen Glückes inmitten der Theatermenge, Stunden voll von Schauern und Wonnen der Nerven und des Intellektes, von Einblicken in rührende und große Bedeutsamkeiten, wie eben nur diese Kunst sie gewährt. Meine Neugier nach ihr ist nie ermüdet; ich bin nicht satt geworden, sie zu belauschen, zu bewundern, zu überwachen – nicht ohne Misstrauen, ich gebe es zu.''&lt;ref&gt;{{internetquelle|autor=Josef Lehmkuhl|hrsg= Königshausen &amp; Neumann, ISBN 978-3-826-03347-6 |url=http://books.google.com/books?id=hR6KS3W2vUwC&amp;pg=PA8&amp;lpg=PA8&amp;dq=Wagner,+das+Pumpgenie,+der+luxusbed%C3%BCrftige+Revolution%C3%A4r,&amp;source=bl&amp;ots=FfCCydt1gB&amp;sig=Wn663vLvRvw61eFZtJP1yNIwSJ8&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;resnum=4&amp;ct=result|titel=... kennst du genau den Ring? Seite 8 f|zugriff=26. November 2008}}&lt;/ref&gt;<br /> <br /> In seinem später als Essay erschienenen Vortrag „[[Leiden und Größe Richard Wagners]]”, den er 1933 zum fünfzigsten Todestag Wagners in München hielt, analysierte er das wagnersche Lebenswerk und setzte sich derart kritisch mit der Persönlichkeit und seelischen Qualität der Musik Wagners auseinander, dass es zu einem inszenierten Protest gegen den Schriftsteller kam. Dieser ''Protest der Richard-Wagner-Stadt München'', der am 16./17. April 1933 in den ''Münchener Neuesten Nachrichten'' erschien und u. a. von [[Hans Knappertsbusch]], [[Richard Strauss]] und [[Hans Pfitzner]] unterzeichnet war, befestigte Thomas Manns in dem Entschluss, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Die Verfasser warfen Thomas Mann vor, von den Idealen der [[Betrachtungen eines Unpolitischen]] abgerückt zu sein und mit „ästhetisierendem Snobismus” das „tiefste deutsche Gefühl”&lt;ref&gt; zit. nach Thomas Mann, ''Achtung Europa`'', Band 4, Hrsg. Hermann Kurzke, Frankfurt am Main, 1995 S. 342 &lt;/ref&gt; zu beleidigen und den „großen deutschen Meister”&lt;ref&gt;{{internetquelle|autor=Klaus Schröter|hrsg=|url=http://books.google.com/books?id=LP5iN-aJoXMC&amp;pg=PA199&amp;lpg=PA199&amp;dq=gro%C3%9Fen+deutschen+Meister+Wagner&amp;source=web&amp;ots=5K_4wEakte&amp;sig=AKgR2oHQuib0h9-Jq8-CO6ScWrg&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;resnum=3&amp;ct=result|titel=Thomas Mann im Urteil seiner Zeit|zugriff=26. November 2008}}&lt;/ref&gt;<br /> zu verunglimpfen.<br /> <br /> ==== [[Theodor W. Adorno]] ====<br /> Der Sozialphilosoph, Musiktheoretiker der [[Zweite Wiener Schule|Zweiten Wiener Schule]] beschäftigte sich u. a. in seinem Buch „Versuch über Wagner” mit dem Werk des Komponisten. <br /> :''Seine Musik gebärdet sich, als ob ihr keine Stunde schlüge, während sie bloß die Stunden ihrer Dauer verleugnet, indem sie sie zurückführt in den Anfang. Die Dynamik der permanenten Regression hat dem Wagnerschen Werk ein Rätselhaftes verliehen, und heute noch bleibt dem Hörer, im Unterschied zu fast jeder anderen Musik, trotz aller Vertrautheit das Unauflösliche des blinden Flecks zurück. Wagner verweigert dem Gehör, das ihn begleitet, die feste Bestimmung und lässt es im Zweifel, ob der Formsinn eines jeden Augenblicks richtig aufgefasst sei.''<br /> <br /> ==== [[Marcel Prawy]] ====<br /> Der Wiener Dramaturg, Theater- und Musikkritiker resümiert in seiner Wagner-Hommage:&lt;ref&gt;Marcel Prawy: „Nun sei bedankt”, mein Richard-Wagner-Buch. München 1982; ISBN 3-442-10191-3&lt;/ref&gt;<br /> :''Man muss diesem Leben Verständnis entgegenbringen, einem Leben, das nur einem Ziel gedient hat: dem Theater seiner Vision. Wagners Leben und Werk sind das phantastische Märchen der Tausend-und-zweiten Nacht ... er wurde am 22. Mai 1813 geboren ... und ist niemals gestorben.<br /> <br /> == Wagner und der Antisemitismus ==<br /> === Antisemitismus im Umfeld Wagners ===<br /> [[Bild:Hschamberlain1895.jpg|right|thumb|160jpx|Houston Stewart Chamberlain 1895]]<br /> Die Bewertung von Richard Wagners [[Antisemitismus]] ist bis heute von verschiedenen Perspektiven und Interpretationen seines Wirkens und seiner Werke geprägt, die in nicht unwesentlichem Maße seine eigene Ambivalenz im Verhältnis zum [[Judentum]], Religion im Allgemeinen und der politischen Landschaft seiner Zeit widerspiegelt. Wagners Äußerungen griffen jene antisemitischen Stereotypen und Reflexe auf, die er in Deutschland und Europa des 19. Jahrhunderts bereits vorfand und deren Ursprung sich bis zu [[Martin Luther]] zurückverfolgen lässt, der seinen [[Antijudaismus]] in mehreren Schriften zum Ausdruck brachte, u. a. „[[Von den Jüden und iren Lügen]]” (1543). Antisemitismus gehörte in Wagners Umfeld zum „guten Ton”, vor allem während der Zeit mit Cosima, die eine extreme antisemitische Einstellung hatte und deren Rolle somit kritisch beleuchtet werden muss.<br /> <br /> Der englische Schriftsteller [[Houston Stewart Chamberlain]], Verfasser der „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts”, einem Werk, dessen schwärmerischer Germanenkult von antisemitischem und rassistischem Gedankengut durchzogen ist, heiratete 1908 Wagners zweite Tochter Eva. Chamberlain gilt als einer der ideologischen Wegbereiter des nationalsozialistischen Antisemitismus. Er versuchte mit seinen Schriften, auch Wagners Werke im Sinne des [[Nationalsozialismus]] umzudeuten.<br /> <br /> === Wagners Antisemitismus ===<br /> [[Bild:Mendelssohn Bartholdy.jpg|180px|thumb|upright|Felix Mendelssohn Bartholdy mit 30 Jahren. Aquarell von [[James Warren Childe]] (Ausschnitt), 1839]]<br /> Wagners Weltbild, in dem sich künstlerische und politisch-agitatorische Ambitionen vermischten, war geprägt von einer pauschalen Sehnsucht nach Aufbruch, Umsturz und Revolution, nach einer meist nicht näher definierten neuen Kunst und Gesellschaft durch Untergang des Bestehenden (siehe: [[Die Kunst und die Revolution]]). Seine Motivation war eine sich stets wandelnde Mischung aus humanistisch-aufklärerischer Revolution gegen Aristokratie, romantischer Aspekte wie der Rückkehr zur Natur und der Ablehnung der [[Industrialisierung]], sowie [[Nationalismus|nationalistischer]] Phantasien von der totalen Einheit einer Rasse oder eines Volkes.<br /> <br /> Ressentiments gegen deutsche Juden waren für Wagner ein willkommenes Ventil für seinen ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex, wie einige Biographen meinen, beispielsweise der Tiefenpsychologe [[Josef Rattner]], der in einem „Psychogramm” Wagners Antisemitismus wie folgt erklärt:<br /> <br /> :''Wer so hartnäckig um eine Ideologie des Hasses kreist, bedarf ihrer und kann anscheinend ohne sie nicht leben. Daher muss das antisemitische und rassistische Element in Wagners Persönlichkeit in einem größeren Zusammenhang gesehen werden.''&lt;ref&gt;Josef Rattner: Richard Wagner im Lichte der Tiefenpsychologie. Berlin 1984&lt;/ref&gt; <br /> <br /> Rattner führt weiter aus, dass Wagners Antisemitismus – auch der von Cosima Wagner – eine Beihilfe zur Integration in die „vornehme Welt” gewesen sei. Mit dem dauernden Sichaufreizen am Judentum „vollzog das Ehepaar Wagner ein Ritual”. Sie hätten sich dabei gegenseitig ihr „Wohlgeborensein”, ihre „Deutschheit” und zumindest ihre „rassische Aristokratie” versichert. Zwei ehrgeizige, auf Perfektionismus bedachte Charaktere hätten sich im Antisemitismus zur wechselseitigen und absoluten Selbstbestätigung vereinigt. <br /> <br /> Seine von Freunden und Bekannten häufig beschriebene Ruhmsucht, sein Hang zu Luxus, Verschwendung und Blendwerk waren ausgerechnet die Eigenschaften, die er häufig den Juden vorwarf. Wagner gehörte wie seine Geschwister zum Theatermilieu, das sich damals vom [[fahrendes Volk|fahrenden Volk]] zu emanzipieren und bürgerliche Anerkennung zu erwerben versuchte. Die [[jüdische Emanzipation]] im Zuge der Gewerbefreiheit und der Auflösung der Berufsverbote und Zünfte wurde von anderen Unterprivilegierten als bedrohliche Konkurrenz gesehen. <br /> <br /> Blieben finanzieller Erfolg und Anerkennung aus, so wähnte Wagner sich nicht selten als Opfer angeblicher jüdischer Gegnerschaft. Die missgünstige Geringschätzung und Diffamierung von jüdischen Komponisten wie [[Giacomo Meyerbeer]] und [[Felix Mendelssohn Bartholdy]] versuchte er mit Schriften wie [[Das Judentum in der Musik]] und dem darauf aufbauenden ''Brief an Gräfin Muchanow'' zu theoretisieren; wie Kritiker anführen, um diese persönliche Motivation zu überdecken. In diesem Zusammenhang wird auch der musikalische Einfluss Mendelssohns auf Wagner diskutiert. So waren einige Frühwerke Wagners, wie etwa die ''Columbus-Ouvertüre'', teilweise von Kompositionen Mendelssohns angeregt worden. Trotz persönlicher Vorbehalte rühmte Wagner Mendelssohns Musik; dessen ''[[Die Hebriden (Mendelssohn)|Hebriden-Ouvertüre]]'' bezeichnete er 1879 in den „Bayreuther Blättern” als „eines der schönsten Musikwerke, die wir besitzen”.<br /> <br /> Wagners Einsatz für den [[Tierschutz]] am Ende seines Lebens hatte auch antisemitische Anklänge. Angelehnt an [[Schopenhauer]] hielt er [[Schächtung]] und [[Vivisektion]] für zwei Seiten einer Medaille und Ausdruck einer „Jüdischen Medizin”&lt;ref&gt;ARLUKE, A. &amp; B. SAX (1992): Understanding Nazi Animal Protection and the Holocaust. Anthrozoös, H. 5, 6-31&lt;/ref&gt;. Wagner unterstützte unter anderem in einem offenen Brief&lt;ref&gt;Offenes Schreiben an Herrn Ernst von Weber Verfasser der Schrift Die Folterkammern der Wissenschaft, 1879, R. Wagner, Gesammelte Werke, Leipzig 1888&lt;/ref&gt; Anliegen der Tierschutzbewegung im Kaiserreich. Wagner betonte, die Menschheit könne durch Verzicht auf Fleischgenuss zu einem höheren moralischen Dasein gelangen, wurde selbst aber nicht Vegetarier. <br /> <br /> Wagners Schriften und Äußerungen über und gegen Juden umfassen ein weites Spektrum. Dieses reicht von niedersten, affektiven Tiraden über die angesprochenen Theorien bis hin zu fast versöhnlichen Tönen und – wie einige Historiker und Musikkritiker meinen – zu einer Identifizierung mit der Außenseiterrolle der Juden als jemand, der sich selbst oft als Außenseiter empfand. <br /> <br /> Wagner pflegte Freundschaften zu jüdischen Landsleuten wie seinem Helfer Karl Tausig, [[Joseph Rubinstein]], [[Angelo Neumann]] und der berühmten Sängerin [[Lilli Lehmann]]. Bemerkenswert ist, dass er am Ende seines Lebens die [[Parsifal]]-Uraufführung [[Hermann Levi]] anvertraute, der ebenfalls zu seinem jüdischen Freundeskreis zählte und Sohn eines Rabbiners war. Ob das ein Widerspruch zu seinen antisemitischen Äußerungen ist und inwieweit diese dadurch relativiert werden, ist Gegenstand der Debatte. Der Musikkritiker [[Joachim Kaiser]] hat verschiedentlich darauf hingewiesen, dass sich antisemitische Äußerungen in dem, was Wagner wirklich wichtig war, nämlich seinen musikdramatischen Werken, nicht nachweisen lassen, wenngleich – etwa von [[Saul Friedländer]] – die Auffassung vertreten wurde, einige Figuren wie Mime und Alberich aus dem „Ring” zeigten Züge von Judenkarikaturen.<br /> <br /> Ein Kongress mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas ''Wagner und die Juden'' fand erstmalig im Festspielsommer 1998 in Bayreuth unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus Deutschland, Israel und den USA statt, die Beiträge und z. T. sehr kontroversen Diskussionen wurden unter der Herausgeberschaft von [[Dieter Borchmeyer]] u.&amp;nbsp;a. publiziert.&lt;ref&gt;[http://www.sun.rhbnc.ac.uk/Music/Conferences/98-8-wuj.html Kongress Richard Wagner und die Juden, Kurzfassungen der Beiträge]&lt;/ref&gt;<br /> <br /> === Wagner und Hitler ===<br /> Die tradierte Wagner-Rezeption beschwichtigt, Wagners journalistischer Antisemitismus wäre eine Randnotiz geblieben, hätte ihn nicht das [[Nationalsozialismus|nationalsozialistische]] Regime unter [[Adolf Hitler]] vereinnahmt. Es hatte ihn zum deutschen Komponisten par excellence stilisiert und in seinem Niedergang Wagners Musiktheater für einen mortalen Endzeit-Kult missbraucht. <br /> <br /> Während seiner Wiener Zeit ging Hitler regelmäßig in die Oper und beschäftigte sich intensiv mit Wagner. Als Vorbild eigener Lebensvisionen war Wagner für ihn ein vergöttertes Idol &lt;ref&gt;Joachim Fest: ''Hitler. Eine Biographie''. Ullstein, Berlin Neuausgabe 2002, Lizenzausgabe des Spiegel-Verlags, Hamburg 2007, S. 94 &lt;/ref&gt;. Wie [[Joachim Fest]] beschreibt, machte die eingebildete Nachfolge die „Verführung durch den romantischen Geniebegriff deutlich”, welcher in Wagner seine Erfüllung und Entgleisung gefunden habe. Die eskapistischen Träume des scheiternden, im Männerheim lebenden Künstlers Hitler entzündeten sich am Genie Wagners. Hitler erklärte später, mit Ausnahme Wagners keine Vorläufer gehabt zu haben und bezeichnete Wagner als „größte Prophetengestalt, die das deutsche Volk besessen” habe. &lt;ref&gt; zit. Nach Joachim Fest: ''Hitler. Eine Biographie'' S. 96 &lt;/ref&gt;<br /> <br /> [[Bild:Wagner Das Judenthum in der Musik 1869.jpg|thumb| 140px| Original-Broschur 1869]]<br /> In seiner Broschüre ''Das Judenthum in der Musik'' (1869) schreibt Richard Wagner ohne notwendigen Bezug auf die musiktheoretische Polemik vom ''„natürlichen Widerwillen gegen jüdisches Wesen”'' und: ''„Der Jude ist nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge dieser Welt wirklich bereits mehr als emanzipiert: er herrscht, und wird solange herrschen, als das Geld die Macht bleibt, vor welcher alles unser Thun und Treiben seine Kraft verliert”.'' An die Juden gerichtet schließt er mit den Worten: ''„Aber bedenkt, dass nur Eines eure Erlösung von dem auf euch lastenden Fluche sein kann: die Erlösung Ahasvers, - der U n t e r g a n g !”'' (so gesperrt im Original).<br /> <br /> Richard Wagner hatte diesen Text bereits 1850 in der Neue[n] Zeitschrift für Musik unter dem Pseudonym ''„K. Freigedank”'' publiziert. 1869 tritt er damit wieder [!] an die Öffentlichkeit, diesmal unter eigenem Namen und mit einem Anhang (S. 31 – 57), der den ursprünglichen Aufsatz an Judenhass und Demagogie übertrifft. In ihm heißt es gegen Ende in tückischer Resignation, doch gleichwohl appellativ: ''„Ob der Verfall unserer Cultur durch eine gewaltsame Auswerfung des zersetzenden fremden Elementes aufgehalten werden könne, vermag ich nicht zu beurtheilen, weil hierzu Kräfte gehören müssten, deren Vorhandensein mir unbekannt ist.”'' Es ist unwahrscheinlich, dass Hitler diese Schrift nicht gekannt hat. Jedenfalls hat sich der gescheiterte Künstler Hitler, dem Massenerschütterer und Großmeister des Musiktheaters verfallen, &lt;ref&gt; So hat Thomas Mann Richard Wagner bezeichnet. &lt;/ref&gt; zum Vollstrecker seines Propheten gemacht. &lt;ref&gt; Köhler, Joachim: Wagners Hitler. Der Prophet und sein Vollstrecker. München: K. Blessing 1997 &lt;/ref&gt; <br /> <br /> Das auf die Juden gemünzte Begriffspaar &quot;Dämon&quot; und &quot;Verfall&quot; taucht zuerst bei Wagner auf &lt;ref&gt;&quot;Erkenne dich selbst&quot; 1881&lt;/ref&gt;. Es wird von [[Alfred Rosenberg]] in einer antisemitischen Schrift von 1923 aufgegriffen: ''Als eines der Vorzeichen dieses kommenden Kampfes...steht die Erkenntnis des Wesens des Dämons unseres heutigen Verfalls...'' &lt;ref&gt;&quot;Die Protokolle der Weisen von Zion und die jüdische Weltpolitik&quot; Böpple, München 1923, Ausgabe 1933 auf S. 133&lt;/ref&gt; und taucht sinngemäß bei Hitler wieder auf. Der Dämon wird zum &quot;Polypen&quot;, einem häufigen Karikatur-Motiv gegen Juden. Verfall gerät zu &quot;Umstrickung&quot;: ''Werden unser Volk ... das Opfer dieser blut- und geldgierigen jüdischen Völkertyrannen, so sinkt die ganze Erde in die Umstrickung dieses Polypen...'' &lt;ref&gt;&quot;Mein kampf&quot; 721. Aufl. 1942, S. 703&lt;/ref&gt;, <br /> <br /> Hitlers Lieblingsopern waren ''Rienzi, der letzte der Tribunen'' und ''Parsifal''. Aus ''Parsifal'' wollte er sich „seine Religion bauen”: ''Gottesdienst in feierlicher Form ohne theologisches Parteiengezänk, ohne ekelhafte Kutten und Weiberröcke''.&lt;ref&gt; Hermann Rauschning; Gespräche mit Hitler.&lt;/ref&gt; <br /> Hitler lernte im Jahre 1923 Cosima und Winifred Wagner in Bayreuth kennen und nahm später als „Führer” per Verfügung Einfluss auf die Festspiele hinsichtlich des Programms und der Regie, z. B. bei ''Parsifal''. Als ehemaliger Postkartenmaler Ideen zum Bühnenbild eines der höchstrangigen Musikfestivals in Deutschland beizusteuern, verschaffte Hitler persönliche Genugtuung und das Gefühl der Anerkennung beim deutschen Bürgertum. <br /> <br /> Das Thema Wagner und Hitler wird seit Jahrzehnten publizistisch behandelt, beispielsweise von Hartmut Zelinsky und Joachim Köhler. Köhler versucht in seinem Buch „Wagners Hitler”, den Einfluss der wagnerschen Gedankenwelt auf Hitler und dessen Handeln nachzuweisen.<br /> <br /> In [[Israel]] ist Wagner immer noch heftig umstritten. Die öffentliche Aufführung von Wagners Werken ist praktisch nicht möglich. So führte die Aufführung des Vorspiels zu ''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'' durch [[Daniel Barenboim]] im Juli 2001 zu einem [[Eklat]] &lt;ref&gt;http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,144085,00.html &lt;/ref&gt;, einer Kritik des Wiesenthal-Zentrums und des damaligen Jerusalemer Bürgermeisters [[Ehud Olmert]]. Andere Wagner-Aufführungen waren bereits vorher durch Proteste von [[Holocaust]]-Überlebenden verhindert worden.<br /> <br /> == Werke ==<br /> [[Bild:Berlin, Tiergarten, Richard-Wagner-Denkmal.jpg|thumb|Das von [[Gustav Eberlein]] geschaffene [[Richard-Wagner-Denkmal (Berlin)|Wagner-Denkmal]] im Berliner Tiergarten]]<br /> [[Bild:Liebethaler-grund wagnerdenkmal-2.jpg|thumb|[[Richard-Wagner-Denkmal (Graupa)|Wagner-Denkmal]] im [[Liebethaler Grund]] in der Nähe von [[Pirna]]]]<br /> [[Bild:WahnfriedBayreuth11.JPG|thumb|350px|Das Grab: „Die Welt hat zu wissen, wer hier liegt” R.W.]]<br /> <br /> === Musikdramatische Werke ===<br /> *''[[Die Feen]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 32 (1833–1834, [[Uraufführung|UA]]: 29. Juni 1888 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> *''[[Das Liebesverbot]] oder Die Novize von Palermo'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 38 (1834–1836, UA: 29. März 1836 Stadttheater Magdeburg)<br /> *''[[Rienzi|Rienzi, der Letzte der Tribunen]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 49 (1837–1840, UA: 20. Oktober 1842 Königlich Sächsisches Hoftheater Dresden)<br /> <br /> Nur die folgenden zehn Werke wählte Wagner für Aufführungen im Festspielhaus auf dem [[Grüner Hügel|Grünen Hügel]] in Bayreuth aus:<br /> *''[[Der Fliegende Holländer]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 63 (1840–1841, UA: 2. Januar 1843 Königlich Sächsisches Hoftheater Dresden. Überarbeitet 1852 (Zürich) und 1864 (München))<br /> *''[[Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 70 (1842–1845, UA: 19. Oktober 1845 Königlich Sächsisches Hoftheater Dresden. Überarbeitet 1847, 1860 (Erstdruck der Partitur, sog. „Dresdener Fassung”), 1861 (Paris, in frz. Sprache), 1875 (Wien, sog. „Pariser Fassung”)) <br /> *''[[Lohengrin]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 75 (1845–1848, UA: 28. August 1850, Großherzogliches Hoftheater Weimar.)<br /> *''[[Der Ring des Nibelungen]]'' (betont: N'''i'''belungen) [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 86, mit vier Teilen:<br /> **''Vorabend: [[Das Rheingold]]'' (1851–1854, UA: 22. September 1869 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> **''Erster Tag: [[Die Walküre]]'' (betont: W'''a'''lküre) (1851–1856, UA: 26. Juni 1870 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> **''Zweiter Tag: [[Siegfried (Oper)|Siegfried]]'' (1851–1871, UA: 16. August 1876 Festspielhaus Bayreuth)<br /> **''Dritter Tag: [[Götterdämmerung (Oper)|Götterdämmerung]]'' (1848–1874, UA: 17. August 1876 Festspielhaus Bayreuth)<br /> *''[[Tristan und Isolde (Oper)|Tristan und Isolde]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 90 (1856–1859, UA: 10. Juni 1865 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> *''[[Die Meistersinger von Nürnberg]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 96 (1845–1867, UA: 21. Juni 1868 Königliches Hof- und Nationaltheater München)<br /> *''[[Parsifal]]'' [[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]] 111 (1865–1882, UA: 26. Juli 1882 Festspielhaus Bayreuth) – „Bühnenweihfestspiel”<br /> <br /> === Sonstige Musikwerke ===<br /> *''Symphonie C-Dur''<br /> *''Symphonie E-Dur'' (unvollendet, es existieren nur 2 Sätze)<br /> *''[[Das Liebesmahl der Apostel]]'' ein biblische Szene, für Männerstimmen und großes Orchester (1843)<br /> *''Fantasie'' für Klavier in fis-Moll (1831)<br /> *3 Klaviersonaten<br /> **Klaviersonate in B-Dur (1831)<br /> **Klaviersonate in A-Dur (1832)<br /> **Klaviersonate in As-Dur (1853)<br /> *''Züricher Vielliebchen-Walzer'' für Klavier in Es-Dur (1854)<br /> *''[[Wesendonck-Lieder]]''<br /> *''[[Siegfried-Idyll]]'' für kleines Orchester (1870)<br /> *''König Enzio-Ouvertüre'' (1832)<br /> *''Columbus-Ouvertüre'' (1835)<br /> *''Polonia'', C-Dur (1836)<br /> *''Rule Britannica'', D-Dur (1837)<br /> *''Eine Faust-Ouvertüre'', d-Moll (1844)<br /> *''Huldigungsmarsch für Ludwig II. von Bayern'', Es-Dur (1864)<br /> *''Kaisermarsch'', B-Dur (1871)<br /> *''Großer Festmarsch'', G-Dur (1876)<br /> *''Ankunft bei den schwarzen Schwänen – Albumblatt in As-Dur für Klavier'' in As-Dur (1861)<br /> <br /> Insgesamt sind nach dem Wagner-Werkverzeichnis ([[Wagner-Werke-Verzeichnis|WWV]]) einschließlich aller Gelegenheitskompositionen und Widmungsblätter, jedoch ohne die Schriften Wagners, 113 Werke verzeichnet.<br /> <br /> === Schriften ===<br /> Wagner hat neben den Inhaltsentwürfen, Textfassungen und Analysen seiner Musikdramen zahlreiche [[Musiktheorie|musiktheoretische]], [[Philosophie|philosophische]], [[Politik|politische]] und [[Belletristik|belletristische]] Schriften verfasst und sie mit seinen Musikdramen ab 1871 in seiner Sammlung ''Sämtliche Schriften und Dichtungen'' herausgegeben, die – einschließlich der Autobiografie ''Mein Leben'' – 16 Bände umfasst. Wagner war schriftstellerisch produktiver als die meisten anderen Komponisten. Zudem hat er tausende Briefe geschrieben. <br /> Die meisten seiner Schriften sind stilistisch verunglückt und zeichnen sich nicht durch stringente Gedankenführung aus. Neben trocken deduzierendem Stil und Kanzleiprosa finden sich hymnische Episoden und Gedankenblitze &lt;ref&gt; Kindlers Neues Literaturlexikon, Richard Wagner, Das Kunstwerk der Zukunft, München 1992&lt;/ref&gt;.<br /> Gregor-Dellin urteilt in seiner Wagner-Biographie, die Schriften seien mit „Reisszwecken gespickt, ein unverdaulicher Brei, Kanzeleiprosa”, und [[Ludwig Reiners]] griff für Beispiele schlechter Prosa immer wieder auf Texte Wagners zurück.<br /> Für den ebenso kritischen wie begeisterten Verehrer [[Thomas Mann]] enthalten die Schriften „sehr Wahres und Falsches ineinander geschlungen” und „höchste Sachkunde neben peinlicher Mitrederei”. Man könne aus Wagners Schriften nicht viel über den Verfasser lernen. „Wagners siegreiches Werk beweist nicht seine Theorie, sondern nur sich selbst.”<br /> <br /> Wie auch immer man die Schriften beurteilt, so können sie doch als Nährboden betrachtet werden, aus dem seine musikdramatischen Werke hervorgegangen sind. Zugleich machen sie deren geistigen Hintergrund verständlich.<br /> [[Bild:Erstausgaben für Wikipedia II 011.jpg|right|thumb|180px|Titelblatt des Erstdruckes]]<br /> <br /> Als seine wichtigsten Schriften gelten:<br /> <br /> * ''Eine Pilgerfahrt zu Beethoven'' (1840)<br /> * ''Zu Beethovens Neunter Symphonie'' (1846)<br /> * ''Der Nibelungen-Mythos als Entwurf zu einem Drama'' (1848)<br /> * ''[[Die Wibelungen]]. Weltgeschichte aus der Sage'' (1849)<br /> * ''[[Die Kunst und die Revolution|Die Revolution]]'' (1849) – die erste von mehreren Kunst-Revolutions-Schriften<br /> * ''Der Mensch und die bestehende Gesellschaft'' (1849)<br /> * ''[[Die Kunst und die Revolution]]'' (1849)<br /> * ''[[Das Kunstwerk der Zukunft]]'' (1850)<br /> * ''Kunst und Klima'' (1850) <br /> *''[[Das Judentum in der Musik]]'' (1850) → [http://www.sammlung-dr-hans-peter-haack.de/deutsche_literatur_bis_1900/wagner_r_1869_das_judenthum_in_der_musik-a242.htm] – eine Polemik gegen jüdische Komponisten <br /> * ''[[Oper und Drama]]'' (1851) – ein Essay über die Theorie der Oper <br /> * ''Eine Mitteilung an meine Freunde'' (1851) Vorstufe zu Wagners Autobiographie<br /> * ''[[Über Staat und Religion]]'' (1864) Eine theoretische Abhandlung für König Ludwig II.<br /> * ''Deutsche Kunst und Deutsche Politik'' (1868)<br /> * ''Über das Dirigieren'' (1869)<br /> * ''Beethoven'' (1870)<br /> * ''Das Bühnenfestspielhaus zu Bayreuth'' (1873)<br /> * ''Was ist deutsch?'' (1878) und: ''Wollen wir hoffen?'' (1879)<br /> * ''[[Religion und Kunst]]'' (1880) plus Nachtrag: ''Was nützt diese Erkenntnis?''<br /> * ''Das Bühnenweihfestspiel in Bayreuth'' (1882)<br /> <br /> Wagners Autobiografie ''Mein Leben'', die zu seinen Lebzeiten nur im Privatdruck in etwa 25 Exemplaren für enge Freunde erschien, gilt als kulturhistorisches Dokument des 19. Jahrhunderts, ebenso wie die Tagebuchaufzeichnungen Cosima Wagners, die sie von 1869 bis zum Tod ihres Gatten führte. Darin ist viel Privates, „Nebensächliches” mitgeteilt, aber auch zahlreiche Aussprüche und Gespräche Wagners bis hin zu seinen Träumen.<br /> <br /> == Einzelnachweise ==<br /> &lt;references/&gt;<br /> <br /> == Siehe auch ==<br /> * [[Bayreuther Festspiele]]<br /> * [[Wagner (Familie)]]<br /> * [[Zukunftsmusik]]<br /> * [[Richard-Wagner-Denkmal]]<br /> <br /> == Literatur ==<br /> === Über Richard Wagner ===<br /> * [[Wendelin Weißheimer]]: ''Erlebnisse mit Richard Wagner, Franz Liszt und vielen anderen Zeitgenossen'', Stuttgart 1898, 3.Aufl.<br /> * Hans-Joachim Bauer: ''Reclams Musikführer Richard Wagner''. Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-15-010374-6<br /> * [[Paul Bekker]]: ''Richard Wagner'' (1924)<br /> * Elsa Binder: ''[[Malwida von Meysenbug]] und Friedrich Nietzsche. Die Entwicklung ihrer Freundschaft mit besonderer Berücksichtigung ihres Verhältnisses zur Stellung der Frau''. Überarbeiteter Nachdruck, Schutterwald/Baden: Dr. Klaus Fischer Verlag 2007. ISBN 978-3-928640-77-0. (Malwida von Meysenbug war eine enge Freundin Wagners und erlebte seinen Bruch mit Nietzsche]<br /> * Werner Breig, Martin Dürrer, Andreas Mielke: ''Wagner-Briefe-Verzeichnis'' (WBV). Breitkopf &amp; Härtel, Wiesbaden 1998, ISBN 3-7651-0330-6<br /> * [[Martin Geck]]: ''Richard Wagner''. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-50661-0<br /> * [[Carl Friedrich Glasenapp]]: ''Das Leben Richard Wagners''. Sechs Bände. Leipzig 1876–1911<br /> * [[Martin Gregor-Dellin]]: ''Richard Wagner – Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert''. Piper, München 1980, ISBN 3-492-02527-7<br /> * [[Brigitte Hamann]]: ''Die Familie Wagner''. Rowohlt, Reinbek 2005, ISBN 3-499-50658-0<br /> * Walter Hansen: ''Richard Wagner. Sein Leben in Bildern''. Mit 186 Abb., durchgehend vierfarbig. dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-34457-9<br /> * [[Jacques Hartog]]: ''Richard Wagner''. Johannes M. Meulenhoff Verlag, Leipzig 1913<br /> * [[Friedrich von Hausegger]]: ''Richard Wagner – Aus dem Geiste der Musik geboren''. (Hörbuch) ABOD, Norderstedt 2006, ISBN 3-8341-0174-5<br /> * Eckehard Kiem/Ludwig Holtmeier (Hrsg.), Richard Wagner und seine Zeit, Laaber 2003, ISBN 3-921518-95-4<br /> * Joachim Köhler: ''Der letzte der Titanen'', Richard Wagners Leben und Werk. Claassen-Verlag München, 2001, ISBN 3-546-00273-3<br /> * Joachim Köhler: ''Wagners Hitler'', der Prophet und sein Vollstrecker. Blessing-Verlag München, 1977, ISBN 3-89667-016-6<br /> * [[Ludwig Marcuse]]: ''Das denkwürdige Leben des Richard Wagner''. Szczesny-Verlag München, 1963<br /> * [[Heinz-Klaus Metzger]] und [[Rainer Riehn]] (Hrsg.): ''Richard Wagner. Wie antisemitisch darf ein Künstler sein?'' aus der Reihe: [[Musik-Konzepte (Periodikum)|Musik-Konzepte]], Heft 5, Edition Text u. Kritik, München 1978, ISBN 3-921402-67-0<br /> * {{ADB|40|544|571|Wagner, Richard|Franz Muncker|ADB:Wagner, Richard}}<br /> * [[Ferdinand Pfohl]]: ''Richard Wagner, Sein Leben und Schaffen.'' Ullstein, Berlin-Wien 1911, 398 Seiten<br /> * Hannu Salmi: ''Wagner and Wagnerism in Nineteenth-Century Sweden, Finland, and the Baltic Provinces: Reception, Enthusiasm, Cult.'' Eastman Studies in Music. University of Rochester Press, Rochester NY 2005.<br /> * Hannu Salmi: ''Imagined Germany. Richard Wagner’s National Utopia''. German Life and Civilization, Vol. 29. General editor: Jost Hermand. Peter Lang Publishing, New York 1999.<br /> * Scholz, Dieter David: Ein deutsches Mißverständnis. Richard Wagner zwischen Barrikade und Walhalla. Berlin: Parthas Verlag 1997, 383 Seiten, ISBN 3-932529-13-8<br /> * [[Alexander Schmidt]]: ''Braune Brüder im Geiste? Volk und Rasse bei Wagner und Hitler – Ein kritischer Schrift-Vergleich''. Tectum Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-8288-9252-1<br /> * Stefan Lorenz Sorgner/H. James Birx/ Nikolaus Knoepffler (Hg.): Wagner und Nietzsche: Kultur – Werk – Wirkung. Ein Handbuch. Rowohlt, Reinbek, 2008. ISBN 978-3-499-55691-3<br /> * [[Cosima Wagner]]: ''Die Tagebücher''. Piper München, 1977 ISBN 3-492-02199-9<br /> * Sven Friedrich: ''Der Klassik(ver)führer: Sonderband Richard Wagner'', Auricula, Berlin 2007, ISBN 978-3-936196-08-5<br /> <br /> === Über Wagners Werke ===<br /> * [[Dieter Borchmeyer]], Ami Maayani, Susanne Vill (Hrsg.): ''Richard Wagner und die Juden'', J.B. ’Metzler, Stuttgart, Weimar 2000, ISBN 3-476-01754-0<br /> * Lothar Bornscheuer: [http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/wissen/projekte-pool/rezeption_nibelungen/wagner_bornscheuer.pdf ''Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen. Ein Meisterwerk des Anarchismus''.] (PDF-Datei) [[Rezeption]] des Nibelungenstoffs, [http://www.goethezeitportal.de GoethezeitPortal.de], 2005<br /> * John Deathridge, Martin Geck, Egon Voss (Hrsg.): ''Wagner Werkverzeichnis'' (WWV), [[Schott Music|Schott]], Mainz 1986 ISBN 3-7957-2201-2 <br /> * Jens Malte Fischer: ''Richard Wagners ´Das Judentum in der Musik´'', Eine kritische Dokumentation als Beitrag zur Geschichte des europäischen Antisemitismus. Insel, Frankfurt/Main 2000, ISBN 3-458-34317-2<br /> * Sven Friedrich: ''Richard Wagner, Deutung und Wirkung'', Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2851-1<br /> * Sven Friedrich: ''Der Klassik(ver)führer: Sonderband Wagners Ring-Motive'', Auricula, Berlin 2004, ISBN 3-936196-02-8<br /> * Sven Friedrich (Hrsg): ''Richard Wagner; Werke, Schriften und Briefe'', Digitale Bibliothek, Berlin 2004.<br /> * [[Markus Kiesel]] (Hrsg.), Das Richard Wagner Festspielhaus Bayreuth, nettpress Köln 2007, ISBN 978-3-00-020809-6<br /> * Richard Klein (Hrsg.), Narben des Gesamtkunstwerks. Wagners Ring des Nibelungen, München 2001, ISBN 3-7705-3565-0<br /> * Josef Lehmkuhl: ''„Kennst du genau den RING?”'' Eine Reise zu Richard Wagners ''Der Ring des Nibelungen'', Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3347-7<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Gott und Gral Eine Exkursion mit Parsifal und Richard Wagner'', Würzburg 2007, ISBN 3-8260-3690-5<br /> * Josef Lehmkuhl: ''Der Kunst-Messias; Richard Wagners Vermächtnis in seinen Schriften'', Würzburg 2009, ISBN 3-8260-4113-6<br /> * Rolf Stemmle: Richard Wagners Bühnenwerke erzählt: 1. Holländer – Tannhäuser – Lohengrin, Würzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3686-6; 2. Der Ring des Nibelungen, ISBN 978-3-8260-3134-2, Würzburg 2005; 3. Tristan – Meistersinger – Parsifal, Würzburg 2006, ISBN 978-3-8260-3372-8; 4. Feen, Liebesverbot, Rienzi, ISBN 978-3-8260-4080-1<br /> * [[Marc A. Weiner]]: ''Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners'', Henschel, Berlin 2000, ISBN 3-89487-358-2 (Übers. von Henning Thies), Originaltitel: ''Richard Wagner and the Anti-Semitic Imagination'', University of Nebraska Press, Lincoln/London 1995, ISBN 0-8032-4775-3<br /> <br /> === Über Wagner-Aufführungen ===<br /> *Appia, Adolphe: La mise en scène du Drame Wagnerien, Paris 1895<br /> *Appia, Adolphe: Die Musik und die Inszenierung, 1899<br /> *Appia, Adolphe: Über das Bayreuther Festspielhaus, 1902. In: Barth, Herbert (Hrsg.): Der Festspielhügel. Richard Wagners Werk in Bayreuth 1876–1976. München 1976, S. 99–103<br /> *Badenhausen, Rolf / Harald Zielske (Hrsg.): Bühnenformen Bühnenräume Bühnendekorationen. Beiträge zur Entwicklung des Spielorts. Berlin 1974. <br /> *Barth, Herbert (Hrsg.): Der Festspielhügel. Richard Wagners Werk in Bayreuth 1876–1976. München 1976<br /> *Petzet, Detta und Michael: Die Richard Wagner-Bühne Ludwig II. München 1970.<br /> *Schöne, Günther: Das Bühnenbild im 19. Jahrhundert. In: Katalog des Theatermuseums München, München 1959 (S. 5–20)<br /> *Skraup, Siegmund: 1924–1944. Die Sprache Bayreuths und die Sprache der Zeit. In: Theater unserer Zeit, Band 2: Der Fall Bayreuth, Basel/Stuttgart 1962<br /> *Steinbeck, Dietrich: Richard Wagners Tannhäuser-Szenarium. Das Vorbild der Erstaufführungen und der Dekorationspläne, Berlin 1968 = Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, Band 64 (S. 6–12)<br /> *Steinbeck, Dietrich: Inszenierungsformen des „Tannhäuser” (1845–1904), Regensburg 1964 = Forschungsbeiträge zur Musikwissenschaft (Hrsg. v. Gustav-Bosse-Verlag), Band XIV (S. 70–73, 103–107, 111–112)<br /> *Wagner, Richard: Schriften und Dichtungen. Neun Bände, Leipzig 1872. Band 3: Das Kunstwerk der Zukunft (S. 147–148, 152–153). Band 5: Über die Aufführung des „Tannhäuser” (S. 164–165). Bemerkungen zur Aufführung der Oper „Der Fliegende Holländer” (S. 207–208)<br /> *Wagner, Wieland (Hrsg.): Richard Wagner und das Neue Bayreuth. München 1962<br /> *Westernhagen, Curt von: Das Bühnenbild. Vision – Vorschrift – Verwirklichung. In: Richard Wagner und das Neue Bayreuth, hrsg. v. Wieland Wagner, München 1962, S. 183–206<br /> <br /> == Weblinks ==<br /> {{commons|Richard Wagner}}<br /> {{wikisource|Richard Wagner}}<br /> {{Wikiquote|Richard Wagner}}<br /> {{PND|118594117}}<br /> {{LeMO|WagnerRichard|Richard Wagner|Dorlis Blume}}<br /> *{{BAM|Wagner|Richard}}<br /> *{{Zeno-Autor|Literatur/M/Wagner,+Richard}}<br /> * [http://www.klassika.info/Komponisten/Wagner/index.html Übersicht über das Verzeichnis der Werke Richard Wagners] bei [http://www.klassika.info Klassika.info]<br /> * [http://www.zeno.org/Literatur/M/Wagner,+Richard/Autobiographisches/Mein+Leben Digitalisierter Volltext von Wagners Autobiographie ''Mein Leben'']<br /> *[http://www.zeno.org/Musik/M/Glasenapp,+Carl+Friedrich/Das+Leben+Richard+Wagners Digitalisierter Volltext von Carl Friedrich Glasenapps Wagner-Biographie]<br /> * [http://www.wagnerwiki.de/wiki/Hauptseite WagnerWiki] – Umfangreiche Informationen über Richard Wagner<br /> * [http://www.richard-wagner-web.de Richard Wagner-Web] – umfangreiche Informationen über Leben und Werk Richard Wagners<br /> * [http://www.jursitzky.net/Genealogie_Wagner.htm Genealogie Richard Wagner] – Richard Wagners Ahnentafel<br /> * [http://www.wagnerportal.de Das Wagnerportal] – umfangreiche Informationen über Richard Wagner aus der Wagnerstadt<br /> * [http://users.utu.fi/hansalmi/wagner.html Richard Wagner Archive] – sehr umfangreiche Informationssammlung, sowie elektronische Volltexte fast aller Werke, wissenschaftliche Behandlung vieler Aspekte (meist auf Englisch)<br /> * [http://www.zb.unizh.ch/sondersa/musik/Wagner/wagner.htm Wagneriana-Sammlung] in der [[Zentralbibliothek Zürich]]<br /> * [http://www.richard-wagner-werkstatt.com Richard Wagner-Werkstatt] – Textbücher (Zitatsuche möglich), Biographie-Datenbank, Wagner-Aufführungskalender für ganz Europa mit Vorschau bis 2013, Hör-Beispiele<br /> * [http://koenigludwig2.ko.funpic.de/daten/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=15&amp;Itemid=32 Richard Wagner und Ludwig II.] – Richard Wagners Beziehung zum bayrischen Märchenkönig<br /> * [http://www.sun.rhbnc.ac.uk/Music/Conferences/98-8-wuj.html ''Wagner und die Juden'']. Auszüge aus den Beiträgen zum internationalen Symposion 1998. Vollständige Texte bei Borchmeyer &amp; al. (s. Literatur).<br /> * [http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/rose.htm Auszüge aus ''Wagner und der Antisemitismus''] von Paul Lawrence Rose, Zürich 1999. <br /> * [http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=1519&amp;ausgabe=200009 Jens Malte Fischers ''Richard Wagner: Das Judenthum in der Musik''] (Rezension)<br /> * [http://www.zeit.de/1999/29/Zwanghaft_fixiert ''Zwanghaft fixiert. Wagner und der Antisemitismus''], Artikel aus der ''Zeit'', 1999.<br /> * [http://www.documentamusica.de Wolf's Thematic Index of the Works of the Great Composers]<br /> * [http://www.altug-uenlue.de/dateien/texte/Tristan.pdf ''Tristan-Akkord''], Artikel aus ''Musiktheorie'', Heft 2, 2003.<br /> <br /> ; Noten und Hörbeispiele <br /> * {{IMSLP|id=Wagner%2C_Wilhelm_Richard|cname=Wagner}}<br /> * {{ChoralWiki}}<br /> * {{WIMA|idx=Wagner}}<br /> * [http://www.classiccat.net/wagner_r/index.htm ClassicCat.net] Freie Aufnahmen <br /> <br /> {{Navigationsleiste Leiter der Bayreuther Festspiele}}<br /> <br /> {{DEFAULTSORT:Wagner, Richard}}<br /> [[Kategorie:Deutscher Komponist]]<br /> [[Kategorie:Komponist (Romantik)]]<br /> [[Kategorie:Komponist (Oper)]]<br /> [[Kategorie:Korporierter (Schülerverbindung)]]<br /> [[Kategorie:Corpsstudent]]<br /> [[Kategorie:Künstler (Dresden)]]<br /> [[Kategorie:Richard Wagner| ]]<br /> [[Kategorie:Exil in Zürich]]<br /> [[Kategorie:Drama]]<br /> [[Kategorie:Libretto]]<br /> [[Kategorie:Realismus (Literatur)]]<br /> [[Kategorie:Deutscher]]<br /> [[Kategorie:Geboren 1813]]<br /> [[Kategorie:Gestorben 1883]]<br /> [[Kategorie:Mann]]<br /> <br /> {{Personendaten<br /> |NAME=Wagner, Richard<br /> |ALTERNATIVNAMEN=<br /> |KURZBESCHREIBUNG=deutscher Komponist<br /> |GEBURTSDATUM=22. Mai 1813<br /> |GEBURTSORT=[[Leipzig]], Deutschland<br /> |STERBEDATUM=13. Februar 1883<br /> |STERBEORT=[[Venedig]], Italien<br /> }}<br /> <br /> {{Link FA|he}}<br /> {{Link FA|li}}<br /> {{Link FA|no}}<br /> {{Link FA|sr}}<br /> <br /> [[an:Richard Wagner]]<br /> [[ar:ريتشارد فاغنر]]<br /> [[arz:ريتشارد فاجنر]]<br /> [[bat-smg:Richard Wagner]]<br /> [[be:Вільгельм Рыхард Вагнер]]<br /> [[be-x-old:Рыхард Вагнэр]]<br /> [[bg:Рихард Вагнер]]<br /> [[bn:রিশার্ড ভাগনার]]<br /> [[br:Richard Wagner]]<br /> [[bs:Richard Wagner]]<br /> [[ca:Richard Wagner]]<br /> [[cs:Richard Wagner]]<br /> [[cv:Рихăрт Вакнĕр]]<br /> [[cy:Richard Wagner]]<br /> [[da:Richard Wagner]]<br /> [[el:Ρίχαρντ Βάγκνερ]]<br /> [[en:Richard Wagner]]<br /> [[eo:Richard Wagner]]<br /> [[es:Richard Wagner]]<br /> [[et:Richard Wagner]]<br /> [[eu:Richard Wagner]]<br /> [[fa:ریچارد واگنر]]<br /> [[fi:Richard Wagner]]<br /> [[fr:Richard Wagner]]<br /> [[fy:Richard Wagner]]<br /> [[ga:Richard Wagner]]<br /> [[gl:Richard Wagner]]<br /> [[gv:Richard Wagner]]<br /> [[he:ריכרד וגנר]]<br /> [[hr:Richard Wagner]]<br /> [[hu:Richard Wagner]]<br /> [[hy:Րիխարդ Վագներ]]<br /> [[id:Richard Wagner]]<br /> [[is:Richard Wagner]]<br /> [[it:Richard Wagner]]<br /> [[ja:リヒャルト・ワーグナー]]<br /> [[jv:Richard Wagner]]<br /> [[ka:რიხარდ ვაგნერი]]<br /> [[kk:Вагнер, Рихард]]<br /> [[ko:리하르트 바그너]]<br /> [[la:Wilhelmus Ricardus Wagner]]<br /> [[lb:Richard Wagner]]<br /> [[li:Richard Wagner]]<br /> [[lij:Richard Wagner]]<br /> [[lt:Richard Wagner]]<br /> [[lv:Rihards Vāgners]]<br /> [[mk:Рихард Вагнер]]<br /> [[ml:റിച്ചാര്‍ഡ് വാഗ്നര്‍]]<br /> [[mr:रिचर्ड वॅग्नर]]<br /> [[ms:Richard Wagner]]<br /> [[nah:Richard Wagner]]<br /> [[nl:Richard Wagner]]<br /> [[nn:Richard Wagner]]<br /> [[no:Richard Wagner]]<br /> [[os:Вагнер, Рихард]]<br /> [[pam:Richard Wagner]]<br /> [[pl:Richard Wagner]]<br /> [[pms:Richard Wagner]]<br /> [[pt:Richard Wagner]]<br /> [[qu:Richard Wagner]]<br /> [[ro:Richard Wagner]]<br /> [[ru:Вагнер, Рихард]]<br /> [[sco:Richard Wagner]]<br /> [[sh:Richard Wagner]]<br /> [[simple:Richard Wagner]]<br /> [[sk:Richard Wagner]]<br /> [[sl:Richard Wagner]]<br /> [[sq:Wilhelm Richard Wagner]]<br /> [[sr:Рихард Вагнер]]<br /> [[sv:Richard Wagner]]<br /> [[sw:Richard Wagner]]<br /> [[ta:ரிச்சார்ட் வாக்னர்]]<br /> [[th:ริชาร์ด วากเนอร์]]<br /> [[tl:Richard Wagner]]<br /> [[tr:Richard Wagner]]<br /> [[uk:Ріхард Вагнер]]<br /> [[uz:Richard Wagner]]<br /> [[vi:Richard Wagner]]<br /> [[vo:Richard Wagner]]<br /> [[yi:ריכארד וואגנער]]<br /> [[zh:理查德·瓦格纳]]<br /> [[zh-min-nan:Richard Wagner]]<br /> [[zh-yue:華格納]]</div> Pdiffenderfer